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Eventualvorsatz

Der Eventualvorsatz ist ein juristischer terminus technicus, der vor allem im Strafrecht gebraucht wird. Er wird auch als bedingter Vorsatz oder dolus eventualis bezeichnet. Auch für die zivilrechtliche Verantwortlichkeit genügt als Vorsatz der bedingte Vorsatz.

Der Eventualvorsatz liegt nach ganz herrschender Auffassung vor, wenn der Täter den Taterfolg als Folge seines Handelns für möglich hält und ihn zugleich billigend im Rechtssinne in Kauf nimmt und sich damit abfindet (Auffassung des Bundesgerichtshofs in ständiger Rechtsprechung).

Andere Auffassungen sehen den bedingten Vorsatz für gegeben,

  1. wenn der Täter den Taterfolg für rein möglich erachtet (Möglichkeitstheorie)
  2. wenn der Täter den Taterfolg nicht nur für möglich, sondern auch für wahrscheinlich erachtet (Wahrscheinlichkeitstheorie)
  3. wenn der Täter sich über das erlaubte Risiko hinaus zur Handlung entschließt (Risikotheorie); oder eine unabgeschirmte Gefahr für ein Rechtsgut schafft (Lehre von der unabgeschirmten Gefahr)
  4. wenn der Täter den Erfolg gleichgültig hinnimmt (Gleichgültigkeitstheorie)
  5. wenn der Täter den Taterfolg für möglich hält und nicht vermeiden will (Vermeidungstheorie)
  6. wenn der Täter den Taterfolg ernst nimmt und sich damit abfindet (Ernstnahmetheorie; vertreten u.a. von Kühl)
  7. wenn der Täter den Taterfolg ernstlich für möglich hält und sich damit abfindet (Österreich; Legaldefinition; vgl. § 5 Abs. 1 öStGB: "Vorsätzlich handelt, wer einen Sachverhalt verwirklichen will, der einem gesetzlichen Tatbild entspricht; dazu genügt es, daß der Täter diese Verwirklichung ernstlich für möglich hält und sich mit ihr abfindet.")

Der Eventualvorsatz spielt auch im BGB im Bereich der Anfechtung einer Willenserklärung wegen der Willensbeeinflussung durch arglistige Täuschung eine Rolle (§ 123 Abs. 1 BGB).

Literatur

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