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Ergativ

Der Ergativ ist ein Kasus in Ergativsprachen. Er markiert das Subjekt transitiver Sätze, also solcher, die auch ein direktes Objekt haben. Subjekte intransitiver Sätze, also objektloser Sätze, werden hingegen nicht mit dem Ergativ markiert. Dagegen wird in Ergativsprachen das direkte Objekt in transitiven Sätzen und das Subjekt in intransitiven Sätzen mit demselben Kasus, dem Absolutiv, markiert.

Bekannte Ergativsprachen sind z. B. das Baskische, Chantische, Georgische, Sumerische, Tibetische, Shipibo (in Peru) und Kalaallisut (in Grönland).

Viele indoiranische Sprachen haben in den Zeiten der Präsensgruppe die Konstruktion der Akkusativsprachen, in den Zeiten der Perfektgruppe dagegen Konstruktion der Ergativsprachen. Hierzu gehören Hindi, Urdu, Paschtu (in Afghanistan), Kurdisch.

Der Unterschied von Ergativsprachen gegenüber Akkusativsprachen besteht darin, dass Ergativsprachen die Funktionen des Subjekts mithilfe von Kasus differenzieren, also durch verschiedene Fälle zum Ausdruck bringen.

Vgl. folgende Beispiele:

  1. Herr Müller schreibt einen Brief.
  2. Herr Müller leidet unter Mobbing.
  3. Die Arbeitskollegen quälen Herrn Müller.
  4. Herr Müller wird von den Arbeitskollegen gequält.

In Beispiel (1) ist das „Subjekt“ Herr Müller tatsächlich der Agens, der Träger der Handlung „Briefschreiben“. In Beispiel (2) ist Herr Müller nicht so sehr Handlungsträger als vielmehr derjenige, der unter dem Vorgang „Mobbing“ leidet, also eigentlich Patiens. Damit nimmt Herr Müller in (2) dieselbe Funktion ein wie in (3) und in (4). Diese Funktionsidentität des Satzglieds Herr Müller bei (2), (3) und (4) wird in Ergativsprachen durch die Kasusidentität unterstrichen; es steht in allen drei Fällen ein unmarkierter Kasus (der in Ergativsprachen Absolutiv genannt wird). Dagegen haben die Arbeitskollegen in Satz (3) und (4) dieselbe Funktion inne, nämlich die des Handlungsträgers (Agens). Sie stehen deshalb nach der Logik der Ergativsprachen auch im selben Fall, dem „Ergativ“. Man vergleiche die Rollen von Ergativ und Kausativ, wobei letzterer aus der Modifikation des Verbs des Satzes entsteht.

Ein Beispiel aus dem Sumerischen verdeutlicht die Funktionsweise:

intransitiv --> Subjekt im Absolutiv
(5) Lugal muĝen.
König-Absolutiv er kam her
´Der König kam her.´


transitiv --> Subjekt im Ergativ, Objekt im Absolutiv
(6) Malaḫgal-e ma ingi.
Kapitän-Ergativ Schiff-Absolutiv er brachte es zurück
´Der Kapitän brachte das Schiff zurück.´

In einigen Ergativsprachen, z. B. in den eskimo-aleutischen Sprachen, ist der Ergativ mit dem Genitiv identisch (possessive Satzkonstruktion).

Das Chantische besitzt, zumindest im Vachdialekt, neben dem Ergativ auch noch Aktiv- und Passivkonstruktionen. Der Ergativ hat die Aufgabe, das Subjekt besonders hervorzuheben, um den individuellen Charakter zu betonen.[1]

Literatur

Einzelnachweise

  1. János Gulya: Aktiv, Ergativ und Passiv im Vach-Ostjakischen. in Wolfgang Schlachter (Hrsg.) Symposium über Syntax der uralischen Sprachen, Göttingen 1965, S. 80 ff.