Oskar Kaufmann
Heim

Oskar Kaufmann

Oskar Kaufmann (* 2. Februar 1873 in Újszentanna, Österreich-Ungarn (heute Sântana, Rumänien); † 6. September 1956 in Budapest) war ein ungarisch-jüdischer Architekt, dessen Schwerpunkt im Bereich des Theaterbaus lag.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Krolloper in Berlin, das dortige Hebbeltheater und das Renaissance-Theater, sowie das Stadttheater Bremerhaven, das Neue Stadttheater in Wien sowie das 'Habimeh-Theater in Tel Aviv.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Ausbildung

Kaufmann entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie in Ungarn. Nach dem Abitur in Arad ging er als Freiwilliger zu den Arader Husaren und begann nach dieser Zeit ein Studium der Architektur in Budapest. Möglicherweise führten Unstimmigkeiten mit den Eltern, die seinen Klavierstudien, die Kaufmann mit der Absicht Pianist zu werden, betrieb, ablehnten und die ihm daraufhin die finanzielle Unterstützung versagten, dazu, dass er 1895 Ungarn verließ und sein Architekturstudium an der Großherzoglichen Technischen Hochschule in Karlsruhe fortsetzte. In dieser Zeit verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit seinem Klavierspiel. Hierdurch kam er mit einer Reihe von Persönlichkeiten aus dem Kreis der Oper in Kontakt. Unter ihnen war auch der damalige Musikdirektor der Hofoper in Karlsruhe, der österreichische Komponist Felix Mottl, der Kaufmann als Pianisten aufrichtig schätzte. Wahrscheinlich haben diese Kontakte die architektonische Entwicklung von Kaufmann nachhaltig beeinflusst.

Zu seinen architektonischen Lehrern gehörten in Karlsruhe Josef Durm, Otto Warth, Carl Schäfer und Max Laeuger. Am 14. Dezember 1899 schloss Kaufmann sein Studium als Diplom-Ingenieur mit der Note gut ab.

In Karlsruhe hatte Kaufmann auch Emma Gönner, Tochter des damaligen Bürgermeisters von Baden-Baden Rudolf Gönner, kennengelernt, die er 1903 heiratete. Auf Wunsch seines Schwiegervaters konvertierte er aus diesem Anlass zu Christentum.

Die Jahre in Berlin bis zum Ersten Weltkrieg

In Berlin arbeitete Kaufmann in den Jahren von 1901 bis 1903 im Architekturbüro des bekannten Theaterarchitekten Bernhard Sehring, wo er am Bau des Stadttheaters in Bielefeld beteiligt war, ohne sich aber bei seinen eigenen Arbeiten an dess Stikl zu orientieren. Vielmehr beeinflusste ihn das Werk Hermann Billings, der zwar seit 1892 in Karlsruhe als Architekt tätig war, den Kaufmann aber nicht persönlich kennengelernt hatte. Auch die Arbeiten von Alfred Messel waren für seinen späteren Stil prägend.

Die Phase der Etablierung

Im Anschluss an seine Arbeit bei Sehring gründete Kaufmann ein eigenes Architekturbüro, dass sich bis 1908 in der Luitpoldstraße 20 in Schöneberg befand und danach in eine repräsentativere Gegend, die Neue Ansbacher Straße 9 in Charlottenburg umzog. In den Jahren von 1905 bis 1907 an einigen kleineren Projekten beteiligt, so beispielsweise einem Geschäftshaus in der Ritterstraße in Berlin, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Zu diesen gehörte auch die Ausstattung eines Schlafzimmers für eine Ausstellung die Firma Wertheim, die ihn in Kontakt mit dem Theaterunternehmer und Regisseur Eugen Robert brachte. Dieser plante die Errichtung eines neuen Theaters und beauftragte Kaufmann damit, wobei seine Erfahrung mit dem Bau des Bielefelder Stadttheaters für Sehring wohl eher ins Gewicht fiel. Mit der Fertigstellung und Eröffnung des Hebbel-Theaters im Jahr 1908 wurde Kaufmann öffentlich bekannt. Allerdings musste er sich erst einmal etablieren. So wurde er für den eingeschränkten Wettbewerb für den Neubau des Stadttheaters in Bremerhaven zuerst nicht eingeladen, sondern nur Max Littmann, William Müller und Martin Dülfer. Erst nach der Absage Littmanns forderte man auch von ihm einen Entwurf ein.

Ausschlaggebend mag hierfür auch die Tatsache gewesen sein, dass Kaufmann kurz zuvor eine Ausschreibung für ein in Charlottenburg neu zu errichtendes Operngebäude gewonnen hatte und der Jury bekannte Persönlichkeiten wie Max Liebermann und Otto March angehört hatten. Allerdings wurde der Bau nie realisiert. Dennoch hatte sich Kaufmann mit den beiden realisierten Vorhaben als Theaterarchitekt einen Namen gemacht. So erklärt es sich auch, dass die Tatsache, dass er aus formalen Gründen an dem dritten Wettbewerb zum Neubau eines Königlichen Opernhauses in Berlin nicht zugelassen war - Kaufmann behielt während seiner 30-jährigen Schaffenszeit in Deutschland seine ursprüngliche Staatsangehörigkeit bei, und neben den eingeladenen Architekten waren nur Mitglieder des Verbandes deutscher Architekten und Ingenieure oder des Bundes deutscher Architekten zugelassen - in der Presse und der Fachwelt auf Unverständnis stießen.

Weitere Theaterbauten aus der Zeit sind das Neue Wiener Stadttheater im 8. Bezirk, dass sich zwischen Laudongasse, Skodagasse und Daungasse befand und von dem nur noch das rückwärtige Wohngebäude erhalten ist und das Gebäude der Freien Volksbühne in Berlin, dass stark veränderter Form erhalten ist. Beide Bauten wurden in den Jahren von 1913 bis 1914 fertig gestellt.

Neben seinen Theaterbauten war Kaufmann auch als Innenarchitekt tätig, wobei viele seiner Auftraggeber aus der Literatenszene oder der Opernwelt stammten, unter ihnen so prominente Personen wie der Verleger Siegfried Jacobsohn, der Komponist Victor Hollaender und der Eigentümer und Geschäftsführer der Berliner Philharmonie Peter Landecker.

Die Zusammenarbeit mit Eugen Stolzer

Beim Bau des Stadttheaters in Bremerhaven hatte Kaufmann bereits den jungen ungarischen Architekten Eugen Stolzer kennengelernt. Dieser hatte von 1904 bis 1908 an der Technischen Hochschule in München studiert, 1909 den ungarischen Staatspreis für Architektur und ein Kurzstipendium an der Pariser École des Beaux-Arts gewonnen und hatte in den Jahren von 1910 bis 1912 als Mitarbeiter des Architekten Heinrich Straumer die Gartenstadt Frohnau mitgeplant, an deren Ausführung er ebenfalls beteiligt war. Ab 1916 wurde er gleichberechtigter Partner von Oskar Kaufmann, für den er vorher schon eine Reihe von Entwürfen gemacht hatte. Viele Arbeiten konzipierten die beiden zusammen, so dass bei einer Reihe von Bauvorhaben die individuellen Anteile nicht zu trennen sind.

Der Erste Weltkrieg und die 20er Jahre

Zwar wurde Kaufmann auf Grund seiner Staatsbürgerschaft nicht zum Kriegsdienst eingezogen und konnte sein Architekturbüro weiter führen, aber dennoch machte sich die kriegsbedingte Verschlechterung der Auftragslage bemerkbar. Aus diesen Jahren stammt ein nie realisierter Entwurf für ein Baletttheater für den damaligen Leiter der Freien Volksbühne, Max Reinhardt, von dem allerdings nicht klar ist, ob es sich um einen realen Entwurf oder ein reines Phantasiegebäude handelt. Des weiteren war Kaufmann weiterhin für private Auftraggeber tätig.

In den zwanziger Jahren blieb Kaufmann weiterhin für private Auftraggeber tätig und realisierte ein Reihe von Villen in und um Berlin. Zu den Aufsehen erregendsten gehören hierbei die Villa einer jungen Dame (1922/23) in Berlin-Schmargendorf, die in wesentlich veränderter Form noch vorhanden ist, und die Villa Konschewski in Berlin-Grunewald, die zwar vom Auftraggeber nie bezogen, sondern auf Grund von finanziellen Schwierigkeiten in Einzelwohnungen aufgeteilt wurde, aber so ebenfalls in veränderter Form erhalten blieb.

Von den Theaterbauten aus dieser Zeit sind das Theater am Kurfürstendamm, die ebenfalls dort gelegene Komödie und das Renaissance-Theater erhalten. Das bedeutendste Gebäude aus der Zeit aber blieb der Bau der Kroll-Oper, mit der Kaufmann sich von 1920, dem Datum des ersten Entwurfs, bis zu Jahr 1929, in dem die Gärten abgeschlossen wurden, beschäftigte.

Die Krise am Ende der 20er Jahre und die Emigration

Die Weltwirtschaftskrise am Ende der 20er Jahre brachte Kaufmann zwar auf Grund seiner noch vorhandenen Aufträge für Um- und Erweiterungsbauten nicht in eine solche katastrophale Lage wie viele seiner Berufsgenossen, dennoch gingen auch seine Aufträge spürbar zurück. Mit der Machtergreifung der NSDAP sollte sich das für Kaufmann nicht ändern, im Gegenteil, die Lage verschlechterte sich spürbar. In dieser Situation ging sein Partner Eugen Stolzer bereits im Mai 1933 nach Palästina ins Exil; Kaufmann folgte ihm im September des selben Jahres nach.

Die Wahl fiel auch deswegen auf Palästina, weil das Habimah-Ensemble aus Moskau, dass sich 1932 fest in Tel Aviv nieder gelassen hatte, dort ein Theater bauen wollte. Ursprünglich war das Projekt an den Berliner Architekten Erich Mendelsohn vergeben worden, der allerdings - nach Einschätzung seiner Auftraggeber - zu wenig Interesse an dem Auftrag bekundete. Daher wandte sich das Ensemble an Kaufmann, der den Auftrag annahm. Im Oktober 1933 erreichte Kaufmann mit seiner Familie Palästina.

Neben dem Habimah-Theater errichtete Kaufmann ein Kino für die Gewerkschaft Histradut in Haifa, sowie eine Reihe von Wohnhäusern für private Auftraggeber. Dennoch gelang es ihm nicht, an seine Berliner Erfolge anzuknüpfen. Zwar war sein Ruf als Architekt ungeschmälert, aber die wirtschaftliche Lage in Palästina sorgte dafür, dass er nach 1937 keine Aufträge mehr bekam.

Rückkehr nach Europa

In dieser Situation entschloss Kaufmann sich 1939 nach Europa zurück zu kehren. Freunde ermöglichten ihm die Reise, aber der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verhinderte seine Einreise nach England. Gleichzeitig machten die restriktiven Einwanderungsgesetze Englands es ihm unmöglich, nach Palästina zurück zu kehren. In den Jahren danach bis zum September 1940 hielt er sich in Bukarest auf. Der steigende Druck auf die jüdische Bevölkerung unter dem faschistischen Regime von Ion Antonescu zwangen ihn nach Ungarn. Dort war die Situation für jüdische Flüchtlinge zwar vergleichsweise besser, als in den umliegenden Staaten, dennoch überlebte seine Frau die Jahre nicht und starb 1942. Oskar Kaufmann überlebte die ab Mai 1944 einsetzenden Deportationen, allerdings war er ohne Einkommen und somit mittellos auf die Unterstützung von Freunden angewiesen. Seine finanzielle Situation besserte sich nach dem Ende des Krieges wenig.

Die letzten Jahre

1947 beschloss die ungarische Regierung unter Präsident Zoltán Tildy, dass 25 Künstlern, die das Alter von 60 Jahren überschritten hatten und denen auch der mittlerweile 74jährige Oskar Kaufmann war, rückwirkend ab dem 1. August 1946 eine staatliche Rente erhalten sollten. Auch konnte Kaufmann seine Arbeit - allerdings für das staatliche Budapester Entwurfsbüro für Städtebau (BUVATI) - ab Januar 1949 wieder aufnehmen.

Bis zu seinem Tode im Jahr 1956 realisierte er noch den Umbau der ungarischen Staatsoper sowie den Umbau des Erkel-Theaters. Die Fertigstellung seines letzter Auftrags, den Neubau des Madách-Theaters erlebte Kaufmann, der kurz nach Beginn der Bauausführung, die sich um vier Jahre verzögert hatte, im Alter von 79 Jahren starb, nicht mehr.

Literatur

 Commons: Oskar Kaufmann – Bilder, Videos und Audiodateien
Personendaten
Kaufmann, Oskar
ungarischer Architekt
2. Februar 1873
Újszentanna, Österreich-Ungarn, heute Sântana, Rumänien
6. September 1956
Budapest