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Sevilla

Dieser Artikel behandelt die spanische Stadt Sevilla. Für andere Bedeutungen siehe Sevilla (Begriffsklärung).
Sevilla
Basisdaten
Staat: Spanien
Region: Andalusien
Provinz: Sevilla
Geographische Lage: 37° 23′ N, 05° 59′ W Koordinaten: 37° 23′ N, 05° 59′ W
Einwohner: 704.414 (2008)
Fläche: 141,31 km²
Höhe: 12 m ü. NN
Postleitzahl: 410**
Bürgermeister: Alfredo Sánchez Monteseirín (PSOE)
Telefonvorwahl: (+34) 95*
Kfz-Kennzeichen: SE
Nächster Flughafen: Flughafen Sevilla
Website der Stadt Sevilla

Sevilla ist eine Stadt in Südspanien. Sie ist die Hauptstadt der Autonomen Region Andalusien und der Provinz Sevilla. Nach einer späten Legende wurde die Stadt von dem griechischen Helden Herakles gegründet. Die Einwohner der Stadt werden als Sevillanos bezeichnet.

Die Stadt ist ein Industrie- und Handelsplatz ersten Ranges und wichtiges Touristenzentrum. Sevilla liegt zu beiden Seiten des bis hierhin schiffbaren Guadalquivir, in einer weiten, fruchtbaren und wohlangebauten Ebene. Mit ihren zahlreichen Türmen bietet Sevilla von allen Seiten einen imposanten Anblick. Die eigentliche Stadt nimmt das östliche Ufer des Guadalquivir ein und ist von den Vorstädten Los Humeros, Cesteria, Baratillo, Carreteria, Resolana mit dem großen Hospital La Caridad, San Bernardo, San Roque y la Calzada und Macarena mit dem Hospital de la Sangre umgeben. Von der alten, mit 66 Türmen versehenen Ringmauer, die die innere Stadt umgab, sind nur noch Reste vorhanden. Am linken Ufer des Flusses breitet sich noch die große Vorstadt Triana aus. Sevilla ist die viertgrößte Stadt Spaniens.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Klima

Das Klima in Sevilla ist mediterran mit ozeanischen Einflüssen. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 18,6 °C. Damit ist die Stadt eine der heißesten in ganz Europa. Die Winter sind mild. Der Januar ist mit einer mittleren Temperatur von 15,9 °C am Tag und 5,2 °C in der Nacht der kälteste Monat des Jahres. Die Sommer dagegen sind sehr heiß mit Temperaturen 35,3 ºC/19,4 ºC. Die Schwelle von 40 ºC wird jährlich an verschiedenen Orten überschritten. Die bisher extremsten Temperaturen, welche an der meteorologischen Station am Flughafen Sevilla gemessen wurden, sind -5,5 °C am 12. Februar 1956 sowie 46,6 ºC am 23. Juli 1995. Es gibt noch eine unbestätigte Rekordmessung vom 1. August 2003 von 47,2 ºC. Dies wäre die höchste jemals gemessene Temperatur in ganz Europa.

Die Niederschlagsmenge schwankt zwischen 600 und 800 mm im Jahr, konzentriert auf die Monate von Oktober bis April. Der Dezember ist mit 95 mm der niederschlagsreichste Monat.

Es gibt im Jahresmittel 52 Regentage sowie 2898 Sonnenstunden. An einigen Tagen kann die Temperatur in der Nacht sogar unter den Gefrierpunkt sinken.

Observatorium am Flughafen Sevilla
1971-2000 Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez TOTAL
max. Temp. (ºC) 15,9 17,9 21,2 22,7 26,4 31,0 35,3 35,0 31,6 25,6 20,1 16,6 24,9
min. Temp. (ºC) 5,2 6,7 8,2 10,1 13,1 16,7 19,4 19,5 17,5 13,5 9,3 6,9 12,2
Niederschläge (mm) 65 54 38 57 34 13 2 6 23 62 84 95 534


Geschichte

Antike

Sevilla - vielleicht eine Gründung der Phöniker - war bereits vor der Ankunft der Römer ein wichtiges Handelszentrum und hieß im Altertum Hispalis; Gaius Iulius Caesar erhob die Stadt 45 v. Chr. zur colonia (als Colonia Romulensis oder Colonia Iulia Romula). Hispalis war eine der bedeutendsten Siedlungen in der Provinz Baetica und wurde mehrfach von Kaisern besucht; doch 428 wurde die Stadt von den durchziehenden Vandalen geplündert. Als während der Spätantike die Westgoten den größten Teil von Spanien beherrschten, spielte Hispalis/Sevilla eine wichtige Rolle als Bischofssitz; 553 wurde die Stadt offenbar zeitweilig von den oströmischen Truppen des Kaisers Justinian I. erobert, war aber spätestens um 580 wieder unter Kontrolle der Westgoten. In dieser Zeit wirkte auch Isidor von Sevilla, der vielfach als der letzte große Gelehrte der Antike und zugleich der erste des Mittelalters gilt. In Sevilla wurden 590 und 619 zwei Konzile (concilia Hispalensia) gehalten.

Islamische Zeit

Die islamischen Mauren eroberten die Stadt 712, ein Jahr nach der entscheidenden Niederlage der Westgoten, und machten sie zur Hauptstadt einer Provinz Išbīliya (إشبيلية), woraus sich der Name Sevilla ableitet. Im Jahr 844 wurde die Stadt von den Normannen zerstört. Nach dem Sturz des Kalifats von Córdoba etablierte sich in Sevilla mit Abbad I. die Taifendynastie der Abbadiden, die die Stadt in ihre erste Glanzperiode führten. 1091 kam sie in den Besitz der berberischen Almoraviden, die 1147 von den Almohaden abgelöst wurden.

Reconquista und Spätmittelalter

Am 23. November 1248 [2] wurde Sevilla nach mehrmonatiger Belagerung von Ferdinand III. von Kastilien erobert und blieb seitdem im Besitz der christlichen Spanier. Doch sank die Wirtschaftskraft, als mit der Zeit ca. 300.000 Mauren in die muslimischen Gebiete nach Granada und Nordafrika auswanderten. Peter I. ließ 1363 maurische Handwerker aus Granada kommen, die den Alcázar-Palast erbauten. 1391 wütete ein Pogrom gegen die jüdischen Stadtbewohner, die bis dahin unter königlichem Schutz stehend im Viertel Barrio de Santa Cruz in Nachbarschaft zum Alcázar-Palast lebten.

Handel mit der neuen Welt

Internationale wirtschaftliche Bedeutung erhielt die Stadt im 16. und 17. Jahrhundert, als sie Hauptumschlagplatz des spanischen Seehandels und Zentrum der spanischen Kunst, namentlich der Malerei, war. Amerigo Vespucci und Ferdinand Magellan planten und starteten hier ihre Entdeckungsreisen.

Das transatlantische Handelsmonopol verlor Sevilla 1717 durch das Emporkommen des von den Bourbonen begünstigten Cádiz. Dazu trug maßgeblich auch die zunehmende Versandung des Guadalquivir bei.

19. Jahrhundert

In Sevilla bildete sich am 27. Mai 1808 die spanische Zentraljunta, die sich am 1. Februar 1810 nach Cádiz zurückzog. Auch die Cortes flüchteten in der Spanischen Revolution, als sie 1823 Madrid verließen, hierher und entführten den König von hier nach Cádiz.

Expo´92

Sevilla war Gastgeber der Weltausstellung (Expo) 1992. Diese hinterließ eine hohe Verschuldung, und viele Bauten wurden hinterher wieder abgerissen. Die Infrastruktur wurde aber wesentlich verbessert. So erhielt die Stadt eine Bahntrasse für Hochgeschwindigkeitszüge und einen internationalen Flughafen. Ebenso wurden in der Region Autobahnen gebaut, unter anderem nach Huelva und Cadiz.

Stadtemblem

Die Stadtflagge von Sevilla trägt wie auch das Wappen den Text NO 8 DO, wobei die Ziffer 8 ein (Woll-)Knäuel (span. madeja) symbolisieren soll. Der Text findet sich überall in Sevilla an Gebäuden, Laternen und Polizeifahrzeugen, und ersetzt damit praktisch das Stadtwappen oder den Schriftzug Sevilla vollständig.

Zu lesen ist er als NO-MADEJA-DO (No me ha dejado), in etwa zu übersetzen mit Sie hat mich nicht verlassen. Dieses Wortspiel geht auf Alfons X. zurück, welcher sich damit für die Treue der Stadt Sevilla bedankte, in der er nach seiner Entthronung bis zu seinem Tod im Exil lebte.

siehe auch: es:NO8DO

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Altstadt wird von einem Labyrinth enger Gassen dominiert. Als größere, regelmäßige Plätze sind erwähnenswert: die Plaza de San Francisco oder der Konstitutionsplatz, der hinter demselben angelegte Platz mit Prachtbauten, die Plaza del Duque mit schöner Promenade, die Plaza de la Encarnación, der Museumsplatz mit Bronzestatue Murillos und der Quemadero, wo die Autodafés stattfanden. Die belebteste Straße ist die schlangenartig gewundene Calle de Sierpes. Unter den Häusern sind zahlreiche palastartige, meist im altrömischen Stil erbaute, mit schönen marmorgetäfelten Höfen; im übrigen herrscht in der Altstadt die orientalische Bauart vor. Insofern weisen die Gebäude fast durchgängig Flachdächer auf und sind dabei selten höher als zwei Stockwerke. Die Vorstadt Triana ist seit 1852 durch eine eiserne Brücke mit der eigentlichen Stadt verbunden. Sevilla hat zahlreiche öffentliche Brunnen, die vorwiegend durch den unter dem Namen Canos de Carmona bekannten, aus 410 Bogen bestehenden antiken Aquädukt (von Julius Caesar erbaut) mit Wasser versorgt werden, und mehr als 130 Kirchen. Unweit der Kathedrale befindet sich das Museo del Baile Flamenco, das erste und einzige Flamencomuseum der Welt. Es zählt zu den sehenswertesten Museen in Sevilla.

Bauwerke

Unter den Gebäuden ist zunächst die Kathedrale Maria de la Sede hervorzuheben. Sie ist die größte gotische Kathedrale (und nach dem Petersdom in Rom und der St. Paul's Cathedral in London die drittgrößte Kirche) der Welt und eine der schönsten gotischen Kirchen. 1401–1519 wurde sie an der Stelle einer ehemaligen Moschee erbaut. Sie hat fünf Schiffe, zahlreiche mit Kunstschätzen (Gemälde von Murillo, Velázquez, Zurbarán etc.) geschmückte Seitenkapellen, herrliche Glasmalereien, eine Riesenorgel und viele Grabmäler gekrönter und historischer Persönlichkeiten vorzuweisen. Daneben steht die so genannte Giralda, ein 97 m hoher viereckiger Glockenturm mit reichen, in gebrannten Steinen ausgeführten Ornamentmustern und 22 harmonisch gestimmten Glocken. Nebst dem so genannten Orangenhof sind das die einzigen Überbleibsel der ehemaligen Moschee. Die Giralda wurde 1196 von Abu Iussuf Iakub mit einer Höhe von 82 m erbaut, der 32 m hohe Aufsatz in durchbrochener Arbeit kam 1568 hinzu.

Ferner verdienen folgende Bauten Erwähnung: Der Alcázar oder maurische Palast mit prächtigen Sälen und Hallen sowie großen Gärten, die von Herrera erbaute Börse mit dem berühmten Archivo General de Indias, das von Christoph Kolumbus' Sohn gegründete Colegio de San Telmo (ehemals Marineschule, jetzt Wohnung des Herzogs von Montpensier, mit vielen Kunstschätzen), die Casa de Pilatos, der Torre del Oro („Goldturm“), ein zwölfeckiger Turm am Guadalquivir (Sitz der Hafenkapitänschaft), das oben erwähnte Hospital de la Sangre mit schöner Front, das von Murillo gestiftete und mit seinen Meisterwerken geschmückte Hospital de Caridad, das Teatro de San Francisco und der erzbischöfliche Palast. Der Stierkampfplatz ist ein ovales Amphitheater, welches 18.000 Menschen fasst und nach der Madrider Stierkampfarena in Las Ventas die größte Arena in Spanien ist.

Die Ibero-Amerikanische Ausstellung von 1929 hinterließ der Stadt vor allem den neu gestalteten Parque María Luisa mit der vom Architekten Aníbal González Osorio entworfenen Plaza de España und der Plaza de América.

Anlässlich der Expo`92 wurden neue Brücken über den Guadalquivir errichtet. Dies waren unter anderem die Alamillo-Brücke des spanischen Architekten Santiago Calatrava sowie die Barqueta-Brücke der spanischen Bauingenieure Juan J. Arenas de Pablo und Marcos J. Pantaleón Prieto.

Musik und Feste

Sevilla wird allgemein als Wiege des Flamenco bezeichnet.

Die wichtigsten Feste, die jeweils für eine Woche das Leben der Stadt bestimmen, sind die Semana Santa (Karwoche) und die Feria de Sevilla.

Sevilla kulinarisch

Sevilla ist Ursprungsort der Tapas, kleiner Spezialitäten, die meistens zu einem Drink genommen werden und für die es keine bestimmte Tageszeit gibt. Sie bestehen hauptsächlich aus Fisch- und Fleischspezialitäten, beinhalten aber auch Salate und Hülsenfrüchte. Jede Bar hat ihre eigene Liste mit Tapas, so dass jeder Geschmack sicher irgendwo bedient wird.

Süße Spezialitäten aus Sevilla sind z.B. Pestiños, Cortadillos, Tortas de Aceite, Torrijas. Fast alle diese Spezialitäten finden ihren Ursprung in maurischen Rezepturen.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Industrie

In Sevilla sitzt das Getriebewerk von Renault, vormals FASA-Renault. Weiterhin unterhält EADS (ehemals EADS-C.A.S.A) einen wichtigen Produktionsstandort in Sevilla.

Bildung

Sevilla besitzt zwei öffentliche Universitäten: Die Universität Sevilla (Universidad de Sevilla), die zweitgrößte Universität Spaniens, und die Universität Pablo de Olavide.

Der Renaissancebau des „Archivo General de Indias“ gegenüber der Kathedrale beherbergt seit 1784 sämtliche Dokumente der spanischen Kolonien, darunter die Nachlässe der Entdecker und Eroberer wie Kolumbus und Cortez.

Söhne und Töchter der Stadt

Städtepartnerschaften

Trivia

Außerdem ist Sevilla der Schauplatz von zahlreichen berühmten Opern. Georges BizetsCarmen“, Gioacchino RossinisBarbier von Sevilla“, Wolfgang Amadeus MozartsDon Giovanni“ und „Die Hochzeit des Figaro“ spielen in der Stadt, um nur eine Auswahl zu nennen.

Bekannte Fußballmannschaften sind die in der Primera División spielenden FC Sevilla und Betis Sevilla.

Die Handlung des Films Mission Impossible II beginnt in Sevilla.

Im Film Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger dient die (computergenerierte) Plaza de España in einer Szene mit Anakin (Hayden Christensen) und Padme (Natalie Portman) als Kulisse eines Ortes auf Naboo.


 Commons: Sevilla – Bilder, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Geoklima 2.1
  2. Enciclopedia Heraldica Y Genealogica