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Te Deum

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Te Deum (Begriffsklärung) aufgeführt.

Te Deum (von lat.: Te Deum laudamus, Dich, Gott, loben wir) ist der Anfang eines feierlichen, lateinischen Lob-, Dank- und Bittgesangs der römisch-katholischen Kirche. Der Hymnus besteht aus ungebundenen Versen verschiedener Länge.

Es wurde ursprünglich mit Ausnahme der Advents- und Fastenzeit an Sonn- und Festtagen, während der ganzen Osteroktav, am Ende des Matutin-Gottesdienstes (heute Lesehore), bei Prozessionen und bei Priesterweihen verwendet. Darüber hinaus erklingt es auch in Gottesdiensten, in denen zur Danksagung Anlass gegeben ist. So ist es früher auch häufig nach Königs- und Kaiserkrönungen erklungen und wird auch heute noch von den Kardinälen nach der Papstwahl gesungen. Die Glocken von Kirchen sind häufig in den Anfangstönen (e - g - a) des gregorianischen Te Deum gestimmt. Liveübertragungen der European Broadcasting Union werden mit dem Beginn der Einleitung zum Te Deum des französischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier eingeleitet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Te Deum wird auch als Ambrosianischer Lobgesang bezeichnet. Nach der Legende sollen die beiden vom Heiligen Geist Ergriffenen Augustinus und Ambrosius von Mailand gemeinsam diesen Gesang komponiert haben. Als Augustinus als Erwachsener zu Ostern 387 das Sakrament der Taufe empfing, soll Ambrosius diesen Hymnus angestimmt haben. Augustinus soll versweise darauf geantwortet haben.

Entstehung datiert vermutlich auf die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts. Die heutige Form ist erstmals im Antiphonarium Benchorense von Bangor (Nordirland um 690) überliefert. In neuerer Zeit wird auch Niketas, Bischof von Remesina (um 400) als Verfasser vermutet. Seit dem 9. Jahrhundert sind auch Übersetzungen nachgewiesen.

Als Elisabeth von Thüringen im Spätherbst 1227 die Wartburg verließ, ließ sie ein Te Deum singen.

Martin Luther hat das Te Deum neben dem Credo ("Ich glaube" - Anfang des Apostolischen beziehungsweise des parallel entwickelten Nizäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses) und dem Quicumque ("Wer da selig werden will" - Anfang des Athanasischen Glaubensbekenntnisses) als das dritte Glaubensbekenntnis bezeichnet. Er übertrug 1529 den Text ins Deutsche ("Herr Gott, Dich loben wir") und vereinfachte die überlieferte gregorianische Melodie.

1771 wurde das Te Deum von Ignaz Franz nachgedichtet (siehe unten, "Großer Gott, wir loben dich", Musik Wien, 1774).

Das Te Deum wurde in zunehmendem Maße von der Politik vereinnahmt. Schließlich galt es nicht mehr allein der Ehre Gottes, sondern mehr dem Ruhme eines Herrschers, oder der Hymnus erklang anlässlich von Friedens- oder Siegesfeiern.

1950 wurde das Te Deum von Romano Guardini durch eine maßgebliche Übersetzung erneut ins Deutsche übertragen (siehe unten). Der Dramatiker Robert Hohlbaum hat eines seiner Werke (1950) Tedeum genannt.

Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil wurde in der katholischen Kirche der lateinische Text gepflegt, er wird aber auch heute noch gelegentlich, zum Beispiel nach einer Papstwahl, gebetet oder gesungen. Darüber hinaus gibt es viele, in den meisten Fällen lateinische Vertonungen, die weltweit im Rahmen von Konzerten vorgetragen werden.

Musik

In der Gregorianik sind mehrere Melodien des Te Deum überliefert, darunter auch im feierlicheren Tonus Sollemnis und vereinfacht im Tonus Simplex. Diese Gesänge beginnen alle mit der Tonfolge e - g - a und sind weitgehend im dritten Modus notiert. Im Mittelteil und am Schluss treten jedoch auch einige Verse im verwandten vierten Modus auf, bei dem die Melodie auch unter den Anfangs- und Schlusston e fällt.

Aufnahme:
Gregorianisches Te Deum im Tonus Sollemnis

Die frühesten mehrstimmigen Fassungen stammen aus dem 13. Jahrhundert, spätere aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Sie wurden im Wechsel zwischen Gemeinde und Chor gesungen. Allen diesen Stücken lag die ursprüngliche Choralmelodie als Cantus Firmus zugrunde. Berühmte Komponisten aus allen Zeiten haben das Te Deum vertont:

Renaissance

Barock

Zeit der Wiener Klassik

Romantik

Aus "Quattro Pezzi Sacri". Laut Verdi als Danksagung an das Publikum wegen seiner Abstinenz als Opernkomponist gedacht. Die Uraufführung fand im Jahre 1892 im Pariser Opernhaus statt. Somit erfolgte mit dieser Komposition die endgültige Einführung des Te Deum als eigens für den Konzertsaal bestimmtes Stück, abseits aller Bindungen an die kirchliche Liturgie.

20. Jahrhundert

21. Jahrhundert

Zur Einweihung der rekonstruierten Frauenkirche (Dresden) komponiert. Uraufführung durch den Rundfunkchor Berlin in Dresden.

Deutscher Text des Te Deum

(Übersetzung nach Romano Guardini, 1950)

(1. Die Schöpfung preist den dreifaltigen Gott)

Dich, Gott, loben wir, dich, Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle, dir Himmel und Mächte insgesamt,
die Kerubim dir und die Serafim mit niemals endender Stimme zu:
Heilig,
heilig,
heilig der Herr, der Gott der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde von deiner hohen Herrlichkeit.

(2. Die Kirche preist den dreifaltigen Gott)

Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
dich der Propheten lobwürdige Zahl;
dich der Märtyrer leuchtendes Heer;
dich preist über das Erdenrund die heilige Kirche;
dich, den Vater unermeßbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;
und den Heiligen Fürsprecher Geist.

(3. Lobpreis Jesu Christi)

Du König der Herrlichkeit, Christus.
Du bist des Vaters allewiger Sohn.
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht, bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel und denen, die glauben, die Reiche der Himmel aufgetan.

Du sitzest zur Rechten Gottes in deines Vaters Herrlichkeit.
Als Richter, so glauben wir, kehrst du einst wieder.
Dich bitten wir denn, komm deinen Dienern zu Hilfe, die du erlöst mit kostbarem Blut.
In der ewigen Herrlichkeit zähle uns deinen Heiligen zu.

(4. Bitten)

Rette dein Volk, o Herr, und segne dein Erbe;
und führe sie und erhebe sie bis in Ewigkeit.
An jedem Tag benedeien wir dich
und loben in Ewigkeit deinen Namen, ja, in der ewigen Ewigkeit.
In Gnaden wollest du, Herr, an diesem Tag uns ohne Schuld bewahren.

Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser.
Laß über uns dein Erbarmen geschehn, wie wir gehofft auf dich.
Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.

(siehe Gotteslob (gemeinsames kath. Liederbuch im deutschsprachigen Raum) Nr. 709)

Lateinischer Originaltext

 Te Deum - Tonus Sollemnis (Datei, ?)

Te Deum laudamus. Te Dominum confitemur.
Te aeternum patrem omnis terra veneratur.
Tibi omnes Angeli, tibi caeli et universae potestates:
Tibi cherubim et seraphim incessabili voce proclamant:
Sanctus:
Sanctus:
Sanctus Dominus Deus Sabaoth.
Pleni sunt caeli et terra maiestatis gloriae tuae.

Te gloriosus Apostolorum chorus:
Te prophetarum laudabilis numerus:
Te martyrum candidatus laudat exercitus.
Te per orbem terrarum sancta confitetur Ecclesia:
Patrem immensae maiestatis:
Venerandum tuum verum, et unicum Filium:
Sanctum quoque Paraclitum Spiritum.

Tu Rex gloriae, Christe.
Tu Patris sempiternus es Filius.
Tu ad liberandum suscepturus hominem, non horruisti Virginis uterum.
Tu devicto mortis aculeo, aperuisti credentibus regna caelorum.

Tu ad dexteram Dei sedes, in gloria Patris.
Iudex crederis esse venturus.
Te ergo quaesumus, tuis famulis subveni, quos pretioso sanguine redemisti.
Aeterna fac cum sanctis tuis in gloria numerari.

Salvum fac populum tuum Domine, et benedic haereditati tuae.
Et rege eos, et extolle illos usque in aeternum.
Per singulos dies, benedicimus te.
Et laudamus nomen tuum in saeculum, et in saeculum saeculi.
Dignare Domine, die isto sine peccato nos custodire.

Miserere nostri, Domine, miserere nostri.
Fiat misericordia tua Domine, super nos, quemadmodum speravimus in te.
In te, Domine, speravi: non confundar in aeternum.

Älterer deutscher Text

Aufnahme: Großer Gott wir loben Dich

(Übersetzung nach Ignaz Franz, 1771)

1. Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

2. Alles, was dich preisen kann, Kerubim und Serafinen
stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen,
rufen dir stets ohne Ruh': Heilig, heilig, heilig! zu.

3. Heilig, Herr Gott Zebaoth, heilig, Herr der Himmelsheere,
starker Helfer in der Not ! Himmel, Erde, Luft und Meere
sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.

4. Der Apostel heil'ger Chor, der Propheten hehre Menge,
schickt zu deinem Thron empor neue Lob- und Dankgesänge;
der Blutzeugen lichte Schar lobt und preist dich immerdar.

5. Dich Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine.
Deinem eingeborenen Sohn singt die heilige Gemeinde,
und sie ehrt den Heil'gen Geist, der uns seinen Trost erweist.

6. Du, des Vaters ew'ger Sohn, hast die Menschheit angenommen,
bist vom hohen Himmelsthron zu uns auf die Welt gekommen,
hast uns Gottes Gnad' gebracht, von der Sünd' uns frei gemacht.

7. Durch dich steht das Himmelstor allen, welche glauben offen.
Du stellst uns dem Vater vor, wenn wir kindlich auf dich hoffen;
du wirst kommen zum Gericht, wenn der letzte Tag anbricht.

8. Herr steh' deinen Dienern bei, welche dich in Demut bitten.
Kauftest durch dein Blut uns frei, hast den Tod für uns gelitten;
nimm uns nach vollbrachtem Lauf zu dir in den Himmel auf.

9. Sieh dein Volk in Gnaden an, hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;
leit' es auf der rechten Bahn, dass der Feind es nicht verderbe.
Führe es durch diese Zeit, nimm es auf in Ewigkeit.

10. Alle Tage wollen wir dich und deinen Namen preisen
und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen.
Rett' aus Sünden, rett' aus Tod, sei uns gnädig, Herre Gott.

11. Herr, erbarm, erbarme dich; auf uns komme, Herr, dein Segen;
leit' und schütz' uns väterlich, bleib' bei uns auf allen Wegen !
Auf dich hoffen wir allein; lass uns nicht verloren sein.

(siehe Gotteslob (gemeinsames kath. Liederbuch im deutschsprachigen Raum) Nr. 257)

Siehe auch

 Wikisource: Te Deum – Quellentexte

Literatur