Marina Militare
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Marina Militare

Die italienische Marine (Marina Militare [Italiana]) ist eine der vier italienischen Teilstreitkräfte und untersteht dem Admiralstab (Stato Maggiore Marina - SMM) im Verteidigungsministerium in Rom. Diesem Stab ist der Generalstab der Streitkräfte (Stato Maggiore Difesa - SMD) übergeordnet. Der italienischen Marine gehören derzeit etwa 34.000 Berufssoldaten und Freiwillige an.

Inhaltsverzeichnis

Organisation

Der Admiralstab in Rom ist vor allem für Grundsatzfragen und andere, nicht unmittelbar operative Bereiche zuständig. Für die operative Führung der Seestreitkräfte unterstehen ihm nachstehende Dienststellen:

Auf das Flottenkommando hat auch der Generalstabschef der Streitkräfte direkten Zugriff.

Dem „Allied Maritime Component Command“ (COM CC-MAR) des „NATO-Allied Joint Forces Command“ in Neapel (JFC-Naples; früher „AFSOUTH“) können italienische Flotteneinheiten direkt zugeteilt werden. Auch innerhalb der ständigen Einsatzverbände der NATO (z. B. Standing NATO Maritime Group 2 im Mittelmeer, früher „STANAVFORMED“) operieren italienische Marineeinheiten.

Portugal, Spanien, Frankreich und Italien unterhalten den periodisch operierenden Flottenverband Euromarfor.

Für Unterstützungsaufgaben unterstehen dem Admiralstab u.a. drei Küstenabschnittskommandos („Dipartimento Militare Marittimo“) in La Spezia, Tarent und Ancona (das Abschnittskommando in Neapel wurde aufgelöst) sowie drei weitere Kommandos in Cagliari (Sardinien), Messina (Sizilien) und Rom. Die jeweils unterstellten Stützpunktkommandos verfügen u.a. über Hilfsschiffe.

Flotte

Marineflieger

Die italienischen Marineflieger waren früher unter den Bezeichnungen „Marinavia“ und „Aviazione Navale“ bekannt. Im Zug der Umstrukturierung der Kommandobereiche der Marine erhielten sie die Bezeichnung „Comando delle Forze Aeree“ (dt. „(Marine-) Luftstreitkräftekommando), auch um sie den Bezeichnungen der anderen Kommandos anzugleichen. Die italienischen Marineflieger operieren mit Hubschraubern und Flugzeugen von den Landstützpunkten Luni (La Spezia), Grottaglie (Tarent) und Fontanarossa (Catania) aus, sowie von Flugzeugträgern, Zerstörern, Fregatten, größeren Patrouilleneinheiten (OPV), Landungsschiffen und Versorgungsschiffen. Die Seefernaufklärungsflugzeuge vom Typ „Breguet ATLANTIC“ gehören zur italienischen Luftwaffe (Sigonella bei Catania, 41. Geschwader), stehen aber unter der operativen Kontrolle der Marine und haben gemischte Besatzungen.

Hubschrauber:

Flugzeuge:

Marineinfanterie

Das „Kommando Landungskräfte“ („Comando Forza da Sbarco“-COMFORSBARC) in Brindisi besteht im Wesentlichen aus dem „San-Marco-Regiment“, dem Logistikregiment „Carlotto“ und einem Verband von Landungsfahrzeugen. Zugeteilt sind die drei Landungsschiffe („Landing Platform Dock“-LPD) „San Marco“, „San Giorgio“ und „San Giusto“, die mit ihrem großen Flugdeck an Hubschrauberträger erinnern. Der neue Flugzeugträger „Cavour“ wird ebenfalls Transport- und Einsatzkapazitäten für die Marineinfanterie bereitstellen. Das „San-Marco-Regiment“ bildet darüber hinaus verschiedene infanteristisch geprägte Objektschutzeinheiten („SDI-Servizio Difesa Installazioni“) und Einheiten anderer Teilstreitkräfte aus. Mit den „Lagunari“ des Heeres besteht im Rahmen des neuen gemeinsamen Führungsstabes „Forza Nazionale di Proiezione dal Mare“ eine enge Zusammenarbeit.

COMFORSBARC ist über die „SIAF-Spanish Italian Amphibious Force“ (Seetransport) und die „SILF-Spanish Italian Landing Force“ (Marineinfanterie) eng mit der spanischen Marineinfanterie („Tercio de Armada“) verbunden.

Mit der in Teilen den Spezialkräften zugeordneten Kommandoeinheit „COMSUBIN“ verfügt die italienische Marine seit langer Zeit über eine der führenden Kampfschwimmereinheiten der Welt.

Küstenwache

Die Guardia Costiera ist offiziell eine Truppe der Marine, für die sie auch einige Unterstützungsaufgaben übernimmt. De facto handelt es sich jedoch um eine eigenständige Organisation, die dem Verkehrsministerium untersteht und von diesem auch finanziert wird. Im Notfall kann die italienische Küstenwache dem Verteidigungsministerium bzw. der Marine unterstellt werden.

Die Personalstärke der Küstenwache liegt bei etwa 11.000 Männern und Frauen. Dieser Personalbestand ist nicht Teil der Personalsollstärke der italienischen Marine. Das Personal der Guardia Costiera wird größtenteils von der Marine ausgebildet. Angehörige der Marine können nach einer gewissen Dienstzeit zur Küstenwache übertreten. Bis 2005 war es möglich, den Wehrdienst bei der Küstenwache abzuleisten.

Das „Hydrografische Institut“ in Genua gehört zur italienischen Marine. Diesem Institut unterstehen auch einige Forschungs- und Vermessungsschiffe. Es gibt u.a. amtliche Seekarten und Seehandbücher heraus und ist auch für die Nachrichten für Seefahrer zuständig.

Ausbildung

Einen sehr guten Ruf genießt in Italien die Marineakademie in Livorno („Accademia Navale di Livorno“). Dort werden alle angehenden Offiziere der Marine vier- bzw. fünf Jahre lang ausgebildet („Master“). Spätere Ausbildungsstationen sind die Führungsakademie der Marine in Venedig und die Führungsakademie der Streitkräfte (CASD) in Rom. Angehende Schiffskommandanten werden auf einer besonderen Schule in Augusta ausgebildet. Wie die Deutsche Marine mit der „Gorch Fock“ hat auch die die italienische Marine mit dem SegelschulschiffAmerigo Vespucci“ eines der schönsten noch existierenden Segelschiffe.

Die Unteroffiziere der Marine werden auf Unteroffiziersschulen in La Maddalena (Sardinien) und in Tarent ausgebildet. Die Unteroffizierslaufbahn wurde in den 90er Jahren in Italien grundlegend reformiert. Heute bilden die Mannschaften und die Unteroffiziere ohne Portepee eine Art gemeinsame Gruppe, während die Unteroffiziere mit Portepee eine separate Laufbahn sind, die mit dem deutschen „gehobenen Dienst“ verglichen werden kann. Junge Leute können nach einer zwei- bzw. dreijährigen Ausbildung („Bachelor“) direkt in diese Laufbahn einsteigen, sofern sie das Abitur („diploma di maturità“) haben. Für bewährte Unteroffiziere ohne Portepee ist ein Aufstieg möglich, wird aber durch den Besitz der Hochschulreife erheblich erleichtert.

Für Mannschaften genügt ein Hauptschulabschluss („licenza media“), möglichst mit einer Berufsausbildung („diploma di qualifica“). Doch wegen der zunehmenden Attraktivität des Dienstes bei der Marine und der hohen Bewerberzahlen für die Offiziers- und die gehobene Unteroffizierslaufbahn gibt es auch zunehmend Mannschaften mit Abitur.

Die Marine verfügt in Venedig über ein eigenes Gymnasium, die Marineschule „Francesco Morosini“. Jugendliche können dort die gymnasiale Oberstufe absolvieren und Abitur machen. Der Schulbetrieb ist militärisch ausgerichtet und die Schüler haben den Status von Soldaten. Nach Abschluss der Schule können sie wieder ins Zivilleben zurückkehren oder eine Laufbahn bei der Marine einschlagen, wobei jedoch kein Anspruch auf eine direkte Übernahme in die Marineakademie geltend gemacht werden kann.

Geschichte

Die italienische Marine entstand im Zug der Einigung Italiens (Risorgimento, 1861) im Wesentlichen durch die Fusion der Marinen der Königreiche Sardinien-Piemont und Neapel. Damals erhielt sie den Namen Regia Marina („Königliche Marine“). In den ersten Jahren ihres Bestehens litt sie an der uneinheitlichen Zusammensetzung und vor allem an den Rivalitäten der aus unterschiedlichen Schulen stammenden Offiziere. Admiral Benedetto Brin führte in den 1870er Jahren erstmals eine systematische Flottenplanung ein und ordnete die Marine auch in anderen Bereichen neu.

In den beiden Weltkriegen taten sich zahlreiche Soldaten der italienischen Marine durch mutige Einzelaktionen hervor, darunter Luigi Rizzo, Luigi Durand de la Penne und Carlo Fecia di Cossato. Im Zweiten Weltkrieg bewies man u.a. bei Punta Stilo und im Golf von Syrte, dass man es mit der britischen Royal Navy durchaus aufnehmen konnte. Der zu spät eingeleitete Bau von Flugzeugträgern, die mangelnde Kooperation zwischen Marine und Luftwaffe, der Treibstoffmangel, das fehlende Radar und die Erfolge der Kryptologen im britischen Bletchley Park bedingten die Unterlegenheit der Flotte im Mittelmeer. Vor allem dank der Entschlüsselung des deutschen und italienischen Nachrichtenverkehrs konnte der Nachschub der Achsenmächte nach Nordafrika z.T. auf systematische Weise versenkt werden, ein Vorgang, der noch Jahrzehnte nach dem Krieg mangels genauer Informationen bisweilen polemisch diskutiert wurde.

1946 nahm die italienische Marine im Zug der Abschaffung der Monarchie den Namen Marina Militare („Kriegsmarine“) an. Nachdem 1950 die letzten alliierten Beschränkungen aufgehoben worden waren, setzte man auf eine kleine, aber technisch hochwertige Flotte. Auf dieser neuen Linie bewegten sich auch italienische Unternehmen wie Fincantieri, Oto Melara oder Selenia. Mitte der 1970er Jahre gab ein so genanntes „Flottengesetz“ der italienischen Marine Auftrieb. Die in den nachfolgenden Jahren geschaffene moderne und ausgewogene Flotte steht zum Großteil auch heute noch in Dienst, bedarf jedoch schrittweisen Ersatzes. Auf Grund der andauernden Haushaltsprobleme ist es der Marine in den letzten Jahren nur mit Mühe gelungen, neue Projekte auf den Weg zu bringen, vorwiegend im Rahmen entwicklungs- und stückkostenmindernder internationaler Kooperationen. Der Trend zu einer kleinen, aber technologisch hochwertigen (und sehr teuren) Flotte wird auch in Zukunft anhalten.

Flagge und Wappen

Das Wappen der italienischen Marine zeigt unter einer römischen Krone die Embleme der alten mittelalterlichen Seerepubliken Venedig, Genua, Pisa und Amalfi. Auch die quadratische Gösch und die Marineflagge zeigen die Embleme der vier Städte. In der Nachfolge dieser ehemaligen Seemächte sieht sich die heutige italienische Marine.

Die Marineflagge führen auch die Boote der Küstenwache, der Carabinieri und der Guardia di Finanza. Auf der zivilen Handelsflagge ist die Krone über den vier Wappen nicht abgebildet und im Wappen der Republik Venedig hält der geflügelte Markuslöwe statt dem Schwert das Markusevangelium. Diese Flagge führen alle staatlichen und privaten italienischen Seefahrzeuge, die nicht unter Militärjurisdiktion fallen.

Siehe auch