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Carotine

Strukturen der Carotine

α-Carotin (CAS 7488-99-5 )

β-Carotin (CAS 7235-40-7)

γ-Carotin (CAS 472-93-5)

Carotine (von lateinisch carota: „Karotte“) sind zu den Carotinoiden gehörige Naturfarbstoffe mit der Summenformel C40H56, die in vielen Pflanzen vorkommen, besonders in den farbigen Früchten, Wurzeln und Blättern. Sie zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen. Chemisch handelt es sich dabei um Tetraterpene, bei denen ein bis zwei Ionon-Ringe durch eine Kohlenstoffkette mit neun Doppelbindungen verbunden sind. Die Carotine sind unpolar und deswegen fettlöslich. Da die Carotine als Antioxidantien wirken, wurde ihnen eine schützende Wirkung gegen Krebserkrankungen nachgesagt, was in einer Studie teilweise widerlegt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Natürliches Vorkommen

α-Carotin (Alpha-Carotin) ist der Farbstoff der Mohrrübe oder Karotte und Lycopin das Rot der Tomate. Auch die gelben bis roten Farbstoffe in Spinat, Salat, Orangen, Bohnen, Broccoli und Paprika sind Carotine. β-Carotin (Beta-Carotin) ist die Vorstufe von Retinol (Vitamin A) und wird deshalb auch als Provitamin A bezeichnet. Das humane Lipoprotein-Gemisch LDL, welches Blutfette transportiert, kann durch Dichtegradientenzentrifugation isoliert werden und besitzt durch das enthaltene β-Carotin eine gelbe Färbung.[1]

Verwendung als Lebensmittelfarbstoff

Aus Pflanzen extrahiertes oder synthetisch hergestelltes Beta-Carotin wird als Lebensmittelfarbe (E 160 beziehungsweise E 160 a, siehe Lebensmittelzusatzstoff) sowie als Beigabe zu Vitaminpräparaten verwendet.[2] Beta-Carotin wird vielen Lebensmitteln, wie zum Beispiel Butter, Margarinen, Süßwaren, Molkereiprodukten und Limonaden, in teilweise sehr hohen Mengen zugesetzt.[3]

Cancerogenität

Beta-Carotin steht unter dem Verdacht, insbesondere bei Rauchern in hohen Dosen krebserregend zu sein.[4] So wurden in einer australischen Studie (Journal of the National Cancer Institute, 21. Mai 2003), die den Effekt als Sonnenschutzmittel untersuchen wollte, bei Rauchern und Personen, die regelmäßig mehr als ein alkoholisches Getränk pro Tag zu sich nahmen, eine doppelte Anzahl von Adenomen des Dickdarms – den Vorstufen von Darmkrebs – gefunden. Bei Nichtrauchern und Nichttrinkern reduzierte sich deren Auftreten allerdings um 44 %. Die American Cancer Society verlangt Warnschilder auf β-Carotin-haltigen Waren, um Raucher auf ein evtl. gesteigertes Lungenkrebsrisiko hinzuweisen.[5]

Da bei den Studien ein isoliertes, im Labor hergestelltes Beta-Carotin verwendet wurde, wie es in der Natur nicht vorkommt, sind die Ergebnisse ausschließlich für künstliche Vitaminpräparate aussagekräftig.[6] Seine antioxidativen, immunstärkenden und krebshemmenden Eigenschaften entfaltet Beta-Carotin erst dann, wenn es mit den anderen Antioxidantien (vor allem Vitamin C, E und Selen) zusammenwirken kann.

Neueste Verordnungen des Bundesinstituts für Arzneimittel, die ab Mai 2006 in Kraft getreten sind, berücksichtigen nur zum Teil diese Ergebnisse und naheliegenden Schlussfolgerungen aus eben dieser Studie. Ab diesem Zeitpunkt müssen alle Medikamente, die Beta-Carotin enthalten, eine Warnung aufweisen, dass diese Medikamente ein erhöhtes Risiko für Raucher beinhalten, an Lungenkrebs zu erkranken. Wie Studien mit Testpersonen gezeigt haben, besteht für starke Raucher ein erhöhtes Risiko, durch künstlich extrahiertes Beta-Carotin an Lungenkrebs zu erkranken. Aus diesem Grund dürfen Medikamente mit mehr als 20 mg Beta-Carotin nicht mehr an Raucher verschrieben werden. Durch die Studien kann keine Aussage darüber getroffen werden, ob durch den Konsum von naturbelassenen Lebensmitteln ohne künstlich extrahiertes Carotin eine Gefahr bestehen könnte, da mit isoliertem Beta-Carotin geforscht wurde, das so in der Natur nicht vorkommt. Dies gilt jedoch nicht für mit Carotin eingefärbte Limonaden, Butter oder andere eingefärbte verarbeitete Lebensmittel.

Quellen

  1. Wissenschaft-Online-Lexika: Eintrag zu LDL im Lexikon der Ernährung, abgerufen am 11. März 2008
  2. M.J. Scotter, L. Castle, J.M. Croucher, L. Olivier: Method development and analysis of retail foods and beverages for carotenoid food colouring materials E160a(ii) and E160e
  3. P. Hahn: Lexikon Lebensmittelrecht, 1998, Behr's Verlag, ISBN 3860223348
  4. www.wissenschaft.de: Beta-Carotin erhöht bei Rauchern und Trinkern das Darmkrebsrisiko, 21. Mai 2003
  5. British Cancer Organization Calls for Warning Labels on Beta-Carotene. (englisch) 31. Juli 2000 (Stand: 15. März 2007).
  6. Stimmt es eigentlich, dass...Beta-Karotin vor Lungenkrebs schützt? auf swr.de