Heim

Romeo und Julia

Dieser Artikel behandelt das Drama von William Shakespeare. Andere literarische Werke, die diesen Titel tragen oder denselben Stoff behandeln, findet man unter Romeo und Julia (Stoff).
Daten des Dramas
Titel: Romeo und Julia
Originaltitel: The Most Excellent and Lamentable Tragedy of Romeo and Juliet
Gattung: Tragödie
Originalsprache: Englisch
Autor: William Shakespeare
Literarische Vorlage: Arthur Brooke: The Tragicall Historye of Romeus and Juliet (1562)
Erscheinungsjahr: 1597
Uraufführung: vermutlich 1597[1]
Ort der Uraufführung: London
Ort und Zeit der Handlung: Verona und Mantua, 5 Tage im Juli – Sonntag bis Freitag Mitte Juli, Renaissance
Personen
  • Ansager als Prolog
  • Escalus, Prinz von Verona
  • Graf Paris, sein Verwandter
  • dessen Page


Zwei verfeindete Familien:


  • Montague
  • Lady Montague
  • Romeo, ihr Sohn
  • Mercutio, Verwandter des Fürsten und Freund Romeos
  • Benvolio, Vetter Romeos
  • Balthasar, Romeos Diener
  • Abraham, Diener Montagues


  • Capulet
  • Lady Capulet
  • Julia, ihre Tochter
  • ein alter Mann der Familie Capulet
  • Tybalt, Vetter Julias ein aggressiver Mann
  • Julias Amme,
  • Peter, ihr Diener
  • Simson und Gregorio, Diener Capulets


  • Lorenzo und Marcus, zwei Franziskanermönche
  • Apotheker
  • drei Musikanten
  • Bürger von Verona. Verwandte beider Familien. Masken, Wachen, Gefolge


Romeo und Julia (engl. Kurztitel Romeo and Juliet) ist eine 1597 veröffentlichte Tragödie von William Shakespeare, welche die Geschichte zweier junger Liebender schildert, die verfeindeten Familien angehören. Das mit einem Doppelfreitod Romeos und Julias endende Stück ist eines der berühmtesten Shakespeares[2] und eine der berühmtesten Liebesgeschichten der Weltliteratur überhaupt.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Erster Akt

Zweiter Akt

Dritter Akt

Vierter Akt

Fünfter Akt

Entstehungszeitpunkt

Der genaue Entstehungszeitpunkt des Stückes ist unsicher, die Jahre 1591 bis 1596 wurden von Forschern vorgeschlagen. Später als 1597 kann es nicht entstanden sein, da in diesem Jahr die erste Quarto-Ausgabe des Stückes erschien. Externe Beweise (wie etwa eine nicht mehr abbrechende Reihe von Zitaten aus dem Stück in anderen Schauspielen ab 1598) legen eher ein späteres Datum nahe. Die stilistische Nähe zwischen Shakespeares Werk und dem Schauspiel Have With You To Saffron-Walden (1595) legt nahe, dass Romeo und Julia 1596 geschrieben wurde.[3]

Textüberlieferung

Ein Manuskript ist nicht überliefert. Es gibt im wesentlichen zwei Ausgaben, die die Grundlage für heutige Texteditionen bilden: Die erste Quarto-Ausgabe von 1597, eine sogenannte schlechte Quart-Ausgabe (vermutlich aus dem Gedächtnis von Schauspielern rekonstruiert), und die Quarto-Ausgabe von 1599, eine sogenannte gute Ausgabe, die vermutlich direkt auf Shakespeares Manuskript zurückgreift. Alle späteren Editionen gehen auf diese beiden Ausgaben zurück. Auffällig ist, dass der Druck von 1597 neben den üblichen negativen Aspekten schlechter Quartos (bedeutende Kürzungen, grobe Abweichungen, metrische Fehler, Wiederholungen usw.) eine Reihe ausgesprochen gut wiedergegebener Stellen enthält und der Druck von 1599 auffällig nachlässig hergestellt wurde und daher eine Reihe zweifelhafter Passagen präsentiert.[4]

Quellen

Das Motiv der Liebenden, die durch widrige Umstände getrennt werden, wurzelt tief in Mythologie und Märchen. Berühmte Beispiele für solche Liebespaare sind Hero und Leander, Pyramus und Thisbe, Tristan und Isolde, Floris und Blanchefleur und Troilus und Cressida. Das letztgenannte Paar wurde von Geoffrey Chaucer in seinem Epos Troilus and Criseyde dargestellt. Dieses Werk wirkte stark auf Shakespeares unmittelbare Vorlage ein, Arthur Brookes Epos The Tragical History of Romeus and Juliet von 1562. Sowohl Brooke als auch sein Landsmann William Painter mit Rhomeo and Julietta (1567) benutzten die französische Fassung von Pierre Boaistuau (1559), die wiederum auf Matteo Bandellos Romeo e Giulietta (1554) und Luigi da Portos Giuletta e Romeo (um 1530) zurückgreift.

Shakespeare arbeitete direkt mit Brookes Werk, was an einer Reihe fast wörtlicher Übernahmen zu erkennen ist. Ob er auch Painters Werk direkt benutzte, ist unklar, aber wahrscheinlich [5] (so übernimmt er etwa von Painter den Namen Romeo anstelle von Brookes Romeus). Im Wesentlichen folgt Shakespeare der Geschichte, wie Brooke sie präsentiert, wobei die doppelte Thematik (Familienfehde und Liebesgeschichte) von Shakespeare - im Gegensatz zu Brooke - direkt zu Beginn des Dramas und damit als das Stück bestimmend präsentiert wird. Die Rollen von Tybalt und Paris wurden von Shakespeare erweitert und vertieft. Bei Brooke entfaltet sich die Geschichte über einen Zeitrahmen von neun Monaten, bei Shakespeare werden daraus einige Tage.

Aspekte des Stückes

Romeo und Julia ist nicht bloß das berühmteste Theaterstück über Liebe, sondern ein literarisches Werk, das eine ganze Reihe von Problemen diskutiert. Hier seien einige dieser Aspekte genannt und kurz kommentiert.

Scheinliebe und echte Liebe

Shakespeare präsentiert Romeo in den ersten Szenen des Stückes als melancholischen Liebhaber. Romeo spielt hier eine Rolle, seine Liebe ist nicht wirklich gefühlt, sondern eine Pose. Darauf weist seine Sprache hin, die in der Tradition der Sonett-Mode der damaligen Zeit steht (zu der auch Shakespeare beitrug): Übertreibungen, Anspielungen, Paradoxien, endlose Beschwörungen der unerwiderten Liebe. Romeo ist, wie Samuel Taylor Coleridge schrieb, nicht in Rosalinde verliebt, sondern verliebt in seine eigene Idee[6]. Diese ichbezogene, narzisstische Liebe kontrastiert Shakespeare mit echter Liebe, die über Posen hinausgeht und eine radikale Änderung des eigenen Verhaltens fordert.

Ambivalenz von gut und schlecht

Das Stück beginnt mit der Darstellung eines schlechten Zustandes: Streit seit Urzeiten, der das Gemeinwesen in Mitleidenschaft zieht. Der Prinz von Verona ist der erste Charakter des Stückes, der diesen schlechten Zustand in einen guten verwandeln will (durch die Verhängung der Todesstrafe für zukünftige Kampfhandlungen). Er ist damit auch der erste Charakter, dessen gute Handlungen für die Charaktere selbst nicht absehbare schlechte Folgen haben. Bruder Lorenzo ist der Charakter, der diesen Aspekt des Stückes am deutlichsten verkörpert: Selbst aussprechend, dass gut und schlecht ambivalent seien (siehe 2.3.17-22), trägt er mit seinen von edlen Motiven motivierten Handlungen entscheidend zum Untergang der Liebenden bei.

Schicksal oder freier Wille

Shakespeares Stück wurde von vielen Forschern trotz der offensichtlichen dramatischen Qualitäten im Sinne der Tragödien-Definition als Fehlschlag gesehen[7], da nicht deutlich wird, weshalb die Liebenden untergehen: Sind sie von vornherein vom Schicksal zum Untergang bestimmt (der Prolog nennt sie direkt star-crossed) oder sind ihre Handlungen die Ursache ihres Scheiterns? Beide Ansichten haben ihre Verteidiger: W. H. Auden etwa listete penibel alle falschen Handlungen der Charaktere auf, um zu beweisen, dass sie selbst ihren Untergang bewirken[8]. Eine vermittelnde Position nimmt G. Blakemore Evans ein, der schreibt, dass gerade die Vermengung der Prinzipien Schicksal und freier Wille das Stück davor bewahrt, strukturlos oder moralistisch zu werden[9] .

Sprache und Stil

Romeo und Julia ist ein relativ frühes Stück Shakespeares. Folgte er in den vorhergehenden Stücken (und an einzelnen Stellen dieses Stücks) noch sehr den vorherrschenden Konventionen im Gebrauch von Sprache und Rhetorik[10], so ist in Romeo und Julia eine neue Bandbreite an individuellen Stimmen und Sprechstilen zu beobachten: Romeo verwendet zunächst angelernte Sonett-Phrasen, bevor er zur leidenschaftlichen Sprache Julias findet; Bruder Lorenzo spricht in moralischen Sentenzen; die Amme schwatzt und plaudert; Mercutio ist der Meister der anzüglichen Gemeinheiten; Tybalt verwendet oft eindrucksvoll parataktische Sätze, die seine Aggressivität verdeutlichen.

Aufführungsgeschichte

Romeo und Julia war von Anfang an ein sehr beliebtes Stück, worauf die vielen Zitate in anderen Werken hinweisen. Der Erfolg setzte sich auch jenseits Englands fort: Romeo und Julia wurde von wandernden englischen Schauspieltruppen in deutscher Fassung in ganz Europa aufgeführt. (Für das ganze 17. Jahrhundert sind solche Aufführungen dokumentiert.)[11]

Als die Theater in der Restaurationszeit wieder öffneten, veranlasste William Davenant 1662 eine erste Aufführung von Shakespeares Drama. Kurze Zeit später machte James Newton Howard aus dieser Aufführung eine Tragikomödie mit glücklichem Ausgang. 1679 hatte Thomas Otways Adaptation The History and Fall of Caius Marius Erstaufführung. Das Stück spielt nicht mehr im Renaissance-Verona, sondern im antiken Rom, Romeo heißt Marius, Julia Lavinia, der Streit findet zwischen Patriziern und Plebejern statt. Otways Fassung war ein großer Erfolg und wurde über siebzig Jahre lang aufgeführt. Theophilus Cibber (1744) und David Garrick (1748) griffen bei ihren Bearbeitungen auf Otways Ideen zurück.

Zum ersten Mal seit 1679 kehrte Shakespeares Originaltext (wenn auch stark gekürzt) 1845 auf die Bühne zurück. Die Aufführung am Londoner Haymarket Theatre ging auf die Initiative der amerikanischen Schauspielerin Charlotte Cushman zurück, die Romeo spielte (ihre jüngere Schwester Susan spielte Julia). Seit dieser Aufführung benutzte keine bedeutende Aufführung mehr eine Bearbeitung. Henry Irvings Produktion von 1882 am Londoner Lyceum Theatre verdeutlicht sehr klar den damals bevorzugten Ausstattungsstil (wertvolle Kostüme, lange Musik- und Tanzeinlagen, eindrucksvolle Kulissen). [12]

Romeo und Julia blieb auch im 20. Jahrhundert eines der am häufigsten aufgeführten Werke Shakespeares. Bedeutende Produktionen seitdem:

Adaptationen

Literatur

William Shakespeares Thema wurde von vielen Schriftstellern aufgegriffen. Eine Auflistung einiger auf dem Drama beruhender Werke befindet sich unter Romeo und Julia (Stoff). Die bekannteste Adaptation im deutschsprachigen Raum ist Gottfried Kellers Novelle Romeo und Julia auf dem Dorfe (1856). Keller verlegt die Handlung in die Schweiz, aus den italienischen Liebenden werden zwei Bauernkinder, die am Streit ihrer Väter zugrundegehen.

Vertonungen

Romeo und Julia wurde mehrmals für die Opernbühne vertont, u. a. von Boris Blacher, Vincenzo Bellini, Pascal Dusapin, Charles Gounod, Daniel Steibelt, Heinrich Sutermeister und Riccardo Zandonai. Das bekannteste Ballett nach Shakespeares Stück komponierte Sergej Prokofjew. Ein Welterfolg (auch als Verfilmung) wurde die Musical-Fassung von Leonard Bernstein. Die West Side Story verlegt die Handlung in die 1950er Jahre, die streitenden Familien sind Angehörige rivalisierender Gangs in New York.

Auch für den Konzertsaal wurde das Stück bearbeitet, die bekanntesten Komponisten hier sind Hector Berlioz (Dramatische Sinfonie) und Pjotr Tschaikowski (Fantasieouvertüre).

Film

Romeo und Julia wurde laut Internet Movie Database bisher 30-mal verfilmt, wobei hier allerdings nur die Filme gezählt wurden, welche die Shakespearesche Tragödie direkt als Vorlage nennen.[13] Zählte man alle Filme hinzu, die sich, ob indirekt oder parodistisch, auf das Drama beziehen, ergäbe sich eine weit höhere Zahl.

Die bedeutendsten Verfilmungen sind:

Zeffirellis Version wurde an Originalschauplätzen in Verona gedreht und präsentierte als erste Verfilmung die berühmten Liebenden als blutjunge Jugendliche. Um die Authentizität zu erhöhen, waren die Darsteller keine bekannten Theaterschauspieler, sondern zum Zeitpunkt der Verfilmung unbekannte Newcomer. Luhrmanns Fassung ist eine radikal moderne Neuinterpretation des Stückes mit den Mitteln der Videoclip-Ästhetik.

Literatur

Die Casa di Giulietta

In Verona steht, unweit der Piazza delle Erbe, das angebliche Elternhaus der Julia. Der Skaligerbau in der Via Cappello 27 gehörte ursprünglich dem Geschlecht Del Cappello (siehe Steinwappen im Gewölbebogen des Hinterhofes) und wurde bis in das vorige Jahrhundert als Fremdenherberge genutzt (45° 26,5' N, 11° O). Der berühmte Balkon im Innenhof wurde nachträglich für Touristen angebaut. Unweit nördlich davon (285 m Fußstrecke) befindet sich in der Via Arche Scaligere das angebliche Haus der Montagues.

Einzelnachweise

  1. Romeo and Juliet. Edited by G. Blakemore Evans. Cambridge 1984. Seite 28
  2. Vergleiche etwa http://absoluteshakespeare.com/plays/romeo_and_juliet/romeo_and_juliet.htm oder http://www.aboutbritain.com/Event.asp?EventID=10846
  3. J.J.M. Tobin: Nashe and Romeo and Juliet. Notes & Queries Nr. 27 (1980)
  4. George W. Williams: The Most Excellent and Lamentable Tragedie of Romeo and Juliet: A Critical Edition. 1964
  5. Romeo and Juliet. Edited by G. Blakemore Evans. Cambridge 1984. Seite 7
  6. Lectures and Notes on Shakespeare. Herausgegeben von T. Ashe. 1885. Seite 98
  7. Etwa von H.B. Charlton in Shakespearian Tragedy. 1948. Seiten 49-63
  8. Ed. Francis Ferguson (Herausgeber): The Laurel Shakespeare. Seiten 21-39)
  9. Romeo and Juliet. Edited by G. Blakemore Evans. Cambridge 1984. Seite 16
  10. Siehe etwa Madeleine Doran: Shakespeare's Dramatic Language. Seiten 10-13
  11. Albert Cohn: Shakespeare in Germany in the Sixteenth and Seventeenth Centuries. 1865. Seiten 115f. und 118f.)
  12. Richard W. Scooch: Pictorial Shakespeare. In Stanley Wells und Sarah Stanton (Hrsgb.): The Cambridge Companion to Shakespeare on Stage. 2002. Seite 62f.
  13. http://www.imdb.com/name/nm0000636/

Sekundärliteratur