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Friedrich Wilhelm I. (Brandenburg)

Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg (* 16. Februar 1620 in Cölln an der Spree (heute zu Berlin); † 29. Apriljul./ 9. Mai 1688greg. in Potsdam) war von 1640 bis zu seinem Tode Kurfürst von Brandenburg und Herzog von Preußen aus dem Haus Hohenzollern. Seine pragmatisch-entschlossene und reformfreudige Regierungspolitik ebnete den Weg für den späteren Aufstieg Brandenburg-Preußens zur Großmacht und der Hohenzollern zu einem der führenden deutschen Herrscherhäuser, weswegen er auch ab 1675 den Beinamen der Große Kurfürst trug.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend (1620–1640)

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, am 16. Februar 1620, als Sohn des Kurfürsten Georg Wilhelm und der pfälzischen Prinzessin Elisabeth Charlotte geboren, musste er sein Leben vom Frühjahr 1627 bis zum Sommer 1634 hinter den Mauern der sicheren Festung Küstrin, mit seinem Erzieher Leuchtmar verbringen.[1] In dieser Zeit blieb er die meiste Zeit von seinen Eltern getrennt.

Im Juli 1634 wurde der 14-jährige in die sicheren Niederlande gesandt, die damals ihr Goldenes Zeitalter erfuhren.[1] Die Mark selbst wurde zu der Zeit von kaiserlichen und schwedischen Truppen verwüstet.

Friedrich Wilhelm verbrachte dort vier Jahre am Hof von Friedrich Heinrich von Oranien, des Onkels seiner Mutter. Unter anderem der Aufenthalt an der Universität Leiden prägte den späteren Staatsmann entscheidend, da er in den Niederlanden ein hochentwickeltes Staatswesen und eine Handelsmacht vorfand, das für das verarmte Brandenburg in vielem als Vorbild dienen sollte. In Amsterdam hat er auch das Schiffsbauhandwerk kennen gelernt. Im Sommer 1638 wurde er, auf Geheiß seines Vaters, gegen seinen Willen in das provinzielle Berlin zurück berufen.[1] Dort fand er eine zerstörte Provinz vor, in der in Wahrheit die Schweden die Herrschaft ausübten.

Regierungsübernahme bis zum Ausbruch des Zweiten Nordischen Krieges (1640–1656)

Nach dem Tod seines Vaters, des Kurfürsten Georg Wilhelms, am 1. Dezember 1640 trat Friedrich Wilhelm I. inmitten katastrophaler politischer Verhältnisse die Nachfolge eines weit verstreuten Herrschaftsgebietes an.

Zudem waren die Finanzen des Staates zerrüttet, so dass auch die Söldner aufbegehrten.

Die Gegnerschaft zu Schwarzenberg löste sich durch dessen plötzlichen Tod im März 1641. Um Handlungsfreiheit in der Mark Brandenburg zu gewinnen schloss Friedrich Wilhelm I. am 14. Juli 1641 mit dem schwedischen König einen Waffenstillstand.[2] Die Mark blieb aber dennoch durch schwedische Truppen besetzt. Am 7. Oktober 1641 wird der Kurfürst vom polnischen König mit dem Herzogtum Preußen belehnt.[2]

Im Dezember 1646 heiratete Friedrich Wilhelm I. in Den Haag die älteste Tochter des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien, Luise Henriette von Oranien, mit der er sechs Kinder zeugt. Im Zuge der westfälischen Friedensverhandlungen zu Münster und Osnabrück ab 1645 musste Friedrich Wilhelm auf den rechtmäßigen Anspruch Vorpommerns zugunsten Schwedens verzichten. In einer Einigung mit Schweden am 7. Januar 1647 erhielt er als Ausgleich für Vorpommern die Stifte Halberstadt und Minden, sowie die Anwartschaft auf Magdeburg zugesprochen.

Nach 1648 setzte Friedrich Wilhelm I. Reformen in der Verwaltung, der Finanzverfassung und beim Militär durch, das als stehendes Heer organisiert wurde.

Der Kurfürst im Zweiten Nordischen Krieg (1656–1660)

1656 brach der Zweite Nordische Krieg aus. Die Schweden unter König Karl X. fielen vom schwedischen Livland und Vorpommern in Polen ein und überrannten es. Das Herzogtum Preußen geriet dadurch in große Gefahr, so dass Friedrich Wilhelm 18.000 Mann[3] zusammenzog und in das Herzogtum führte, wohin bereits die Schweden eingedrungen waren. Militärisch unterlegen, erkannte er die faktisch bereits exisitierende Oberhoheit der Schweden über Preußen an und schloss am 16. Januar 1656 den Vertrag von Königsberg, durch den er nun vom schwedischen König mit dem Herzogtum Preußen belehnt wurde.[3]

Aufgrund der verschlechterten Lage der Schweden in Polen, benötigte der schwedische König neue Bündnispartner, so dass er am 23.Juni 1656 den Vertrag von Marienburg mit dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm abschloss.[4] Mit allen ihn zur Verfügung stehenden Kräften vereinigte sich Friedrich Wilhelm darauf mit den Schweden und schlug zusammen mit diesen in der dreitägigen Schlacht von Warschau vom 28. bis zum 30. Juli 1656, als Kommandeur des brandenburgischen Kontingents, eine polnische Armee.[4] Der schwedische König Karl X. Gustav erkannte schließlich, um einen Bruch mit seinem Partner zu vermeiden, mit dem Vertrag von Labiau am 20. November 1656 die Souveränität Friedrich-Wilhelms über das Herzogtum Preußen an.[4]

Im Vertrag von Wehlau am 19. September 1657 gelang es Friedrich Wilhelm I. die Souveränität Preußens für ein Bündniswechel durch Polen-Litauen zugesichert zu bekommen. Der Vertrag wurde von König Leopold von Ungarn vermittelt. Dafür unterstützte Friedrich Wilhelm diesen bei der Königs- und Kaiserwahl. Die Bestimmungen des Vertrags von Wehlau konnten im Friede von Oliva am 3. Mai 1660 bestätigt werden, womit Der Kurfürst endgültig Souverän über das Herzogtum Preußen wurde, was eine Grundvorraussetzung für die spätere Gründung des Königreichs Preußen war.

Äußerer Friede - Konzentration auf die Innenpolitik (1660–1672)

Zunächst galt es, die Rechte und Privilegien der Stände in den einzelnen Landschaften mit dem allgemeinen Staatsinteresse (einheitliche, geregelte Finanzwirtschaft, Militärwesen) in Einklang zu bringen. Am leichtesten fügten sich die Stände der Mark und der benachbarten Länder, Schwierigkeiten dagegen bereiteten die Stände von Kleve und Preußen, wo die Selbständigkeitsbestrebungen von den benachbarten Republiken der Niederlande und Polens unterstützt wurden. Besondere Probleme bereitete Preußen, wo die strengen Lutheraner sich weigerten, den reformierten Kurfürsten anzuerkennen und Polen um Hilfe baten. Erst als die Maßlosigkeiten einiger Mitglieder, wie des Königsberger Schöppenmeisters Johannes Roth und der beiden Kalckstein, die Einheit der ständischen Opposition schwächten, gelang es 1663 in Königsberg dem Kurfürsten, die Stände hinter sich zu bringen. Roth wurde verhaftet und starb nach 16-jähriger Gefangenschaft; General Kalckstein war gestorben, sein Sohn, der Oberst, flüchtete nach Polen, wurde von da mit Gewalt nach Preußen zurückgeschafft und 1672 wegen Hochverrats hingerichtet.

1668 heiratet Friedrich Wilhelm in 2. Ehe die verwitwete Herzogin Dorothea von Lüneburg, geborene Prinzessin von Holstein-Glücksburg und zeugt mit ihr im Verlaufe der Ehe sieben Kinder.

Die Erhebung der Mahl-, Schlacht- und Brausteuer in allen Provinzen versetzte den Kurfürsten in die Lage, ein stehendes Heer zu unterhalten, das im Fall eines Kriegs auf 20.000 Mann aufgestockt werden konnte. Friedrich Wilhelm begann die Wirtschaft teils gegen heftigen Widerstand zu fördern, indem er den Ackerbau und die Einwanderung unterstützte. Außerdem befreite er das Gewerbe und den Verkehr von Beschränkungen, förderte den Binnen- und den Seehandel, ließ den Müllroser Kanal bauen und richtete einen eigenen Postdienst ein.

Der Große Kurfürst im Holländischen und Schwedisch-Brandenburgischen Krieg (1672–1679)

1672 griff der französische König Ludwig XIV. die Niederlande an und löste damit den Holländischen Krieg aus. Friedrich Wilhelm, vertraglich gebunden, kam seinen Bündnispflichten nach und entsendete ein 20.000 Mann starkes Heer. Die kaiserlichen Feldherren Montecuccoli und Bournonville verhinderten jeden feindlichen Zusammenstoß am Rhein und in Westfalen und ermöglichten dem französischen Befehlshaber Turenne damit, in die brandenburgischen Provinzen in Westfalen einzudringen. Am 16. Juni 1673 schloss Friedrich Wilhelm daher den Separatfrieden zu Vossem mit Frankreich ab.

Am 1. Juli 1674 schließt sich Friedrich Wilhelm, nachdem der Reichskrieg gegen Frankreich erklärt wurde, einer erneuten Koalition gegen Frankreich an. Mit dem kaiserlichen Feldherren Bournonville kämpft er vergeblich 1674/75 gegen Feldmarschall Turenne im Elsaß. Allerdings musste er sich, bedingt durch den Einfall der Schweden in die Mark Brandenburg Ende 1674, aus dem aktiven Krieg gegen Frankreich zurückziehen.

Am 25. Juni 1675 besiegt ein brandenburgisches Heer unter persönlicher Führung von Friedrich Wilhelm in der Schlacht von Fehrbellin die Schweden entscheidend. Seit der Schlacht bei Fehrbellin wurde ihm durch seine Zeitgenossen der Beiname „der Große Kurfürst“ verliehen. In der Folge des Sieges eroberte Brandenburg bis 1678 ganz Schwedisch-Pommern. Die im Herzogtum Preußen eingefallenen Schweden vertreibt er, unter persönlicher Führung eines Heeres im Winter 1678/79 bis über die Grenze nach Schwedisch-Livland zurück.

Am 29. Juni 1679 wird der Frieden von St.-Germain geschlossen, in dem Friedrich Wilhelm das eroberte Vorpommern bis auf einen kleinen Gebietsstreifen östlich der Oder wieder abtreten musste, da ihn seine Verbündeten, die Niederlande und der kaiserliche Hof, im Stich ließen und er mit Dänemark allein dem übermächtigen Frankreich gegenüberstand. Enttäuscht von diesem Verhalten schloss er sich nun eng an Frankreich an, verpflichtete sich sogar in einem geheimen Vertrag vom 25. Oktober 1679, Ludwig XIV. bei einer neuen Kaiserwahl seine Stimme zu geben.

vom Frieden 1679 bis zu seinem Tod 1688

Schließlich ließ er 1680 spanische Schiffe angreifen und erbeuten um ausstehende Subsidiengelder des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges einzutreiben.

1685 hob Ludwig XIV. das Edikt von Nantes auf, um die Protestanten in seinem Reich zu unterdrücken. Deshalb verbündete sich Friedrich Wilhelm mit den Generalstaaten und dem Kaiser, indem er gegen Abtretung des kleinen Schwiebuser Kreises auf seine schlesischen Erbansprüche verzichtete und sogar ein Hilfskorps von 8.000 Mann gegen die Türken schickte. Durch das Potsdamer Edikt vom 27. Oktoberjul./ 6. November 1685greg. ermöglichte er 15.000 Protestanten aus Frankreich die Ansiedelung in seinen Staaten. Dies führte zu einem Aufschwung der Industrie, besonders in Berlin.

Beeinflusst von seiner Zeit in Holland, richtete sich seine Bemühungen nach Friedensschluss auf die Erwerbung von Kolonien und dem Aufbau einer eigenen Flotte, was allerdings nicht den realen Möglichkeiten Brandenburg-Preußens entsprach.

„Seefahrt und Handlung sind die fürnehmsten Säulen eines Estats, wodurch die Unterthanen beides zu Wasser, als auch durch die Manufakturen zu Lande ihre Nahrung und Unterhalt erlangen.“

Friedrich Wilhelm I. (Zitat aus einem kurfürstlichen Edikt vom 1. Januar 1686) [5]

So ließ er um überseeische Kolonien zu erwerben und zu sichern, mit Unterstützung des niederländischen Kaufmanns Benjamin Raule 1684 offiziell die Kurbrandenburgische Marine gründen und ließ durch die 1682 gegründete Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie Kolonien in Guinea errichten..

Erinnerung und Gedenken

Ihm zu Ehren stehen eine Büste in der Walhalla, eine Statue am Genfer Reformationsdenkmal, eine Statue in Minden und eine Statue an der Knock in Emden, um dessen Seehandel sich der Große Kurfürst sehr verdient machte. Kaiser Wilhelm II. ließ ihm auf der Siegesallee im Berliner Tiergarten eine Statue errichten. Heute steht diese mit anderen im Berliner Lapidarium.

Im Schlosshof von Charlottenburg steht das große Reiterstandbild von Schlüter. Vorher stand es auf der Langen Brücke unmittelbar am Berliner Schloss. Das Denkmal wurde kurz nach Kriegsende 1945 im Tegeler See für einige Jahre „aufbewahrt“. Im gerade renovierten Bode-Museum findet sich im großen Kuppelsaal eine historische Kopie ohne Nebenfiguren.

Gemälde und Porträts

Nachkommen

Siehe auch: Stammliste der Hohenzollern

Aus erster Ehe

Am 7. Dezember 1646 heiratete Friedrich Wilhelm I. in Den Haag, Prinzessin Luise Henriette von Oranien, Tochter des niederländischen Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien und seiner Gattin Prinzessin Amalie von Solms-Braunfels.

Aus zweiter Ehe

Am 14. Juni 1668 heiratete Friedrich Wilhelm I. in Gröningen, die verwitwete Herzogin Dorothea Sophie von Braunschweig-Lüneburg, Tochter des Herzogs Philipp von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und dessen Gattin Prinzessin Sophie Hedwig von Sachsen-Lauenburg

Verweise

Einzelnachweise

  1. a b c Werner Schmidt: Friedrich I. - Kurfürst von Brandenburg, König in Preußen, Seite 11
  2. a b Werner Schmidt: Friedrich I. - Kurfürst von Brandenburg, König in Preußen, Seite 16
  3. a b Werner Schmidt: Friedrich I. - Kurfürst von Brandenburg, König in Preußen, Seite 18
  4. a b c Werner Schmidt: Friedrich I. - Kurfürst von Brandenburg, König in Preußen, Seite 19
  5. aus: Bruno Gloger: Friedrich Wilhelm - Kurfürst von Brandenburg. Biografie, 3. Auflage, Berlin (Ost) 1989, S. 329

Literatur

Weblinks

 Commons: Friedrich Wilhelm I of Brandenburg – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Friedrich Wilhelm von Brandenburg – Zitate


Personendaten
Friedrich Wilhelm I.
Der Große Kurfürst
Kurfürst von Brandenburg
16. Februar 1620
Cölln an der Spree (heute zu Berlin)
9. Mai 1688
Potsdam