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Pulheim

Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt; für den Ringer siehe Georg Pulheim.
Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 51° 0′ N, 6° 48′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Köln
Kreis: Rhein-Erft-Kreis
Höhe: 49 m ü. NN
Fläche: 72,14 km²
Einwohner: 53.454 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 741 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 50239–50259
Vorwahlen: 02238, 02234 (Brauweiler, Dansweiler, Freimersdorf)
Kfz-Kennzeichen: BM
Gemeindeschlüssel: 05 3 62 036
Stadtgliederung: 12 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Alte Kölner Str. 26
50259 Pulheim
Webpräsenz:
www.pulheim.de
Bürgermeister: Dr.Karl-August Morisse (FDP (gewählt als Unabhängiger))

Die Stadt Pulheim in Nordrhein-Westfalen liegt nordwestlich von Köln und gehört zum Rhein-Erft-Kreis. Pulheim besteht in seiner heutigen Ausdehnung seit der kommunalen Gebietsreform vom 1. Januar 1975 (vgl. § 3 Köln-Gesetz) und hat seit dem 1. Januar 1981 Stadtrechte.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Stadtgliederung

Die Stadt Pulheim umfasst zwölf Stadtteile (Einwohnerzahlen: Stand 31. Dezember 2007):

Ortsteil Einwohner
(Gesamt 53.454)
Brauweiler 7.975
Dansweiler 2.994
Freimersdorf 146
Geyen 2.418
Ingendorf 103
Manstedten 142
Orr 9
Pulheim 21.516
Sinnersdorf 5.666
Sinthern 3.410
Stommeln 8.166
Stommelerbusch 909

Der Ortsteil Orr gehört hierbei zu einem der kleinsten in Deutschland.

Nachbarstädte

Die Stadt Pulheim grenzt an folgende Städte, im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten: Stadt Köln, Frechen, Bergheim (beide im Rhein-Erft-Kreis), Rommerskirchen, Dormagen (beide im Rhein-Kreis Neuss)

Geschichte

In römischer Zeit gab es im Gebiet der heutigen Stadt zahlreiche villae rusticae, römische Gutshöfe und Landsitze, wie die vielen Bodenfunde belegen. Im 5. Jahrhundert n. Chr. wurden die Römer durch fränkische Eroberer verdrängt. Da nur wenige Funde aus dieser Zeit bekannt sind, liegen die Anfänge der fränkischen Epoche im Dunkeln. Nennenswerte fränkische Bodenfunde gibt es nur in Stommeln.

Erste urkundliche Zeugnisse einzelner Orte stammen aus dem 10. Jahrhundert: Stommeln, Geyen und Sinthern werden erstmals 962 in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Brun genannt. 967 wird Pulheim als "Polhem" in einer Urkunde erwähnt, die der Kölner Erzbischof Anno II. für das von ihm gegründete Stift St. Georg ausstellen ließ. Siehe auch: Erzbistum Köln oder Liste der Erzbischöfe von Köln

Das Gebiet um den heutigen Ort Brauweiler war nachweislich in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts im Besitz des lothringischen Pfalzgrafen Hermann I. (Pusillus), der hier ein verfallenes älteres Hofgut zusammen mit einer dem heiligen Medardus geweihten Kapelle wieder aufbauen ließ. Um 991 heiratete sein Sohn und späterer Nachfolger Ezzo die Tochter Mathilde des deutschen Kaisers Otto II. und überreichte ihr das Anwesen als Morgengabe. Beide stifteten im Jahre 1024 die Benediktinerabtei.

Die urkundlichen Erstnennungen der übrigen Orte in der Stadt sind jünger: Dansweiler, Freimersdorf und Manstedten werden in einer Liste von Gütern genannt, mit denen der lothringische Pfalzgraf Ezzo sein Hauskloster Brauweiler nach der Gründung ausstattete. Erstmalig erwähnt wird Ingendorf 1094, Orr 1086 und Sinnersdorf 1230 (nach anderer Auffassung 1233, da das Datum der lateinischen Quelle nicht eindeutig lesbar sei).

… der Name Sinnersdorf ist die fehlerhaft in das Hochdeutsche gesetzte Form des in der Mundart „Sönneschdörp“ lautenden Siedlungsnamens. Er ist gebildet aus dem Personennamen Sunirih und dem Siedlungswort dorf. Der Benennung mag also die Vorstellung „Dorf des Sunirih“ zugrunde gelegen haben. Wann und aus welchem Anlass diese Benennung erfolgt sein könnte, ist nicht erkennbar …“ (in: Heimatbuch Sinnersdorf: Die Geschichte unseres Ortes, Bd 1. S.18-20)

Die jüngste Siedlung ist Stommelerbusch. Sie entstand als Waldrodungssiedlung im 19. Jahrhundert.

Während des Mittelalters gehörten der nördliche und westliche Teil der heutigen Stadt mit den Hauptorten Pulheim und Stommeln zum Herzogtum Jülich. Sinnersdorf und Orr wurden vom Herzogtum Berg und vom Kurfürstentum Köln gemeinsam verwaltet. Der südliche Teil um Brauweiler bildete eine eigene Unterherrschaft im Kölner Erzstift.

Bedeutende Grundherren in allen Orten waren geistliche Institutionen wie Kölner Stifte und Klöster sowie die Abtei Brauweiler. Das prägende Element im Bild aller Siedlungen bildeten ihre landwirtschaftlichen Großbetriebe. Neben dieser geistlichen Grundherrschaft war der Besitz des Adels geringer. Nennenswerte ritterliche Güter gab es in Stommeln und Geyen. Die Anlage der Geyener Wasserburg (Junkerburg) - ein Lehen der Kölner Domkirche - zeigt noch heute die wehrhaften Funktionen eines Adelssitzes. Neben diesen großen Höfen gab es kleinere und mittlere bäuerliche Betriebe, deren Existenz zum Teil nur durch Anpachtung von Ackerland aus dem Besitz der geistlichen Grundherren gewährleistet war.

Der Truchsessische Krieg führte dazu, dass spanische Truppen 1581 durch Pulheim zogen. Zwei Jahre später plünderten wallonische Soldaten die Orte rund um Pulheim. Es kam zu schweren Schäden. Es folgten weiter Plünderungen, bis der Krieg 1589 beendet war. Der Truchsessische Krieg war allerdings nur der Vorbote eines noch schlimmeren Krieges, des Dreißigjährigen Krieges. Abermals wurden große Teile der Orte zerstört und 1623, 1635 und 1666 von der Pest heimgesucht.

Erst die Auflösung des geistlichen Grundbesitzes während der französischen Herrschaftsperiode am Ende des 18. Jahrhunderts hatte grundlegende soziale Veränderungen zur Folge. Die landwirtschaftlichen Großbetriebe der Kirchen und Klöster wechselten ihre Besitzer. Vielfach wurden sie von den bisherigen Halfen aufgekauft. Ein Teil dieser Höfe wurde ebenso wie der übrige bäuerliche Besitz während des 19. Jahrhunderts durch die bestehende Sitte der Realteilung unter den Erben aufgesplittet. Neue Häuser und Gehöfte wurden gebaut, was zu einer Verdichtung der Bebauung innerhalb der Siedlungen führte.

Zahlreiche Backsteinbauten dieser Zeit prägen noch heute die alten Siedlungskerne.

Bereits während der französischen Herrschaftsperiode von 1794 bis 1815 entstanden Mairies, das heißt Bürgermeistereien: Freimersdorf mit Brauweiler sowie Pulheim und Stommeln mit Sinnersdorf. Seit 1816, dem Gründungsjahr des ehemaligen Landkreises Köln unter preußischer Verwaltung, waren die Orte der heutigen Stadt durch wechselnde Verwaltungseinheiten immer wieder miteinander verknüpft. Als Sitz eines größeren Amtsverbandes trat Pulheim mehrfach in Erscheinung. So bestand das Amt Pulheim bis 1956 aus den Orten Pulheim, Sinnersdorf, Esch, Pesch, Orr, Geyen, Manstedten, Auweiler, Stommeln, Stommelerbusch, Ingendorf. Seit 1975 ist Pulheim zentraler Hauptort der gleichnamigen Gemeinde, die am 1. Januar 1981 Stadtrechte erhielt.

Politik

Der Rat der Stadt Pulheim umfasst seit der letzten Kommunalwahl vom 26. September 2004 56 Sitze, von denen 22 auf die CDU, 16 auf die SPD, 8 auf die FDP, 6 auf B`90/Grüne und 4 auf den Bürgerverein Pulheim entfallen.

Stadtoberhaupt ist seit 1999 Karl-August Morisse (FDP), der 2004 mit 65,8 % im Amt bestätigt wurde.

Städtepartnerschaften

Seit 1969 unterhält Pulheim eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Guidel, die bereits zuvor mit dem heutigen Pulheimer Ortsteil Brauweiler bestanden hatte. Guidel liegt in der Bretagne an der Atlantikküste, wenige Kilometer von der Stadt Lorient entfernt. 1984 wurde eine weitere Partnerschaft mit der englischen Stadt Fareham eingegangen, die etwa 100.000 Einwohner hat und sich an der Südküste Großbritanniens zwischen Portsmouth und Southampton befindet.

Religion

Die Pulheimer Bevölkerung ist, wie nahezu überall im Rheinland, überwiegend katholisch. Die katholische Pfarrgemeinde im Zentralort ist die größte im Erzbistum Köln. Rund 50% aller Pulheimer sind katholisch. Der Kirchturm der Pulheimer Pfarrkirche stammt aus dem 10. Jahrhundert und der sogenannte Altteil aus dem 12. Jahrhundert. Im Laufe zahlreicher Vergrößerungen ist der modernere und große Neuteil entstanden. So gibt es in der Kirche heute etwa 600 Sitz- und 1000 Stehplätze.

Einwohnerentwicklung des Zentralortes

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

In den 1920er Jahren baute die RWE AG in Brauweiler ein großes Umspannwerk mit Lastverteiler. Von hier verbindet die älteste Verbundleitung der Welt, die Nord-Süd-Leitung, die Grundlastkraftwerke des Rheinischen Braunkohlereviers mit den Wasserkraftwerken in Süddeutschland.

Verkehr

Pulheim ist an die Autobahnen 1 und 57 angeschlossen. Bis zur Fertigstellung der B59n als Ortsumgehung um die Stadtteile Pulheim und Stommeln führte die B59 von Köln in Richtung Grevenbroich durch Pulheim. Im Gegensatz zur sonst üblichen Einweihung durch Verkehrsminister Oliver Wittke wurde dieser Abschnitt der B59n durch den aus Pulheim stammenden Ministerpräsidenten Rüttgers eingeweiht. 2008 wurden dem Teil der ehemaligen B59 in der Innenstadt Pulheims die Rechte als Bundesstraße entzogen.

Pulheim ist über die Bahnhöfe im Hauptort und in Stommeln an die Bahnstrecke Koblenz-Köln-Mönchengladbach angeschlossen. Die Buslinien fahren nur teilweise dicht getaktet, gerade der Abend- und Wochenendverkehr ist über das öffentliche Nahverkehrsystem schwierig. Die Stadtverwaltung und einige Parteien denken darüber nach, aus finanziellen Gründen die einzige Bus-Nachtverbindung nach Köln zu beschneiden.

Sport

In Pulheim sind zahlreiche Sportvereine mit insgesamt über 14.000 Mitgliedern angesiedelt, wobei der Pulheimer SC mit über 6.000 Mitgliedern zu den größten Sportvereinen in NRW gehört. Erwähnenswert sind noch der ehemalige Frauen-Fußball-Bundesligist FFC Brauweiler-Pulheim(u.a. Deutscher Meister 1997), der ehemalige Baseball-Bundesligist Pulheim Gophers,der mehrfache Deutscher Meister im Badminton,der TTC Brauweiler und der Softball-Bundesligist Raging Abbots Brauweiler.

Der deutsche Straßenmeister im Radsport 2005, Gerald Ciolek, kommt aus Pulheim.

Der Pulheimer Stadtsportverband hat im Ville-Wald bei Dansweiler nahe dem Gestüt Villehof eine Lauf- oder Walking-Fitness-Strecke von 3,2 km angelegt, bei der man seine Kondition nach der in 12 Minuten aerob zurückgelegten Wegstrecke je nach Alter und Geschlecht ablesen kann. Dieser Cooper-Test, benannt nach dem vom US-amerikanischen Sportmediziner und Astronautentrainer und Erfinder des Aerobic Fitnesstrainings Kenneth H. Cooper wurde in den 1960er Jahren entwickelt.

Kultur und Freizeit

Sehenswürdigkeiten

Zu den Sehenswürdigkeiten gehören unter anderem:

Vereine

Die Pulheim-Frechener Eisenbahnfreunde bauen im alten Güterschuppen des Pulheimer Bahnhofs eine 70 m² große H0-Modelleisenbahnanlage auf, die sonntags besichtigt werden kann. Zudem werden regelmäßige Ausstellungen und Tauschbörsen veranstaltet.

Bibliotheken

Der Neubau der Stadtbücherei Pulheim als Teil des Kultur- und Medienzentrums wurde Februar 2006 eröffnet. Sie verfügt über etwa 45.000 Bücher, CDs, CDROMs, DVDs und andere Medien. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Leseförderung für Kinder.

Daneben gibt es u.a. zwei allgemein zugängliche größere kirchliche öffentliche Büchereien in den Ortsteilen Stommeln und Brauweiler, die katholische öffentliche Bücherei St. Kosmas und Damian Pulheim sowie zwei größere Schulbibliotheken in den Schulzentren Pulheim und Brauweiler.

Regelmäßige Veranstaltungen

Persönlichkeiten

Ehrenbürger der Stadt Pulheim

geehrt durch die Altgemeinden

Ehrenring

Ehrennadel

Literatur

 Commons: Pulheim – Bilder, Videos und Audiodateien