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Leopold von Ranke

Franz Leopold Ranke, ab 1865 von Ranke (* 21. Dezember 1795 in Wiehe (Unstrut); † 23. Mai 1886 in Berlin), war ein deutscher Historiker, Historiograph des preußischen Staates, Hochschullehrer und königlich preußischer Wirklicher Geheimer Rat.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Leopold von Ranke war der älteste Bruder des Theologen Friedrich Heinrich Ranke (1798–1876) und des Theologen Ernst Ranke (1814–1888). Seine Neffen waren der Physiologe und Anthropologe Johannes Ranke und der 1891 ebenfalls geadelte Mediziner Heinrich von Ranke.

Ranke heiratete 1843 Helena Clarissa Graves (1808–1871) aus alter englischer Familie, die Tochter des Dubliner Polizeikommissars John Crosby Graves (1776–1835) und der Helena Perceval (1785–1835). Das Ehepaar hatte die Söhne Otto (1844–1928), Generalmajor Friedhelm (1847–1917), der seine Cousine Selma von Ranke heiratete, und Albrecht (1849–1850) sowie Tochter Maximiliane (1846–1922).

Er wurde am 22. März 1865 in Berlin in den preußischen Adelsstand erhoben.

Leben

Sein Studium absolvierte Leopold von Ranke von 1814 bis 1818 in der Theologie und Philologie von Leipzig. Ab 1818 war er Gymnasiallehrer in Frankfurt (Oder) und seit 1825 war er außerordentlicher Professor in Berlin. Von 1827 bis 1831 bereiste Ranke die Archive des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches. Seit 1832 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin, wurde er 1834 dort ordentlicher Professor. 1841 wurde Ranke von König Friedrich Wilhelm IV. zum Historiographen des Preußischen Staates ernannt (der Ertrag gesammelt veröffentlicht als Zwölf Bücher preußischer Geschichte, 1878/1879). 1871 stellte er, da erblindet, seine Lehrtätigkeit ein, arbeitete aber entschlossen weiter an seinem Werk: Er nahm die Umarbeitung und Ergänzung älterer Arbeiten in Angriff, um seine Sämtlichen Werke herauszugeben. 80-jährig begann er, seine Weltgeschichte zu diktieren, von der ab 1880 jährlich ein Band erschien und die nach seinem Tod aus seinen Aufzeichnungen ergänzt wurde. 1885 ernannte man ihn zum Ehrenbürger von Berlin. Sein Grabmal steht auf dem Sophienkirchhof.

Bedeutung seines Werkes

Ranke ist einer der Gründerväter der modernen Geschichtswissenschaft. Nach den preußischen Reformen (um 1810) und der Gründung der ersten Berliner Universität unter Wilhelm von Humboldt hatte sich das Wissenschaftskonzept des Historismus durchgesetzt. Der Historismus unterschied sich durch einen systematischen und quellenkritischen Ansatz von der bisherigen vornehmlich philosophischen Geschichtsbetrachtung.

Aufgrund dieses Ansatzes lieferte Ranke eine Methodik, die die alte erzählende Geschichte mit den neuen wissenschaftlichen Grundlagen (mit einer zunehmenden Professionalisierung durch das Geschichtsstudium) verbindet. Der Historiker hat demzufolge die Aufgabe, aufzuzeigen, „wie es eigentlich gewesen“ ist. Ranke geht es um möglichst große Objektivität bei der Wiedergabe der Geschichte. Dieser Wesenszug seiner Geschichtsschreibung führt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der deutschen Geschichtswissenschaft zur Ausprägung sog. "Neorankeaner". Sie stehen im Unterschied zu Historikern wie Heinrich von Sybel, Heinrich von Treitschke oder Johann Gustav Droysen, die die Geschichte auch mit einer tagespolitischen Aufgabe sehen, auf dem methodologischen Boden Rankes. Dennoch bleiben auch sie nicht von der anderen Strömung unbeeinflusst. Objektivität in der Geschichtsschreibung bedeutet keineswegs tagespolitische Neutralität. Das gilt übrigens auch für Ranke selbst. Nachhaltigste Wirkung erreichten seine Werke vornehmlich zur Reformation, zu den römischen Päpsten, zur englischen und französischen Geschichte im 17. Jahrhundert. In der internationalen Geschichtsschreibung seiner Zeit gibt es in der Tat nur wenige, die sich mit ihm messen können. Dazu zählen u.a. Jules Michelet und Thomas Babbington Macaulay.

Ranke hat seiner Bedeutung entsprechend eine Vielzahl bedeutender Schüler, die ihrerseits selbst wieder eigene Schulen bilden. Hier nennen wir als seinen ältesten und wohl auch für die Entwicklung der deutschen Geschichtswissenschaft bedeutendsten Heinrich von Sybel. Auch Jacob Burckhardt, Carl von Noorden und Wilhelm Maurenbrecher haben zeitweilig in Berlin bei Ranke studiert.

Rankes Geschichtsschreibung ist im wesentlichen politische Staatengeschichte. Die in Erscheinung tretenden Personen haben in irgendeiner Weise politische Bedeutung. Die Erforschung der Staatenwelt ist ihm das Wesentliche. Die sozialen Gesichtspunkte wie die der gesellschaftlichen Unterschichten treten bei ihm meist nicht auf. Eines der wenigen Kapitel in seiner Geschichtsschreibung, wo sie so umwälzend in die Geschichte eintreten, dass sie nicht ignoriert werden können, gilt dem Themenfeld deutscher Bauernkrieg. Diese Auffassung von Geschichte schlägt sich besonders in der Geschichte der Reformationszeit und der des 17. Jahrhunderts nieder. Sie bleibt aber auch für die Geschichte des 19. Jahrhunderts nicht folgenlos.

Von 1833 bis 1836 gab Ranke die Historisch-Politische Zeitschrift heraus. Da Ranke den Großteil der Beiträge der Zeitschrift selbst verfasste, gilt diese heute als „einmalige persönliche Schöpfung ihres Herausgebers von unvergänglicher Wirkung“. (Theodor Schieder: Die deutsche Geschichtswissenschaft im Spiegel der Historischen Zeitschrift, in: Historische Zeitschrift 189 (1959), S. 2).

Werke

Literatur

 Commons: Leopold von Ranke – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Leopold von Ranke – Zitate
 Wikisource: Leopold von Ranke – Quellentexte
Personendaten
Ranke, Leopold von
Ranke, Leopold
deutscher Historiker
21. Dezember 1795
Wiehe (Unstrut)
23. Mai 1886
Berlin