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Etruskische Sprache

Etruskisch

Gesprochen in

Etrurien (im Wesentlichen heutige Toskana) und Unteritalien
Sprecher (ausgestorben)


Die etruskische Sprache wurde vom 9. Jahrhundert v. Chr. bis zu ihrem Aussterben, ca. im 2. Jahrhundert n. Chr., in der damaligen Provinz Etrurien im Gebiet der heutigen Toskana gesprochen (die den Etruskern ihren Namen zu verdanken hat: Tusci war der gebräuchliche lateinische Name für die Etrusker).

Es existiert ein sog. corpus, eine Sammlung etruskischer Texte, die bis heute überdauert hat und aus Kampanien, dem Latium, Falerii (Gebiet der Falisker), Veji, Cerveteri (Caere), Tarquinia und deren Umgebung stammt, aber auch aus Gebieten außerhalb Etruriens, mit denen die Etrusker diplomatische und Handelskontakte pflegten, wie z.B. die spätere Gallia Narbonensis, aber auch Korsika, Sardinien und das karthagische Nordafrika. Die nördlichste Inschrift befindet sich in Österreich in der Nähe des Guffert.

Etruskisch wurde in einer Variante des altitalischen Alphabets geschrieben (s. Etruskische Schrift).

Inhaltsverzeichnis

Die Texte

Außer wenigen Fibeln, den Epigraphien, die man auf vielen Geräten und Objekten findet, wie Töpfereien und Spiegeln, auf Grabwänden und auf Särgen (recht kurz, oft nur aus dem Namen des Verstorbenen bestehend), sind die wichtigsten erhaltenen Texte in etruskischer Sprache folgende:

Der bisher längste Text, den man gefunden hat. Es ist ein regelrechtes "Buch", auf Leinen geschrieben, das man in acht Streifen zerrissen als Binden für eine ägyptische Mumie benutzt hat; drei der Streifen sind jedoch verloren gegangen. Die Mumie befindet sich im Nationalmuseum in Zagreb. Der Text, der aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammt, ist in roter und schwarzer Tinte kalligraphiert und umfasst zwölf senkrechte Spalten (Kolumnen), ca. 230 Zeilen und ca. 1200 lesbare Wörter, darunter ungefähr 500 verschiedene. Die Wiederholungen erklären sich durch den rituellen Charakter des Textes. Man bezeichnet ihn auch als "religiösen Kalender", der für jeden Tag die zur Ehrung der Götter vorgesehenen Zeremonien mit Orts- und Zeitangaben vorschreibt.
Dieser Text besteht aus 10 Absätzen und 62 Zeilen, von denen jede durch eine waagrechte Linie abgegrenzt ist. Etwa 300 Wörter sind heute noch lesbar. Der Text ist religiöser Natur und beinhaltet Anweisungen bezüglich der Vorbereitungen zu einem Bestattungsritus.
Dieser Text besteht aus 46 Zeilen und ca. 100 Wörtern. Es handelt sich dabei um ein Abkommen zwischen zwei Familien, das die Grenzen zwischen ihren Grundstücken festlegt.
Ein in zwei Goldbleche gemeißelter zweisprachiger Text, den man in einem der Göttin Astarte (kanaanäische Form der babylonischen Göttin Ischtar) gewidmeten Heiligtum fand. Der erste, etruskische Text, von einem gewissen Thefarie Velianas, "Magistrat", "Statthalter" oder "Herr" von Caere (heute: Cerveteri) verfasst, richtet sich an die etruskische Göttin Uni (Hera-Juno); der zweite, auf Punisch verfasste Text, ist eine Anweisung bezüglich der Zeremonien, die ihr zu Ehren stattfinden sollten.
Die erste wurde in San Marinella bei Rom gefunden und scheint eine Voraussage eines Orakels zu beinhalten. Die zweite fand man in Magliano, sie ist in Spiralenform geschrieben und ist eine Liste von Opfergaben an mehrere Götter. Die dritte fand man in Volterra, sie ist wahrscheinlich ein magisch-ritueller Text. Die vierte fand man in Campiglia Marittima, sie handelt von einem Fluch, den eine Liberte auf mehrere Personen gehetzt hatte.
Diese Bronzetafel wurde erst 1992 in der Nähe der Stadt Cortona am Trasimenischen See gefunden. Sie ist jetzt die drittlängste bekannte Inschrift nach den Mumienbinden von Zagreb und dem Ziegelstein von Capua. Der Text ist 40 Zeilen lang und stellt offenbar eine notarielle Urkunde dar.
So nennt man die sechs mit Ringen zusammengehaltenen Tafeln, die man unlängst in Bulgarien fand. Sie befinden sich derzeit im Nationalmuseum in Sofia. Man fand sie auf ungewöhnliche Weise: Sie wurden angeblich 1940 bei einem Kanalbau entdeckt, aber heimlich in Privatbesitz behalten. Sie seien dann von dem anonymen, in Mazedonien lebenden 87-jährigen Besitzer dem Museum zu Beginn des 21. Jahrhunderts gestiftet worden. Die mit Blattgold beschichteten Texte beinhalten die Illustrationen eines Reiters, einer Meerjungfrau und einer Harfe sowie einen Text, der derzeit in London untersucht wird.

Linguistische Klassifikation

Das Etruskische ist definitiv keine indogermanische Sprache. Steinbauer hat allerdings versucht nachzuweisen, dass das Etruskische und Lemnische Kontakt zu westanatolischen, also indogermanischen Sprachen hatten.[1] Die weiteren Verwandtschaftsverhältnisse sind unsicher:

Die einzigen beiden Sprachen, deren Verwandtschaft mit dem Etruskischen in der Fachwelt heute ziemlich sicher ist, sind die auf der Insel Lemnos bis zur Invasion der Athener im 6. Jahrhundert v. Chr. gesprochene lemnische und die rätische Sprache. Durch die sprachliche Verbindung mit dem Lemnischen könnte die Hypothese gestützt werden, dass die Etrusker aus dem agäisch-kleinasiatischen Raum nach Italien eingewandert sind; jedoch ist eine umgekehrte Wanderungsrichtung auch nicht von vornherein auszuschließen (in diesem Falle wäre das Etruskische eine autochthone Sprache Italiens). Allerdings gibt es im Verbreitungsgebiet des Etruskischen Hinweise auf ein sprachliches Substrat, das für die genannte Verbindung mit dem Rätischen verantwortlich sein könnte.

Versuche, das Etruskische mit dem Baskischen und den kaukasischen Sprachen in Verbindung zu bringen, endeten bislang ebenfalls nicht überzeugend.

Wenig zwingend ist die Verknüpfung mit dem "Nostratischen", einer "Überfamilie", mit der bestimmte Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Sprachfamilien (u.a. der indogermanischen, der afroasiatischen und der uralischen Sprachfamilie) erklärt werden sollen.

Grammatik

Deklination

Nach Rix kann man im Etruskischen folgende Kasussuffixe unterscheiden (V steht im Folgenden für einen Vokal):

Nominativ: nicht bezeichnet
Akkusativ: nur beim Pronomen durch -n(i) bezeichnet
Genitiv I: -(V)s
Genitiv II: -(a)l
Lokativ: -i
Ablativ I: -is
Ablativ II: -(a)ls
Pertinentiv I: -(V)si
Pertinentiv II: -(a)le

Der Plural wird bei den Substantiven durch die Suffixe -(V)r bzw. -χva/-cva/-va/-ua bezeichnet.

Konjugation

Über Personalendungen ist nichts bekannt.

Präsens: -e
Präteritum Aktiv: -ce
Präteritum Passiv: -χe
Imperativ: nicht bezeichnet (= Verbalstamm)
Konjunktiv: -a
Nezessitativ: -ri
Verbalnomen: -u (Resultat), (Gleichzeitigkeit), -as (Vorzeitigkeit), -e (Infinitiv)

Wortschatz

Der größte Teil des etruskischen Wortschatzes ist noch immer nicht gedeutet, die Deutungen der einzelnen Forscher gehen z.T. immer noch weit auseinander und sollten kritisch betrachtet werden. Nur ein kleiner Teil der etruskischen Wortbedeutungen kann als gesichert gelten, z.B.

Vater apa
Mutter ati
Sohn clan
Tochter seχ
Bruder ruva
Großvater papa
Großmutter teta
Gattin puia
Enkel/Neffe neftś
Sonne usil
Mond, Monat tiur
Stern pulum
Jahr avil
u. a.

Ein Teil des etruskischen Wortschatzes besteht aus "etruskisierten" Wörtern anderer Sprachen, wie z.B. den italischen Sprachen, dem Griechischen, Persischen, Punischen u.a.

Etruskische Vornamen

Die Etrusker verwendeten neben eigenen Vornamen auch solche aus italischen, griechischen und anderen indoeuropäischen Sprachen.

Einige Beispiele für rein etruskische Vornamen:

Männlich: Avile/Avele/Aule, Arnθ, Larθ, Lar(e)ce, Laris, Vel, Śeθre, Tarχi
Weiblich: Larθi(a), Veli(a), Śeθr(i)a, Fasti(a)/Hasti(a), Tarχa, Θana, Θanχvil, Ramθa

Einige Zahlwörter

(nach Pfiffig)

1 - θu(n)
2 - zal, esal
3 - ci
4 - śa
5 - maχ
6 - huθ
7 - semφ
8 - cezp
9 - nurφ
10 - śar
20 - zaθrum

Die Reihenfolge der Zahlwörter für 4, 5 und 6 ist immer noch umstritten.

Einzelnachweise

  1. Dieter H. Steinbauer, 1999, S. 357 ff.

Literatur

Deutsch

Italienisch

Englisch

Französisch

Niederländisch