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Wahlkreis

Ein Wahlkreis ist jener – in der Regel geografisch zusammenhängende[1] – Teilraum eines Wahlgebietes, in dem die Wahlberechtigten über die konkrete Besetzung eines oder mehrerer Sitze des entsprechenden Organs entscheiden. Die zu wählende Versammlung kann das nationale Parlament oder jenes eines Bundeslandes sein.

Wahlkreise können nach der Anzahl der im Wahlkreis zu vergebenden Mandate sowie nach der Art des verwendeten Wahlverfahrens unterschieden werden.

Wenn pro Wahlkreis genau ein Sitz vergeben wird, spricht man von „Einer-Wahlkreisen“. Am verbreitetsten sind Einer-Wahlkreise mit relativer Mehrheitswahl. In ihnen gewinnt der Bewerber mit den meisten Stimmen. Dies ist beispielsweise der Fall bei Unterhauswahlen im Vereinigten Königreich, bei Wahlen zum Deutschen Bundestag, dem US-amerikanischen Repräsentantenhaus oder dem indischen Unterhaus.

Bei den Wahlen zur französischen Nationalversammlung wird nach dem romanischen Mehrheitswahlrecht gewählt. In denjenigen Wahlkreisen, in denen kein Bewerber die Hälfte der gültig abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen konnte, kommt es zu einer Stichwahl in einem zweiten Wahlgang. An der Stichwahl nehmen die zwei stärksten Kandidaten teil. Weitere Kandidaten nehmen teil, sofern sie die Stimmen von mehr als 12,5 % der Wahlberechtigten erhalten haben.

Bei Wahlen zum Australischen Unterhaus wird in Einer-Wahlkreisen nach dem Instant-Runoff-Voting-Verfahren gewählt.

Daneben gibt es Wahlsysteme mit Mehrmandatswahlkreisen. In diesen werden jeweils zwei oder mehr Abgeordnete direkt gewählt. So wird etwa in Irland in Dreier-, Vierer- und Fünfer-Wahlkreisen nach dem Prinzip der Übertragbaren Einzelstimmgebung gewählt.

Im Bundesland Hamburg gibt es Mehrmandatswahlkreise, in denen mit Wahlkreislisten gewählt wird, bei denen kumuliert und panaschiert werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Der Wahlkreis ist ein frühes Konstrukt der Demokratie. Als die römische Republik sämtliche italischen Gebiete unterworfen und zu Bundesgenossen gemacht hatte, wurden diese in Wahlbezirke (sog. Tribus) eingeteilt, um auf diese Art in Rom vertreten zu sein.

Wahlkreiseinteilung

In den modernen Demokratien ist die Einteilung der Wahlkreise stets ein Politikum. Die Einheiten müssen zur Beachtung der Wahlgrundsätze – vor allem des Prinzips der Gleichheit der Wahl („One Man – One Vote“) – möglichst gleichartig gewichtet sein, also eine annähernd gleiche Zahl von Einwohnern, Staatsbürgern oder Wahlberechtigten pro zu vergebendem Mandat haben (je nach Gebietsgröße Zehn- bis Hunderttausende). Zudem wird oft auch darauf geachtet, dass sie eine ähnliche soziologische Struktur aufweisen.

Insbesondere bei Einer-Wahlkreise besteht die Möglichkeit der manipulativen Wahlkreiseinteilung, welche im als Gerrymandering bezeichnet wird.

In Deutschland haben die Landesverfassungsgerichte der Länder mehrfach Wahlkreiseinteilungen für verfassungswidrig erklärt, weil die Größe einiger Wahlkreise zu stark von der mittleren Größe der Wahlkreise abwichen.

Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es seit der Bundestagswahl 2002 299 Wahlkreise (auch: Bundestagswahlkreise) bei Wahlen zum Deutschen Bundestag (§ 2 des Bundeswahlgesetzes [BWahlG]), welche sich wiederum in Wahlbezirke unterteilen. In den Fällen, in denen nach Verhältniswahl gewählt wird (zum Beispiel Europawahl, Bundestagswahl, Landtagswahl, Bürgerschaftswahl), sind die Wahlkreise zugleich Stimmkreise für die Abgabe derjenigen Stimmen, die über die Verteilung der Mandate nach Landeslisten entscheiden.

Die Wahlkreise sollen so eingeteilt sein, dass jeder Wahlkreis die ungefähr gleiche Zahl der deutschen Bevölkerung umfasst. Die Abweichungen vom Durchschnitt aller Wahlkreise sollen bestimmte Maße nicht übersteigen (siehe z. B. § 3 Abs. 1 Nr. 3 BWahlG). Ein Wahlkreis darf sich dabei nur innerhalb eines Bundeslandes befinden, sonstige Gebietskörperschaften (beispielsweise Bezirke, Kreise, Kommunen) sollen so weit wie möglich nicht zerschnitten werden (siehe z. B. § 3 Abs. 1 Nr. 1 und 5 BWahlG). Wegen Veränderungen der Bevölkerungszahlen wird dieses Bundesgesetz in jeder Wahlperiode des Bundestages geändert.

Die Mandate derjenigen Abgeordneten, die einen Wahlkreis gewonnen haben, nennt man Direktmandate. Bei Wahlen zum Deutschen Bundestag wird neben den Direktmandaten eine gleiche Anzahl (seit 2002: 299) Mandate an Listenkandidaten vergeben, sodass Ungleichheiten zulasten kleinerer Parteien ausgeglichen werden: 2005 beispielsweise erhielt die Freie Demokratische Partei bei der Bundestagswahl 9,8 % der gültig abgegebenen Stimmen, jedoch kam keiner der 299 erfolgreichen Direktkandidaten aus ihren Reihen. Die der Partei zustehenden etwa 10 % der Sitze im Deutschen Bundestag wurden also ausschließlich über die Landeslisten bestimmt.

Auch im Kaiserreich gab es bei den (Reichstags)wahlen Wahlkreise. Im Kaiserreich galt das absolute Mehrheitswahlrecht, wie es etwa noch heute im Vereinigten Königreich üblich ist: Wer in einem Wahlkreis die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte, erhielt das Mandat. Einen Ausgleich für die unterlegenen Parteien wie etwa in Form einer Landesliste gab es nicht. Insgesamt gab es 397 Wahlkreise; bei der ersten Reichstagswahl 1871, die in Elsass-Lothringen nicht stattfand, waren es 382.

In der Weimarer Republik gab es ebenfalls Wahlkreise, diese waren jedoch weitaus größer als die Wahlkreise der Kaiserzeit und erfüllten eine andere Funktion: In jedem Wahlkreis wurde auf Grundlage des Verhältniswahlrechts eine festgelegte Zahl von Abgeordneten gewählt (siehe Reichstagswahl#Weimarer_Republik). Je nach Zahl der Wahlberechtigten war diese Zahl von Wahlkreis zu Wahlkreis unterschiedlich. 1918 wurde die Zahl der Wahlkreise auf 38 festgelegt; da Elsass-Lothringen bei den Wahlen zur Nationalversammlung 1919 bereits wieder französisch war, gab es bei jener Wahl nur 37 Wahlkreise, durch den Verlust der Wahlkreise (und Provinzen) Posen und Westpreußen bei der Reichstagswahl 1920 nur noch 35. Bei dieser Zahl blieb es bis zur letzten Reichstagswahl 1933.

Für die einzelnen Artikel über Wahlkreise siehe:

Österreich

Zu den Wahlen des Nationalrats ist das Wahlgebiet entsprechend der bundesstaatlichen Gliederung in 9 Landeswahlkreise und 43 Regionalwahlkreise aufgeteilt. (vgl. Nationalratswahlordnung). Jedem Landeswahlkreis werden vor der Wahl so viele der insgesamt 183 Mandate zugeordnet, wie sich Einwohner nach der letzten Volkszählung dort ergeben und zwar nach dem Quotenverfahren nach größten Bruchteilen (Hare). Diese Mandate werden entsprechend an die Regionalwahlkreise unterverteilt.

Schweiz

Jeder der 26 Kantone bildet einen Wahlkreis. Jeder Wahlkreis hat unabhängig von seiner Bevölkerungszahl Anrecht auf mindestens einen Abgeordnetensitz im Nationalrat. Die restlichen 174 Sitze werden proportional auf die Wahlkreise (= die Kantone) verteilt. Maßgeblich für die Zuteilung ist jeweils die gesamte Wohnbevölkerung der Kantone gemäß den Ergebnissen der letzten Volkszählung.

Deutschland

Österreich

Schweiz

Einzelnachweise

  1. Beispiele für geografisch nicht zusammenhängende Wahlkreise sind die Bundestagswahlkreise 55, 99, 176, 178, 189, 224 und 273