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Pyramide von Athribis

Die Pyramide von Athribis war eine kleine Ziegel-Pyramide, die in dem antiken Ort Athribis (Tell Atrib) im südlichen Nildelta lag. Sie war damit die am weitesten nördlich gelegene ägyptische Pyramide und zugleich die einzige bekannte, die im Delta errichtet wurde.

Inhaltsverzeichnis

Erforschung

Erstmals wissenschaftlich verzeichnet wurde das Bauwerk während Napoleons Ägyptischer Expedition (1798–1801). Eine genauere Untersuchung fand allerdings nicht statt, lediglich ein Kupferstich der Pyramide sowie eine Karte des Ruinenhügels von Athribis, wo das Bauwerk als Ziegel-Pyramide bezeichnet wird, wurden angefertigt und 1822 erstmals in der Description de l'Égypte veröffentlicht. Danach geriet die Pyramide lange Zeit in Vergessenheit. Erst 1938 wurde sie von einem Team der Universität Liverpool unter der Leitung von Alan Rowe wieder ausfindig gemacht. Der Oberbau war inzwischen praktisch vollständig abgetragen. Zeitmangel hinderte Rowe, nähere Untersuchungen vorzunehmen, weswegen sein Bericht auch extrem kurz ausfällt und keine Informationen enthält, die über die Angaben der französischen Expedition hinausgehen. Den letzten Lokalisierungsversuch unternahm 1993 der polnische Ägyptologe Andrzej Ćwiek. Zu diesem Zeitpunkt war Athribis aber schon fast vollständig von dem modernen Ort Banha überbaut worden, die Pyramide inzwischen restlos abgetragen und ihr einstiger Standort nicht mehr genau feststellbar.

Baudetails

Die genauen Maße der Pyramide sind nie ermittelt worden, sie können daher nur anhand der Angaben in der Description abgeschätzt werden. Ćwiek geht aufgrund des Kartenmaßstabes von einer Seitenlänge von etwa 20 Meter aus. Den Böschungswinkel schätzt er auf weniger als 50°.

Alter und Funktion

Über Alter und Funktion der Pyramide kann aufgrund des äußerst spärlichen Datenmaterials nur spekuliert werden. Der Ägyptologe Nabil Swelim[1][2] und der ehemalige Direktor des DAI in Kairo Rainer Stadelmann[3][4] rechnen sie zu einer Gruppe von sieben kleinen Stufenpyramiden (Edfu-Süd, Elephantine, El-Kula, Ombos, Saujet el-Meitin, Seila und Sinki), die im Alten Reich, am Ende der 3. oder am Anfang der 4. Dynastie entstanden sind. Stadelmann sieht in diesen Bauten Repräsentationsstätten des Königs, vergleichbar einem mittelalterlichen Pfalz-System, während Swelim eher eine religiöse Nutzung vermutet. Allerdings wird die Einordnung der Pyramide von Athribis in diese Gruppe von keinem der beiden Forscher näher begründet. Tatsächlich stimmt nur die vermutete Seitenlänge mit denen der anderen sieben Pyramiden überein, während es ansonsten erhebliche Unterschiede gibt: Zum einen zeigt der Kupferstich aus der Description keine Stufen- sondern eine echte Pyramide. Zum anderen bestehen die anderen Bauwerke aus Stein, dieses jedoch aus Ziegeln. Besonders wegen des letzten Punktes äußerte Ćwiek Bedenken gegen die Einordnung Swelims und Stadelmanns. Er hält es für unwahrscheinlich, dass Ziegelstrukturen aus dem Alten Reich zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch so deutlich erhalten geblieben sind. Seiner Meinung nach ist es daher wahrscheinlicher, dass es sich um eine Pyramide aus der 13. Dynastie, wenn nicht gar aus der Spätzeit handelte.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Nabil Swelim: Some Problems on the History of the Third Dynasty. In: Archaeological and Historical Studies, Bd. 7, Publications of The Archaeological Society of Alexandria, Alexandria 1983, S. 100
  2. Nabil Swelim: Rollsiegel, Pierre de taille and an Update on a King and Monument List of the Third Dynasty. In: Studia Aegyptiaca, Bd. 14, Budapest 1992, S. 553
  3. Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. Vom Ziegelbau zum Weltwunder. Verlag Philipp von Zabern, 3. Aufl., Mainz 1997, S. 79, ISBN 3-8053-1142-7
  4. Rainer Stadelmann: Pyramiden, AR. In: Lexikon der Ägyptologie, Bd. 4, Harassowitz Verlag, Wiesbaden 1982, Sp. 1205

Literatur

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