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Malteserorden

Dieser Artikel erläutert den römisch-katholischen Malteserorden.
Für die gemeinsame Geschichte des Johanniter-/Malteserordens bis zur Reformation siehe Geschichte des Johanniterordens.
Flagge
Wappen

Wahlspruch:
„Tuitio fidei et obsequium pauperum“
(Bezeugung des Glaubens und
Hilfe den Bedürftigen)

Basisdaten
Amtssprache Latein, Italienisch
Status souveränes Völkerrechtssubjekt
Sitz Palazzo di Malta in der
Via dei Condotti 68, Rom
Staatsoberhaupt Fra' Matthew Festing
Mitglieder 12 500
Währung 1 Scudo = 12 Tari = 240 Grani
Zeitzone UTC+1
Kfz-Kennzeichen S.M.O.M.
Hymne Ave Crux Alba (Sei gegrüßt, weißes Kreuz)

Der Souveräne Malteserorden (mit vollem Titel: Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes von Jerusalem, von Rhodos und von Malta) [1] ist die römisch-katholische Ordensgemeinschaft, die in Kontinuität zu dem ursprünglich Hospitalorden oder Johanniterorden genannten Ritterorden steht. Völkerrechtlich wird der Orden im Allgemeinen als ein souveränes, nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt betrachtet.

Inhaltsverzeichnis

Gliederung des Ordens

Fra' Matthew Festing, aktueller Großmeister

Der Orden hat weltweit etwa 12.500 Mitglieder (Ritter und Damen). Die oberste Leitungsgewalt hat der auf Lebenszeit gewählte Großmeister inne, zurzeit Frà Matthew Festing (Fürst und Großmeister). Der Orden unterhält diplomatische Beziehungen mit 100 Staaten (darunter Österreich) und ständige Vertretungen in fünf weiteren Staaten (darunter Deutschland); eine eigene Währung (1 Scudo = 12 Tari = 240 Grani, der Umrechnungskurs zur europäischen Währung ist 1 Scudo = 0,24 Euro; und 1 Tari = 0,02 Euro) mit Münzprägung (als Souverän von Malta bis 1798, dann wieder ab 1961) und seit 1966 auch eigene Briefmarken (bilaterale Postverträge mit derzeit 50 Staaten). Der Malteserorden genießt bei der UNO Beobachterstatus.[2]

Der Orden ist seit 1798 nicht mehr in Malta beheimatet, unterhält aber seit 1966 volle diplomatische Beziehungen mit der Republik Malta. Gemäß einem Staatsvertrag vom Dezember 1998 zwischen dem Souveränen Malteser-Ritterorden und der Republik Malta wurde dem Orden die Festung St. Angelo, die bereits ab 1530 bis zum Umzug der Ordensregierung in die neuerbaute Stadt Valletta Sitz des Ordens auf der Insel war, für die Dauer von 99 Jahren zur alleinigen Nutzung überlassen. Seit 1976 ist der Orden auch wieder auf Rhodos vertreten.

In den Staaten, in denen der Orden kraft eigener Rechte oder internationaler Abkommen Aktivitäten entfaltet, besteht seine Struktur aus Großprioraten, Prioraten, Subprioraten und Nationalen Assoziationen.[1] Der Malteserorden ist in über 90 Ländern der Welt karitativ tätig. In vielen Ländern gibt es eigene Hilfsorganisationen, Tochterinstitutionen des Ordens, die bestimmte soziale Aufgaben übernehmen. In Deutschland wurde 1953 in Zusammenarbeit mit der Caritas die Hilfsorganisation Malteser Hilfsdienst (heute einfach Malteser) gegründet. In Südafrika wurde 1992 unter Leitung des Benediktiners Gerhard Lagleder die nach dem Gründer des Hospitalordens, Bruder Gerhard Tonque, benannte Brotherhood of Blessed Gérard gegründet, die nach dem Vorbild der deutschen Malteser organisiert ist.

In Deutschland hat eine Gliederung (Balley Brandenburg mit Sitz ursprünglich in Sonnenburg) schon seit 1382 einen weitgehend autonomen Status. Seit dem Übertritt des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg zur Lutherischen Lehre im Jahre 1538 ist dieser Zweig evangelisch. 1811 wurde der evangelische Zweig des Johanniterordens in seiner Form als Ritterorden zunächst aufgelöst und als preußischer Verdienstorden weitergeführt. Im Jahr 1852 wurde er in Kontiniuität zur Balley durch die noch lebenden Ritter als evangelischer Ritterorden fortgesetzt. Seit diesem Zeitpunkt hat er die Rechtsform eines altrechtlichen Vereins.

Der Malteserorden schloss sich 1961 mit dem evangelischen Johanniterorden in Deutschland und den Niederlanden (Johanniter Orde in Nederland), in Schweden (Johanniterorden i Sverige) und in Großbritannien (Order of St John) unter wechselseitiger Anerkennung zu einer Allianz zusammen.

Die Stände des Ordens

Die Ordensmitglieder sind in drei Stände gegliedert:[1]

Ritter und Kapläne des Ersten Standes legen die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab und streben so nach evangelischer Vollkommenheit. Sie sind Religiosen mit allen Wirkungen des Kirchenrechtes und richten sich nach den sie betreffenden besonderen Vorschriften. Zum Leben in Gemeinschaft sind sie nicht verpflichtet.
Die Mitglieder des Zweiten Standes verpflichten sich kraft ihrer Promess, in Übereinstimmung mit den Pflichten ihres persönlichen Standes im Geiste des Ordens nach christlicher Vollkommenheit zu streben.
Den Ordensmitgliedern obliegt es, ihr Leben auf vorbildliche Weise entsprechend den Lehren und Vorschriften der Kirche zu führen und sich entsprechend den Weisungen des Codex den karitativen Werken des Ordens zu widmen.

Der Orden in Deutschland

Nachdem bereits 1154 die erste Ordenskommende in Duisburg entstand, erfolgte um 1200 die Gründung des Großpriorats Deutschland mit Sitz ab 1428 in Heitersheim.

Napoleon veranlasste 1806 die Auflösung des Großpriorats und die Enteignung aller Ordenseinrichtungen.

Deutsches Subpriorat des Hl. Michael

Am 13. Juni 2004 wurde auf sechs Jahre Johannes Freiherr Heereman zum Regenten des seit 1961 bestehenden deutschen Subpriorates gewählt.[3] Einem Subpriorat gehören nur die Mitglieder des Ersten und Zweiten Standes an.[1]

Deutsche Assoziation des Malteserordens

1859 erfolgte die Gründung der Genossenschaft der Rheinisch-Westfälischen Malteser Devotionsritter und 1867 die Gründung des Vereins Schlesischer Malteserritter.

Beide Assoziationen verrichteten Sanitätsdienst in Kriegszeiten und 1865 erfolgt die Gründung des ersten Ordenskrankenhauses in Flensburg, des St. Franziskus Hospitals.

Ab 1945 erfolgt der Wiederaufbau der Ordensaktivitäten.

1993 schliessen sich beide Assoziationen zur Deutschen Assoziation mit heute etwa 550 Mitgliedern zusammen.[4] Einer Assoziation gehören die Mitglieder der drei Stände an.[1] Präsident der deutschen Assoziation ist Dr. Erich Prinz von Lobkowicz.[5]

Werke des Ordens in Deutschland sind:

Der Orden in Österreich

Seit dem 12. Jahrhundert gibt es das Großpriorat von Österreich, in dem derzeit 392 Ordensmitglieder tätig sind. Auch einige slowakische und die liechtensteinischen Ordensmitglieder werden von Österreich aus betreut. Nach dem Tod des Fürstgroßpriors Wilhelm von und zu Liechtenstein im Jahr 2006 wird das Großpriorat zur Zeit von dem Hospitalier des Großpriorates, Norbert Graf Salburg-Falkenstein als Prokurator geleitet.[6] Dem Großpriorat gehören die Mitglieder der drei Stände an.[1]

Der Orden besitzt in Österreich noch acht inkorporierte Kirchen, eine Patronatskirche, eine Privatvolksschule[7] und mit der Kommende Mailberg (1146)[8] die älteste Besitzung des Ordens weltweit. Er finanziert sich zum großen Teil durch Einnahmen aus einem Waldbetrieb bei Ligist [9] und einem Tourismusbetrieb auf der Hebalm [10] in der Steiermark.

Werke des Ordens in Österreich sind:

Der Orden in der Schweiz

Der Orden ist seit 1180 (Münchenbuchsee) auf dem heutigen Gebiet der Schweiz vertreten und besaß bis 1456 ca. 20 Kommenden. Zahlreiche Kommenden verlor der Orden durch die Glaubensspaltung, die restlichen durch die Säkularisationen anfangs des 19. Jahrhunderts, 1825 hob der Staat Fribourg die letzte Kommende in der Schweiz auf.

Die Helvetische Assoziation des Souveränen Malteser Ritterordens besteht seit 1960 und unterteilt sich in die Delegationen[1] der deutschen, der französischen und der italienischen Schweiz. Präsident der helvetischen Assoziation ist Gilles de Weck. [11]

Werk des Ordens in der Schweiz ist der Malteser Hospitaldienst Schweiz (MHDS).

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Johanniterordens

Gründung in Palästina

Der Orden vom Spital des heiligen Johannes zu Jerusalem (als Johanniter oder Hospitaliter bezeichnet) wurde 1099 gegründet und 1113 vom Papst bestätigt. Er ging aus einem Pilgerspital hervor, das von Kaufleuten aus Amalfi bereits lange vor dem ersten Kreuzzug gestiftet worden und Johannes dem Täufer geweiht war, woraus sich der Name Johanniter ableitet. Zur Gründungszeit des Ordens konnte das Spital in Jerusalem bereits um die 2000 Pilger aufnehmen.

Zunächst trugen die Johanniter eine einfache Schwarze Mönchskutte. Als der ursprüngliche Hospitaldienst immer mehr durch den bewaffneten Schutz von Pilgern und den Kampf in Kreuzzugsgebieten ergänzt wurde, trugen sie ab dem 13. Jahrhundert zunächst einen schwarzen Übermantel mit einem weißen Kreuz darauf, das in acht Spitzen endete. Ab Mitte des 13. Jahrhunderts wurde es üblich, dass die Ordensritter in Kriegszeiten einen roten Mantel mit weißem Kreuz trugen. Die Form des Kreuzes ist inzwischen als Malteserkreuz bekannt. Imposante Zeugnisse der Geschichte des Hospitaliterordens im Heiligen Land sind die im 12. Jahrhundert errichtete Kreuzritterburg Belvoir und die 1142 übernommene Burg Krak des Chevaliers. Neben den Adeligen Ordensrittern dienten auch eine große Zahl Nichtadelige dem Orden. Diese sogenannten Sergeantenbrüder unterlagen nicht voll den Ordensgelübden und Zugangsvoraussetzungen und wurden auch in Uniform und Ausrüstung unterschieden, so trugen sie z. B. in der Frühzeit braune statt schwarze Mäntel.

Umzug nach Zypern, Rhodos bzw. Malta

Nach der Vertreibung aus Palästina 1291 wurde der Sitz des Ordens von Jerusalem nach Zypern, 1309 nach Rhodos und nach der Eroberung der Insel durch die Osmanen (1522) schließlich 1530 nach Malta verlegt. Seitdem bürgerte sich die Bezeichnung "Malteserorden" für den Johanniterorden ein.

Seit der Übersiedlung der Ordenszentrale nach Rhodos im 14. Jahrhundert war der Orden landsmannschaftlich in die sogenannten Zungen untergliedert. Zunächst bestanden sieben, später auch acht Zungen. Durch die Vorgänge während der Reformation wurden einzelne Zungen dann so ausgedünnt, dass die Zahl der Zungen reduziert werden musste. In der französischen Revolution wurde 1792 der Besitz des Ordens in Frankreich eingezogen und die Zungen Provence, Auvergne und Frankreich gingen verloren.

Vertreibung durch Napoleon

Von Napoleon wurde der Orden am 11. Juni 1798 aus Malta vertrieben. Um ein Blutbad zu vermeiden (die Malteserritter durften nach ihren eigenen Regeln gegen andere Christen das "Schwert nicht erheben") und da der Großteil der Ordensritter selbst Franzosen waren, übergab der damalige Großmeister Ferdinand von Hompesch die Insel ohne Gegenwehr an Napoleon. Die französischen Truppen plünderten die Kirchen und Klöster. Die Malteserritter verließen die Insel und emigrierten größtenteils nach Russland. Zar Paul I., der ihr Großmeister wurde, hatte ihnen dort große Ländereien überlassen.

Die am 27. März 1802 im Frieden von Amiens von England zugesicherte Rückgabe von Malta an den Orden wurde gebrochen.

In großen Teilen Deutschlands, Spaniens, Italiens und Russlands wurde in den Jahren 1805 bis 1811 der gesamte Ordensbesitz eingezogen. Das Großpriorat in Böhmen-Österreich blieb jedoch bestehen, was den Fortbestand des Ordens in dieser schwierigen Zeit sicherte.

Der Wiener Kongress bestätigte 1815 den Verbleib Maltas bei England.

Der Vertrag von Verona von 1822 sichert den Fortbestand des Ordens als souveräner Staat.

Ansiedlung in Rom

Nachdem der Malteserorden sich vorübergehend nach Messina, Catania und im Jahr 1826 nach Ferrara zurückgezogen hatte, ließ er sich 1834 endgültig in Rom nieder.

Auf Drängen von Kaiser Ferdinand I. wurden dem Malteserorden mehrere seiner Besitzungen in Italien zurückgegeben und 1839/41 die Großpriorate Lombardo-Venetien und Sizilien wiederhergestellt.

Der Sitz des Malteserordens in Rom (Palazzo di Malta in der Via dei Condotti 68 und Villa Malta auf dem Aventin an der Piazza dei Cavalieri di Malta 4) hat seit 1869 den exterritorialen Status einer ausländischen Botschaft.

Palazzo di Malta

Der Magistralpalast des Malteserordens in Rom, auch Palazzo dell'Ordine di Malta genannt, wurde im 17. Jahrhundert aus Werkstein gebaut und ist mit Gesims versehen. Der Malteserorden bezog den Palast 1629, seit 1834 ist er das Regierungsgebäude des Malteserordens. Das Gebäude beherbergte bis 1834 die Botschaft des Malteserordens beim Heiligen Stuhl. Zwischen 1889 und 1894 wurde das Gebäude renoviert und umgebaut. Großteile der Regierung und Administration des Ordens befinden sich in dem Gebäude.

Im Innenhof befindet sich ein Pflaster mit einem großen Malteserkreuz.

Villa Malta

Das Gelände, auf dem die Villa Malta steht, wird nach der sich dort befindlichen Kirche Santa Maria de Aventinae (deutsch: Santa Maria auf dem Aventin) genannt. Blickt man durch das Schlüsselloch des Eingangsportals, das zum Grundstück führt, so hat man Überblick über drei souveräne Staaten: den Malteserorden, die Republik Italien und den Vatikan. Hinter dem Portal führt eine Allee den Blick nämlich direkt auf die Kuppel des Petersdoms. Die Magistralvilla, die eigentliche "Villa Malta", hat mehrere Funktionen. Im Erdgeschoss befindet sich die Botschaft des Ordens bei der italienischen Republik und die Botschaft des Ordens beim Hl. Stuhl. Darüber befinden sich die Repräsentationsräume. Im zweiten Stock sind die Räume des Großpriorats von Rom sowie z.B. der Kapitelsaal, wo alle fünf Jahre das Generalkapitel zusammentritt und auch der Großmeister und die Ordensregierung gewählt werden.

Die Kirche erhielt ihren Namen Santa Maria in Aventinae dadurch, dass sie an der Stelle errichtet wurde, wo ein Bildnis der Mutter Gottes gefunden worden war. Odo von Cluny hat sie im Jahr 936 dort errichten lassen. Neben Maria werden auch der Ordensheilige Johannes der Täufer und der Hl. Basilius in der Kirche verehrt.

Siehe auch

Literatur

The 1966 Code. Regolamento per i membri della terza classe approvati dal Capitolo Generale Speciale 27-28 ottobre 1969.
Regolamenti e commenti approvati dal Capitolo Generale Speciale 27-28 ottobre 1969.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Verfassung des Ordens
  2. Der Malteserorden wird von der UNO gemeinsam mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz als Entität nicht jedoch als Staat bezeichnet (siehe [1])
  3. Wahl zum Regenten
  4. Deutsche Assoziation
  5. Who is who der Malteser.de
  6. Struktur und Organisation des Großpriorates von Österreich
  7. Die Kirchen und die Privatvolksschule des Großpriorates von Österreich
  8. Die Kommende Mailberg des Großpriorates von Österreich
  9. Der Waldbetrieb des Großpriorates von Österreich
  10. Der Tourismusbetrieb des Großpriorates von Österreich
  11. Organisation Schweiz
 Commons: Malteserorden – Bilder, Videos und Audiodateien