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Karl I. (Neapel)

Karl I. von Anjou (* März 1226; † 7. Januar 1285 in Foggia) war ein jüngerer Bruder des französischen Königs Ludwig IX., des Heiligen (Kapetinger). Von 1266 an war er König von Sizilien (ab 1282 nur noch im Besitz des Festlandes als Königreich Neapel). Er ist der Stammvater der Kapetinger-Seitenlinie der älteren Anjou.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Die Statue Karls von Anjou im Gewand eines Senatoren von Arnolfo di Cambio.

Karl von Anjou war der fünfte Sohn König Ludwigs VIII. von Frankreich und Blankas von Kastilien. Sein Titel leitet sich aus der Belehnung mit den Grafschaften Anjou und Maine im Jahre 1247 ab und ist nicht zu verwechseln mit den Anjou-Plantagenets des 12. Jahrhunderts.

Karl von Anjou heiratete im Jahre 1246 mit Beatrix von der Provence die jüngste der vier Töchter Raimund Berengars V. von der Provence und Erbin der Grafschaften Provence und Forcalquier.

De jure war die Grafschaft Provence als Teil des alten Königreiches Burgund und Arles dem römisch-deutschen Kaiser lehnspflichtig. Karl ignorierte dies, indem er seinem Bruder gegenüber den Lehnseid ablegte, und Friedrich II. war nicht in der Lage, seine Rechte geltend zu machen.

Im Jahre 1265 belehnte Papst Clemens IV. Karl von Anjou mit dem Königreich Sizilien, damit dieser es von den Staufern erobere. Im Jahre 1266 besiegte er Manfred von Sizilien, den Onkel des letzten Stauferkönigs Konradin und Sohn Friedrichs II. in der Schlacht bei Benevent. Das Heer des letzten Staufers Konradin wurde 1268 bei der Schlacht bei Tagliacozzo vernichtend geschlagen, Konradin danach in Neapel öffentlich hingerichtet und Karl von Anjou damit in ganz Europa zur persona non grata.

Daneben expandierte Karl auch in Gebiete jenseits der Adria und des Ionischen Meeres, so 1267 nach Korfu und in Teile des epirotischen Festlandes und 1271 nach Durrës. Diese Eroberungen nannte er regnum Albaniae - Königreich Albanien. Mit diesem selbst beigelegten Königstitel beanspruchte er auch die Oberherrschaft über die lokalen albanischen Fürsten. Die albanische Küste sollte als Ausgangspunkt für weitere Eroberungen in der Romania dienen. 1281 führte Karl ein Kreuzfahrerheer gegen die Byzantiner; er wurde aber bei der Belagerung von Berat geschlagen und konnte den Feldzug nach Osten nicht fortsetzen.

Karl übte im Königreich Sizilien eine grausame Herrschaft aus. 1282 wurde er infolge eines Volksaufstandes (Sizilianische Vesper) aus Sizilien vertrieben; das Königreich Sizilien fiel mit Peter von Aragon an einen Schwiegerenkel Friedrichs II.

Auf der südlichen Apenninenhalbinsel konnte sich Karl durch die Erneuerung des Königreichs Neapel dagegen halten. Das Land wurde nach staufischem Vorbild zentral verwaltet, wobei ein extremer Steuerdruck ausgeübt wurde, was Karl gewaltige Einnahmen bescherte. Die wichtigsten Posten im Reich wurden dabei von Franzosen bekleidet. Als Berater seines Bruders Ludwig IX., wie auch seines Neffen Philipp III. galt er zeitweilig als mächtigster Mann Europas und trieb im Jahre 1273 die Kandidatur Philipps zur Königswahl im Heiligen Römischen Reich voran, allerdings erfolglos. Stattdessen verständigten sich die Kurfürsten auf den vermeintlich schwachen Grafen Rudolf von Habsburg.

Aufgrund der Papsttreue der neapolitanischen Anjous konnte sich im Jahre 1308 mit Karl Robert von Anjou ein Urenkel Karls als ungarischer König in der Nachfolge der Arpadendynastie etablieren.

Nachkommen

Aus der ersten Ehe (seit 1246) mit Beatrix von Provence († 1267) entstammten folgende Kinder:

Der zweiten Ehe (seit 1268) mit Margarete von Burgund († 1308), Tochter des Grafen Odo von Nevers, Auxerre und Tonnerre entstammten folgende Nachkommen:

Literatur


Vorgänger Amt Nachfolger
Manfred König von Sizilien
12661282
Peter I.
Fürst von Tarent
12271285
Karl II.
(1282 abgespalten aus dem Königreich Sizilien) König von Neapel
12821285
Hugo I. von Lusignan König von Jerusalem (Gegenkönig)
12771285
Heinrich II. von Lusignan
Personendaten
Karl I. von Anjou
jüngerer Bruder des französischen Königs Ludwig IX
März 1226
7. Januar 1285
Foggia