Heim

Villa Lilly

Die Villa Lilly ist ein historischer Gebäudekomplex in der Nachbarschaft der Ortschaft Lindschied, Stadt Bad Schwalbach. Ursprünglich wurde er in den Jahren 1891 bis 1915 nach Entwürfen der Archiktekten Friedrich Groh und Joseph Drescher als Sommerresidenz für den deutsch-amerikanischen Bierfabrikanten Adolphus Busch errichtet. Nach verschiedenen Zwischennutzungen dient das mit mehreren historischen Gebäuden bebaute, knapp 40 ha große parkähnlich angelegte Areal seit 1987 der Behandlung suchtkranker Menschen.

Inhaltsverzeichnis

Historische Gebäude

Das Gesamtanwesen wurde von dem „Bierkönig“ Adolphus Busch geplant und erbaut, der damit in der Nähe seiner ursprünglichen Heimat Mainz-Kastel eine Sommerresidenz errichten ließ. Adolphus Busch war bereits mit 18 Jahren 1861 nach St. Louis ausgewandert, hatte dort einen Getreidehandel gegründet und nach der Heirat mit der Brauereitochter Lilly Anheuser den bis heute größten Bierkonzern der Welt entstehen lassen: Anheuser und Busch (heute: Anheuser-Busch Companies). Von seiner Sommerresidenz aus bereiste er mit dem eigens aus den USA eingeführten Salonwagen Deutschland, wobei ihn nicht nur kulturelle Ereignisse wie die Bayreuther Festspiele reizten, sondern auch Getreidepreise vor Ort (speziell in Böhmen) ausgehandelt wurden.

Das Haupthaus der Villa Lilly, Haus Lilly, wurde 1891 als erstes errichtet und nach dem Namen der Frau des Erbauers Adolphus Busch, benannt: Haus Lilly. Das in Hessen einzigartige Gebäude zeichnet sich architektonisch durch eine Mischung von europäischem Klassizismus und amerikanischem Kolonialstil aus. Erst später wurde das zweitgrößte Haus, Haus Claire, fertiggestellt, das mit seinen Jugendstilelementen eher wieder europäischere Züge trägt. Neben den großzügig angelegten repräsentativen und teilweise an Jagdschlösser erinnernden Wohnhäusern sind umfangreiche Wirtschaftshäuser einschließlich einem historischen Gewächshaus erhalten. Sie stehen in einem lockeren Ensemble auf dem 39 ha großen parkähnlichen Grundstück, wobei die Wirtschaftsgebäude um den an einen Dorfplatz erinnernden Hof gruppiert sind. Die Villa Lilly wurde das ganze Jahr über von umfangreichem Personal bewirtschaftet und bewohnt. Daran erinnern einige kleinere historische Gebäude, die etwas versteckter und weniger repräsentativ auf dem Gelände verteilt sind.

Spätere Nutzungen

Unter den Nationalsozialisten wurde das Gebäude als Müttergenesungsstätte genutzt. Später waren hier amerikanische Soldaten untergebracht, es folgten Nutzungen als Schule und als soziale Einrichtung (Albert-Schweizer-Schule, „Haus Schwalbach“ u.a.). 1961 wurde der Komplex vom Land Hessen gekauft und später für 15-Millionen Mark aufwendig renoviert. Das Gesamtanwesen wurde zwischenzeitlich unter anderem auch von Mitgliedern der „Neuen Frankfurter Schule“ (Neue Frankfurter Schule, gegründet unter anderem von Hans Traxler und Robert Gernhardt, bewohnt. Von diesen wurde im Haus Claire die erste Ausgabe der Satirezeitschrift Titanic (Magazin) geplant und entworfen. Die Gebäude stehen heute sämtlich unter Denkmalschutz. Mittlerweile ist der Besitz an den heutigen Nutzer und bisherigen Pächter übergegangen (s.u.).

Heutige Nutzung

Die Villa Lilly wird seit 1987 unter der Bezeichnung „Therapiedorf Villa Lilly“ genutzt zur therapeutischen Behandlung drogenabhängiger Menschen ("Drogentherapie"). Mit 85 Behandlungsplätzen für die Betroffenen und 10 Plätzen zur Aufnahme von Kindern drogenabhängiger Eltern ist die Einrichtung eine der größten in Deutschland und nimmt überregional deutschlandweit Patienten auf. Neben der Behandlung von Drogenabhängigen können diese auch ihre Kinder im Vorschulalter mitführen, für die ein gesondertes Betreuungsprogramm besteht. Zur dort praktizierten Drogentherapie gehört die Behandlung psychischer und köperlicher Folgeschäden wie Hepatitiden (v.a. Hepatitis C), Depressionen, Psychosen, Borderline - Persönlichkeitsstörungen und anderen, für die ebenso spezialisierte Therapieeinheiten vorgehalten werden. Die Psycho- und Suchttherapie erfolgt in Einzel- und Gruppentherapien, die von indikativen Therapieangeboten und Informationsveranstaltungen sowie Rückfallpräventionsprogrammen flankiert werden. In den Arbeitsstätten Schreinerei, Elektrowerkstatt (beides auch Ausbildungsbetriebe), Malerei, Schlosserei, Landschafts- und Gebäudepflege sowie die angegliederte Landwirtschaft tragen die Patienten selber dazu bei, die historischen Gebäude und die knapp 40 ha große Parklandschaft zu erhalten. Um Selbstverantwortung für sich und ihre Mitmenschen zu lernen, sind die Patienten/innen gleichwohl in der Küche und Hauswirtschaftsbereichen eingesetzt, wo sie von Fachpersonal angeleitet werden.

Träger ist der Verein Jugendberatung und Jugendhilfe e.V. mit Sitz in Frankfurt am Main.

Dokumentarfilm

Literatur