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Gorch Fock (1933)

Schiffsdaten
Schiffstyp Stahl-Bark mit Hilfsmotor
Nationalität: Deutsch
Schiffsklasse Segelschulschiff
Kiellegung: 14. Januar 1933
Stapellauf/Schiffstaufe: 03. Mai 1933
Indienststellung: 27. Juni 1933
Zugeteilte PT-Nummer:
Unterscheidungssignal:
Bauwerft: Blohm + Voss, Hamburg
Heimathäfen: 1933 bis 1945 Hamburg
1949 bis 2003 Kherson
seit 2003 Stralsund
Baunummer: 495
Besatzung (als Gorch Fock): 60 Mann Stammbesatzung:
7 Offiziere, 6 Feldwebel, 47 Mannschaften
180 Kadetten
Besatzung (als Towarischtsch): 46 Mann Stammbesatzung, 150 Kursteilnehmer
Eisenballast: 300t
Baukosten:
Zeitwert (2007):
Verbleib: Still-Lieger (Museums-Schiff)
Eigner: Tall Ship Friends e.V.
Technische Daten
Vermessung: 1160 BRT
Wasserverdrängung: 1510 t
Länge: über alles (Lüa): 82,1 m
Breite: 12 m
Tiefgang: 5,20 m
Masthöhe über Wasser: 39,30 m über KWL
Anzahl der Segel: 23
Segelfläche: 1.797 m²
Spierenlänge:
Hauptantrieb: 1933: 540PS MAN-Dieselmotor, 6-Zylinder, 4-Takt
1966: 550PS Skoda-Dieselmotor, Typ 6L275 Pp/11-
Hilfsantrieb: 1933: 1x 50PS MAN-Dieselmotor, 3 Zylinder, 4-Takt, 30kW, 110VDC
2x 100PS MAN-Dieselmotoren, 4 Zylinder, 4-Takt, 30kW, 110VDC
Anzahl der Schrauben: 1 (linksdrehend), Ø 1,39 m
Wellenumdrehungen:
Leistung: 550 PS
Höchstgeschwindigkeit: Motor: 8 kn, Segel: 12 kn
Fahrbereich:
Brennstoffvorrat: 28 t

Gorch Fock ist der Name zweier weitgehend baugleicher Schiffe. Sie wurden nach dem Schriftsteller Gorch Fock benannt. Dieser Artikel behandelt das 1933 gebaute erste Segelschulschiff Gorch Fock I, das in Stralsund liegt. Es fuhr zwischenzeitlich auch unter dem Namen SSS Tovarishch (Towarischtsch). Einen Artikel über das jüngere Schiff und jetzige Segelschulschiff der Deutschen Marine gibt es unter "Gorch Fock (1958)".

Inhaltsverzeichnis

Deutsche Reichs- und Kriegsmarine

Die Gorch Fock lief am 3. Mai 1933 bei der Werft Blohm & Voss in Hamburg vom Stapel. Auftraggeber war die deutsche Reichsmarine, die einen Ersatz für das am 26. Juli 1932 durch eine Gewitterböe gekenterte Schulschiff Niobe benötigte. Unter der Nummer 495 wurde der Bau am 2. Dezember 1932 bei Blohm & Voss in Auftrag gegeben. Der Flottenbund Deutscher Frauen und der Deutsche Flottenverein hatten eine "Volksspende Niobe" angeregt, die für den Bau verwendet wurde.

Die Bauzeit betrug 100 Tage. Am 3. Mai 1933 lief das Schiff vom Stapel und wurde auf den Namen des Hamburger Seeschifffahrtsdichters Gorch Fock getauft. Taufpatin war die Vorsitzende des Flottenbundes Deutscher Frauen Marie Fröhlich, die Taufrede hielt der seinerzeitige Chef der Marineleitung Admiral Erich Raeder.

Am 27. Juni 1933 wurde die Gorch Fock in Dienst gestellt. Erster Kommandant war Kapitän zur See Raul Mewes. Neun Offiziere und 56 Unteroffiziere/ Mannschaften bildeten die Stammbesatzung. Das Schiff bot Platz für 198 Seekadetten.

Diverse Ausbildungsfahrten führten das Schiff auch ins Ausland. Eine Abordnung der Gorch Fock nahm u. a. am 13. August 1934 an der Gedenkfeier für die im November 1917 gefallene deutsche U-Boot-Besatzung von UC 57 teil. Auf der finnischen Insel Hamnskär fand dazu eine Feier mit Enthüllung eines Gedenksteines statt.

Im März 1935 übernahm Korvettenkapitän August Thiele das Kommando. Am 2. Mai 1935 wurde die Reichsmarine in Kriegsmarine umbenannt, und ab 7. November 1935 fuhr die Gorch Fock unter der neuen Reichskriegsflagge. Heimathafen wurde Stralsund. Im Dezember 1936 wechselte die Schiffsführung zu Korvettenkapitän Bernhard Rogge, im März 1938 zu Fregattenkapitän Otto Kähler, der das Schiff bis zum Kriegsausbruch führte.

Mit Kriegsausbruch wurden die Gorch Fock und ihre beiden Schwesterschiffe Horst Wessel und Albert Leo Schlageter vor allem als stationäre Wohnschiffe und nur noch wechselnd als Ausbildungsschiffe genutzt. So lag die Gorch Fock 1942 in Swinemünde und im April 1944 in Kiel als Wohnschiff. Am 24. April 1944 wurde die Gorch Fock von Kiel im Schlepp zur Insel Rügen überführt. Vor Lauterbach (Rügen) wurde der Anker geworfen. Kommandant des Schiffes, auf dem nun wieder die Ausbildung begonnen wurde, war Kapitänleutnant Wilhelm Kahle. Das Schiff unterstand dem 1. Schiffstammregiment in Stralsund. Die beiden Schwesterschiffe befuhren zu Ausbildungszwecken die Ostsee und den Greifswalder Bodden. Am 1. Oktober 1944 wurde die Gorch Fock in den Stralsunder Hafen verholt; wegen der schlechten Heizmöglichkeiten wurde das Schiff zuerst von einem Dampfprahm und später von einer Lokomotive beheizt.

Im Frühjahr 1945 näherten sich die Truppen der Sowjetarmee Stralsund. Die Bark wurde am 9. März 1945 aus dem Hafen zu einem Liegeplatz vor der Halbinsel Drigge geschleppt. Ungeklärt ist bis heute, warum das Schiff nicht zur Verlegung von Soldaten in Richtung Westen eingesetzt wurde.

Am 27. April 1945 wurde das Schiff außer Dienst gestellt und teilweise abgetakelt. Die Ausrüstung wurde im Bootsschuppen auf dem Dänholm eingelagert. An Bord des Schiffes blieb nur eine kleine Mannschaft unter Führung von Oberbootsmannsmaat Karl Köhnke. Wahrscheinlich auf einer Lagebesprechung am 29. April 1945, auf der das Näherkommen der Roten Armee und chaotische Zustände in Stralsund und auf allen Zufahrtsstraßen festgestellt wurden, beschloss man die Versenkung der Gorch Fock, um sie nicht der Sowjetarmee zu überlassen. Bereits am 30. April 1945 stand eine Vorausabteilung der Sowjetarmee vor Devin, in Sichtweite der Gorch Fock. Gegen 12:30 Uhr dieses Tages erfolgte ein Beschuss durch die auf Höhe Devin stehenden sowjetischen Panzer. Die Gorch Fock erhielt während des 45-minütigen Beschusses drei Granattreffer, wobei Takelage und Rumpf leicht beschädigt wurden. Von deutscher Seite aus war am Morgen desselben Tages Sprengstoff an Bord gebracht worden. Dieser wurde mittels Zündschnüren gezündet, und die Versenkung erfolgte um 14 Uhr.

Die Gorch Fock lag nun auf der Position 54° 17′ 28″ Nord, 13° 08′ 22″ Ost im Strelasund, mit stehenden Masten noch gut sichtbar.

Als Towarischtsch in der Sowjetmarine

Nach dem Ende des Kriegs wurde die Gorch Fock als Kriegsbeute der Sowjetunion zugesprochen. Den Auftrag zur Schiffshebung erhielt die Stralsunder Firma "B. Staude Schiffsbergung"; die Bergungskosten wurden mit 450.000 Reichsmark (RM) veranschlagt. Das Schiff sollte entgegen bisherigen Gepflogenheiten mit stehenden Masten geborgen werden. Im März 1947 begann man mit den Arbeiten. Da die kleine Stralsunder Firma den Aufgaben nicht gewachsen war, gründete man am 12. Mai 1947 eigens das "Bergungskontor" als Landesgesellschaft in Stralsund. Im Juni 1947 konnte das Schiff endlich gehoben werden. Es wurde nach Stralsund gebracht und gereinigt, wobei das Inventar "abhanden kam" bzw. an Bord einer Schute gebracht und später im Greifswalder Bodden versenkt wurde. Die Gesamtkosten für Bergung und Reinigung betrugen letztlich 800.000 RM. Im Herbst 1947 wurde das Schiff in die Neptun-Werft Rostock überführt. Dort sowie in Wismar erfolgte die Reparatur. In Wismar erhielt das Schiff im September 1949 den Namen Towarischtsch (Товарищ, zu deutsch: "Kamerad", "Freund" oder "Genosse").

Am 15. Juni 1951 wurde sie als Segelschulschiff der sowjetischen Marine mit Heimathafen Cherson am Dnepr in Dienst gestellt. Die Towarischtsch unternahm 1957 eine Weltreise und gewann 1974 und 1976 jeweils die Operation Sail.

Ukrainische Marine

Nach der Auflösung der Sowjetunion ging das Schiff 1991 in das Eigentum der Ukraine über, wurde aber schon 1993 wegen Geldmangels deaktiviert. 1995 segelte sie zum letzten Mal, diesmal von Cherson nach Newcastle-upon-Tyne, wo private Sponsoren das Schiff reparieren wollten. Dieses Unterfangen scheiterte an den hohen Kosten.

1999 schließlich wurde die Towarischtsch, inzwischen in beklagenswertem Zustand, mit Unterstützung des deutschen Vereins "Tall Ship Friends" nach Wilhelmshaven gebracht, wo sie als Flaggschiff der Expo 2000 am Meer diente.

Schwimmendes Museum und Neubeginn

Im Jahr 2003 wurde das Schiff vom Verein Tall-Ship Friends gekauft, der das Liegeplatzangebot der Stadt Stralsund angenommen hatte. Nach vierjährigen Reparaturarbeiten in Wilhelmshaven wurde sie dann 2003 mit dem Dockschiff Condock V nach Stralsund überführt, in der Volkswerft überholt und am 29. November 2003 im Beisein eines Enkels des Namensgebers und tausender Stralsunder wieder auf ihren alten Namen getauft. Ob die "alte Dame" allerdings wieder in See stechen oder stationär im Hafen (an der sog. Ballastkiste) bleiben wird, ist noch unklar. Neben dem Finanzbedarf für die Restaurierung besteht das Hauptproblem darin, dass die Gorch Fock I aufgrund derzeitiger Rechtslage nicht unter Traditionsschiff-Verordnung wieder in Dienst gestellt werden kann, aufgrund ihrer Länge von deutlich mehr als 55 m, sondern nur als Schiff nach regulären IMO-Bedingungen. Das wiederum hat erhebliche finanzielle Konsequenzen, die einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb in Frage stellen.

Der Eignerverein Tall-Ship Friends geht von einem finanziellen Bedarf von mehreren Millionen Euro aus, ist aber zuversichtlich, dieses Geld durch Spenden und Eintrittsgelder zusammenzubringen. Im Jahr 2005 besuchten etwa 37.000 Personen das Schiff.

Schwesterschiffe

Bildergalerie

Veröffentlichungen

Koordinaten: 54° 19′ 00″ N, 13° 05' 54″ O