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Rudolf Belling

Rudolf Edwin Belling (* 26. August 1886 in Berlin; † 9. Juni 1972 in Krailling bei München) war ein deutscher Bildhauer.

Leben

Belling genießt eine eher konservative Erziehung durch seine Eltern Ernst und Helene (geb. Thomas). Von 1892 bis 1901 besucht Belling die Steglitzer Volksschule, anschließend das preußisch-militärische Internat Luisenstift. Er begann eine kaufmännische Lehre, die er jedoch bei zwei Lehrherrn abbrach um 1905 bei einer Berliner Firma für kleinplastische Dekorationsarbeiten anfängt. An der Fortbildungs- und Handwerkerschule in Berlin durchläuft er mehrere Ausbildungsabteilungen, wie die des Formers, Modelleurs und des Rahmenmachers.

Belling bildet sich zudem autodidaktisch weiter, besucht Abendkurse für Zeichnen und Modellieren sowie Anatomievorlesungen für Künstler an der tierärztlichen Hochschule Berlin. 1908 macht sich Belling, zusammen mit Emil Kaselow, mit einem Atelier für Kleinplastik, Dekoration und Kunstgewerbe selbstständig. Seit 1909 übernimmt die Firma Spezialaufträge für Theateraufführungen Max Reinhardts. Nach der Auflösung des Ateliers 1910 arbeitet er in der Kaschierabteilung einer Bühnenwerkstatt. Er schloss in dieser Zeit wichtige Bekanntschaften wie Max Reinhardt, Ernst Stern, dessen expressionistischen Chefbühnenbildner sowie Hans Poelzig, der ihm eine Anstellung in der Türkei vermittelte als er in Nazideutschland keine Aufträge mehr bekam. Durch die Arbeit als Bühnenbildner lernt Belling die neuen Tendenzen expressionistischer Kunst und Literatur kennen. Das Theater prägte die Thematik und Symbolik seiner folgenden Arbeiten stark, immer wieder findet sich das Motiv des Tanzes. 1911 wird Peter Breuer, Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie Berlin-Charlottenburg, auf Belling aufmerksam und nimmt ihn ohne Vorstudium als Meisterschüler auf. Zudem stellt Breuer ihm ein eigenes Schüleratelier zur Verfügung.

Durch diese Wendung ist es Belling nun möglich, einerseits seinem autodidaktisch geführten Studium als Bildhauer eine akademische Basis zu geben und andererseits weiterhin durch die Bühnenbildnerei Geld zu verdienen. Während dieser Zeit beschäftigt er sich mit den Theorien von Adolf von Hildebrand in dessen Buch "Das Problem der Form in der bildenen Kunst". Zwischen 1915 und 1917 dient Belling als Soldat der Fliegertruppe Berlin - Adlershof und ist dort in der Modellabteilung tätig.

Ab Ende des Jahres 1918, nach Ausrufung der Republik, gerät auch Belling in einen Strudel revolutionärer Ereignisse und neuer Ideen. In Berlin wird der Arbeitsrat für Kunst gegründet, in dem auch Belling vertreten ist. Im Dezember desselben Jahres wird die progressive Künstlervereinigung „Novembergruppe“ gegründet, zu deren Ausstellungs-Kommission Belling als Mitbegründer zählt. Belling ist bis 1932 im Vorstand der Gruppe tätig.

1919 entsteht seine berühmte Plastik "Dreiklang". Zudem widmet Belling sich in dieser Zeit der angewandten Kunst. Er fertigt 1920 und 1921 Reklameaufbauten und Schaufensterfiguren an. 1923 heiratet er die Tänzerin Toni Freeden. Zwischen 1924 und 1926 begibt sich Belling auf Studienreise nach Europa. In den folgenden Jahren arbeitet Belling, zusammen mit einer Reihe bedeutender Architekten, an privaten- und öffentlichen Gebäuden und entwirft zudem zahlreiche plastische Bildnisse.

1931 wird Belling zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin ernannt. Ab 1933 wird er jedoch boykottiert und als entartet diffamiert, was zu seinem Austritt aus der Akademie der Künste führt. Später, 1944, wird sein Atelier zerbombt und viele Entwürfe und Originale werden zerstört. 1935, nachdem Belling einen Lehrauftrag in New York erhält, emigriert er. Im gleichen Jahr lässt er sich von seiner Frau scheiden.1936 kommt er nach Deutschland zurück, doch die politischen Umstände zwingen ihn, sein Heimatland erneut zu verlassen.

1937 reist Rudolf Belling in die Türkei, wo er an der Kunstakademie von Istanbul arbeitet, sein Werk gerät in Deutschland immer mehr in Vergessenheit. Die folgenden Kriegsjahre verbringt er in der Türkei. Er heiratet 1942 Jolanda Manzini. Seit 1951 arbeitet er an der Technischen Universität Istanbul. 1955 wird ihm das Große Bundesverdienstkreuz, durch Theodor Heuss verliehen. Es folgt 1956 die Wiederernennung zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und 1961 die Verleihung des Berliner Kunstpreises. Rudolf Belling kommt jedoch erst 1966 nach Deutschland zurück. Sein Werk wird 1967- und 76 in München, und 1971 in St. Gallen ausgezeichnet. Zudem erhält Belling im selben Jahr die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Bauwesen an der Technischen Universität München. 1972 und kurz vor seinem Tod wird er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet. Am 9. Juni 1972 stirbt Rudolf Belling in Krailling bei München. Der Nachlass wird in München von seiner Tochter Elisabeth betreut.

Werke

Bellings Schaffen lässt sich in drei Teile Gliedern, seine Zeit in Berlin bis in die 30er, sein Leben im türkischen Exil und seine letzten Lebensjahre in München. Ab 1912 beginnt Belling kubistisch-expressive Plastiken zu schaffen. Er wird beeinflusst von futuristischen und konstruktivistischen Ideen, vor allem auch von Archipenko, mit dem er befreundet war. Der Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens ist sein Werk Dreiklang, als erste deutsche Skulptur dieser Art, in dem er den Gedanken einer Vereinung der Kunstrichtungen (Malerei, Bildhauerei, Architektur) zu schaffen sucht. Im gleichen Jahr wird das Bauhaus gegründet, das das gleiche Raum- und Formenverständnis vertritt. Die musikalische Betrachtung des Titels ist damit zweitrangig, auch wenn seine Arbeiten oft ans Motiv der Tänzerin angelehnt sind. Belling sieht seine Formensprache allerdings nicht mehr von der Realität abgeleitet, aber gibt zu dass sich seine völlige Abstraktion durchaus der Wirklichkeiten annähern kann. Er betont, dass dieser Bezug zum Gegenständlichen ein zufälliger und keinesfalls absichtlicher ist. Dreiklang ist eine Rundplastik, es gibt damit keine konkrete Hauptansicht mehr, jede Ansicht wird als gleichwertig betrachtet, womit er vor allem den kunsttheoretischen Ideen Hildebrands widerspricht. Charakteristisch ist das Verhältnis von Raum und Plastik, die Belling als gleichwertig betrachtet und damit seine Skulptur aus deren Wechselspiel entstehen lässt. Belling beschreibt seine Arbeitsweise selbst treffend: „Wenn ich eine Skulptur mache, so organisiere ich die Formen und lasse sie wachsen wie einen Baum oder Menschen.“ Hierbei ist auch zu beachten dass er sich in erster Linie als Handwerker und nicht als Künstler betrachtete. Ab 1920 steht vor allem das Thema „Mensch-Technik-Maschine“ sowie die Verwendung neuer Materialien im Mittelpunkt. Er wendet sich verstärkt der Architektur zu. 1926 entsteht das „Horchtier“, eine Kühlerfigur für die Autofirma Horch, die wegen einer Fusion von Horch zu Audi nie zum Einsatz kam. Außerdem entstehen in dieser Zeit, mitunter durch Zusammenarbeit mit Architekten wie Luckhard, Würzbach, Neutra und Korn, architektonische Werke und abstrakte Brunnenplastiken. In ihnen versucht er durch die bewegte Komponente Wasser die Statik normaler Skulpturen zu durchbrechen. Die Idee eines Gesamtkunstwerkes fließt sichtlich mit ein.

Der Umstand seiner Auswanderung in die Türkei kennzeichnet die nun folgende Zeit seines Schaffens.

Übersicht

Personendaten
Belling, Rudolf
deutscher Künstler
26. August 1886
Berlin
9. Juni 1972
Krailling