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Malimo

Als Malimo wird einerseits ein textiles Fertigfabrikat bezeichnet, welches nach dem von Heinrich Mauersberger aus Limbach-Oberfrohna erfundenen Nähwirkverfahren hergestellt wurde, andererseits das Wirkverfahren selbst. Malimo ist ein Kunstname und steht für Mauersberger Limbach-Oberfrohna, die neuerdings kolportierte Lesart Mauersberger Limbach-Oberfrohna Molton (Molton-Gewebe), ist indes falsch (Molton hat mit Malimo nichts zu tun). Es bezeichnet auch keine spezielle Stoffart; das Textil wird aus verschiedenen Baumwoll- und Kunstfasern nach dem speziellen Webwirkverfahren hergestellt.

Mit dem geschützten Begriff bezeichnet man neben dem Textil auch das von Mauersberger 1949 patentierte Nähwirkverfahren selbst (Malimoverfahren) und die dazu benötigten Spezialmaschinen (Malimomaschinen). DDR-Patent Nr. 8194, Anmeldetag: 3. Februar 1949; U.S. Patent #2,890,579, 16. Juni 1959.

Das Malimoverfahren

Das Malimoverfahren gesellt sich neben das Web-, Wirk-, Walk-, Klöppelspitzen- und Nadelspitzenverfahren als eigenständiges Verfahren zur Herstellung eines textilen Flächengebildes aus einzelnen Fäden. Obschon es auch als Nähwirkverfahren bezeichnet wird, hat es mit der klassischen Trikotagenherstellung nichts zu tun, wenngleich auch das Malimotextil durch die Verwendung elastischer Fasern ebenso elastisch wie Trikotagenware sein kann.

Auch beim Malimoverfahren kennt man die aus dem Weben geläufige systematische Unterscheidung zwischen statischen Fäden (Kettfäden) und dynamischen Fäden, die durch die Fixierung der statischen Fäden erst die Textur zustande bringen. Anders als beim Weben erfolgt diese Fixierung der statischen Fäden allerdings nicht vermittels eines Schussfadens, der durch die Kettfäden orthogonal zu deren Laufrichtung hindurch geschossen wird, sondern durch Übersteppen (Übernähen) der Kettfäden (zumeist) orthogonal zu ihrer Laufrichtung. Diese Art der Fixierung hat den Vorteil, dass anders als beim Weben, wo immer nur ein Schuss nach dem anderen geschossen werden kann, mehrere (fast unendlich viele) Nadeln gleichzeitig das Kettgut übersteppen können und somit Malimo erheblich schneller produziert werden kann als Webware. Des Weiteren kann man fast beliebige Fasern miteinander kombinieren, sodass eine schier unendliche Fülle an Anwendungsmöglichkeiten und möglichen Effekten besteht.

Dabei können nicht nur Fäden als Kettgut dienen, sondern etwa auch Filz oder Vliesstoff, die durch das malimomäßige Übersteppen erheblich an Reißfestigkeit gewinnen, ohne ihre anderen textilen Eigenschaften einzubüßen.

Abgewandelte Verfahren bzw. Produkte sind Maliwatt, Malipol und Malivlies.

Geschichte und Verwendung

Die DDR baute das Verfahren und den zugehörigen Maschinenbau mit gezielten Investitionen zu einem eigenen Industriezweig aus und vermarktete die Produkte und Lizenzen unter dem Namen "Malimo" mit großem Aufwand. Dabei wurde zunächst darauf gesetzt, weite Bereiche der Web- und Wirkwaren durch Malimo zu ersetzen und etwa auch Oberbekleidung aus Malimo zu produzieren. Dies setzte sich jedoch nur begrenzt durch. Die Verwendung von Malimo als Gebrauchstextil (etwa für Arbeitsbekleidung, Bandagen, Geschirrtücher, Staublappen, Fließe etc.) hingegen war höchst erfolgreich. Noch heute wird es in diesem Bereich wegen des Zeitvorteiles in der Produktion vor allem in den USA verstärkt eingesetzt. Auf dem bundesdeutschen Markt findet man dagegen nur noch selten Malimoware.

Literatur