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Treviso

Treviso
Staat: Italien
Region: Venetien
Provinz: Treviso (TV)
Geographische Koordinaten: 45° 40′ N, 12° 15′ OKoordinaten: 45° 40′ 0″ N, 12° 15′ 0″ O
Höhe: 15 m s.l.m.
Fläche: 55 km²
Einwohner: 81.665 (2007)
Bevölkerungsdichte: 1485 Einw./km²
Postleitzahl: 31100
Vorwahl: 0422
ISTAT-Nummer: 026086
Demonym: Trevigiani oder Trevisani
Schutzpatron: San Liberale
Website: Treviso

Treviso, auf Venezianisch Trevixo, ist eine Stadt und der Verwaltungssitz der Provinz Treviso innerhalb der Region Venetien in Italien. Die Stadt hat 81.665 Einwohner[1] und liegt etwa 40 Kilometer nordöstlich von Padua und etwa 30 Kilometer nördlich von Venedig.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Treviso liegt am Zusammenfluss von Botteniga und Sile in der venezianischen Ebene. Die durchschnittliche Höhe beträgt etwa 15 m s.l.m..

Kultur

Kulturell zeichnet sich Treviso durch seinen Bischofssitz, sein Priesterseminar, ein literaturwissenschaftliches Institut, einige Museen, Bibliotheken und eine Gemäldesammlung aus.

Politik

Gian Paolo Gobbo (Lega Nord) wurde im Mai 2003 zum Bürgermeister gewählt und im April 2008 im Amt bestätigt. Sein Mitte-Rechts-Bündnis stellt auch mit 24 von 40 Sitzen die Mehrheit im Gemeinderat.

Giancarlo Gentilini (Lega Nord), der von 1994 bis 2003 Bürgermeister der Stadt war und seitdem ihr Vizebürgermeister, ist immer wieder durch ausländerfeindliche, rassistische und homophobe Äußerungen aufgefallen. Zehn marokkanische Einwandererfamilien, die im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung waren und einer Arbeit nachgingen, suchten Mitte 2002 in einer Kirche Unterschlupf, nachdem das baufällige Gebäude, in dem sie gewohnt hatten, abgerissen wurde und sie niemand als Mieter aufnehmen wollte. Gentilini sah darin eine Schändung der Kirche und wollte sie am liebsten ausweisen.[2] Ferner meinte er:

„Unsere Zivilisation ist jener der Wüste überlegen. Wir wollen nicht, dass Treviso in eine Kasbah verwandelt wird. Hinter den Marokkanern steckt ein kommunistisches Komplott.“

Von nigerianischen Immigranten sagte er, dass Italien keine Leute brauche, die vor Löwen flüchteten und mit Pfeil und Bogen Antilopen jagten.

„Steckt illegale Immigranten in ein Hasenkostüm, damit die Jäger was zum Üben haben.“

Alle Linken seien Moskau-hörige Bolschewisten, die nach der Wahl ins Exil gejagt gehören.[3] Anfang August 2007 kündigte er eine „ethnische Säuberung“ der Stadt von Schwulen durch die Polizei an[4] und bekräftigte dies kurz danach mit der Aussage in einem Fernsehinterview: „Die Schwuchteln müssen sich neue Städte suchen, in denen sie willkommen sind. Hier in Treviso gibt es keinen Platz für Schwuchteln oder dergleichen“. Die Staatanwaltschaft prüft, ob seine Äußerungen strafrechtlich relevant sind.[5]

Städtepartnerschaften

Treviso unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften.

Die Stadt Leonding in Oberösterreich hat von einer angedachte Städtepartnerschaft nach Protesten der Bevölkerung und der regionalen Homosexuellenorganisation HOSI Linz in Folge der Aussagen Giancarlo Gentilinis im Sommer 2007 wieder Abstand genommen.[6] Aus dem gleichen Grund hat Orléans die Städtepartnerschaft mit Treviso im Dezember 2007 aufgekündigt.

Ballsportvereine

Mit Sisley Volley Treviso hat die Stadt einen der stärksten Volleyballvereine der Welt. Der Verein ist 8facher Meister in Italiens Liga A1, die als die stärkste der Welt gilt, sowie ebenfalls 8facher Europacup-Sieger (3x European Champions League, 1x TopTeams Cup, 4x CEV Cup), 4facher Coppa Italia-Sieger.

Der heimische Fußball-Verein FBC Treviso spielte in der Saison 2005/2006 erstmals in der höchsten italienischen Spielklasse, der Serie A. Es folgte jedoch der sofortige Wiederabstieg in die Serie B.

Weitere wichtige Sportvereine der Stadt sind der Basketballklub Pallacanestro Treviso und der Rugby-Union-Verein Benetton Rugby Treviso die ebenfalls zu den besten Teams Italiens zählen.

Wirtschaft

Treviso liegt im Mittelpunkt eines stark landwirtschaftlich genutzten Gebietes (Getreide, Gemüse, Wein), ist aber auch ein bedeutender Industriestandort (Glas, Keramik, Papier, Textil, Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie). Die wichtigsten Unternehmen in der Region sind: Benetton Group, Zoppas (Electrolux) und DeLonghi.

Geschichte

Die Stadt Tarvisium wird 49 v. Chr. römisches municipium (Anerkennung der Stadtrechte). Doch bereits in prähistorischer Zeit befand sich an gleicher Stelle eine bronzezeitliche Siedlung.

Im Jahre 396 wird erstmals die Existenz des Bischofssitzes erwähnt. Unter den Goten und später den Langobarden, die Treviso zum Herzogtum machten, erlebte die Stadt eine erste Blütezeit. Unter den Karolingern wurde Treviso im 9. Jh. zur Hauptstadt einer karolingischen Mark mit eigener Münzzeche.

Die Stadt wurde gegen 911 von den Ungarn zerstört, erstarkte danach von Neuem und wurde im Jahr 1164 von Friedrich Barbarossa als freie Kommune anerkannt. Doch im selben Jahr schloss sich die Stadt dem Lombardenbund an und kämpfte in der Schlacht von Legnano gegen den Kaiser.

Danach erlebte Treviso seine höchste Blütezeit, in der der Herrschaftsbereich ausgedehnt und die Stadt ausgebaut wurde. Der erlangte Wohlstand erlaubte es, Dichter und Troubadoure in der Stadt zu beherbergen und große Ritterfeste und Ritterturniere abzuhalten.

Ab 1237 jedoch geriet die Stadt unter ständig wechselnde Fremdherrschaft, bis sie sich 1339 Venedig anschloss. Im Jahr 1797 übernahmen die Österreicher die Macht und behielten sie, mit kleineren Unterbrechungen, bis 1866. Seitdem gehört Treviso zu Italien.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001
Einwohner 31.261 33.848 47.404 53.886 63.437 90.446 83.598 80.144

Quelle: ISTAT

Sehenswürdigkeiten

Besonders sehenswert ist die Altstadt sowie die gut erhaltene alte Stadtbefestigung mit Mauern (ab 1509 von Fra Giocondo erneuert), Bastionen und Kanälen. Aufgrund der vielen Kanäle, die die Stadt durchziehen, wird Treviso auch "città delle acque" genannt.

Bedeutendstes Bauwerk der Altstadt ist der Dom aus dem 12. Jahrhundert, der im 15./16. Jahrhundert vollständig erneuert wurde. Im weiteren Verlauf wurde er immer wieder umgebaut und im Jahre 1944 schwer beschädigt. Die Wiederherstellung dauerte von 1951 bis 1955. Interessant sind die romanische Krypta und die Fresken von Perdone sowie Gemälde Tizians.

Daneben gibt es noch die Kirche San Francesco, die zwischen 1255 und 1283 erbaut und im 14. Jahrhundert nochmals erweitert wurde. In der Kirche wurden ein Sohn von Dante Alighieri und eine Tochter von Francesco Petrarca begraben.

Die ehemalige Dominikanerkirche San Niccolo wurde 1282 begonnen und im Wesentlichen bis 1389 ausgebaut. Im Kapitelsaal des zugehörigen Klosters findet sich auf den Fresken des Malers Tomaso da Modena, entstanden um 1352, die früheste Darstellung einer Brille.

Sehenswert ist außerdem der Palazzo dei Trecento (erbaut ab 1207, ebenfalls 1944 zerstört und ab 1951 wiederhergestellt).

An einigen Bürgerhäusern befinden sich sehenswerte Fassadenmalereien des 15./16. Jahrhunderts.

Söhne und Töchter der Stadt

Quellen

  1. ISTAT, Stand am 31. August 2007
  2. Italien: Streit um Immigranten zwischen Kirche und Lega Nord, religion.orf.at, 26. August 2002
  3. Christian Schüle: Das Paradies der Saubermänner, Die Zeit, 32/2002, Teil 9
  4. Italien: "Ethnische Säuberung" von Homos, queer.de, 9. August 2007
  5. "Treviso: Demo gegen Gentilini", queer.de, 13. August 2007
  6. Treviso ist nun endgültig tabu als Partnerstadt, OÖ. Nachrichten, 11. September 2007
 Commons: Treviso – Bilder, Videos und Audiodateien