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Zionistischer Weltkongress

Ein Zionistischer Weltkongress bzw. Zionisten-Kongress ist eine Zusammenkunft von Vertretern und Anhängern des Zionismus aus aller Welt.

Solche Kongresse fanden seit Gründung der Zionistischen Weltorganisation (World Zionist Organisation, WZO) 1897 in Basel bis 1901 jährlich, bis 1939 alle zwei Jahre mit Delegierten aller zionistischen Teilorganisationen und Parteien statt. Zwischen 1939 und 1946 mussten sie wegen des Zweiten Weltkriegs entfallen. Seit der Staatsgründung Israels findet ein World Jewish Congress nach Bedarf statt, zuletzt im Juni 2006.

Inhaltsverzeichnis

Kongresse unter Theodor Herzls Vorsitz

Der erste Zionistenkongress vom 29. bis 31. August 1897 formulierte im Basler Programm:

Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für diejenigen Juden, die sich nicht anderswo assimilieren können oder wollen.

Um dieses Ziel zu erreichen, gründeten die 204 Abgesandten von jüdischen Gemeinden aus aller Welt die WZO und wählten den Tagungsleiter und Initiator Theodor Herzl zu deren ersten Präsidenten. Das Programm folgte Herzls politischen Vorstellung, den jüdischen Staat nicht durch ungesicherte Besiedlung Palästinas, sondern durch diplomatische Verträge mit den europäischen Großmächten zu erreichen.

Nach Abschluss des Kongresses schrieb Herzl am 3. September 1897 in sein Tagebuch:

Fasse ich den Baseler Congress in ein Wort zusammen – das ich mich hüten werde öffentlich auszusprechen – so ist es dieses: in Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es Jeder einsehen.

Der zweite Kongress in Basel 1898 warb für die Anerkennung der WZO in den jüdischen Gemeinden und gründete eine finanzielle Körperschaft zur Erschließung Palästinas, den Jewish National Trust. Erstmals traten sozialistische Zionisten als eigene Gruppe auf.

Auf dem dritten Kongress in Basel 1899 berichtete Herzl über seine Treffen mit Kaiser Wilhelm II. in Konstantinopel und Jerusalem, die ohne praktische Folgen blieben, aber die zionistische Bewegung als jüdische Nationalbewegung öffentlich bekannter machten. Die politischen Bemühungen Herzls stießen bei vielen Vertretern jüdischer Siedlervereine auf Unverständnis und Widerspruch: Sie stellten dagegen die Bedeutung einer „kulturellen“ bzw. ethnischen Identität heraus. Man vereinbarte, dass der Jewish National Trust sein Aufkommen nur in Palästina oder Syrien einsetzen sollte.

Der vierte Kongress fand 1900 in London statt, um die öffentliche Meinung in Großbritannien für den Zionismus zu gewinnen. Zugleich flohen damals tausende Juden vor Pogromen aus Rumänien und machten so die Dringlichkeit einer zionistischen Verfassung deutlich, um die Ziele der WZO organisatorisch durchzusetzen. Die religiösen Zionisten unter Rabbiner Isaak Jakob Reines forderten eine klare Arbeitsteilung: Die WZO solle sich auf politische Angelegenheiten begrenzen.

Auf dem fünften Kongress in Basel 1901 berichtete Herzl über sein Treffen mit dem türkischen Sultan Abdul Hamid II. und den Erfolgen des Jewish National Trust. Die Vertreter der neu entstandenen Demokratischen Fraktion in der WZO, Leo Motzkin, Martin Buber und Chaim Weizmann, forderten ein Programm für hebräische Kultur und mehr Demokratie in der Organisation. Der Jüdische Nationalfonds (JNF) wurde gegründet, um Mittel zum Landkauf in Palästina aufzubringen. Man beschloss, dass die folgenden Kongresse sollten nur noch zweijährlich stattfinden.

Der sechste Kongress in Basel 1903 diskutierte Herzls Vorschlag für eine Verfassung der WZO im Zeichen der vorherigen Pogrome in Kischinew. Um dieser Bedrohung der russischen Juden zu begegnen, beriet Herzl auch das El Arisch-Projekt mit den britischen Diplomaten Joseph Chamberlain und Lord Landsdowne. Nachdem dieses scheiterte, boten die Briten Herzl eine autonome jüdische Ansiedlung in Ostafrika an: den irreführend so genannten Uganda-Plan. Obwohl Herzl betonte, dass Uganda Palästina als Heimstätte nicht ersetzen könne und solle, stieß er auf heftige Ablehnung. Max Nordau bezeichnete Uganda als „Nachtbunker“; die russischen Zionisten verließen unter Protest den Kongress. Dennoch stimmte eine Mehrheit von 295 zu 178 Delegierten bei 98 Enthaltungen für die Entsendung eines Komitees nach Ostafrika, um jüdische Ansiedlungsmöglichkeiten dort zu prüfen.

Franz Oppenheimer schlug kooperative Siedlungen in Palästina vor: Diese Idee führte einige Jahre darauf zur Gründung der ersten genossenschaftlichen Kibbuzim in Palästina. 1904 starb Herzl mit 44 Jahren, ohne sein Ziel erreicht zu haben.

Kongresse 1905 bis 1914

Der siebte Kongress in Basel 1905 begann mit Max Nordaus Nachruf auf Theodor Herzl. Die Ostafrika-Kommission berichtete von ihrer Reise und kam zu dem Eegebnis, dass Uganda als jüdisches Ansiedlungsziel ungeeignet sei. Andere Zwischenlösungen einer Ansiedlung außerhalb Palästinas wurden erörtert, aber mehrheitlich abgelehnt. Daraufhin verließ eine Gruppe unter Israel Zangwill unter Protest den Kongress und gründete die Jüdische Territoriale Vereinigung. Gleichwohl verlagerte auch die WZO ihren Schwerpunkt nun und beschloss, landwirtschaftlicher Siedlungen und industrielle Unternehmungen von Juden in Palästina organisatorisch und finanziell zu unterstützen.

Max Nordau lehnte den Vorsitz der WZO überraschend ab, so dass David Wolffsohn zum Amtsnachfolger Herzls gewählt wurde. Das Exekutivbüro wurde von Wien nach Köln verlegt.

Der achte Kongress fand 1907 in Den Haag parallel zur Zweiten Internationalen Friedenskonferenz statt, um diese positiv zu beeinflussen. Erneut diskutierten praktische und politischen Zionisten ihre gegensätzlichen Prioritäten: Herzls Anhänger forderten eine Verfassung, der die praktische Arbeit in Palaestina folgen solle; ihre Gegner argumentierten, ohne bestehende jüdische Ansiedlung würden die Großmächte eine solche Verfassung nicht bestätigen. Vor allem Chaim Weizmann befürwortete ein Zusammengehen beider Richtungen. Dazu gründete der Kongress eine palästinische Zweigstelle der WZO, die die Siedlungsarbeit vor Ort koordinieren sollte.

Der neunte Kongress in Hamburg 1909 folgte einem Aufstand der „Jungtürken“ gegen das Osmanische Reich, den Max Nordau und David Wolffsohn als Hoffnung auch für einen Judenstaat in Palästina beurteilten. Doch Nachum Sokolow warf ihnen, Menachem Ussishkin und Chaim Weizmann vor, nur wirtschaftlich gewinnträchtige Projekte zu fördern.

Der zehnte Kongress in Basel 1911 wurde in Hebräischer Sprache abgehalten. Auf diesem sogenannten Friedenskongress konnten sich praktische und politische Zionisten auf ein gemeinsames Vorgehen einigen und ihren Konflikt für die folgenden Jahrzehnte beilegen. Schlomo Kaplansky warf die Beziehungen zwischen Zionisten und Arabern zum Diskussionthema auf. Der Deutsche Otto Warburg, ein praktischer Zionist, wurde zum Nachfolger David Wolffsohns als Präsident der WZO gewählt.

Der elfte Kongress in Wien 1913 befasste sich mit den Ansiedlungen in Palästina und ihrer Unterstützung durch das WZO-Büro in Jaffa. Max Nordau nahm aus Protest gegen die Abweichung von Herzls Konzept nicht teil. Weizmann und Ussishkin erreichten Zustimmung, eine Hebräische Universität in Jerusalem zu gründen, die 1925 eröffnet wurde.

1921ff

Seit 1921 existierten auch parteiähnliche Organisationen. Verhandelt wurde anfangs in deutscher, ab 1933 (Prag) in englischer Sprache. Bis zur Staatsgründung Israels 1948 wurde in den meisten Fällen in Basel getagt, seitdem, danach in Jerusalem.

19. Zionistenkongress in Luzern (August/September 1935): anwesend unter vielen anderen: Sammy Gronemann, David Ben Gurion, Rabbiner Meir Bar-Ilan, James McDonald, Arthur Ruppin, Nachum Sokolow, Avraham Menachem Ussishkin, Chaim Weizmann, Rabbiner Steven Wise sowie Fritz Rosenthal, anwesend als Berichterstatter für Nathan Birnbaums Zeitschrift "Der Ruf"). Chaim Weizmann wird auf dem Kongress als Präsident der Zionistischen Organisation und der Agency wiedergewählt. Die Revisionisten hatten ihre Teilnahme abgesagt (trennten sich 1935 von der zionistischen Weltbewegung aus Protest gegen ihren angeblich zu weichen Kurs, traten ihr aber 1946 wieder bei). Der nach Palästina ausgewanderte Regisseur Benjamin Fett drehte damals den ersten Film eines Zionistenkongresses.