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Roy Dupuis

Roy Dupuis [dyˈpɥi] (* 21. April 1963 in New Liskeard, Ontario; eigentlich Roy Michael Joseph Dupuis) ist ein kanadischer Schauspieler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Roy Dupuis wurde in New Liskeard geboren, das heute durch eine Vereinigung verschiedener Ortschaften Temiskaming Shores heißt. Nach den ersten drei Lebensmonaten wuchs er in Amos in der Nähe des Flusses Harricana auf. Diese Stadt liegt im französischsprachigen Teil Kanadas, in der Region Abitbi, etwa 500 Kilometer nördlich von Montréal, im Nordwesten der Provinz Québec. Dupuis hat eine ältere Schwester Roxanne und einen jüngeren Bruder Rodrick. Seine Mutter Ryna (1937-2008) war Klavierlehrerin. Der Vater, namens Roy, war commercial traveller und ist im Jahr 2000 im Alter von 70 Jahren verstorben.

Im Kindergarten war Dupuis' erste Bühnenrolle der Fuchs in Der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry. Mit elf Jahren ist die Familie nach Kapuskasing, Ontario, gezogen, wo er Englisch sprechen lernte. Als Kind lernte er auch Cello spielen. Seine Eltern ließen sich scheiden als er vierzehn Jahre alt war, und die Familie zog ohne den Vater nach Sainte-Rose, Laval, nahe Montréal. Nach dem Schulabschluss (Cégep) in Laval, begann Dupuis Physik, Chemie und Psychologie zu studieren, bis er den Film Molière von Ariane Mnouchkine im Kino sah. Am nächsten Tag verließ er das Studium und besuchte einen französischen Theaterkurs. Beim eher zufälligen Vorsprechen an der National Theatre School of Canada trug er eine Szene aus Der eingebildete Kranke von Molière vor. Michèle Rossignol, die Schuldirektorin und Schauspielerin aus Québec, nahm ihn auf, obwohl er mit dem Anmeldeformular eines Freundes erschien. Dupuis schloss den Schauspielunterricht in Montréal 1986 ab. Seither ist er viel beschäftigt.

Im Jahr 1995 half ihm eine jahrelange Psychotherapie Haschisch, Alkohol und sein wildes Partyleben, aber nicht das Rauchen, aufzugeben. Er bezeichnet sich als introvertiert.

Dupuis lebt südlich von Montréal in einem alten Farmhaus aus dem Jahr 1840, das er 1996 gekauft hat und renoviert. Er hat eine stark verwurzelte Beziehung zu seiner Heimat Québec und wird immer dorthin zurückkehren. Sein Hobby ist Segeln, das er mit seiner langjährigen Freundin Céline Bonnier betreibt. In zwei oder drei Jahren (Stand März 2008) wollen sie eine mehrjährige Segeltour in mehrere Länder unternehmen.

Dupuis engagiert sich für verschiedene Wohltätigkeitsorganisationen. Im Jahr 2005 warb er in einem kanadischen Fernsehwerbespot für Make Poverty History, um gegen die Armut in der Welt einzutreten. Er unterstützte bis Juni 2006 die Behinderten-Hilfsorganisation Mira Foundation. Er wirbt auch für die Erhaltung der Flüsse Kanadas in der Fondation Rivières, die er mitbegründet hat.

Karriere

Roy Dupuis spielte zuerst in verschiedenen Theatern in Montreal, dann im Fernsehen und in Kinofilmen. Eine kleine Rolle als Polizist erhielt er im Oscar-nominierten Filmdrama Jesus von Montreal (1989) von Regisseur Denys Arcand mit Lothaire Bluteau und Rémy Girard. In der männlichen Hauptrolle der Fernsehserie Emilie (Les Filles de Caleb) (1990) wurde er über Nacht berühmt. 4,6 Millionen Zuschauer bei 6 Millionen Einwohnern in der Provinz Québec verfolgten die dramatischen Schicksale der Charaktere. Die Serie wurde 2006 in Kanada von Imavision in französischer Sprache auf DVD wiederveröffentlicht, ebenso die Nachfolgeserie Blanche mit Pascale Bussières, in der Dupuis nur in einigen wenigen Szenen zu sehen ist. Von 1991 bis 1995 trat er in der Fernsehserie Scoop – Die Aufreißer mit Macha Grenon und Rémy Girard als Journalist auf. Gute Kritiken brachte ihm die Hauptrolle des homosexuellen Yves im dramatischen Kinofilm Being at Home with Claude (1992) ein. Der Film wurde in Cannes (Un Certain Regard) gezeigt. Im Filmdrama Labyrinth – Liebe ohne Ausweg (Entangled) (1993) mit Judd Nelson und Pierce Brosnan spielte er den Freund der Hauptfigur, einen Fotografen, der sich mit Sexabenteuern vergnügt. In der Miniserie Der Mutter entrissen (Million Dollar Babies) (1994) mit Beau Bridges stellten er und Céline Bonnier die Eltern der Dionne-Fünflinge dar. Er arbeitete wiederholt mit dieser kanadischen Schauspielerin zusammen, ebenso mit dem Schauspieler Rémy Girard. Weiters folgten eine Nebenrolle im Science-Fiction-Horrorfilm Screamers – Tödliche Schreie (1995) mit Peter Weller und Jennifer Rubin, die Hauptrolle im Horrorfilm Hemoglobin (1997) mit Rutger Hauer und Kristin Lehman und eine kleinere Rolle in Free Money (1998) mit Marlon Brando, Donald Sutherland, Charlie Sheen, Mira Sorvino, Martin Sheen.

Hierzulande ist Roy Dupuis am besten durch die dramatische Agentenserie Nikita (US-Titel: La Femme Nikita) bekannt, in der er von 1997 bis 2001 den geheimnisvollen Michael Samuelle darstellte. Michaels Codename in der Serie ist der französische Name Jacques. In dieser Fernsehserie spielte er an der Seite von Peta Wilson, Don Francks, Alberta Watson, Eugene Robert Glazer und Matthew Ferguson. Später versuchten die Verantwortlichen der nachfolgenden Actionserie 24 jahrelang vergeblich Dupuis für eine Rolle zu verpflichten, doch er zieht es vor in seiner Heimat zu drehen.

Sein komödiantisches Talent bewies er im romantischen Film J’en suis! (1997) mit Patrick Huard und Charlotte Laurier, in der turbulenten Verwechslungskomödie C'est pas moi... c'est l'autre! (2004) mit Anémone und Michel Muller und in Les États-Unis d'Albert (2005), worin er einen Golfspieler darstellte. Die dramatische Liebesgeschichte Séraphin: un homme et son péché (2002) von Regisseur Charles Binamé mit Karine Vanasse und Pierre Lebeau war in seiner Heimat an den Kinokassen sehr erfolgreich. 2003 wirkte Dupuis in einigen Szenen der Oscar-prämierten Tragikomödie Die Invasion der Barbaren mit Rémy Girard, Pierre Curzi und Marie-Josée Croze von Regisseur Denys Arcand mit. 2004 wurden Mémoires affectives und Manners of Dying mit Serge Houde und Gregory Hlady mit Dupuis in den dramatischen Hauptrollen veröffentlicht.

Dupuis betreibt gerne Sport. Eishockey erlernte er ab dem Alter von drei Jahren und spielte später in der Midget AAA, einer der besten Nachwuchsligen Kanadas. Seine sportlichen Fähigkeiten bewies er im Film Maurice Richard (2005), in dem er die zahlreichen Szenen auf dem Eis ohne Stuntdouble absolvierte. Der Film mit Julie LeBreton und Stephen McHattie erhielt 2007 neun Genie Awards. Im englischsprachigen Mysterydrama That Beautiful Somewhere untersuchte Dupuis in der männlichen Hauptrolle gemeinsam mit Jane McGregor einen Todesfall.

Im Februar 2007 drehte Regisseur Francis Leclerc mit Dupuis in der Hauptrolle den elfeinhalbminütigen improvisierten Kurzfilm Revenir beim Kurzfilm-Festival Regard in Saguenay. Der französische Film in Schwarzweiß wurde dort am 10. Februar auf einer Schneeleinwand gezeigt.

Die Dreharbeiten zum Film Shake Hands with the Devil begannen Mitte Juni 2006 in Kigali. Nachdem die Produktions-Crew 36 Tage in Ruanda teils an Originalschauplätzen war, wurden im August in Halifax letzte Einstellungen gedreht. Roger Spottiswoode, der Regisseur des Bond-Films Der Morgen stirbt nie, führte Regie. Dupuis spielte Roméo Dallaire, der 1994 ein kanadischer General bei einer Mission der Vereinten Nationen in Ruanda war. Der Film basiert auf der gleichnamigen Biografie von Dallaire aus dem Jahr 2003, wurde von ihm beratend unterstützt und soll historisch so genau wie möglich sein, obwohl es kein Dokumentarfilm ist. Dallaire gab Dupuis seine militärischen Abzeichen, das Namensschild und die Uniform, um sie im Film zu verwenden. Das Budget betrug etwa 11 Millionen CAD. Als Produzenten fungierten Laszlo Barna und Michael Donovan, der 2003 mit Bowling for Columbine einen Oscar gewann. Als Schauspieler wurden Deborah Kara Unger, Jean-Hugues Anglade, James Gallanders und Tom McCamus verpflichtet. Maury Chaykin ist in einem Cameo-Auftritt zu sehen. Der etwa 100-minütige Film soll in englischer und französischer Sprache und mit englischen Untertiteln sein. Die Postproduktion befand sich Ende April 2007 in der Abschlussphase. Der ruandische Präsident Paul Kagame war bei einer Spezialvorführung in der Hauptstadt seines Landes am 9. August 2007 anwesend. Roméo Dallaire, inzwischen ein kanadischer Senator, hat bisher (Stand: 10. August 2007) bereits mehrere Vorführungen gesehen. Er empfand den Film als zu sehr über seinen Charakter und zu wenig über den Völkermord. Die Weltpremiere von Shake Hands with the Devil erfolgte am 9. September 2007 beim Toronto International Film Festival 2007 in einer Spezialpräsentation in Anwesenheit Roméo Dallaires. Danach eröffnete er das 27. Atlantic Film Festival in Halifax, das vom 13. bis 22. September 2007 lief und 249 Filme vorführte. Dupuis wurde bei diesem Festival als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Am 28. September 2007 kam der Film vertrieben durch Seville Pictures in englischer Originalversion und in französischer Version in die kanadischen Kinos. Das Thema wurde bereits mehrfach verfilmt, etwa im Film Hotel Ruanda, im Dokumentarfilm mit Roméo Dallaire Shake Hands with the Devil – The Journey of Roméo Dallaire und im dramatischen Liebesfilm A Sunday in Kigali (Un dimanche à Kigali). Shake Hands with the Devil erschien am 29. Januar 2008 in Kanada auf DVD. Das Filmdrama wurde zwölfmal bei den 28. Genie Awards nominiert, genauso oft wie David Cronenbergs Thriller Tödliche Versprechen – Eastern Promises, erhielt aber nur einen Preis für den besten Originalsong. Der Film wurde 2008 beim Jutra Award für den besten Schnitt nominiert, Dupuis gewann diesen Preis als bester Hauptdarsteller.

Roy Dupuis spielte im Filmdrama Emotional Arithmetic zusammen mit Susan Sarandon und Christopher Plummer, die seine Eltern darstellten, weiters mit Gabriel Byrne und Max von Sydow. Der Film handelt von drei Holocaust-Überlebenden, die sich nach Jahrzehnten wiedertreffen. Die Weltpremiere des Films fand am 15. September 2007 statt und zwar als Abschlussfilm des Toronto International Film Festivals 2007. In den kanadischen Kinos soll er Anfang 2008 verscheinen.

Dupuis, Céline Bonnier, Pierre Lebeau, Danielle Proulx, Michèle Richard und Jean-Nicolas Verreault spielten in der schwarzen Komödie Truffe (übersetzt: Trüffel) mit. Kim Nguyen fungierte als Regisseur, Produzent und Drehbuchautor des Films. Die Dreharbeiten fanden zweiundzwanzig Tage lang, vom 27. März bis zum 3. Mai 2007, in der Region Montreal statt. Das Budget beträgt 1,2 Millionen Kanadische Dollar. Die Handlung spielt in Montreal im Jahr 2017. Der Schwarzweißfilm eröffnet am 3. Juli 2008 das Fantasia Festival und erlebt dort seine Premiere.

Dupuis hat eine Nebenrolle als Trainer eines Jugendbaseballteams im Film Un été sans point ni coup sûr, der vom 26. Juni bis Mitte August 2007 verfilmt wird. Der Stoff beruht lose auf dem gleichnamigen Roman von Marc Robitaille. Die Handlung spielt im Jahr 1969. Das Budget beträgt ungefähr vier Millionen CAD. Gedreht wird im Juli in der Region Montreal und zwei Wochen lang im Park Gilles-Forest in der Stadt Mascouche. Patrice Robitaille, Jacinthe Lagüe und Guy Thauvette spielen mit. Der Regisseur Francis Leclerc hat mit Dupuis schon in Mémoires affectives zusammengearbeitet. Der Film soll am 1. August 2008 von Alliance Atlantis Vivafilm in Québec veröffentlicht werden.

Weiters entsteht der englischsprachige Film The Timekeeper nach einem Roman des Kanadiers Trevor Ferguson. Als Regisseur fungiert Louis Bélanger. Craig Olejnik besetzt die Hauptrolle. Roy Dupuis' Charakter in diesem Film heißt Scully. Julian Richings und Stephen McHattie spielen mit. Die Dreharbeiten begannen am 12. Juli und dauern bis zu 23. August 2007. Gedreht wird in und um ein Wildreservat in Port-Cartier-Sept-Îles, an der Nordküste der Provinz Québec, in der Region Côte-Nord. Es gibt keine Innenszenen, alles wird im Freien in den Wäldern von Québec in Szene gesetzt. Die Handlung spielt im Jahr 1964. Das Budget beträgt 5,9 Millionen Dollar. Christal Films wird das Drama im Jahr 2008 veröffentlichen. Als Veröffentlichungsdatum ist der 1. September 2008 angegeben.

Ein weiterer Film trägt den Titel Death Instinct bzw. L'Instict de mort (übersetzt: Der Todestrieb) (2008). Dupuis soll Jean-Paul Mercier, einen Komplizen des Bankräubers Jacques Mesrine, darstellen, der von Vincent Cassel verkörpert wird. Eva Green, Gérard Depardieu, Jean-Pierre Cassel, Cécile de France, Guillaume Canet, Ludivine Sagnier, Samuel Le Bihan, Samy Naceri und der frühere Boxer Deano Clavet spielen mit. Regisseur ist Jean-François Richet. Als Vorlage dient der gleichnamige autobiografische Roman von Mesrine aus dem Jahr 1977. Die Verfilmung besteht aus zwei Teilen. Der zweite Teil L'Ennemi public n° 1 bzw. Public Enemy No. 1 (übersetzt: Der öffentliche Feind Nr. 1) (2009) wird vorher bzw. gleichzeitig gedreht. Der Drehbeginn war am 30. April 2007. Dupuis und andere Schauspieler aus Québec filmen (ab Ende August) in Paris. Ab Mitte September sind Dreharbeiten in Montreal und Québec für den ersten Teil vorgesehen. Gefilmt wird über 33 Wochen lang in Paris, Frankreich, Kanada, Algerien und Spanien. Einige Szenen werden in Thunder Bay und in Arizona gedreht. Das Budget der beiden Filme beträgt 45 Millionen Euro (70 Millionen CAD). L'instinct de Mort kommt voraussichtlich im Oktober 2008 in die Kinos und der zweite Teil L'ennemi public no. 1, in dem Dupuis nicht mitspielen soll, im Frühling 2009.

Dupuis dreht im Familiendrama Nemesis zum zweitenmal zusammen mit dem Regisseur André Forcier. Der Filmtitel bezeichnet Nemesis, die griechische Rachegöttin. Die Schauspieler Rémy Girard, Michel Barrette, Gaston Lepage, Hélène Bourgeois-Leclerc, Céline Bonnier, France Castel und Pierre-Luc Brillant sind dabei. Der Drehbeginn war am Sonntag, dem 30. September 2007 in Val-d'Or, einer Stadt in der Provinz Québec. Es wird 23 Tage lang gefilmt, davon 17 Tage in Abitibi unter anderem am Harricana-Fluss. Drehtage für die Winterszenen finden Ende November statt und in den ersten zwei Wochen im Dezember 2007. Es soll auch in Irland gedreht werden. Die Handlung spielt im Bergwerksarbeitermilieu von Abitibi zwischen 1949 und 1958. Der französischsprachige Film soll im Herbst 2008 herauskommen.

Vom 18. März bis 5. April 2008 trat Dupuis wieder auf einer Theaterbühne in Montreal auf und zwar im Stück Blasté von Sarah Kane. Der deutsche Titel des Stücks lautet Zerbombt. Céline Bonnier und Paul Ahmarani spielten mit. Jean Marc Dalpé übersetzte den englischen Text ins Französische. Brigitte Haentjens führte Regie. 14 Jahre davor trat Dupuis zuletzt unter ihrer Regie in Sam Shepards True West auf der Bühne auf.

Ein neues Filmprojekt ist die Komödie Les doigts croches mit Patrice Robitaille und erstmals als Regisseur Ken Scott.

Werke

Filmografie

u. a.

Regie

Theater

Auszeichnungen

Literatur

Personendaten
Dupuis, Roy
Dupuis, Roy Michael Joseph
Kanadischer Schauspieler
21. April 1963
New Liskeard, Ontario, Kanada