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Norddeutscher Rundfunk

Dieser Artikel behandelt den Norddeutschen Rundfunk; zu weiteren Bedeutungen der Abkürzung NDR siehe NDR (Begriffsklärung).

 Landesrundfunkanstalt der ARD

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts (Landesrundfunkanstalt) für die deutschen Bundesländer Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Der Sitz ist in Hamburg, genauer im Hamburg-Eimsbütteler Stadtteil Rotherbaum.

Der NDR entstand 1954 durch die Spaltung des NWDR in NDR und WDR. Am 1. April 1956 nahm er den Sendebetrieb auf. Er ist Mitglied der ARD und hat derzeit etwa 3447 Angestellte (Stand 2006).

Inhaltsverzeichnis

Standorte des NDR

Der NDR ist in Hamburg auf zwei Standorte verteilt. In Hamburg-Lokstedt ist das Fernsehen untergebracht, am Rothenbaum der Hörfunk und die Verwaltung. In den Landeshauptstädten Hannover, Kiel und Schwerin sowie in Hamburg befinden sich Landesfunkhäuser für Hörfunk und Fernsehen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Regionalprogramme für das jeweilige Bundesland zu veranstalten.

Darüber hinaus unterhält der NDR in mehreren Städten seines Sendegebiets Regionalstudios und Büros:

Außerdem unterhält der NDR die ARD-Auslandsstudios in London, Stockholm, Peking, Tokio, Singapur und Neu-Delhi; daneben ist er am ARD-Hauptstadtstudio in Berlin sowie an den ARD-Studios in Moskau, Warschau, Brüssel, Washington, New York und Los Angeles beteiligt.

Der NDR betreibt in Hamburg-Lokstedt zudem ARD-aktuell. Die Gemeinschaftseinrichtung der ARD-Anstalten publiziert die Nachrichtensendungen Tagesschau, Tagesthemen, Nachtmagazin, EinsExtra aktuell sowie das Online-Portal tagesschau.de.

Programme des NDR

Der NDR produziert derzeit allein oder in Zusammenarbeit mit anderen Rundfunk- bzw. Fernsehanstalten folgende Fernseh- und Hörfunkprogramme:

Fernsehen

Hörfunk

Über den digitalen Hörfunkstandard Digital Audio Broadcasting (DAB) überträgt der NDR außerdem seine Sonderkanäle NDR Musik Plus, NDR Traffic und NDR 2 Plus.

Klangkörper des NDR

Der NDR verfügt über vier eigene Klangkörper:

NDR Sinfonieorchester
Das Orchester wurde 1945 als „Sinfonieorchester des NWDR“ in Hamburg gegründet und seit 1955 vom NDR unter seinem heutigen Namen weiter geführt; Chefdirigenten waren u. a. Hans Schmidt-Isserstedt, Günter Wand und John Eliot Gardiner.
NDR Radiophilharmonie
Das Orchester wurde 1950 als „Rundfunkorchester Hannover des NWDR“ gegründet und seit 1955 vom NDR unter seinem heutigen Namen in Hannover weiter geführt; Chefdirigenten waren u. a. Willy Steiner und Bernhard Klee; das Orchester ist überwiegend der leichteren Klassik verpflichtet. Unter dem Namen "NDR Pops Orchestra" betreibt das Orchester Genre übergreifende Projekte mit internationalen Solisten z.B. aus Pop und Jazz.
NDR Chor
Der Chor wurde 1946 vom damaligen NWDR in Hamburg gegründet und trägt seit 1955 seinen heutigen Namen; er ist insbesondere der „alten Musik“ verpflichtet, widmet sich jedoch auch zeitgenössischer Musik.
NDR Bigband
Gegründet 1945 vom damaligen NWDR, wird sie seit 1955 vom NDR in Hamburg weitergeführt. Seit 1971 trägt sie ihren heutigen Namen. Zuvor hieß sie „NDR-Studioband“.

Sendeanlagen

Der Norddeutsche Rundfunk betreibt in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg ein eigenes Sendernetz zur Ausstrahlung seiner Hörfunk- und Fernsehprogramme. In Mecklenburg-Vorpommern werden diese Leistungen im Auftrag und auf Rechnung des NDR vom Unternehmen Media Broadcast erbracht.

Der NDR betreibt dabei folgende Großsendeanlagen:

Weitere Einrichtungen

Geschichte

Vorkriegszeit

1924 wurde in Hamburg die „Nordische Rundfunk AG“ (NORAG) gegründet, die am 2. Mai 1924 ihren Sendebetrieb aufnahm. Seit 1928 wurden die Sendungen in der Rothenbaumchaussee in Hamburg produziert. 1933 wurde die Nordische Rundfunk AG in die „Norddeutsche Rundfunk GmbH“ umgewandelt. Ein Jahr später gehörte sie als „Reichssender Hamburg“ zum späteren Großdeutschen Rundfunk. Dieser sendete bis 1945.

NWDR-Zeit

Im Nachkriegsdeutschland gründete die britische Besatzungsmacht 1945 zunächst „Radio Hamburg“, das im Herbst 1945 als „Nordwestdeutscher Rundfunk“ (NWDR) gemeinsame Rundfunkanstalt für ganz Nordwestdeutschland wurde. Diese wurde 1948 in deutsche Hände übergeben und eine „Anstalt des öffentlichen Rechts“ für die Bundesländer Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Berlin.

Der NWDR strahlte zunächst nur ein Programm (später NWDR 1) aus. Ab 1950 folgten auf UKW zwei regionale Hörfunkprogramme, UKW Nord (später NDR 2) und UKW West (später WDR 2). Im gleichen Jahr war der NWDR Gründungsmitglied der ARD. Zwei Jahre später (1952) war der NWDR maßgeblich für den Wiederbeginn des Fernsehens in Deutschland verantwortlich.
Zum 1. Juni 1954 schied der neu gegründete Sender Freies Berlin (SFB) aus dem NWDR aus, um für das Land Berlin eigenständige Programme auszustrahlen. Im gleichen Jahr startete das gemeinsame Fernsehprogramm der ARD.

Im Februar 1955 regelten die Bundesländer Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen den Rundfunk in ihren Ländern neu. Infolgedessen wurde der NWDR in zwei eigenständige Rundfunkanstalten aufgeteilt, der „Norddeutsche Rundfunk“ mit Sitz in Hamburg sollte künftig für die Länder Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein und der „Westdeutsche Rundfunk“ mit Sitz in Köln für das Land Nordrhein-Westfalen Rundfunksendungen veranstalten.

NDR-Geschichte

Am 1. Januar 1956 starteten die beiden neuen Sendeanstalten mit ihren eigenen Radiosendungen. Den Fernsehbereich übernahm ab 1. April 1956 zunächst noch der „Nord- und Westdeutsche Rundfunkverband“ (NWRV) bis 1961. Dann waren beide Sendeanstalten auch im Fernsehbereich für ihr jeweiliges Sendegebiet verantwortlich.

Der NDR sendete somit ab 1956 zunächst 2 Hörfunkprogramme, NDR/WDR 1 und NDR 2, und lieferte seinen Anteil zum ARD-Gemeinschaftsprogramm des Deutschen Fernsehens. Das erste Radioprogramm wurde noch bis Ende 1980 gemeinsam mit dem WDR veranstaltet, wobei es einen wöchentlichen Wechsel gab. So sendete der NDR in der ersten Wochen von 5 bis 15 Uhr, der WDR übernahm dann den Rest des Tages. In der zweiten Woche war es umgekehrt. Die gemeinsamen Wurzeln im NWDR sind im Radioprogramm von NDR und WDR immer noch zu finden. So wird eine der ältesten Zeitfunk-Sendungen im deutschen Radio, das "Echo des Tages", noch heute im wöchentlichen Wechsel von NDR und WDR gestaltet und ist auf NDR-Info und WDR 5 gleichzeitig zu hören.

Am 1. Dezember 1956 startete der NDR sein 3. Hörfunkprogramm NDR 3, das von 1962 bis 1973 gemeinsam mit dem SFB veranstaltet wurde.

Am 4. Januar 1965 startete der NDR zusammen mit Radio Bremen und dem SFB mit der Ausstrahlung eines eigenen „Dritten Fernsehprogramms“ (zunächst als „III. Fernsehprogramm der Nordkette“ (kurz „Das Dritte“), später N3 (was für Nord 3 steht)), das bald zu einem Vollprogramm ausgebaut wurde und zwischenzeitlich auch über Satellit in nahezu ganz Europa zu empfangen ist. Seit Dezember 2001 wird es als NDR Fernsehen geführt.

Am 14. Juli 1977 kündigte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg den NDR-Staatsvertrag zum Jahr 1980. Die Kündigung war auch durch die Sendungen des NDR motiviert. So störte sich Stoltenberg an der von ihm als "einseitig" und "linkslastig" angesehenen NDR-Berichterstattung[1], zum Beispiel zu den Protesten gegen den Bau des Kernkraftwerks Brokdorf.

In der Folge war umstritten, ob der NDR durch die Kündigung Schleswig-Holsteins aufgelöst werden würde oder von den verbliebenen Staatsvertrags-Partnern Hamburg und Niedersachsen zumindest bis 1985 fortgeführt werden müsste. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht war, wie sein CDU-Parteifreund Stoltenberg, ersterer Ansicht. Er schlug als Alternative eine eigene niedersächsische Rundfunkanstalt, "Radio Niedersachsen", gegebenenfalls in Kooperation mit Schleswig-Holstein, vor. Nach einer Klage des SPD-regierten Hamburg stellte das Bundesverwaltungsgericht dagegen fest, dass der NDR von Niedersachsen und Hamburg fortzuführen sei.

Daraufhin wurde 1980 der NDR aufgrund eines neuen Staatsvertrags der Länder Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein auf eine neue Grundlage gestellt. Das bislang im Staatsvertrag festgeschriebene Rundfunkmonopol des NDR wurde befristet und seine Programme neu organisiert. Das Programm NDR 1 wurde in die drei eigenständigen Landesprogramme NDR 1 Niedersachsen (bis Anfang 2002 „NDR 1 Radio Niedersachsen“), NDR 1 Welle Nord und NDR 90,3 (bis 2. Dezember 2001 „NDR Hamburg-Welle 90,3“) aufgeteilt. NDR 2 und NDR 3 wurden im gesamten Sendegebiet als Popwelle bzw. Klassikwelle weitergeführt. Die drei Landesprogramme von NDR 1 nahmen am 2. Januar 1981 den Sendebetrieb auf und wurden Zug um Zug zu Vollprogrammen ausgebaut. Mehrmals täglich schalten sie sich zu regionalen Programmen auseinander. Dabei senden in „NDR 1 Radio Niedersachsen“ die Regionalprogramme aus den Regionen Oldenburg/Ostfriesland/Bremen/Cuxhaven, Osnabrück/Emsland, Großraum Hannover, Braunschweig/Südniedersachsen und Nordostniedersachsen und in „NDR 1 Welle Nord“ aus den Studios Flensburg, Heide, Norderstedt, Lübeck und Kiel.

Am 30. September 1988 startete der NDR im Fernsehprogramm Nord 3 sein regionales Videotext-Angebot Nordtext, das seit 2. Dezember 2001 als NDR Text geführt wird. Das Angebot umfasst aktuelle Meldungen für das NDR Sendegebiet und Bremen sowie Begleitinformationen zu Hörfunk und Fernsehen. Informationen über Programm-Angebote von Radio Bremen tragen den Titel radiobremen-text.

Am 1. April 1989 startete der NDR sein 4. Hörfunkprogramm NDR 4, später NDR 4 Info das seit 2. Juni 2002 als NDR Info ausgestrahlt wird.

Zum 1. Januar 1992 trat das Land Mecklenburg-Vorpommern per Staatsvertrag dem NDR als viertes Bundesland bei. Das Land erhielt sein eigenständiges Landesprogramm NDR 1 Radio MV, das sich ebenso wie die anderen Landesprogramme mehrmals täglich zur regionalen Berichterstattung aus Schwerin, Rostock, Neubrandenburg und Greifswald auseinander schaltet. Im Oktober des selben Jahres schied der SFB aus dem Dritten Fernsehprogramm Nord 3 aus, um sein eigenständiges Berliner Programm „B1“ (später SFB 1) auszustrahlen.

Am 4. April 1994 startete der NDR für 14- bis 19-jährige Hörer das Jugendprogramm N-Joy, das bis 2001 unter der Bezeichnung „N-Joy Radio“ geführt wurde.

Am 3. Oktober 1997 ging NDR 3 im neu gegründeten Programm Radio 3 auf, das in Kooperation mit dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (früheres ORB-Programm „Radio Brandenburg“) und bis Ende 2000 auch mit dem Sender Freies Berlin (früheres Programm SFB 3) veranstaltet wurde und bis 31. Dezember 2002 sendete.

Als letztes Hörfunkprogramm in der langen Programmgeschichte des NDR startete am 1. November 2001 das Nordwestradio, ein gemeinsames Hörfunkprogramm von Radio Bremen und NDR für das Bundesland Bremen und den Nordwesten von Niedersachsen. In diesem Programm ging das bisherige 2. Hörfunkprogramm „Radio Bremen 2“ auf. Die Redaktion des Programms liegt bei Radio Bremen.

Seit 1. Januar 2003 sendet der NDR mit dem Programm NDR Kultur als Nachfolgeprogramm von „Radio 3“ auch wieder ein von ihm alleine gestaltetes Klassik- und Kulturprogramm. Die Bezeichnung „Radio 3“ gab es jedoch weiterhin bis zum 31. Dezember 2003. Es handelt sich nunmehr um ein Kulturprogramm des RBB, das teilweise auch Sendungen von NDR Kultur übernahm. Am 1. Januar 2004 ging dieses Programm im neuen RBB Kulturradio auf.

Mit dem 1929 von der NORAG begründeten Hamburger Hafenkonzert strahlt NDR 90,3 am Sonntag von 6 bis 8 Uhr morgens die älteste bestehende Radiosendung der Welt aus.

Intendanten des NDR und seiner Vorgängereinrichtungen

Beitrag zum Gemeinschaftsprogramm Das Erste

Zu den Programminhalten des Fernsehprogramms Das Erste, dem Gemeinschaftsfernsehprogramm der neun öffentlich-rechtlichen Regionalrundfunkanstalten, die in der ARD organisiert sind, trägt der NDR 17,45 % bei. Damit liegt der NDR hier nach dem WDR und dem SWR auf Platz 3.

Unter anderem ist beim NDR in Hamburg die Nachrichtenredaktion der ARD, ARD-aktuell, angesiedelt. Dort werden die Tagesschau, die Tagesthemen, das Nachtmagazin und der Wochenspiegel produziert. Außerdem ist der NDR stellvertretend für die ARD verantwortlich für die deutsche Beteiligung am Eurovision Song Contests und repräsentiert somit die ARD bei einer der größten internationalen Medienveranstaltungen.

Siehe auch

Literatur

 Commons: Norddeutscher Rundfunk – Bilder, Videos und Audiodateien