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Curt Rothenberger

Curt Ferdinand Rothenberger (* 30. Juni 1896 in Cuxhaven; † 1. September 1959 in Hamburg) war ein deutscher Jurist und nationalsozialistischer Politiker. Er bekleidete die folgenden Ämter: Hamburger Senator für Justiz, Präsident des Hanseatischen Oberlandesgerichts sowie Staatssekretär im Reichsministerium der Justiz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er im Nürnberger Juristenprozess angeklagt und verurteilt.[1]

Inhaltsverzeichnis

Leben bis 1933

Rothenberger wächst die ersten Jahre seines Lebens in Cuxhaven auf, wo sein Vater hamburgischer Zollbeamter ist. 1901 zieht die Familie nach Hamburg. Ab 1905 besucht Rothenberger dort das Wilhelm-Gymnasium, das er im August 1914 mit dem Abitur abschließt. Da seinem Wunsche, an dem gerade begonnenen Ersten Weltkrieg als Kriegsfreiwilliger teilzunehmen, nicht umgehend entsprochen wird, fängt Rothenberger an Rechtswissenschaften in Berlin zu studieren. Im Sommer 1915 erhält Rothenberger, obwohl er im April 1915 nach Kiel gewechselt ist, seinen Einberufungsbefehl. Er nimmt als Feldartillerist an der Westfront am Ersten Weltkrieg von 1915 bis 1918 teil.

Nach dem Krieg kehrt Rothenberger nach Hamburg zurück, um sich an der neu errichteten Hamburger Universität im Kurs extra für Kriegsteilnehmer einzuschreiben. Nach nur 5 Semestern erlangt Rothenberger im März 1920 das 1. Staatsexamen, da für Kriegsteilnehmer besondere Regelungen gelten. Nach einem verkürzten Referendariat, einer Doktorarbeit und einem sehr gut bestandenen 2. Staatsexamen wird Rothenberger im Juni 1922 Hilfsrichter beim Amtsgericht. Nebenberuflich arbeitet er als Repetitor.

Im Januar 1925 wird Rothenberger Hamburger Beamter mit einer Richterstelle am Landgericht, 1927 wird er Untersuchungsrichter und 1928 steigt er zum Regierungsrat in der Landesjustizverwaltung auf. In dieser Position kommt es zu schweren Streitigkeiten mit dem damaligen Leiter der Gefängnisverwaltung, Dr. Christian Koch, so dass Rothenberger Mitte 1929 in die Gesundheitsverwaltung befördert wird und dort als Oberregierungsrat wirkt. Im Januar 1931 kehrt Rothenberger wieder in die Justizverwaltung zurück.

Zu einem Skandal kommt es Ende 1931. Rothenberger wird Hamburger Kandidat für eine Stelle als Hilfsrichter beim Reichsgericht in Leipzig, da sich kein anderer Hamburger Richter bereit erklärt hatte, die Stelle zu übernehmen. Er wird, da seine Berufung als sicher angesehen wird, zum Landgerichtsdirektor befördert. Rothenberger wird aber wegen seines vergleichbar jungen Alters - er ist zu diesem Zeitpunkt knapp 35 Jahre alt - nicht berufen. In Hamburg genießt er unter Kollegen wegen seiner steilen und nicht nachvollziehbaren Karriere kein großes Ansehen. Rothenberger wechselt 1932 zum Strafsenat.

Vor allem nach diesem Vorfall wendet sich Rothenberger endgültig von der Weimarer Republik ab und nimmt Kontakt zu Wilhelm von Allwörden von der NSDAP auf. Wann er sich mit Gauleiter Karl Kaufmann trifft, ist nicht bekannt. Aus taktischen Gründen wird Rothenberger aber ein Parteieintritt noch nicht erlaubt; er arbeitet von nun an verdeckt für die Nationalsozialisten. Seine Informationen helfen den Nationalsozialisten sehr, so dass Rothenberger kurz vor dem Machtwechsel von Kaufmann angeboten wird, Hamburgs Erster Bürgermeister zu werden.[2] Rothenberger lehnt ab.

NS-Zeit

Am 8. März 1933 wird Rothenberger von der Hamburger Bürgerschaft als Justizsenator gewählt und gehört dem Senat unter dem Ersten Bürgermeister Carl Vincent Krogmann an. Da die Zusammenarbeit Rothenbergers mit der NSDAP noch unbekannt ist und Rothenberger in der Öffentlichkei als unpolitisch gilt, wird der tatsächliche politische Umschwung im Justizwesen zuerst nicht deutlich. Es gibt keine Proteste. Anders als in anderen Teilen des Reiches agiert Rothenberger bei seinen Säuberungen verdeckt. Er entlässt die insgesamt 31 als jüdisch angesehenen Richter und Staatsanwälte unauffällig und mit zeitlichem Abstand. Durch so genannte Verjüngungskuren entlässt er vor allem altgediente liberale Richter und ersetzt diese durch nationalsozialistisch eingestellte Juristen. Rothenberger gelingt eine schnelle und reibungslose Säuberung der Hamburger Justiz, bei der auch Christian Koch sein Amt räumen muss. Insgesamt verlieren ca. 30 % der Hamburger Justizjuristen ihre Ämter.[3].

Nach anfänglichen Reibereien und Kompetenzstreitigkeiten zwischen Rothenberger und Kaufmann bessert sich mit der Zeit ihr Verhältnis. Ab 1935 arbeiten Rothenberger und Kaufmann für den Rest der NS-Zeit sehr eng zusammen. Rothenberger wechselt am 1. April 1935 als Präsident zum Hanseatischen Oberlandesgericht und ab 16. Mai 1935 wird er zusätzlich Präsident des Hamburger Oberverwaltungsgerichts. Daneben besetzt er einige weitere Ämter.

Rothenberger führt in allen Gerichten ein eigenes Überwachungssystem ein. Es werden wöchentliche Vorbesprechungen abgehalten, auf denen einzelne Richter ihre wichtigsten Fälle der nächsten Woche vorstellen. Rothenberger lässt deutlich werden, wie die Verfahren entschieden werden sollen. [4] Auch werden in Nachbesprechungen nicht genehme Urteile der letzten Woche kritisiert. Da dieses System mit der Zeit immer mehr ausgeweitet wird, entscheidet Rothenberger später über fast jeden Fall persönlich. Dazu lässt er noch Stimmungsberichte anfertigen und in einzelnen Fällen greift Rothenberger direkt lenkend ein. Anklagen gegen Männer der SA oder SS werden von ihm immer verhindert.

Nachdem der Zweite Weltkrieg ausgebrochen ist, wird das Arbeitsfeld der Justiz immer mehr beschnitten. Da Reichsjustizminister Franz Gürtner 1941 verstorben ist und das Ministerium nur kommissarisch durch Franz Schlegelberger verwaltet wird, sieht Rothenberger die Möglichkeit einer Karriere in Berlin. Im April 1942 geht Adolf Hitler eine Denkschrift von Rothenberger zur Justizreform zu. Hitler ernennt Rothenberger am 20. August 1942 zum Staatssekretär im Reichsjustizministerium. Sein Vorgesetzter ist der am selben Tag berufenen Minister Otto Georg Thierack. Rothenberger kann seine Ideen aber nur begrenzt umsetzen. Spätestens ab Dezember 1942 versucht Thierack den ihm missliebigen Staatssekretär loszuwerden. Es findet sich aber erst zum 21. Dezember 1943 einen Anlass, um Rothenberger seines Amtes entheben zu können. Rothenberger kehrt enttäuscht nach Hamburg zurück. Dort wird er durch Gauleiter Karl Kaufmann zum Beauftragten für den totalen Kriegseinsatz in Hamburg ernannt. Nebenberuflich beginnt Rothenberger im September 1944 sich als Notar zu betätigen.

Nach dem Krieg

Im Mai 1945 wird Rothenberger verhaftet und in Neumünster interniert. Am 4. Januar 1947 beginnt der Nürnberger Juristenprozess, bei dem Rothenberger am 4. Dezember des selben Jahres zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt wird.

In der Urteilsbegründung heißt es:

Der Angeklagte Rothenberger hat dem Programm rassischer Verfolgung Hilfe und Vorschub geleistet, und trotz seiner vielen gegenteiligen Beteuerungen hat er wesentlich zur Entwürdigung des Justizministeriums und der Gerichte und zu ihrer Unterwerfung unter die Willkür Hitlers, der Parteichargen und der Polizei beigetragen. Er nahm an der Korruption und Beugung des Rechtssystems teil.[5]

1950 wird Rothenberger vorzeitig entlassen. Er lässt sich in Schleswig-Holstein nieder und bezieht eine Pension als Oberlandgerichtspräsident a. D. 1954 kehrt Rothenberger nach Hamburg zurück. Er beginnt dort wieder erfolgreich als Repetitor zu arbeiten. Das Ersuchen, seine Versorgungsbezüge denen eines Staatssekretärs anzugleichen, wird von Hamburg abgelehnt. 1959 wird ein Bericht veröffentlicht über Rothenbergers Tätigkeit während der Zeit des Nationalsozialismus. Dies wird zum Skandal. Rothenberger begeht kurz darauf Suizid.

Einzelnachweise

  1. Alle Daten aus Schott: Curt Rothenberger (Siehe Literaturliste).
  2. siehe Schott: Curt Rothenberger, S. 64.
  3. siehe Schott: Curt Rothenberger, S. 70.
  4. Sondergerichtsbesprechung vom Mai 1942 als Dokument abgedruckt bei Helga Grabitz / Werner Johe: Die unFreie Stadt Hamburg 1933–1945. 2. erw. Auf. Hamburg 1995, S. 167f, ISBN 3-929728-18-4
  5. siehe Schott: Curt Rothenberger, S. 172.

Literatur

Schott, Susanne: Curt Rothenberger – eine politische Biographie. Dissertation. Halle (Saale) 2001.

Personendaten
Rothenberger, Curt
Rothenberger, Kurt
deutscher NS-Jurist, OLG-Präsident, Staatssekretär im Justiziministerium
30. Juni 1896
Cuxhaven
1. September 1959
Hamburg