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Selby

Dieser Artikel beschreibt die Stadt in England, weitere Bedeutungen siehe Selby (Begriffsklärung).
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Selby
Lage von Selby

Selby ist eine Stadt in der britischen Grafschaft North Yorkshire und Verwaltungssitz des gleichnamigen Distrikts. Sie zählt 20.870 Einwohner und liegt am Fluss Ouse, etwa 20 km südlich von York und 30 km östlich von Leeds.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Einer Legende zufolge wurde Selby im zehnten Jahrhundert durch dänische Wikinger gegründet, die das heutige Stadtgebiet auf dem Wasserweg über den Fluss Ouse erreicht haben sollen.

Der Fluss Ouse spielt auch in einer zweiten Legende um die Stadt eine Rolle. So habe ein Mönch namens Benedikt von Auxerre Mitte des elften Jahrhunderts die Vision gehabt, an einem bestimmten Ort eine Abtei zu errichten. 1069 sei er dann, während er den Fluss mit einem Boot bereiste, von drei Schwänen auf die in seiner Vision bestimmte Stelle - den Ort Selby - hingewiesen worden.

Nachweislich wurde 1069 in Selby eine Abtei durch Benedikt von Auxerre begründet. Deren Bau sollte sich über ein Jahrhundert hinziehen. Der Innenausbau der Selby Abbey lehnt sich an die ab 1093 entstandene Kathedrale von Durham an. Eine im 14. Jahrhundert entstandene Glasmalerei in der Abtei beinhaltet das Wappen derjenigen Familie Washington, in die George Washington 1723 geboren werden sollte. Die Selby Abbey ist heute eine der wenigen vollständig erhaltenen und zugleich größten britischen Kirchen aus dem Mittelalter.

Um 1068 wurde der spätere König Heinrich I. (England), der jüngste Sohn von Wilhelm I. (England), in Selby geboren. 1840 erhielt Selby mit der Eröffnung einer Strecke von Kingston upon Hull Anschluss an das Eisenbahnnetz. 1841 folgte eine Bahnstrecke von Selby nach Leeds.

Kohlebergbau

Über einen Zeitraum von rund 20 Jahren fand auf dem Gebiet um die Stadt Selby Steinkohlenbergbau statt. Mit der Erschließung der dortigen Kohlefelder im Rahmen des so genannten "Selby complex" wurde in den 1970er-Jahren begonnen. Es handelte sich dabei um die letzte Neuerschließung eines Kohlefelds in Großbritannien und zugleich eines der größten Untertagebau-Projekte der Welt. Der ursprünglichen Planung zufolge sollten hier über einen Zeitraum von 40 Jahren jährlich zehn Millionen Tonnen Steinkohle abgebaut werden.

Nach rund mehrjähriger Planung wurde am 29. Oktober 1976 mit einer ersten Bohrung in Wistow, einem Nachbardorf Selbys, begonnen. 1978 wurden die Arbeiten an den künftigen Bergwerken Riccall und Stillingfleet sowie dem Schacht Gascoigne Wood begonnen, 1979 mit dem Bergwerk North Selby und 1980 mit dem Bergwerk Whitemoor. Im Juni 1983 wurde in der Zeche Wistow die Kohleförderung aufgenommen, im Januar 1988 in Riccall, Stillingfleet sowie Whitemoor und im Januar 1991 schließlich auch in North Selby. Die gesamte Erschließung des Kohlefeldes kostete etwa 1,4 Milliarden britische Pfund.

Alle Bergwerke waren unterirdisch miteinander verbunden und erstreckten sich untertags auf einer Fläche von rund 285 km². Die geförderte Steinkohle wurde ab November 1985 nicht an den Bergwerken, sondern über die zu diesem Zeitpunkt eröffneten Schrägschächte in Gascoigne Wood an die Oberfläche gebracht. Zu Spitzenzeiten förderten die Bergwerke des "Selby complex" jährlich über zehn Millionen Tonnen Steinkohle. Die höchste Förderung wurde im Geschäftsjahr 1993/94 mit 12.091.000 Tonnen erreicht. Zu dieser Zeit beschäftigte der "Selby complex" rund 4.000 Arbeiter.

Mitte der 1990er-Jahre musste der Abbau aus geologischen Gründen auf sieben bis acht Millionen Tonnen pro Jahr eingeschränkt werden. Zur Konzentration des Bergbaus auf geologisch sicherere Gebiete wurde das Bergwerk Whitemoor im Juli 1996 mit dem Bergwerk Riccall zusammengelegt, das Bergwerk North Selby ein Jahr später mit dem Bergwerk Stillingfleet. Fallende Kohlepreise und gleichzeitig steigende Produktionskosten führten Ende der 1990er-Jahre dazu, dass die einst profitablen Minen des "Selby complex" Verluste erwirtschafteten - von 1999 bis 2002 insgesamt etwa 93 Millionen britische Pfund. Im Juli 2002 gab der Betreiber des "Selby complex", UK Coal, bekannt, die Bergwerke schrittweise schließen zu wollen. Auch das britische Department of Trade and Industry hatte in einem Gutachten die Aufgabe des Bergbaus um Selby empfohlen [1]. Das Bergwerk Wistow schloss im Mai 2004, Stillingfleet im Juli 2004. Am 26. Oktober 2004 wurde mit der Schließung des Bergwerks Riccall und der Schachtanlage Gascoigne Wood der Kohlebergbau im "Selby complex" beendet.

Verkehr

Selby liegt einige Kilometer nördlich des Motorway M62 und ist mit diesem über die Fernstraßen A19 und A63 verbunden.

Die Bahnstrecke Leeds - Kingston upon Hull führt durch Selby, während die East Coast Main Line (London - York - Schottland) einige Kilometer westlich von Selby verläuft. Über Verbindungskurven sind beide Bahnstrecken verknüpft, so dass beispielsweise Verbindungen zwischen Kingston upon Hull und London über Selby angeboten werden können. Im Schienen-Personenverkehr wird Selby durch die Anbieter Hull Trains, Northern Rail und TransPennine Express sowie, mit einem Zugpaar pro Tag, Great North Eastern Railway, bedient.

Söhne und Töchter

Referenzen

  1. Im Auftrag des Department of Trade and Industry erstelles Gutachten über die Zukunft des "Selby complex", Juni 2000 (PDF, englisch)

Koordinaten: 53° 47' 2" N, 1° 4' 11" W