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Vokalmusik

Die Vokalmusik bezieht sich auf jegliche Musik, die mit der menschlichen Stimme und den menschlichen Artikulationsorganen ausgeführt wird, im Gegensatz zur reinen Instrumentalmusik. Durch die Verwendung des Sprechaparates als Musikinstrument besteht die Möglichkeit, Texte in die musikalische Linie zu integrieren.

Die Begleitung durch Instrumente ist bei der Vokalmusik nicht ausgeschlossen. Werke, in denen der instrumentale Anteil deutlich überwiegt, werden immer noch als instrumental klassifiziert (z.B. Chöre in Sinfonien). Musik, die nur durch die menschliche Stimme erzeugt wird, nennt man a cappella.

Inhaltsverzeichnis

Untergruppen

Zur rein vokalen Musik gehören A-cappella-Gesänge weltlichen wie geistlichen Charakters (Kirchenmusik), z. B. die Lieder für Männer-, Frauen- oder gemischten Chor, die Motetten etc. bis hinauf zur reinen Gesangsmesse; zu letzterer das Kunstlied, die Arie, Kavatine, das Rezitativ, Duett, Terzett und die anderen mehrstimmigen Sätze. Aus der Verbindung dieser Tonformen, besonders der letzteren, entstehen die größeren musikalischen Kunsterzeugnisse, die Oper, das Oratorium, die Kantate etc.

Geschichte

Vorzeit und Antike

Die genaue Entstehung der Vokalmusik ist eng verbunden mit dem Gebrauch der menschlichen Stimme. Rufe und Laute wurden häufig zur Signalgebung unter den Völkern der Erde benutzt; ein weiteres Anwendungsgebiet konnte der Ruf an verschiedene Gottheiten sein. Der Schritt von einem langen, gehobenen Ruf zum Gesang ist nicht weit. Ebenso wie die Jodler in den Alpen ihre spezifischen Rufe zur Identifikation über weite Strecken nutzten, dienten Gesänge demselben Zweck.

Später entwickelten sich parallel mit der gesprochenen Sprache Gesänge, die zu allen Angelegenheiten des täglichen Lebens gehörten: Jagdgesänge, Kriegs- und Wiegenlieder, gemeinschaftsstärkende Stammesgesänge, Gesänge für Vermählungen oder Bestattungen, Heldensagen, Kinderlieder, Lieder für die Heranreifung von jungen Männern und Frauen, Arbeitslieder für jede Berufsgruppe, Huldigungsgesänge für den Herrscher oder Gottheiten, jeder besondere Aspekt des menschlichen Lebens wurde mit Gesängen bedacht. Später gab man diesen Liedern die Bezeichnung Volkslieder, weil sie einfach, allgemein bekannt und sanglich waren und direkt aus dem täglichen Leben stammten, ohne einen Verfasser nennen zu können - die Weitergabe erfolgte zum größten Teil mündlich. Umherziehende Sänger - im europäischen Mittelalter Spielmann, Barde, Troubadours und Trouvères genannt - beherrschten eine Vielzahl von Liedern, die sie öffentlich auf Jahrmärkten, Volksfesten, Fürsten- und Königshöfen vortrugen.

Erste Notation im Mittelalter

Die schriftliche Weitergabe von Musik war dadurch behindert, dass lange Zeit nur Adel und Klerus des Lesens und Schreibens mächtig waren. Die ersten Versuche der Notation wurden dementsprechend auch von gregorianischen Mönchen unternommen, die durch symbolische Zeichen für „aufwärts“, „abwärts“, „lang“ o.ä. ungefähre Merkmale für die ursprüngliche Melodie ihrer langen Gebetsgesänge, auch Gregorianischer Gesang genannt, fanden. Siehe: Neumen.

Nach einigen Versuchen zu einer genauen Fixierung fand Guido von Arezzo schließlich ein System mit fünf Notenlinien, das die exakte Höhe von Tönen anhand eines Stammtons definieren konnte. Erste Gesänge wurden komponiert. Siehe: Notenschrift

Renaissance

Die frankoflämische Polyphonie erhielt hier vor allem ihre Ausprägung in der mehrstimmigen Vokalmusik. Zur gleichen Zeit wurden Oper und Oratorium geschaffen, die eine geschlossene dramatische Handlung mit gesanglichen Mitteln darstellten. Ganze Messen wurden vertont.

Barock

Oper und Oratorium erleben ihre erste Hochblüte. Johann Sebastian Bach schreibt eine hohe Anzahl von Kantaten zusätzlich zu seinen berühmtesten Oratorien, der Johannespassion und der Matthäuspassion. Georg Friedrich Händel macht sich im Gegenzug um die Oper bemüht.

Die Arie entsteht.

(westliche) Klassik

Die Dominanz von Oper und Oratorium dauert an. Wolfgang Amadeus Mozart befreit sich vom Primat des Italienischen und schreibt die erste international erfolgreiche deutsche Oper, „Die Zauberflöte“. Christoph Willibald Gluck vollführt seine Opernreform.

Romantik

Franz Schubert bemüht sich erfolgreich um die vernachlässigte Gattung des Liedes und legt den Maßstab für alle künftigen Kunstlieder. Die Operette entsteht. Die Volksliedforschung setzt ein.

Jahrhundertwende

Kabarett und Revue entstehen. Gesangliche Einlagen nennt man Couplets. Richard Wagner prägt das Musikdrama als komplett durchkomponierte Form der Oper. Hochblüte der Operette.

20. Jahrhundert

Die klassisch geprägte Zeitgenössische Vokalmusik und das Kabarett verwenden vermehrt den Sprechgesang.

Entstehung des Jazz in Nordamerika. Gospel, Blues, Barbershop, Boogie Woogie und Rhythm and Blues folgen. Ab den 50er Jahren Übernehme schwarzer Musik durch weiße Künstler. Rock ’n’ Roll, Pop und Nachfolger wie Grunge und Punk entstehen.

In Europa Blüte des französischen Chansons und des deutschen Schlagers, bevor die Beatles ihre beispiellose Weltkarriere starten.

Aus Barbershop und Doo Wop kleine Vokalbesetzungen, die auch jenseits von close harmony singen. Heutige A-cappella-Gruppen finden sich in allen Besetzungen, wobei gemischte und rein männliche Gruppen dominieren. Durch eine Tendenz zu vielschichtigen rhythmischen Arrangements, Nachahmung von instrumentalem Klang (teilweise mit elektronischen Hilfsmitteln, Studiotechnik) und der Erweiterung des Ensembles um Mundschlagzeuger (siehe dazu auch unter Beatboxing) veränderte sich am Ende des 20. Jahrhunderts der Klang von A-cappella-Musik deutlich.

Außereuropäische Vokalmusik

indischer Gesang

Siehe auch

 Portal: Musik – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Musik