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Curium

Dieser Artikel beschreibt das chemische Element Curium; zur historischen Stadt auf Zypern siehe Kourion.
Eigenschaften
Allgemein
Name, Symbol, Ordnungszahl Curium, Cm, 96
Serie Actinoide
Gruppe, Periode, Block Ac, 7, f
Aussehen silbrig-weißes Metall
CAS-Nummer 7440-51-9
Massenanteil an der Erdhülle 0 %
Atomar [1]
Atommasse 247,0703 u
Atomradius (berechnet) 174 pm () pm
Elektronenkonfiguration [Rn]5f76d17s2
Elektronen pro Energieniveau 2, 8, 18, 32, 25, 9, 2
1. Ionisierungsenergie 581 kJ/mol
Physikalisch [1]
Aggregatzustand fest
Kristallstruktur hexagonal
Dichte 13,51 g/cm3
Schmelzpunkt 1613 K (1340 °C)
Siedepunkt 3383 K (3110 °C)
Molares Volumen 18,05 · 10−6 m3/mol
Chemisch [1]
Oxidationszustände +3, +4, +6
Oxide (Basizität)
Normalpotential −2,06 V (Cm3+ + 3 e → Cm)
Elektronegativität 1,3 (Pauling-Skala)
Isotope
Isotop NH t1/2 ZM ZE MeV ZP
240Cm

{syn.}

27 d α 6,397 236Pu
ε 0,215 240Am
SF ? ?
241Cm

{syn.}

32,8 d ε 0,767 241Am
α 6,185 237Pu
242Cm

{syn.}

162,8 d α 6,216 238Pu
SF ? ?
243Cm

{syn.}

29,1 a α 6,169 239Pu
ε 0,009 243Am
244Cm

{syn.}

18,1 a α 5,902 240Pu
SF ? ?
245Cm

{syn.}

8500 a α 5,623 241Pu
SF ? ?
246Cm

{syn.}

4760 a α 5,475 242Pu
SF ? ?
247Cm

{syn.}

1,56 · 107 a α 5,353 243Pu
SF ? ?
248Cm

{syn.}

348.000 a α 5,162 244Pu
SF ? ?
249Cm

{syn.}

64,15 min β 0,90 249Bk
250Cm

{syn.}

9700 a SF ? ?
α 5,169 246Pu
β 0,037 250Bk
Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung [2]

Keine Einstufung verfügbar

R- und S-Sätze R: siehe oben
S: siehe oben
weitere Sicherheitshinweise
Radioaktivität

Radioaktives Element
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet.
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Curium ist ein ausschließlich künstlich erzeugtes chemisches Element mit dem Symbol Cm und der Ordnungszahl 96 im Periodensystem der Elemente. Es gehört zur Gruppe der Actinoide (7. Periode, f-Block) und zählt auch zu den Transuranen. Curium wurde nach den Forschern Marie Curie und Pierre Curie benannt.

Bei Curium handelt es sich um ein radioaktives Metall mit einer großen Härte und einem silbrig-weißen Aussehen. Es wird in Kernreaktoren gebildet, eine Tonne abgebrannten Kernbrennstoffs enthält durchschnittlich etwa 20 g des Metalls.

Curium wurde im Sommer 1944 erstmalig aus dem leichteren Element Plutonium erzeugt, die Entdeckung wurde zunächst nicht veröffentlicht. Kurioserweise wurde dessen Existenz in einer amerikanischen Radiosendung für Kinder durch den Entdecker Glenn T. Seaborg, dem Gast der Sendung, der Öffentlichkeit preisgegeben, der die Frage eines jungen Zuhörers bejahte, ob neue Elemente entdeckt worden seien.

Curium wird gelegentlich aufgrund der sehr großen Wärmeentwicklung während des Zerfalls in Radioisotopengeneratoren eingesetzt. Außerdem kann es zur Erzeugung von Plutonium für Herzschrittmacher verwendet werden. Das Element kann weiterhin als Ausgangsmaterial zur Erzeugung höherer Transurane und Transactinoide eingesetzt werden. Es diente auch als α-Strahlenquelle in Röntgenspektrometern, mit denen die Mars-Rover Sojourner, Spirit und Opportunity auf der Oberfläche des Planeten Mars Felsen chemisch analysierten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Glenn T. Seaborg

Curium wurde im Sommer 1944 von Glenn T. Seaborg und seinen Mitarbeitern Ralph A. James und Albert Ghiorso entdeckt. In ihren Versuchsreihen benutzten sie ein 60-Inch-Cyclotron an der Universität von Californien in Berkeley; dabei wurden zwei verschiedene Isotope erzeugt: 242Cm und 240Cm.[3][4][5][6]

Das erste Isotop, das 242Cm, erzeugten sie im Juli/August 1944 durch Beschuss von 239Pu mit α-Teilchen (= 42He). Hierbei entsteht in einer sogenannten (α,n)-Reaktion das gewünschte Isotop und ein Neutron:

Die zweifelsfreie Identifikation konnte anhand der charakteristischen Energie des beim Zerfall ausgesandten α-Teilchens erlangt werden. Die Halbwertszeit dieses α-Zerfalls wurde erstmals auf 150 Tage bestimmt (162,8 d[7]).

Das zweite Isotop, das 240Cm, erzeugten sie im März 1945 durch Beschuss von 236Pu mit α-Teilchen; auch hier wird ein Neutron frei:

Die Halbwertszeit des anschließenden α-Zerfalls wurde erstmals auf 26,7 Tage bestimmt (27 d[7]).

Nach Neptunium und Plutonium war es das dritte Transuran, das seit dem Jahr 1940 entdeckt wurde. Seine Erzeugung gelang noch vor der des in der Ordnungszahl um 1 tiefer stehenden Elements Americium. Auf Grund des andauernden Zweiten Weltkriegs wurde die Entdeckung des neuen Elements zunächst nicht veröffentlicht. Die Öffentlichkeit erfuhr erst auf äußerst kuriose Weise von dessen Existenz. In der amerikanischen Radiosendung Quiz Kids vom 11. November 1945 fragte einer der jungen Zuhörer Glenn Seaborg, den Gast der Sendung, ob während des Zweiten Weltkriegs im Zuge der Erforschung von Nuklearwaffen neue Elemente entdeckt worden seien. Seaborg bejahte die Frage und enthüllte damit die Existenz des Elements gleichzeitig mit der des nächstniedrigeren Elements, Americium.[8] Dies geschah noch vor der offiziellen Bekanntmachung bei einem Symposium der American Chemical Society.

Die Entdeckung von Curium (242Cm, 240Cm), ihre Produktion und die ihrer Verbindungen wurden später unter dem Namen „ELEMENT 96 AND COMPOSITIONS THEREOF “ patentiert, wobei als Erfinder nur Glenn T. Seaborg angegeben wurde.[9]

Der Name Curium wurde in Analogie zu Gadolinium gewählt, dem Seltenerdmetall, das im Periodensystem genau über Curium steht. Die Namenswahl ist als Ehrerbietung an das Ehepaar Marie und Pierre Curie zu verstehen, die viel zur Erforschung der Radioaktivität beigetragen haben. Es folgt damit der Namensgebung von Gadolinium, das nach dem berühmten Erforscher der Seltenen Erden, Johan Gadolin benannt ist.

Die erste wägbare Menge Curium konnte 1951 von Louis B. Werner und Isadore Perlman[10] hergestellt werden. Hierbei handelte es sich um 40 μg Curium 242Cm, die durch Neutronenbeschuss von Americium 241Am erhalten werden konnten.[11]

Vorkommen

Das langlebigste Isotop 247Cm besitzt eine Halbwertszeit von 15,6 Millionen Jahren. Aus diesem Grund ist das gesamte primordiale Curium, das die Erde bei ihrer Entstehung enthielt, mittlerweile zerfallen. Curium wird zu Forschungszwecken in kleinen Mengen künstlich hergestellt. Weiterhin fällt es in geringen Mengen in abgebrannten Kernbrennstoffen an. Im Weltall entsteht Curium neben Californium in Supernovae.

Gewinnung und Darstellung

Gewinnung von Curiumisotopen

Curium fällt in geringen Mengen in Atomreaktoren an. Es steht heute lediglich in Mengen von wenigen Kilogramm zur Verfügung. Eine Tonne abgebrannter Kernbrennstoff aus einem Kernreaktor enthält etwa 20 g Curium.[12] Hier wird es aus 238U in einer Reihe von Kernreaktionen gebildet. Ein wichtiger Schritt ist hierbei die (n,γ)-Reaktion. Es handelt sich um eine Neutroneneinfangsreaktion, bei welcher das gebildete angeregte Tochternuklid durch Aussendung eines γ-Quants in den Grundzustand übergeht. Die hierzu benötigten Neutronen entstehen aus Kernspaltungen anderer Kerne im Atomreaktor.

Zunächst wird aus einer (n,γ)-Reaktionen und zwei anschließenden β-Zerfällen das Plutoniumisotop 239Pu gebildet, wie es beispielsweise auch in Brutreaktoren geschieht.

Bei den angegebenen Zeiten handelt es sich um Halbwertszeiten.

Zwei weitere (n,γ)-Reaktionen mit anschließendem β-Zerfall liefern das Americiumisotop 241Am. Dieses ergibt nach einer weiteren (n,γ)-Reaktion mit folgendem β-Zerfall 242Cm.

Bei den angegebenen Zeiten handelt es sich um Halbwertszeiten.

Zu Forschungszwecken gezielt hergestelltes Curium kann auf effizienterem Wege aus Plutonium gewonnen werden, das in größerer Menge aus abgebranntem Kernbrennstoff erhältlich ist. Dieses wird mit einer Neutronenquelle mit hohem Neutronenfluss bestrahlt. Die hierbei verwendeten Neutronenflüsse sind um ein vielfaches höher als jene, die in Kernreaktoren auftreten, weswegen ein anderer Reaktionspfad eingeschlagen wird.

Ausgehend von 239Pu wird durch vier (n,γ)-Reaktionen das Isotop 243Pu gebildet, welches durch β-Zerfall mit einer Halbwertszeit von 4,96 Stunden zu dem Americiumisotop 243Am zerfällt. Das aus einer weiteren (n,γ)-Reaktion gebildete 244Am zerfällt mit einem weiteren β-Zerfall mit einer Halbwertszeit von 10,1 Stunden letztlich zu 244Cm.[6]

Bei den angegebenen Zeiten handelt es sich um Halbwertszeiten.

Diese Reaktion findet auch in Kernbrennstäben in Kernkraftwerken statt, so dass 244Cm auch bei der Wiederaufarbeitung abgebrannter Kernbrennstoffe anfällt und auf diesem Wege gewonnen werden kann.

Aus 244Cm sind schwerere Isotope durch weitere (n,γ)-Reaktionen im Reaktor, mit jedem weiterem Nuklid, in kleiner werdenden Mengen erhältlich. In der Forschung sind besonders die Isotope 247Cm und 248Cm wegen ihrer langen Halbwertszeiten beliebt. Die Entstehung von 250Cm ist sehr unwahrscheinlich, weil 249Cm eine kurze Halbwertszeit hat und so weitere Neutroneneinfänge in der kurzen Zeit unwahrscheinlich sind. 249Cm zerfällt durch β-Zerfall zu Berkelium 249Bk.

(n,γ)-Reaktionen für die Nukleonenzahlen A=244–248, selten auch für A=249 und 250.

Der Nachteil dieses Weges besteht darin, dass auf diese Weise hergestelltes Curium immer ein Gemisch aus verschiedenen Curiumisotopen ist, das nur durch erheblichen Aufwand aufgetrennt werden kann.

Die effizienteste Methode zur Darstellung von reinem 248Cm ist durch den α-Zerfall von Californium 252Cf gegeben. Auf diesem Wege gewonnenes 248Cm besitzt eine Isotopenreinheit von 97 %. Etwa 35–50 mg 248Cm werden auf diese Art derzeit pro Jahr erhalten.

Bei den angegebenen Zeiten handelt es sich um Halbwertszeiten.

Reines 245Cm kann aus dem α-Zerfall von Californium 249Cf erhalten werden, welches in sehr geringen Mengen als Tochternuklid des β-Zerfalls des Berkeliumisotops 249Bk erhalten werden kann.

Bei den angegebenen Zeiten handelt es sich um Halbwertszeiten.

Darstellung elementaren Curiums

Metallisches Curium kann durch Reduktion aus seinen Verbindungen erhalten werden. Ausgehend von seinen Oxiden kann die Umsetzung mit Reduktionsmitteln wie elementarem Wolfram oder Tantal bewerkstelligt werden.[13][14] Auch die Reduktion von Curium(IV)-oxid mittels einer Magnesium-Zink-Legierung in einer Schmelze aus Magnesiumchlorid und Magnesiumfluorid ergibt metallisches Curium.[15]

Neben den Oxiden kann auch Curium(III)-fluorid zur Reduktion eingesetzt werden. Dieses wird hierzu in wasser- und sauerstofffreier Umgebung mit elementarem Barium oder Lithium zur Reaktion gebracht.[6]

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften

Bei Curium handelt es sich um ein künstliches, radioaktives Metall. Dieses ist hart und hat ein silbrig-weißes Aussehen ähnlich dem Gadolinium, seinem Lanthanidanalogon. Auch in seinen weiteren physikalischen und chemischen Eigenschaften ähnelt es diesem stark. Sein Schmelzpunkt von 1340 °C liegt deutlich höher als der der vorhergehenden Transurane Neptunium (639 °C) und Americium (1173 °C). Im Vergleich dazu schmilzt Gadolinium bei 1312 °C. Der Siedepunkt liegt bei 3110 °C.

Von Curium existiert bei Standardbedingungen mit α-Cm nur eine bekannte Modifikation. Diese kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe mit den Gitterparametern a = 365 pm und c = 1182 pm sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[17] Die Kristallstruktur besteht aus einer doppelt-hexagonal dichtesten Kugelpackung mit der Schichtfolge ABAC und ist damit isotyp zur Struktur von α-La.

Oberhalb eines Drucks von 23 GPa geht α-Cm in β-Cm über. Die β-Modifikation kristallisiert im kubischen Kristallsystem in der Raumgruppe mit dem Gitterparameter a = 493 pm[17], was einem kubisch flächenzentrierten Gitter (fcc) beziehungsweise einer kubisch dichtesten Kugelpackung mit der Stapelfolge ABC entspricht.

Die Fluoreszenz angeregter Cm(III)-Ionen ist ausreichend langlebig, um diese zur zeitaufgelösten Laserfluoreszenzspektroskopie zu nutzen. Dies erlaubt die gezielte Detektion von Curiumverbindungen unter weitgehender Ausblendung störender kurzlebiger Fluoreszenzprozesse durch weitere Metallionen und organische Substanzen.[18]

Chemische Eigenschaften

Die stabilste Oxidationsstufe für Curium ist +3. Gelegentlich ist es auch in der Oxidationsstufe +4 zu finden. Sein chemisches Verhalten ähnelt sehr dem Americium und vielen Lanthanoiden. In wässriger Lösung ist das Cm3+-Ion farblos, das Cm4+-Ion blassgelb.[19]

Curiumionen gehören zu den harten Lewis-Säuren, weshalb sie die stabilsten Komplexe mit harten Basen bilden.[20] Die Komplexbindung besitzt hierbei nur einen sehr geringen kovalenten Anteil und basiert hauptsächlich auf ionischer Wechselwirkung. Curium unterscheidet sich in seinem Komplexierungsverhalten von den frühen Actinoiden wie Thorium und Uran und ähnelt auch hier stark den Lanthanoiden.[21] In Komplexen bevorzugt es eine neunfach Koordination mit dreifach überkappter trigonal-prismatischer Geometrie.

Isotope

Von Curium existieren nur Radionuklide und keine stabilen Isotope. Insgesamt sind 20 Isotope und 7 Kernisomere des Elements zwischen 233Cm und 252Cm bekannt.[7] Die längsten Halbwertszeiten haben 247Cm mit 15,6 Mio. Jahren und 248Cm mit 348.000 Jahren. Daneben haben noch die Isotope 250Cm mit 9700, 245Cm mit 8500 und 246Cm mit 4730 Jahren lange Halbwertszeiten. Curium 250Cm ist dabei eine Besonderheit, da sein radioaktiver Zerfall zum überwiegenden Teil (etwa 86 %) in spontaner Spaltung besteht.

Die Wirkungsquerschnitte für induzierte Spaltung durch ein thermisches Neutron betragen:[22] für 242Cm etwa 5 b, 243Cm 620 b, 244Cm 1,1 b, 245Cm 2100 b, 246Cm 0,16 b, 247Cm 82 b, 248Cm 0,36 b. Dies entspricht der Regel, nach der meist die Transuran-Nuklide mit ungerader Neutronenzahl "thermisch leicht spaltbar" sind.

Die am häufigsten technisch eingesetzten Curiumisotope sind 242Cm mit 162,8 Tagen und 244Cm mit 18,1 Jahren Halbwertszeit.

Liste der Curiumisotope

Verwendung

in Radioisotopengeneratoren

Aufgrund ihrer Radioaktivität geben Curiumisotope mit kürzer werdender Halbwertszeit immer größere Wärmemengen ab. Curium 244Cm emittiert 3 Watt/g und Curium 242Cm sogar 120 Watt/g.[23] Diese Curiumisotope können aufgrund dieser sehr großen Wärmeentwicklung in Form von Curium(III)-oxid (Cm2O3) in Radioisotopengeneratoren zur Versorgung mit Elektrischer Energie z. B. in Raumsonden eingesetzt werden. Dafür wurde vor allem die Verwendung von 244Cm untersucht. Als Alphastrahler benötigt es nur eine dünnere Abschirmung als die Betastrahler, jedoch ist seine Spontanspaltungsrate und damit die Neutronen- und Gammastrahlung höher als die von 238Pu. Es unterlag daher wegen der benötigten dicken Abschirmung und starken Neutronenstrahlung sowie seiner kürzeren Halbwertszeit (18,1 Jahre) dem Plutonium 238Pu mit 87,7 Jahren Halbwertszeit.[24]

in Röntgenspektrometern

244Cm dient als α-Strahlenquelle in den vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz entwickelten α-Partikel-Röntgenspektrometern (APXS), mit denen die Mars-Rover Sojourner, Spirit und Opportunity auf dem Planeten Mars Felsen chemisch analysierten. Auch der Lander Philae der Raumsonde Rosetta ist mit einem APXS ausgestattet, um die Zusammensetzung des Kometen Tschurjumow-Gerasimenko zu analysieren.[25]

zur Herstellung anderer Elemente

Das 242Cm dient zur Erzeugung von Plutonium 238Pu für die Energieversorgung in Herzschrittmachern. Das so erzeugte 238Pu ist frei von störendem 236Pu.[26]

Weiterhin ist es Ausgangsmaterial zur Erzeugung höherer Transurane und auch der Transactinoide. So führt zum Beispiel der Beschuss von 248Cm mit Sauerstoff- (18O) beziehungsweise Magnesiumkernen (26Mg) zu den Elementen Seaborgium 265Sg beziehungsweise Hassium 269Hs/270Hs.[27]

Sicherheitshinweise

Da von Curium nur radioaktive Isotope existieren, darf es selbst sowie seine Verbindungen nur in geeigneten Laboratorien unter speziellen Vorkehrungsmaßnahmen gehandhabt werden. Die meisten gängigen Curiumisotope sind α-Strahler, weshalb eine Inkorporation unbedingt vermieden werden muss. Auch zerfällt ein Großteil der Isotope zu einem gewissen Anteil unter Spontanspaltung. Das breite Spektrum der hieraus resultierenden meist ebenfalls radioaktiven Tochternuklide stellt ein weiteres Risiko dar, das bei der Wahl der Sicherheitsvorkehrungen berücksichtigt werden muss.

Curium baut sich bevorzugt in die Knochensubstanz ein; 0,002 µg 244Cm gelten noch als unschädlich.[28]

Kernreaktor-Abfallproblematik

In wirtschaftlich sinnvoll (d. h. mit langer Verweildauer des Brennstoffs) genutzten Kernreaktoren entstehen physikalisch unvermeidlich Curiumisotope durch (n,γ)-Kernreaktionen mit nachfolgendem β--Zerfall (siehe auch oben unter Gewinnung von Curiumisotopen). Eine Tonne abgebrannten Kernbrennstoffs enthält durchschnittlich etwa 20 g verschiedener Curiumisotope. Darunter befinden sich auch die α-Strahler mit den Massenzahlen 245–248, die auf Grund ihrer relativ langen Halbwertszeiten in der Endlagerung unerwünscht sind und deshalb zum Transuranabfall zählen. Eine Verminderung der Langzeitradiotoxizität in nuklearen Endlagern wäre durch Abtrennung langlebiger Isotope aus abgebrannten Kernbrennstoffen möglich. Zur Beseitigung des Curiums wird derzeit die Partitioning & Transmutation-Strategie verfolgt. Geplant ist hierbei ein dreistufiger Prozess, in welchem der Kernbrennstoff aufgetrennt und in Gruppen aufgearbeitet und endgelagert werden soll. Im Rahmen dieses Prozesses sollen abgetrennte Curiumisotope durch Neutronenbeschuss in speziellen Reaktoren zu kurzlebigen Nukliden transmutiert werden, welche dann endgelagert werden sollen.[29]

Verbindungen und Reaktionen

Oxide

Curium wird leicht von Sauerstoff angegriffen. Von Curium existieren Oxide der Oxidationsstufen +3 (Cm2O3) und +4 (CmO2).

Das schwarze Curium(IV)-oxid kann direkt aus den Elementen dargestellt werden. Hierzu wird metallisches Curium an Luft oder in einer Sauerstoffatmosphäre geglüht.[30] Für Kleinstmengen bietet sich das Glühen von Salzen des Curiums an. Meistens werden hierzu Curium(III)-oxalat (Cm2(C2O4)3) oder Curium(III)-nitrat (Cm(NO3)3) herangezogen.

Aus Curium(IV)-oxid kann das weißliche Curium(III)-oxid durch thermische Zersetzung im Vakuum (ca. 0,01 Pa) bei 600 °C erhalten werden:[30]

Ein weiterer Weg ist durch die Reduktion von Curium(IV)-oxid mit molekularem Wasserstoff gegeben:[31]

Weiterhin ist eine Reihe ternärer oxidischer Curiumverbindungen des Typs M(II)CmO3 bekannt.[32]

Halogenide

Von den vier stabilen Halogenen sind Halogenide des Curiums bekannt.

Das farblose Curium(III)-fluorid (CmF3) kann durch Versatz von Cm(III)-haltigen Lösungen mit Fluoridionen erhalten werden. Das tetravalente Curium(IV)-fluorid (CmF4) ist nur durch die Umsetzung von Curium(III)-fluorid mit molekularem Fluor zugänglich.[6]
Eine Reihe komplexer Fluoride der Form M7Cm6F31 (M = Alkalimetall) sind bekannt.[33]

Das farblose Curium(III)-chlorid (CmCl3) kann durch die Reaktion von Curium(III)-hydroxid (Cm(OH)3) mit wasserfreiem Chlorwasserstoffgas dargestellt werden. Dieses kann genutzt werden, um die weiteren Halogenide, Curium(III)-bromid (hellgrün) und -iodid (farblos), zu synthetisieren. Hierzu wird Curium(III)-chlorid mit dem Ammoniumsalz des Halogenids umgesetzt:[34]

Chalcogenide und Pentelide

Von den Chalcogeniden sind das Sulfid und das Selenid bekannt. Sie sind durch die Reaktion von gasförmigem Schwefel oder Selen im Vakuum bei erhöhter Temperatur zugänglich.[35]

Die Pentelide des Curiums des Typs CmX sind für die Elemente Stickstoff, Phosphor, Arsen und Antimon dargestellt worden.[6] Ihre Herstellung kann durch die Reaktion von entweder Curium(III)-hydrid (CmH3) oder metallischem Curium mit diesen Elementen bei erhöhter Temperatur bewerkstelligt werden.

Einzelnachweise

  1. Die Werte der atomaren und physikalischen Eigenschaften (Infobox) sind, wenn nicht anders angegeben, aus www.webelements.com (Curium) entnommen.
  2. In Bezug auf ihre Gefährlichkeit wurde die Substanz von der EU noch nicht eingestuft, eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  3. G. T. Seaborg, R. A. James, and A. Ghiorso, The New Element Curium (Atomic Number 96), NNES PPR (National Nuclear Energy Series, Plutonium Project Record), Vol. 14B, The Transuranium Elements: Research Papers, Paper No.22.2, McGraw-Hill Book Co., Inc., New York, 1949.
  4. The New Element Curium (Atomic Number 96); Abstract.
  5. The New Element Curium (Atomic Number 96); Maschinoskript (Januar 1948).
  6. a b c d e L. R. Morss, N. M. Edelstein, J. Fuger: The Chemistry of the Actinide and Transactinide Elements: Bd. 3, 2006, Springer.
  7. a b c G. Audi, O. Bersillon, J. Blachot, A. H. Wapstra: The NUBASE evaluation of nuclear and decay properties, Nuclear Physics, Bd. A 729, 2003, S. 3–128.
  8. C&EN: It's Elemental: The Periodic Table – Americium.
  9. Patent Nr. 3161462 bei Google Patents.
  10. National Academy of Sciences – Isadore Perlman 1915–1991.
  11. L. B. Werner, I. Perlman: "First isolation of curium", J. Am. Chem. Soc. 1951, 73 (11), 5215–5217.
  12. Klaus Hoffmann: Kann man Gold machen? Gauner, Gaukler und Gelehrte. Aus der Geschichte der chemischen Elemente Urania-Verlag; Leipzig, Jena, Berlin 1979; keine ISBN; S. 233.
  13. B. B. Cunningham, J. C. Wallmann: J. Inorg. Nucl. Chem. 1964, 26, 271–275.
  14. J. N. Stevenson, J. R. Peterson: J. Less Common Metals 1979, 66, 201–210.
  15. I. D. Eubanks, M. C. Thompson: Inorg. Nucl. Chem. Lett. 1969, 5, 187–191.
  16. Laserinduzierte orangefarbene Fluoreszenz eines Tris(hydrotris)pyrazolylborato-Cm(III)-Komplexes in Lösung, bei einer Anregungswellenlänge von 375 nm.
  17. a b V. Milman, B. Winkler, C. J. Pickard: "Crystal structures of curium compounds: an ab initio study", Journal of Nuclear Materials 2003 Nr. 322, S. 165–179.
  18. J.-C. G. Bünzli, G. R. Choppin: Lanthanide Probes in Life, Chemical and Earth Sciences, Elsevier, Amsterdam, 1989.
  19. Arnold F. Holleman, Nils Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie, 102. Auflage, de Gruyter, Berlin 2007, S. 1956; ISBN 978-3-11-017770-1.
  20. M. P. Jensen, A. H. Bond: "Comparison of Covalency in the Complexes of Trivalent Actinide and Lanthanide Cations", J. Am. Chem. Soc. 2002, 124, 9870–9877.
  21. G. T. Seaborg: Radiochim. Acta 1993, 61, 115.
  22. Karlsruher Nuklidkarte 1998.
  23. Gmelins Handbuch der anorganischen Chemie, System Nr. 71, Band 7 a, Transurane, Teil A 2, S. 289.
  24. Nuklide für RTGs (PDF) letzte Seite.
  25. www.bernd-leitenberger.de (Mars Pathfinder).
  26. Basiswissen-Kernenergie.
  27. Arnold F. Holleman, Nils Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie, 102. Auflage, de Gruyter, Berlin 2007, S. 1980–1981; ISBN 978-3-11-017770-1.
  28. dtv-Atlas zur Chemie 1981, Teil 1, S. 228.
  29. M. A. Denecke, A. Rossberg, P. J. Panak, M. Weigl, B. Schimmelpfennig, A. Geist: "Characterization and Comparison of Cm(III) and Eu(III) Complexed with 2,6-Di(5,6-dipropyl-1,2,4-triazin-3-yl)pyridine Using EXAFS, TRFLS, and Quantum-Chemical Methods", Inorg. Chem. 2005, 44, 23, 8418–8425.
  30. a b L. B. Asprey, F. H. Ellinger, S. Fried, W. H. Zachariasen: J. Am. Chem. Soc. 1955, 77, 1707–1708.
  31. H. O. Haug: J. Inorg. Nucl. Chem. 1967, 29, 2753–2758.
  32. J. Fuger, R. G. Haire, J. R. Peterson: J. Alloys Compds. 1993, 200, 181–185.
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  34. L. B. Asprey, T. K. Keenan, F. H. Kruse: Inorg. Chem. 1965, 4, 985–986.
  35. D. Damien, J. P. Charvillat, W. Müller: Inorg. Nucl. Chem. Lett. 1975, 11, 451–457.

Literatur

 Wiktionary: Curium – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Commons: Curium – Bilder, Videos und Audiodateien
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