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Die Zeit

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Die Zeit (Begriffsklärung) aufgeführt.
Die Zeit
Beschreibung Wochenzeitung
Verlag Zeitverlag Gerd Bucerius
Erstausgabe 21. Februar 1946
Erscheinungsweise wöchentlich / donnerstags
(Verkaufte) Auflage
(IVW Q1/2008)
485.223 Exemplare
Reichweite
(MA 2007 )
2,12 Mio. Leser
Chefredakteur Giovanni di Lorenzo
Herausgeber Helmut Schmidt,
Josef Joffe,
Michael Naumann (beurlaubt),
Marion Gräfin Dönhoff(†)
Weblink zeit.de

Die Zeit (Eigenschreibweise DIE ZEIT) ist eine überregionale deutsche Wochenzeitung, die erstmals am 21. Februar 1946 erschien. Seit 1996 gehört sie zur Verlagsgruppe Holtzbrinck. Sie erscheint jeden Donnerstag, an Feiertagen wird der Erscheinungstag in der Regel vorgezogen.

Sitz der Zeit ist seit ihrer Gründung Hamburg. Zielgruppe sind traditionell vor allem Akademiker bzw. Bildungsbürger. Ihre politische Haltung gilt als liberal. Bei kontroversen Themen werden zur unabhängigen Meinungsbildung des Lesers zuweilen auch unterschiedliche Positionen gegenüber gestellt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste Ausgabe der Zeitung erschien am 21. Februar 1946 in einer Auflage von 25.000 Exemplaren als Blatt der so genannten Lizenzpresse. Laut Media-Analyse 2007 erreicht sie heute rund 2,12 Millionen Leser; die verkaufte Auflage betrug im dritten Quartal 2007 laut IVW 480.232 Exemplare.

Die ersten Herausgeber der Zeit waren Gerd Bucerius, Lovis H. Lorenz, Richard Tüngel und Ewald Schmidt di Simoni. Sie hatten bereits während der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs geplant, eine bürgerliche Zeitung herauszugeben. Das Logo der Wochenzeitschrift Die Zeit gestaltete der Wiener Jugendstilkünstler Carl Otto Czeschka. Erster Chefredakteur wurde Ernst Samhaber. Am 1. März 1946 stieß Marion Gräfin Dönhoff zur Redaktion. In wechselnden Positionen – von 1972 an bis zu ihrem Tod 2002 als Herausgeberin – prägte sie die Zeitung.

In den ersten Jahren erwirtschaftete die Zeit Defizite und musste aus den Einnahmen von Bucerius' Illustrierter Stern subventioniert werden. 1955 kam es zu einer Redaktionskrise der Zeit. Tüngel, der inzwischen Chefredakteur geworden war, hatte einen Text des NS-Staatsrechtlers Carl Schmitt veröffentlicht. Aus Protest dagegen verließ Marion Gräfin Dönhoff nach zehn Jahren die Redaktion. Kurz darauf versuchte er, den CvD Josef Müller-Marein zu entlassen, nachdem der in einem Artikel den amerikanischen Politiker Joseph McCarthy für dessen Kommunistenverfolgung scharf kritisiert hatte. Nach diesen Vorkommnissen wurde Tüngel entlassen, was gleichzeitig eine Entscheidung über die politische Linie der Zeitung darstellte. Seit dem 1. Juli 1996 gehört die Zeit zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Geschäftsführer des Verlags ist Rainer Esser.

Als Autoren der Zeit schrieben unter anderem Walter Jens (unter dem Pseudonym Momos) und Ben Witter Artikel.

Mitarbeiter und Ressorts

Herausgeber sind gegenwärtig Altbundeskanzler Helmut Schmidt (seit 1983), Josef Joffe und der ehemalige Staatsminister für Kultur, Michael Naumann. Naumann ließ sich ab dem 8. März 2007 beurlauben, um als Bürgermeisterkandidat für die SPD bei der Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft 2008 anzutreten. Darüber hinaus bezeichnet die Zeit auch die 2002 verstorbene Marion Gräfin Dönhoff noch als Herausgeberin.

Chefredakteur ist Giovanni di Lorenzo, stellvertretende Chefredakteure sind Matthias Naß und Bernd Ulrich. Die Redaktion hat derzeit etwa 115 feste Angestellte und zehn Ressorts:

Den Abschluss einer jeden Ausgabe bildet auf der letzten Seite ein geschichtlicher Rückblick auf ein historisches Thema mit aktuellem Bezug unter dem Titel „Zeitläufte“; dies wird von Benedikt Erenz geleitet. Jedes Ressort hat sechs bis zehn Redakteure. Die Zeitung unterhält Redaktionsbüros in Frankfurt (am Main), Berlin, London, Brüssel, Paris, Moskau und Washington DC und hat Auslandskorrespondenten in Aalborg, Jerusalem, Johannesburg, New York und Peking.

Die Zeit entsteht in folgenden Druckereien: Frankfurter Societäts-Druckerei in Mörfelden-Walldorf, Axel Springer AG in Essen-Kettwig und Axel Springer Verlag in Ahrensburg. Der Vertrieb liegt bei Gruner + Jahr, Hamburg.

Nach der Einstellung der farbigen Zeitschriften-Beilage Zeit-Magazin 1999 wurde in der Nachfolge das Zeit-Ressort „Leben“ unter der Leitung von Andreas Lebert eingerichtet. Besonders bekannt sind darin die wöchentlichen Kolumnen von Harald Martenstein, der meist recht sarkastisch, aber durchaus humorvoll über „Gott und die Welt“ philosophiert, sowie Wolfram Siebecks Koch-Seite. Seit der Zeit-Ausgabe vom 24. Mai 2007 ist das Ressort wieder in eine Zeitschriften-Beilage mit Titel Zeitmagazin Leben ausgegliedert. In dieser Beilage hat Helmut Schmidt eine Kolumne mit dem Titel „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“.

Seit dem 1. Juli 1999 verwendet die Zeit eine von ihrem Feuilleton-Redakteur Dieter E. Zimmer entworfene „Hausorthografie“, die in einigen Punkten von der amtlichen Orthographie abweicht.

Weitere Print-Publikationen des Verlags

Periodika

Bücher

Auf Basis der 15-bändigen Brockhaus Enzyklopädie erschien eine eigene 20-bändige Enzyklopädie (mit Wörterbuch). In Zusammenarbeit mit dem Brockhaus-Verlag erschien eine Welt- und Kulturgeschichte in 20 Bänden.

Zeit online

Zeit online ist das Onlineangebot der Zeit. Die eigenständige Online-Redaktion berichtet seit 1996 das tagesaktuelle Geschehen. Derzeit arbeiten rund 30 festangestellte Redakteure, Grafiker und Techniker bei der 100%igen Tochter des Zeit-Verlags. Chefredakteur war bis Ende Februar 2008 der frühere Zeit-Redakteur Gero von Randow. Seit 1. März 2008 ist der Journalist Wolfgang Blau sein Nachfolger.

Zeit online über sich selbst

„ZEIT online stellt eine liberale, demokratische und kritische Öffentlichkeit her und will die User interaktiv daran beteiligen. Die Online-Redaktion meldet, bewertet, analysiert, stellt Argumente aus mehreren Blickwinkeln zur Diskussion und setzt Themen. Wissenschaft, Forschung und Technik werden auf ZEIT online aktuell, verständlich und kritisch zugänglich gemacht. Zudem eröffnet ZEIT online seinen Usern Zugänge zur bildenden Kunst (einschließlich Video), Literatur und Musik.“ [aus dem ZEIT-Intranet]

Redaktionelles Angebot

Der Onlineauftritt der Zeit hat sich in den letzten Jahren sichtlich vom Mutterblatt abgelöst. So werden dort inhaltlich, technisch und grafisch deutlich andere Akzente als im Blatt gesetzt: auf der Website finden sich Themen für eine jüngere Zielgruppe. Während bis 2004 das Onlineangebot der Zeit vor allem als Onlinewerbung für das Mutterblatt diente, werden heute Meldungen, Analysen und Hintergrundstücke exklusiv für die Website geschrieben, gesprochen oder gefilmt. Die Beiträge werden dabei nicht nur von der Online-Redaktion, sondern auch von Zeit-Redakteuren und freien Autoren verfasst. Dennoch besteht ein guter Teil des Onlineangebotes weiterhin aus Artikeln der gedruckten Ausgabe.

Seit September 2006 gibt es eine News-Seite, auf der die Nachrichten des Onlineauftritts des Berliner Tagesspiegel übernommen werden. Dieser gehört ebenfalls zur Verlagsgruppe Holtzbrinck.

Technisch ist das Angebot von Zeit online auch ein politisches Statement: das gesamte Redaktionssystem basiert auf freier Software (Zope, Apache HTTP Server, PostgreSQL). Die durch Zeit online vorgenommenen Weiterentwicklungen werden der Entwicklergemeinde zurückgegeben.

Multimediale und nutzergenerierte Elemente wie Filme und Bildergalerien, aber auch Spiele und moderierte User-Debatten sind Teil des Angebots. Im sogenannten Premium-Bereich gibt es kostenpflichtig Artikel aus der gedruckten Zeit-Ausgabe als Audiodateien und die komplette Ausgabe der Wochenzeitung als PDF. Für Abonnenten der Printausgabe ist das sogenannte E-Paper kostenlos.

Mit dem Zuender betreibt Zeit online ein eigenes Netzmagazin für die jüngere Leserschaft mit einer jungen Redaktion. 2006 startete zeitgleich zum neuen Print-Magazin Zeit Campus online, ebenfalls mit einer eigenen Redaktion. Und aus 50 Reportagen im Druckmedium entsteht seit Oktober 2007 der Zeit-Bildungskanon auch online.[1]

„Netz gegen Nazis“

Am 5. Mai 2008 startete Zeit-Online mit Partnern wie dem Deutschen Fußballbund (DFB), dem Deutschen Feuerwehrverband und den drei Internet-Portalen SchülerVZ, StudiVZ und meinVZ, dem ZDF und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) das Internetportal Netz-gegen-Nazis.de.[2] Das Portal erfuhr neben dieser Unterstützung jedoch auch Kritik von publizistischer Seite.[3]

Wissenswertes

Verwandte Themen

Quellenangaben

  1. Bildungskanon – von Zeit online
  2. Zeit-Online: Bohren, wo es wehtut
  3. Thomas Lindemann:[http://www.welt.de/politik/article2015620/Ein_Anti-Nazi-Netz_das_wenig_zu_bieten_hat.html Ein Anti-Nazi-Netz, das wenig zu bieten hat
  4. Mario García über Zeitungsdesign und seine Arbeit an der neuen ZEIT, Zeit.de, 1998

Literatur

ISSN: 0044-2070