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Saskatchewan

Dieser Artikel behandelt die Provinz Saskatchewan; zu anderen Bedeutungen siehe Saskatchewan (Begriffsklärung).
Saskatchewan
Wappen Flagge

(Details)

(Details)
Wahlspruch: Multis E Gentibus Vires
„Stärke vieler Völker“
Lage
Basisdaten
Amtssprache Englisch
Hauptstadt Regina
Größte Stadt Saskatoon
Fläche 651.036 km² (7.)
Einwohner (2006) 968.157 (6.)
Bevölkerungsdichte 1,6 Ew./km²
BIP in CAD (2006) Gesamt: 45,051 Mia. (5.)
Pro Kopf: 45.718 (5.)
Zeitzone UTC -6 bis -7
ISO 3166-2 CA-SK
Postalische Abkürzung SK
Website www.gov.sk.ca
Politik
Beitritt Konföderation 1. September 1905
Vizegouverneur Gordon Barnhart
Premierminister Brad Wall
Sitze im Unterhaus 14
Sitze im Senat 6

Saskatchewan [səsˈkætʃɪwən] ist die mittlere der Prärieprovinzen Kanadas. Sie grenzt im Westen an Alberta, im Osten an Manitoba, im Norden an die Nordwest-Territorien und im Süden an die Vereinigten Staaten. Im Nordosten stößt sie außerdem an die Grenze des Nunavut-Territoriums. Der Name ist vom Saskatchewan River abgeleitet, der in der Sprache der Cree Kisiskatchewani Sipi, oder schnell fließender Fluss, heißt.[1]

Inhaltsverzeichnis

Bevölkerung

Saskatchewan ist 651.036 km² [2] groß; das entspricht etwa der Größe Frankreichs, der Benelux-Staaten und der Schweiz zusammen. Es hat aber mit nur durchschnittlich 1,6 Einwohner pro km² eine extrem niedrige Bevölkerungsdichte (2006). 13,2 Prozent der Bevölkerung Saskatchewans sind Indianer oder Métis (2001).[3] Damit ist die Provinz die mit dem höchsten Anteil von Indianern an der Gesamtbevölkerung. Sie beherbergt daher auch Kanadas einzige indianische Universität, die First Nations University of Canada in Regina.

Geographie

Saskatchewan ist sehr vielseitig. In Zentral-Saskatchewan ist die Landschaft flach; es gibt hier viele Bauernhöfe. Im Süden befindet sich der Grasslands-Nationalpark - ein Naturschutzgebiet, das das einzige Stück natürlicher Prärie in Saskatchewan schützt. Der wichtigste Fluss ist der Saskatchewan River, nach dem die Provinz auch benannt ist. In der nördlichen Hälfte der Provinz gibt es viele Seen (Athabascasee, Creesee, Rentiersee, Wollastonsee). Nahe der Stadt Prince Albert liegt der Prince-Albert-Nationalpark, in dem Seen und boreale Wälder zu genießen sind.

Größte Städte

(Stand: 2006)

Siehe auch: Liste der Städte in Saskatchewan

Geschichte

Frühgeschichte

Der Norden Saskatchewans wurde erst um 7000 v. Chr. eisfrei. Rund tausend Jahre jünger sind die Spuren der Paläo-Indianer des so genannten Agate Basin, einer Kultur, die sich etwa von 6000 bis 5000 v. Chr. belegen lässt. Die sich zeitlich anschließende Shield Archaic Tradition reichte etwa von 4000 bis 2000 v. Chr. Von 1000 bis etwa 500 v. Chr. erstreckte sich die Taltheilei-Tradition, dazwischen liegende Funde werden der Arctic Small Tool Tradition zugeordnet (ca. 2000 bis 1000 v. Chr.). Hinter diesen Bezeichnungen verbergen sich zunächst frühe Jäger-und-Sammler-Kulturen, die sich besonders auf die Karibujagd spezialisiert hatten, und mit den großen Herden wohl auch in die spätere Provinz gekommen waren.

Der nördliche Agate-Basin-Complex ist durch lanzettförmige Projektilspitzen gekennzeichnet, die bis ins 8. vorchristliche Jahrtausend zurückreichen. Ihre Hersteller waren wohl ursprünglich Bisonjäger, die ihre Jagdtechnik erfolgreich auf andere Herdentiere, wie das Karibu, übertrugen. Dabei ist das Agate Basin ein relativ junger Ausläufer der paläo-indianischen Kulturen des Nordwestens. Die Funddichte ist viel geringer als in den Nordwest-Territorien, und nur zwei Fundstätten können ihr mit Sicherheit zugewiesen werden: in der Nähe des Lake Athabasca eine Fundstätte am Black Lake und eine am Hara Lake, nördlich des Wollaston Lake. Möglicherweise kamen die Jäger nur unregelmäßig nach Saskatchewan, je nach dem, wie weit die Tierherden nach Süden zogen. Dazu hat sicher beigetragen, dass die Zeit zwischen 8000 und 5000 v. Chr. milder wurde, zeitweise sogar ein erheblich wärmeres Klima aufwies, als heute. Das hatte wiederum zur Folge, dass die Waldgrenze weiter nördlich verlief, und somit den Tieren den Durchzug versperrte. Im Süden ist das Agate Basin durch die Fundstätte Parkhill Site im Süden von Moose Jaw zu deuten. Die fast 7000 Jahre alten Funde gehören zu den ältesten in der Provinz. Der äußerste Norden wurde von dieser Kultur, immer im Gefolge des sich zurückziehenden Eispanzers, über 3000 Jahre später erreicht.

Die der paläo-indianischen folgende Fundgruppe, die durch seitwärts angebrachte Projektilspitzen gekennzeichnete Shield-Tradition, stellt wohl eher eine technologische Fortentwicklung als einen Wechsel in der Bevölkerung dar. Die Funddichte ist noch geringer, so dass anzunehmen ist, dass durch das warme Klima und die sich nordwärts ausdehnenden Wälder die Karibuherden weit nach Norden auswichen. Fundstätten wie die Near Norbert site, am Haultain River gelegen, oder die Fundstätte an der Mündung des Umpherville River in den Wollaston Lake belegen eher Sommerlager, als Winterdörfer.

Um 1500 v. Chr. begann eine starke Abkühlung, die Waldgrenze wanderte südwärts, und Menschen mit neuem Beutespektrum und neuen Waffen werden fassbar. Ihre Kultur stand der der arktischen Inuit nahe. Diese, als Pre-Dorset-Kultur (vgl. Inuit-Kultur) bezeichnete Bevölkerung, benutzte Werkzeuge aus bzw. mit kleinen Steinen und wird daher Small Tool tradition genannt. Fundstätten sind hier der Black Lake und der Athabasca Lake, aber auch der Reindeer Lake.

Um 600 v. Chr. erwärmte sich die Region und indianische Kulturen dominierten wieder. Ähnlich wie die arktischen Jäger, jagten aber auch sie das Karibu. Diese Taltheilei tradition hielt sich bis in historische Zeit. Taltheilei wird traditionell entsprechend der Wandlungen der Steinwerkzeugtypen, der Hauptquelle, in drei Phasen eingeteilt, eine frühe, eine mittlere und eine späte - mit breiten Übergangszeiten um 100 v. Chr. und um 800 n. Chr. Die Kultur bestand im Norden von Saskatchewan nördlich des Churchill Rivers.

Der Taltheilei-Tradition gehört der überwiegende Teil der 60 bis 70 Felszeichnungen an, die nördlich des 55. Breitengrades gefunden wurden. Der überwiegende Teil von ihnen befindet sich im Einzugsgebiet des Churchill Rivers, der im Norden den Haupttransportweg darstellte.[4]

Doch die Abfolge ist nicht so eindeutig. Immer wieder kam es zur Einwanderung von Gruppen aus den benachbarten Gebieten, wie etwa Funde von Pelican-Lake-Projektilen, die sonst in Alberta verbreitet sind (Black Lake und Lake Athabasca), beweisen. Manche Fundstätten, wie die Long Creek site, die 1957 ausgegraben wurde, weisen eine in diesem Falle sogar 5000-jährige Nutzungsdauer auf, die zahlreiche Traditionen repräsentiert, u. a. Avonlea und Besant (um 625 ± 325 Jahre), Pelican Lake (um 350 ± 100 Jahre), Hanna (um 1360 v. Chr. ± 115 Jahre), Oxbow (ca. 2600 v. Chr.), möglicherweise sogar Mummy Cave (ca. 3000 v. Chr. ± 125 Jahre). 3500 Jahre Nutzungsdauer weist eine Gruppe von 13 Lagern an der Mortlach Site im südlichen Zentral-Saskatchewan auf, die als erste wissenschaftliche Grabung in der Provinz gilt (1954).[5]

Die späte Phase, der Clearwater Lake complex, lässt sich an vielen Stellen am Churchill, Sturgeon-Weir und Reindeer River nachweisen. Dreieckige Pfeilspitzen und Tongefäße mit Punktmustern sind ihre Kennzeichen.[6] Es handelt sich vermutlich um die Vorfahren der heutige Cree-Stämme, die zur Gruppe der Algonkin (Dene) gehören. Diese Gruppen zogen bis zum Fond du Lac River nordwärts, ihre Zeitgenossen, die späteren Anishinabe (auch Chippewyans genannt), lebten zu dieser Zeit noch weiter im Osten. Sie zogen weiter westwärts und vertrieben Ende des 18. Jahrhunderts die Dakota aus dem heutigen Minnesota. Ab 1840 haben sie sich nördlich des Oberen Sees und des Huronsees sowie in Minnesota, North Dakota, Wisconsin, Manitoba und Saskatchewan niedergelassen. Die Algonkins oder Woodland Cree (auch Kristinaux) lebten bis zur Waldgrenze, während die Plains Cree in den offenen Park- und Graslandschaften lebten.

Zwischen diesen Gruppen entspannen sich Konflikte, in denen Blackfoot, Atsina, Cree, Assiniboine, Saulteaux, Sioux und Dene beteiligt waren. Ortsnamen wie Battle River erinnern daran. Die Stämme bildeten Konföderationen, wie die Blackfoot Confederacy, die die Gros Ventre aus Saskatchewan verdrängten. Woods Cree und Anishinabe gerieten gleichfalls immer wieder in Konflikte, deren Fortführung geradezu eine Tradition wurde.

Erste Kontakte mit Europäern

Der erste Europäer, der Saskatchewan betrat, war Henry Kelsey im Jahre 1690, der den Saskatchewan River aufwärts fuhr in der Hoffnung auf Pelzhandel mit den Bewohnern der Provinz. Die erste dauerhaft bewohnte europäische Siedlung war ein Handelsposten der Hudson's Bay Company bei Cumberland House, den Samuel Hearne 1774 gegründet hatte. Bereits 1768 hatten François le Blanc und James Finlay Sr., zwei unabhängige Pelzhändler, einen Handelsposten am Saskatchewan River, westlich Nipawin, gegründet, der allerdings 1773 aufgegeben und niedergrebrannt wurde.[7]

1670 verlieh die britische Krone „Governor and Company of Adventurers of England trading into Hudson's Bay“ das riesige Einzugsgebiet der Zuflüsse der Hudson Bay an die später Hudson's Bay Company genannte Pelzhandelsgesellschaft. Doch erst 1774 entstand Cumberland House, der erste Handelsposten in der Region. Zahlreiche Händler der französischen North West Company machten ihr Konkurrenz. 1824 bis 1856 bestand im zentralen Osten der Provinz Fort Pelly 1, ein Fort, das in den 1970er Jahren ausgegraben wurde.[8]

Nach Cumberland House kamen die ersten Missionare um 1840. In den späten 1850er und frühen 1860er erforschten wissenschaftliche Expeditionen geleitet von John Palliser und Henry Youle Hind die Prärieregion der Provinz.

Kanada

Als das neu gegründete Kanada (vgl. Kanadische Konföderation) das riesige Monopolgebiet der Hudson's Bay Company übernahm, wurde Fort Garry im späteren Manitoba die erste Hauptstadt der Nordwest-Territorien. Es wurde jedoch 1876/77 von Fort Livingstone in dieser Funktion abgelöst. Doch auch hier, wo schnell errichtete Baracken der North West Mounted Police bestanden, verhinderte ein strenger Winter die dauerhafte Ansiedlung. Governor Laird verlegte die Hauptstadt von 1877 bis 1883 nach Battleford. Am 8. Mai 1882 wurde das Riesengebiet in vorläufige Distrikte aufgeteilt, deren Grenzen sich allerdings noch mehrfach verschoben. Diese Distrikte waren Alberta, Assiniboia, Athabasca und Saskatchewan. Nur der Keewatin-Distrikt galt nicht als vorläufig.

Während dieser Zeit verschwanden die riesigen Büffelherden, und die Indianer wurden gezwungen, ihre Gebiete gegen Lebensmittel und Decken abzutreten. Dazu wurden zwischen 1871 und 1899 acht der insgesamt elf Numbered Treaties unterzeichnet.

Einwanderung und Eisenbahnbau

Ein bahnbrechendes Ereignis in der Geschichte des westlichen Kanada war 1874 der Marsch nach Westen der von der Bundesregierung neu gegründeten North-West Mounted Police. Trotz schlechter Ausrüstung und Mangel an Proviant, etablierten diese Männer die Präsenz des Bundes in den neuen Territorien. Wäre diese Expedition erfolglos gewesen oder wäre die Canadian Pacific Railway später oder weiter nördlich gebaut worden, wären wohl die Vereinigten Staaten in dieses politische Vakuum vorgedrungen und British Columbia wäre möglicherweise den Vereinigten Staaten beigetreten. Die North West Mounted Police gründete mehrere Posten und Forts in ganz Saskatchewan, einschließlich Fort Walsh in den Cypress Hills und Wood Mountain Post im südlichen Zentrum der Provinz, nahe der amerikanischen Grenze.

Die Besiedlung begann mit dem Bau der Canadian Pacific Railway in den frühen 1880er Jahren. Der Bau der Eisenbahn durch ganz Kanada veränderte die Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur der Region dramatisch. Zum einen ließ sich durch die gewählte südlichere Route die Grenze gegen die USA besser verteidigen und gegen illegale Zuwanderung schützen, zum anderen verlagerte sich ab 1882 der wirtschaftliche Schwerpunkt von der Linie Battleford-Edmonton Richtung Pile O' Bones (später Regina)-Calgary. Die Siedlungsstruktur basierte zunehmend auf einer Kette von Siedlungen zu beiden Seiten der Bahnlinien.

Des weiteren zog es die Zuwanderer in die jeweils bereits vorhandenen Gründungen ihrer Landsleute, was zu ethnischen Ballungen führte. Eine Besonderheit stellen dabei die von Peter Vasilevich Verigin geführten Doukobor dar.[9] Sie kamen aus der Ukraine und aus Südrussland und wichen von dort dem politisch-religiösen Druck nach Kanada aus. Dazu erhielten die über 7000 Menschen drei Kolonien, die North Colony in den Distrikten Pelly und Arran, die South Colony in Canora, Kamsack und Veregin und den Good Spirit Lake Annex - zusammen über 770.000 Acre. Doch 1918 erhielten viele von ihnen Privatgrund oder gingen nach British Columbia, die Reservate wurden aufgelöst. Um diese Zeit kam eine Gruppe von ihnen aus British Columbia und erwarb Boden im Kylemore District im Umfang von mehr als 11.000 Acre.[10]

Métis und Nordwest-Rebellion

Um 1800 verlagerten die Métis, Nachkommen von Franzosen und Indianern, ihren Siedlungsschwerpunkt in die Region des späteren Manitoba. Sie waren für die Versorgung der Forts mit Pemmican von größter Bedeutung. Einige Gruppen zogen weiter westwärts, als in Manitoba die Bisonpopulationen zusammenbrachen. Sie wurden nach der fast vollständigen Ausrottung der Herden zu Viehzüchtern.[11] Zugleich waren sie nach französischem Vorbild zu Kleinbauern geworden.

Als größte Bedrohung sahen sie schon seit langem die Zuwanderungspolitik der Hudson's Bay Company an, die auch ihr zweites wirtschaftliches Standbein, den Landbau bedrohte. Sie forderten eine eigene Provinz im neu entstandenen Kanada. Die kanadische Regierung setzte die HBC-Politik augenscheinlich fort und so kam es 1869 zur Red-River-Rebellion, und vor allem 1885 zur Nordwest-Rebellion. 1870 berücksichtigte der Manitoba Act zwar noch die Forderungen der Métis, so dass die Rebellion unblutig endete, doch die inzwischen weiter westwärts nach Saskatchewan ausgewichenen Métis, vor allem um Batoche, versuchten weiterhin eine eigene Provinz zu erhalten.

Die Indianer in dem riesigen Gebiet waren zu dieser Zeit äußerst beunruhigt, da sie, ebenfalls wegen des Verschwindens der Büffel, unter Hunger litten. Daher zog man Truppen im Osten zusammen. 1885 kam es im äußersten Osten der späteren Provinz Alberta zum Frog-Lake-Massaker. Die anfangs erfolgreiche Métis-Rebellion brach jedoch mit der Schlacht von Batoche zusammen, und auch die Cree unter Big Bear mussten nachgeben. Einige ihrer Krieger, wie Wandering Spirit, wurden hingerichtet, genauso wie der Métisführer Louis Riel.

Die heute 70 anerkannten Indianerstämme wurden endgültig in Reservate abgedrängt, die Métis wurden jahrzehntelang misstrauisch beobachtet. Sie wurden erst 1982 als ethnische Gruppe anerkannt.

Provinzgründung und die Ära Walter Scott (1905 bis 1916)

1905 wurde Regina zur Hauptstadt der neuen Provinz Saskatchewan erhoben, während es in Alberta trotz der Entscheidung für die südliche Bahntrasse gelang, Edmonton statt Calgary zur Hauptstadt der neuen Provinz Alberta zu machen. Erster Premierminister war Thomas Walter Scott (bis 1916), der von dem liberalen Politiker und Vizegouverneur ernannt wurde. Er war Mitglied der Liberal Party of Saskatchewan. Mit dem Slogan „Peace, Progress, and Prosperity“ brachte er am 13. Dezember 1905 rund 52 % der Wähler hinter sich. Eine seiner ersten Taten war es, die Verlegung der Hauptstadt von Regina nach Saskatoon zu verhindern. 1906 begann der Bau des Regierungsgebäudes, das von einem riesigen Park (9,3 km²), dem heutigen Wascana Park, umgeben wurde.

Mit dem Rural Municipality Act entstanden 1908 rund 300 ländliche Gemeinden, von denen jede 324 Quadratmeilen groß war. Sie stellen eine Organisationsform dar, die es ansonsten nur noch in Manitoba gibt. Darüber hinaus unterstützte seine Regierung den Ausbau der Canadian Northern Railway und der Grand Trunk Pacific Railway, dazu entstanden Straßen und ein dünnes Telefonnetz. Die Zahl der öffentlichen Schulen stieg von gut 400 auf über 2800 an. Doch während er sich einerseits um vernachlässigte Kinder bemühte und den Children's Protection Act unterstützte, interessierte er sich nicht für die Zustände an den Residential Schools, in denen Indianerkinder in einer Art Internat gegen den Willen ihrer Eltern festgehalten wurden. Sie waren eine Hinterlassenschaft Edgar Dewdneys, die der Erziehung der Kinder zu „zivilisierten“ Kanadiern dienen sollte.

1909 wurde die im Wahlkampf 1905 versprochene Universität der Provinz in Saskatoon eröffnet, die University of Saskatchewan. Scott nahm im Streit der Konfessionen und Sprachen, also zwischen frankophonen Katholiken und anglophonen Protestanten, eine gemäßigte Position ein und konnte gegen scharfen Widerstand erreichen, dass bis zu einer Stunde pro Tag in französischer Sprache Unterricht gehalten werden durfte. Nachdem Manitoba das Frauenwahlrecht eingeführt hatte, gab Scott seine Verzögerungsstrategie auf und führte es am Valentinstag 1916 ein. Im Dezember des selben Jahres entschieden sich 80 % der Wahlberechtigten, erstmals unter Einschluss der Frauen, für ein Verbot des Alkohols. Dabei und beim Ausbau der Infrastruktur war es offenbar zu Vorteilsnahmen und Bestechungen gekommen, so dass der Premier am 16. Oktober seinen Rücktritt einreichte - eine Erscheinung, die sich durch die gesamte Geschichte der Provinz zieht. Seinen Lebensabend verbrachte Scott in Victoria.

Vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Scotts Nachfolger William Melville Martin gelang es, das angeschlagene Image der Liberalen Partei so schnell wieder aufzubessern, dass er die Wahl von 1917 gewann. Als Außenseiter, der erst 1916 eine nennenswerte politische Rolle zu spielen begonnen hatte, war er frei von Korruptionsvorwürfen. Während die liberale Partei in ganz Kanada von den Farmerparteien unter Druck gesetzt wurde, gelang es Martin, sie in seine Regierung zu holen. Zugleich gelang es ihm, sich gegen die Progressive Party durchzusetzen. Doch sein Versuch, in Ottawa Karriere zu machen, brachte ihn zu Fall, so dass ihm Charles Avery Dunning folgte (bis 1926).

Während in einigen Provinzen die Farmer der Progressive Party of Canada oder den United Farmers zuneigten, gelang es Dunning, sie ebenfalls bei der Stange zu halten. Er war gleichfalls als Außenseiter angetreten und schien geeignet, die Liberale Partei zu „säubern“. Doch die immer wiederkehrenden Skandale sollten die Liberale Partei, nachdem sich der ehemalige Minister of Highways James Garfield „Jimmy“ Gardiner noch bis 1929 halten konnte, letztlich doch um die politische Macht bringen. Zwar gelang ihm 1934 ein erneuter Wahlsieg, doch schon im nächsten Jahr verließ er die Provinz Richtung Ottawa. Dennoch war es ihm damit gelungen, die Konservativen wieder abzulösen.

Sozialistische Regierung

Ihm folgte der Liberale William John Patterson, doch mit seinem Rücktritt 1944 gelangte mit Tommy Douglas zum ersten Mal in Nordamerika eine Art sozialdemokratische Partei an die Macht, die Co-operative Commonwealth Federation. Sie führte erstmals ein umfassendes Programm der Versicherung gegen Krankheit ein. Sein Nachfolger musste sich allerdings erst gegen einen Ärztestreik durchsetzen (1962). Dennoch verlor er die Wahl von 1964.

Korruptionsskandale und der Streit um die Rolle des Staates

Mit Wilbert Ross Thatcher kehrten 1964 die Liberalen zurück. Er hatte 1955 die Co-operative Commonwealth Federation verlassen und war bereits 1957 Kandidat der Liberalen. Nachdem er 1967 wiedergewählt worden war, setzte er ein Austeritätsprogramm durch, das Steuererhöhungen vorsah, Gebühren für medizinische Behandlungen, dazu reduzierte er staatliche Dienstleistungen und holte Rohstoffprospektoren verstärkt in die Provinz. Doch 1971 verlor er die Wahl gegen seine alten Gegner, die inzwischen unter dem Namen Saskatchewan New Democratic Party antraten (seit 1961 auf Bundesebene, seit 1967 auf Provinzebene umbenannt).

Der neue Premierminister war Allan Emrys Blakeney. Er förderte die Gründung einer Crown corporation für die Rohstoffindustrie, allen voran einer Gesellschaft zum Abbau von Kaliumcarbonat bzw. Pottasche. Vor allem entstand SaskOil, eine staatliche Öl- und Gasgesellschaft, wobei er sich vehement gegen Einmischungen der Bundesregierung wandte.

Auch nahm er, zusammen mit anderen Premierministern, starken Einfluss auf die Verhandlungen über die kanadische Verfassung von 1982.

Von 1982 bis 1991 regierten erstmals wieder die Konservativen unter der Führung von Grant Devine. Er förderte die Rohstoffindustrie durch großzügige Steuerreduzierungen und gab ihr zunehmend freie Hand gegenüber anderen Interessen. Zugleich verkaufte er SaskOil, inzwischen in Wascana Oil and Gas umbenannt, an CanOxy, ein privates Unternehmen, das heute Nexen Incorporated heißt. Auch erhebliche Teile der Infrastruktur, wie der Straßenbau, wurden privatisiert. Die letzten Jahre seiner Regierung waren, auch wenn er selbst keine Rolle darin spielte, von Skandalen getrübt, die selbst für Nordamerika von ungewöhnlichem Ausmaß waren.

Die Saskatchewan New Democratic Party, die 1991 die Wahlen gewann, übernahm Schulden in Höhe von 14 Milliarden Dollar.[12] Premier Roy Romnanow sah sich 1999 gezwungen, eine Art Koalition mit der Saskatchewan Liberal Party einzugehen und mehrere ihrer Mitglieder in sein konservatives Kabinett aufzunehmen. Ihm folgte 2001 bis 2007 sein Parteigenosse Lorne Calvert.

Saskatchewan Party

Seit 2007 ist Brad Wall als Führer der Saskatchewan Party (SP) Premierminister. Sie ist 1997 aus einer Verbindung ehemals progressiv-konservativer und liberaler Politiker hervorgegangen. Zunächst jedoch vermutete man angesichts des Übergewichts der Konservativen, diese versuchten sich auf diese Art von den Korruptionsskandalen zu befreien. Bereits 2003 hatte die SP einen Rückzug des Staates und Steuersenkungen propagiert, bewegte sich aber seitdem in Richtung der politischen Mitte.

Einzelnachweise

  1. Namensangaben der Kanadischen Regierung: Saskatchewan
  2. http://www40.statcan.ca/l01/cst01/phys01.htm
  3. 2001 Census Aboriginal Population Profiles
  4. Vgl. Tim E. H. Jones: The Aboriginal Rock Paintings of the Churchill River, Regina 1981.
  5. Boyd Wettlaufer: The Mortlach Site, Regina 1955.
  6. Zuletzt zu den Tongefäßen der Woodland-Phase: Patrick S. Young: An Analysis of Late Woodland Ceramics. From Peter Pond Lake, Saskatchewan, Master of Arts (Thesis), Saskatoon 2006.
  7. Alice B. Kehoe: Francois' House: An Early Fur Trade Post of the Saskatchewan River, Regina 1978.
  8. Vgl. Olga Klimko: The Archaeology and History of Fort Pelly 1: 1824 - 1856, Regina 1983.
  9. Vgl. Verteilung der Doukhobor-Dörfer in Saskatchewan.
  10. Vgl. Doukhobor Genealogy Website.
  11. Ihre Situation Ende des 19. Jahrhunderts untersuchten Maurice F. V. Doll, Robert S. Kidd und John P. Day: The Buffalo Lake Métis Site: A Late Nineteenth Century Settlement in the Parkland of Central Alberta, Calgary 1988.
  12. David Roberts, Romanow cuts spending, hikes taxes, in: Globe and Mail. 19. März 1993.
 Wiktionary: Saskatchewan – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Commons: Saskatchewan – Bilder, Videos und Audiodateien