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Degussa

Evonik Degussa GmbH
Unternehmensform GmbH
Gründung 28. Januar 1873
Unternehmenssitz Essen
Unternehmensleitung

Klaus Engel, Vorsitzender der Geschäftsführung

Mitarbeiter rund 36.000 (31. Dez. 2006)[1]
Umsatz 10,9 Mrd. EUR (2006)
Branche Spezialchemie
Website www.degussa.de

Die Evonik Degussa GmbH (bis Ende 2006: Degussa AG, seit 12. September 2007 die Chemie-Sparte des Evonik Industries-Konzerns) ist ein Konzern mit Sitz in Essen. Er ist das drittgrößte deutsche Chemieunternehmen und zugleich das weltgrößte Spezialchemieunternehmen. Sie ist ein Teilkonzern der Essener Evonik Industries AG. Das Wort Degussa war ursprünglich ein Akronym (und „Drahtadresse“) für „Deutsche Gold- und Silber-Scheide-Anstalt“.

Vorgängergesellschaften waren die Degussa-Hüls AG und SKW Trostberg AG.

Inhaltsverzeichnis

Kennzahlen

Degussa ist ein multinationales Unternehmen mit Ausrichtung auf die Spezialchemie. Im Geschäftsjahr 2006 erwirtschafteten 36.000 Mitarbeiter einen Umsatz von 10,9 Mrd. EUR und ein operatives Ergebnis (EBIT) von 879 Mio. EUR. Damit ist Degussa das drittgrößte deutsche Chemieunternehmen und in der Spezialchemie weltweit der führende Anbieter.

Geschichte

Die Degussa wurde am 28. Januar 1873 als Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt vormals Roessler AG in Frankfurt am Main gegründet. Sie ging aus der 30 Jahre zuvor in Betrieb genommenen Frankfurter Scheideanstalt hervor, die vom vormaligen Frankfurter „Münzwardein“ Friedrich Roessler (1813–1883) zunächst gepachtet und als privates Unternehmen betrieben worden war. Nach der Annexion der Freien Stadt Frankfurt durch Preußen 1866 wurde die Scheiderei von seinen Söhnen Heinrich Roessler (1845–1924) und Hector Roessler erworben und fortgeführt.

Direkter Anlass zur Gründung der neuen Aktiengesellschaft war die deutsche Reichsgründung 1871 mit der Einführung der nationalen Währung Mark, durch die die Partikularwährungen der deutschen Länder obsolet wurden (z. B. der süddeutsche Gulden). Dem entsprechend wurden große Mengen an Münzen aus dem Verkehr gezogen; für die Rückgewinnung des darin enthaltenen Edelmetalls sollte Scheidekapazität in industriellem Maßstab geschaffen werden. Mit der Gründung erwarb das Unternehmen auch das Recht zu Bankgeschäften mit gemünzten und ungemünzten Edelmetallen. Das Tätigkeitsfeld wurde bald auf weitere Edelmetallprodukte (Glanzgold für die Keramik-Industrie) und Chemikalien ausgedehnt.

Während des Dritten Reiches, zwischen 1933 und 1945, war die Degussa stark in die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes verwickelt (siehe dazu den Abschnitt „Die Degussa im Dritten Reich“).

1965 erwirtschaftet der Degussa-Konzern einen Umsatz von 1,446 Milliarden DM und beschäftigt 12.400 Mitarbeiter.

Erst 1980 wurde das Unternehmen offiziell in „Degussa AG“ umbenannt. Das Bankgeschäft, das die Degussa AG als zugelassene Devisenbank und Außenhandelsbank betrieben hatte, wurde vom Industriegeschäft separiert und auf die neu gegründete „Degussa Bank GmbH“ übertragen.

Ab der Einführung des DAX im Jahre 1988 gehörte die Degussa AG zu den Blue Chips-Unternehmen des Dax 30. 1990 beschäftigte Degussa 35.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von 13,925 Milliarden DM.

1999 wurden die Degussa und die VEBA-Tochter Hüls AG (Marl) zur Degussa-Hüls AG fusioniert; damit wurde der Energiekonzern VEBA zum Hauptaktionär. Firmensitz blieb Frankfurt am Main.

Nach der Vereinigung von VEBA und VIAG zur E.ON AG wurden die Degussa-Hüls und die VIAG-Tochter SKW Trostberg im Jahr 2001 einem neuen Unternehmen zusammengelegt, das den alten Namen Degussa weiterführte. Zugleich wurde der Konzernsitz nach Düsseldorf verlegt. Durch die Fusion wurde die E.ON zum weit überwiegenden Mehrheitsgesellschafter; aufgrund der stark reduzierten Börsenkapitalisierung schied die Degussa 2002 aus dem DAX 30 aus und wurde im M-DAX notiert.

2000 wurden die Edelmetall-Aktivitäten der Degussa in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert, die mittlerweile als Umicore AG & Co. KG zum belgischen Umicore-Konzern gehört. Damit hatte sich die Degussa von ihrem ehemaligen Kerngeschäft getrennt, das ihr auch den Namen gab.

2003 bekannte sich unter Vorstandsvorsitzendem Utz-Hellmuth Felcht die Degussa als ehemaliger Miteigentümer der Degesch dazu, dass die Degesch Zyklon B vertrieb, welches zwischen 1941 und 1944 systematisch für Massenmorde an den Menschen in den Vernichtungslagern eingesetzt wurde. Daran verdiente die Degesch pro Jahr 200.000 RM [2].

Seit dem 1. Juni 2004 gehörte Degussa zunächst mehrheitlich zur RAG (97,5 %), nachdem der E.ON-Konzern von dieser die Mehrheit der Ruhrgas-Anteile übernommen hatte. Nach Einigung der Konzerne im Dezember 2005 erwarb die RAG bis Frühjahr 2006 auch die restlichen von der E.ON gehaltenen bzw. in Streubesitz befindlichen Anteile an der Degussa und will das Spezialchemieunternehmen zum Standbein für den 2007 geplanten RAG-Börsengang machen. Die Hauptversammlung am 29. Mai 2006 hat dafür die Weichen gestellt und dem Squeeze-out zugestimmt. Zur Finanzierung wurde die einträgliche Bauchemiesparte der Degussa an die BASF veräußert. Utz-Hellmuth Felcht, der Vorstandsvorsitzende der Degussa, gab am 1. Juni 2006 den Vorsitz an Klaus Engel ab. Seit dem 14. September 2006 ist die Degussa AG eine 100%ige Tochter der RAG. Sie wurde von der Börse genommen und mit Wirkung von 2. Januar 2007 in eine GmbH umgewandelt. Am 12. September 2007 wurde die Eingliederung von Degussa in den Evonik Industries Konzern bekanntgegeben.

Am 31. August 2006 begann die Degussa im Werk Rheinfelden (Baden) den Bau einer Anlage zur Herstellung von Monosilan und – in einem Joint Venture mit der SolarWorld AG – einer Anlage zur Herstellung von Solarsilizium aus diesem Monosilan. SolarWorld fertigt aus dem Solarsilizium dann Wafer, die zu Solarzellen und -modulen verarbeitet werden. 2008 soll die Produktion mit einer Jahreskapazität von zunächst 850 Tonnen Solarsilizium starten.

Degussa ist Gründungsmitglied der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft. Michael Jansen, ehemaliger Degussa-Generalbevollmächtigter, war von 2000 bis Juni 2004 Vorstandsvorsitzender der vom Deutschen Bundestag ins Leben gerufenen Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die Wiedergutmachungen an ehemalige NS-Zwangs- und Sklavenarbeiter zahlt.

Beteiligungen

Beteiligungen in Deutschland:

Aus der Degussa hervorgegangene Unternehmen

Die Degussa im Dritten Reich

Degussa beauftragte 1997 den amerikanischen Historiker Peter Hayes zur Aufarbeitung der Firmengeschichte während des Dritten Reiches. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse von Hayes über die Verstrickung der Degussa in den Nationalsozialismus ist auf der Geschichtsseite der Website[3] zu finden. Das Buch „Die Degussa im Dritten Reich. Von der Zusammenarbeit zur Mittäterschaft“ (engl. Originattitel: „From Cooperation to Complicity: Degussa in the Third Reich“) von Peter Hayes erschien 2004.

Die Degussa war demnach stark in die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes verwickelt. Unter anderem in die Verfolgung und Beraubung der Juden, in die Aufrüstung und Kriegsvorbereitung, in die Zwangs- und Sklavenarbeit und in die fabrikmäßige Massenvernichtung der Juden. Eine ihrer Tochterfirmen (Degesch – „Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbH“) lieferte Zyklon B, mit dem Juden in Auschwitz vergast wurden. In den Schmelzöfen der Degussa wurde auch Zahngold ermordeter Juden verarbeitet. Berichten zufolge soll Degussa spaltbares Material für das deutsche Atomprojekt beschafft haben [4][5]

Beteiligung an Zyklon-B-Herstellung

Degussa war formal gesehen nur indirekt an der Produktion von Zyklon B beteiligt. Das Patent für die hochgiftige Substanz wurde für die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung mbH“ („Degesch“) beantragt. Degesch gehörte zu 42,5 % Degussa. Ab 1924 wurde Zyklon B als Schädlingsbekämpfungsmittel im Auftrag und auf Rechnung der Degussa bei den Dessauer Zuckerraffinerie GmbH hergestellt[6] und über die Degesch u. a. an Tesch & Stabenow geliefert. Tesch & Stabenow (Sitz in Hamburg) war von 1941 an für die Lieferungen an das Konzentrationslager Auschwitz zuständig, ab 1943 lieferte auch die Degesch direkt nach Auschwitz.

Der Umsatz mit Zyklon B war in Bezug auf das Degussa-Gesamtgeschäft unbedeutend, und da nur etwa ein Prozent der produzierten Menge des Schädlingsbekämpfungsmittels für die Tötung von Menschen missbraucht wurde, wurde mangels eines sicheren Beweises der Mitwisserschaft keiner der Vorstände der Degussa jemals angeklagt. Sie kehrten Ende der 1940er Jahre in ihre Positionen zurück. Degesch-Geschäftsführer Gerhard Peters wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Zuchthausstrafe verurteilt, während des Revisionsverfahrens von der Degussa unterstützt und 1955 freigesprochen. [7]

Beteiligung am Bau des Holocaust-Mahnmals in Berlin

Degussas Beteiligung an der Zyklon-B-Herstellung kam wieder in die öffentliche Diskussion im Zusammenhang mit dem Bau des Denkmals für die ermordeten Juden Europas, als bekannt wurde, dass sowohl der Betonverflüssiger als auch die Anti-Graffiti-Beschichtung (Protectosil®, Geschäftsgebiet AEROSIL® & Silane) des Mahnmals aus dem Hause Degussa stammen. Die Arbeit am Mahnmal wurde zur Erörterung der Situation vorübergehend unterbrochen. Am 13. November 2003 beschloss jedoch das Kuratorium der Mahnmal-Stiftung den Weiterbau mit weiterer Beteiligung der Degussa: Gerade die Degussa AG habe sich in den letzten Jahren sehr um Vergangenheitsbewältigung und Offenlegung der eigenen Geschichte bemüht.

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. http://www.degussa.de/degussa/de/unternehmen/zahlen_fakten
  2. Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 12. November 2003[1]
  3. Peter Hayes: Degussa in der NS-Zeit 1998, abgerufen 27. Januar 2008
  4. Buch: „Das Geheimnis der deutschen Atombombe“
  5. FTD: Unternehmen und ihre Nazi-Vergangenheit
  6. Das Gas für den Massenmord kam von der Degussa AG hagalil.com, abgerufen 27. Januar 2008
  7. „Degesch und Zyklon B“.

Koordinaten: 51° 15′ N, 6° 46′ O