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Karl II. (Neapel)

Karl II., genannt le Boiteux (der Lahme), (* 1254; † 5. Mai 1309 in Neapel) aus dem Haus Anjou war König von Neapel, Titularkönig von Jerusalem und Fürst von Salerno. Er war der Sohn und Nachfolger von König Karl I.

Leben

Er wurde von Ruggiero di Lauria in der Seeschlacht bei Neapel 1284 gefangen genommen, und war noch in der Hand Peters III. von Aragón, als sein Vater im Januar 1285 starb. 1288 vermittelte König Eduard I. von England einen Frieden, durch den Karl freigelassen wurde, unter der Bedingung, dass er sich auf Neapel beschränke und Sizilien den Aragonesen überlasse. Karl musste auch seinen Vetter Karl von Valois dazu bringen, gegen 20.000 Pfund Silber auf das Königreich Aragón zu verzichten, das ihm Papst Martin IV. als Peters Strafe für seine Invasion in Sizilien zugesprochen hatte, das er aber tatsächlich nie besetzt hatte.

Karl wurde unter der Auflage freigelassen, 30.000 Mark zu zahlen und in Gefangenschaft zurückzukehren, wenn die Bedingungen nicht innerhalb von drei Jahren erfüllt würden, und ließ dabei drei seiner Söhne und sechzig provenzalische Adlige als Geiseln zurück. Er ging nach Rieti, wo ihn der neue Papst Nikolaus IV. sofort von allen Verpflichtungen entband, ihn 1289 zum König der beiden Sizilien krönte und Alfons III. von Aragón exkommunizierte. Karl von Valois bereitete sich in einer Allianz mit Kastilien darauf vor, Aragón in Besitz zu nehmen, während Alfons unter dem starken Druck zusagen musste, seine Truppen, mit denen er seinem Bruder Jakob II. auf Sizilien half, zurückzuholen, alle Rechte an der Insel aufzugeben und einen Tribut an den Papst zu zahlen.

Alfons starb 1291 kinderlos, bevor der Vertrag ausgeführt werden konnte. Jakob nahm Aragón in Besitz und überließ die Regierung in Sizilien dem dritten Bruder, Friedrich II. (der sich selbst als Friedrich III. bezeichnete).

Der neue Papst Bonifatius VIII., der 1294 unter der Schirmherrschaft Karls in Neapel gewählt worden war, vermittelte zwischen diesem und Jakob, was einen höchst eigenwilligen Vertrag ergab: Jakob sollte Karls Tochter Bianca heiraten und bekam vom Papst die Investitur in Korsika und Sardinien zugesagt, wohingegen er Anjou freie Hand in Sizilien lassen und ihn sogar bei eventuellem sizilianischem Widerstand unterstützen sollte.

Es wurde ein Versuch gemacht, Friedrich zu bestechen, in dieses Arrangement einzuwilligen. Der aber widersetzte sich mit dem Rückhalt, den er im Volk hatte, und wurde zum König von Sizilien gekrönt. Im nun folgenden Krieg war Karl, trotz der Hilfe durch die Papst, Karl von Valois und Jakob von Aragón, nicht in der Lage, die Insel zu erobern. Sein Sohn Philipp I. von Tarent geriet 1299 in der Schlacht von La Falconara in Gefangenschaft. Auf Betreiben des Papstes vernichtete Karl im Jahr 1300 mit Lucera (bei Foggia) das letzte Zentrum des Islam in Italien, die muslimischen Einwohner wurden massakriert oder versklavt.

1302 wurde mit dem Frieden von Caltabellotta Frieden geschlossen. Karl gab seine Ansprüche auf Sizilien auf, stimmte der Hochzeit zwischen seiner Tochter Leonora und Friedrich zu. Karl verbrachte seine letzten Jahre ruhig in Neapel und befasste sich mit der Verschönerung seiner Stadt. Er starb 1309. Ihm folgte sein Sohn Robert der Weise.

Seine Ehe, die er 1270 mit Maria von Ungarn geschlossen hatte, der Tochter des Königs Stephan V., brachte das Haus Anjou auf den ungarischen Thron. Sein erstgeborener Sohn Karl Martell und dessen Ehefrau Klementia von Habsburg, Tochter des Kaisers Rudolf I., waren die Eltern von König Karl I. von Ungarn. Seine Nachkommen regierten Ungarn ununterbrochen von 1308 bis 1395.

Siehe auch: Geschichte von Tarent

Literatur


Vorgänger Amt Nachfolger
Karl I. König von Neapel
1285–1309
Robert
Fürst von Achaia
1285–1289
Isabella von Villehardouin
Fürst von Tarent
1285–1294
Philipp I.


Personendaten
Karl II. (Neapel)
le Boiteux (der Lahme)
König von Neapel, Titularkönig von Jerusalem und Fürst von Salerno
1254
5. Mai 1309
Neapel