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Qin-Dynastie

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der chinesischen Qin-Dynastie (221 v. Chr. - 207 v. Chr.). Für die gleichnamige Qin-Dynastie zur Zeit der Sechzehnkönigreiche siehe Frühere Qin bzw. Spätere Qin.

Die Qin-Dynastie entstand aus dem Herzogtum bzw. Königreich von Qin (existent seit etwa 897 v. Chr.) und einigte unter Fürst Yíng Zhèng alias Qin Shihuangdi 221 v. Chr. ganz China, so dass das chinesische Kaiserreich entstand. Sie ging 207 v. Chr. in Bauernaufständen zugrunde und wurde von der Han-Dynastie abgelöst.

Inhaltsverzeichnis

Das Herzogtum Qin

Qin (chin. 秦朝, Qín, W.-G. Ch'in) wurde 897 v. Chr. durch einen niederen Adligen gegründet, welcher ein Pferdezüchter der Zhou-Könige war. Herzog Xiao (reg. 361-338 v. Chr.) eroberte benachbarte Gebiete, gründete die Hauptstadt Xianyang (bei Xi'an), formte Beamtenschaft und Strafgesetzgebung nach den legalistischen Prinzipien Shang Yangs (ca. 390-338 v. Chr.).

Der Staat Qin galt als zweitklassig und barbarisch, kannte zum Beispiel noch Menschenopfer beim Tod eines Herrschers. "Qin weiß nichts über Sitte und Riten, Rechtsempfinden und tugendhaftes Verhalten." Es hatte eine günstige strategische Lage, setzte auf strenge und militärisch ausgerichtete Organisation, war offen für Fremde und betrieb (wie übrigens auch Wei) eine systematische Urbarmachungs- und Bewässererträge (u.a. Zheng-Guo-Kanal ab 246 v. Chr.).

Reichseinigung und -organisation unter Qin Shihuangdi

Der Reichseiniger, Fürst Zheng (Qin Shihuangdi, 259-210 v. Chr.) kam als 13-Jähriger 247 v. Chr. an die Macht. Er war der Sohn einer Konkubine, geboren als sein Vater Zhuangxiang (250-247 v. Chr.) eine Geisel in einem fremden Land war. Zhao Zheng vernichtete innerhalb von 10 Jahren seine Gegenspieler in Han (230), Zhao (228), Wei (225), Chu (223), Yan (222) und Qi (221), beendete so die Zeit der Sieben Streitenden Reiche und gründete das Kaiserreich.

Sein Kanzler war zunächst Lü Buwei (bis 237 v. Chr.), dann Li Si. Li Si dehnte das Verwaltungssystem von Qin auf die anderen Reiche aus, ließ Münzen, diverse Maße/Gewichte (auch den Achsabstand der Wagen) und die Schrift vereinheitlichen. Der private Waffenbesitz wurde verboten, verschiedene Grenzmauern wurden niedergerissen. Ein großes Straßennetz wurde geschaffen, Poststationen eingerichtet, Kanäle gegraben.

Das Reich wurde in 36 bzw. 48 Kommandanturen, jun, und diese in über 1000 Landkreise gegliedert. An die Spitze der Kommandanturen wurden ein ziviler und ein militärischer Befehlshaber gesetzt, die wiederum von einer dritten Amtsperson kontrolliert wurden. Die Macht des alten Adels wurde durch Entzug seiner (Erb-)Rechte gebrochen. Die Bevölkerung wurde in Gruppen eingeteilt und gegenüber der Verwaltung kollektiv verantwortlich gemacht. Die Hauptstadt Xianyang in Shaanxi am Wei-Fluss, beim heutigen Xi'an wurde prachtvoll ausgebaut. In die Umgebung der Hauptstadt sollen angeblich 120.000 "reiche und mächtige" Familien -kurz: der Adel- zwangsumgesiedelt worden sein, die Einwohnerzahl betrug etwa 200.000 Menschen. Der Kaiser unternahm mit seinem Hof auch mehrere Inspektionsreisen, um sich vom Zustand seines Landes zu überzeugen.

In das Jahr 213 v. Chr. fällt die berühmte Bücherverbrennung[1], welche sämtliche Bücher mit Ausnahme medizinischer und landwirtschaftlicher Abhandlungen sowie von Orakelbüchern erfasste. Damit wollte der Kaiser auf Rat Li Sis jede Kritik an seiner Regierungsform unterbinden. Analog dazu kam es zum Bücherverbot unter Androhung von Zwangsarbeit und Todesstrafe. 400 Gelehrte wagten, zu protestieren und wurden hingerichtet. Überhaupt wurden unzählige Menschen zur Zwangsarbeit an den gewaltigen Bauprojekten des Kaisers verurteilt. Diese radikalen Strafen, Verurteilungen, Deportationen, Zwangsrekrutierungen und die Vernichtung von Wissen wurde durch den Legalismus legitimiert, der in reiner Form nur während der Qin-Zeit bestand.

Die alten Befestigungsmauern im Norden wurden zu einer ununterbrochenen Linie, der Großen Mauer verbunden. Zu diesem Zweck wurden Besitz- und Arbeitslose aufgegriffen und zum Frondienst zwangsdeportiert. Gleichzeitig zog der General Meng Tian gegen die Xiongnu (damals Mao Tuns Vater Tumen) und vertrieb sie aus dem Ordos-Gebiet.

Andere Feldzüge richteten sich gegen die Einwohner des heutigen Südchina und Vietnams, speziell nach Panyu (Guangzhou), Guilin in Guangxi, Fuzhou in Fujian und sogar Hanoi. Diese entfernten Gebiete wurden mit Garnisonen gesichert, mit Deportierten besiedelt, standen in ständiger Unruhe und konnten erst zur Han-Zeit halbwegs eingegliedert werden.

Untergang der Dynastie

Das Ausmaß der Staatserneuerung Li Sis drückte allerdings schwer auf der Bevölkerung, welche die gewaltigen Baumaßnahmen finanzieren und das harte Strafensystem des Staates Qin ertragen musste. Den Unwillen des durchaus befähigten alten Adels muss man dazu rechnen. Auf der Gegenseite war der Zweite Kaiser von China ein schwacher Mann, geradezu unmündig gegenüber seinem Minister Li Si und dem Obereunuchen Zhao Gao, denen er den Thron verdankte.

Eines Tages brach dann der Aufstand los. Anfangs sollte eine Gruppe von 900 Arbeitern hingerichtet werden, die aufgrund von starken Regenfällen zu spät zur Arbeit an der Großen Mauer kam. Die Betreffenden berieten sich: "Nach dem Gesetz von Qin werden wir, weil wir zu spät kommen, alle hingerichtet werden. Wir haben nichts zu verlieren und wollen unser Glück versuchen."

Binnen weniger Monate entstanden 6 „Königreiche“. Li Si, der die Allmacht dieses schwachen Zweiten Kaisers begründete, wurde (durch Zhao Gao) grausig hingerichtet. Danach kam es zu weiteren Intrigen und Morden. 207 v. Chr. endete die Dynastie im Angriff der Rebellenführer Liu Bang und Xiang Yu. Liu Bang gründete 202 v. Chr. als Kaiser Han Gaozu die Han-Dynastie.

Quellen

  1. Michael Strähle, Bücherverbrennungen und Zensur im alten China und ihre Folgen

Literatur

Verweise

 Commons: Qin-Dynastie – Bilder, Videos und Audiodateien
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