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14. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten

Der 14. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten wurde in Folge des amerikanischen Bürgerkriegs verabschiedet. Er enthält die Gleichbehandlungsklausel, das Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren in den Bundesstaaten und die Grundlagen des Staatsbürgerschaftsrechts (Ius Soli). Er wurde am 13. Juni 1866 zur Verabschiedung vorgeschlagen und am 28. Juli 1868 ratifiziert.

Der Verfassungszusatz liefert eine weitreichende Definition von nationaler Staatsbürgerschaft. Er stellt allen Personen (und nicht nur Staatsbürgern) den gleichen Schutz der Gesetze der Vereinigten Staaten, die in den Zuständigkeiten der verschiedenen Bundesstaaten liegen, in Aussicht. Das Hauptanliegen der Verfasser war, dass ein gleichwertiger Schutz ungeachtet der Rasse hergestellt wird.

Inhaltsverzeichnis

Staatsbürgerschaft und Bürgerrechte

Der erste Abschnitt des Zusatzes definiert die Staatsbürgerschaft und verlangt von den Bundesstaaten Bürgerrechte zu gewähren.

Abschnitt 1. Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert sind und ihrer Gesetzeshoheit unterstehen, sind Bürger der Vereinigten Staaten und des Einzelstaates, in dem sie ihren Wohnsitz haben. Keiner der Einzelstaaten darf Gesetze erlassen oder durchführen, die die Vorrechte oder Freiheiten von Bürgern der Vereinigten Staaten beschränken, und kein Staat darf irgend jemandem ohne ordentliches Gerichtsverfahren nach Recht und Gesetz Leben, Freiheit oder Eigentum nehmen oder irgend jemandem innerhalb seines Hoheitsbereiches den gleichen Schutz durch das Gesetz versagen.

Definition des Begriffs "Bürger"

Der erste Abschnitt definiert, wer ein Bürger der Vereinigten Staaten ist, und bestimmt, dass kein Bundesstaat Gesetze verabschieden kann, welche die Rechte eines Bürgers oder einer Person im Zuständigkeitsbereich der USA beschneiden. Dieser Definition lag auch die Rücknahme einer Entscheidung des Supreme Court im Fall Dred Scott v. Sandford zugrunde. In diesem Fall wurde zuerst entschieden, dass Afro-Amerikaner keine Bürger der Vereinigten Staaten seien und auch niemals welche werden könnten. Weiter wurde entschieden, dass sie nicht in den Genuss von Privilegien oder Immunitäten kommen könnten, die mit der Staatsbürgerschaft einhergehen.

Bürgerrechte

Der Kongress verabschiedete den 14. Verfassungszusatz auch als Reaktion auf die Black Codes, die von einigen Südstaaten verabschiedet wurden, weil die Sklaverei durch den 13. Verfassungszusatz beendet werden sollte. Diese Gesetze versuchten befreite Sklaven in ihre frühere Position zu versetzen, in der sie kaum Rechte hatten. Die Gesetze sahen auch vor ehemalige Sklaven davon abzuhalten, Klagen bei Gericht einzureichen oder dort auszusagen.

Die Gleichbehandlungsklausel hatte in den Jahrzehnten nach dem Bürgerkrieg tatsächlich diesen Effekt, als der Supreme Court Gesetze kippte, die Afro-Amerikaner daran hinderten als Geschworene arbeiten zu können oder Amerikaner mit chinesischen Wurzeln diskriminierten, die in Wäschereien arbeiteten. Der Supreme Court begrenzte jedoch die Reichweite des Verfassungzusatzes im Fall der Slaughterhouse Cases, indem er anmerkte, dass die Klausel über die Privilegien und Immunitäten keine neuen Bundesgesetze schaffe.

Im Fall Plessy vs. Ferguson stellte der Supreme Court klar, dass die Bundesstaaten die Rassentrennung so lange aufrechterhalten könnten, wie sie den Betroffenen gleiche Grundrechte zugestehen. Manche haben argumentiert, dass die Gleichbehandlungsklausel nicht beabsichtigte die Rassentrennung zu verbieten. Sie bezogen sich auf Debatten im Kongress, in denen für den 14. Verfassungszusatz nach Bürgerrechten, politischen Rechten und sozialen Rechten unterschieden wurde.

Soziale Rechte enthielten das Recht zur Mischehe und waren wahrscheinlich der Hauptgrund für die Rassentrennung. Politische Rechte waren beispielsweise das Recht zum Wählen. Was als Bürgerrechte bezeichnet wurde, war stärker eingeschränkt als man es heute annehmen würde. Bürgerrechte enthielten Dinge wie die Gleichbehandlung in Straf- und Zivilgerichten. Letztendlich wurden politische Rechte nicht mit der Ratifizierung des 14. Verfassungszusatzes verabschiedet, sondern mit der Ratifizierung des 15. Verfassungszusatzes, der das Recht zur Teilnahme an Wahlen vorsah. Soziale Rechte wurden erst nach dem Urteil im Fall Loving vs. Virginia anerkannt. In diesem Gerichtsverfahren erklärte das Gericht Gesetze, die gegen die Mischehe standen, für verfassungswidrig.

Zuteilung von Repräsentanten

Der zweite Abschnitt führt Regeln für die Zuteilung von Repräsentanten im Kongress der USA ein.

Abschnitt 2. Die Abgeordnetenmandate werden auf die einzelnen Staaten im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl verteilt, wobei in jedem Staat die Gesamtzahl aller Personen mit Ausnahme der nicht besteuerten Indianer zugrunde gelegt wird. Wenn aber das Wahlrecht bei irgendeiner Wahl zur Bestimmung der Wahlmänner für den Präsidenten und Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, der Abgeordneten im Kongress, der Verwaltungs- und Justizbeamten eines Einzelstaates oder der Mitglieder seiner gesetzgebenden Körperschaft irgendwelchen männlichen Einwohnern dieses Staates, die über einundzwanzig Jahre alt und Bürger der Vereinigten Staaten sind, abgesprochen oder irgendwie beschränkt wird, außer wenn dies wegen Teilnahme an einem Aufstand oder wegen eines sonstigen Verbrechens geschieht, so ist die Grundzahl für die Vertretung daselbst im selben Verhältnis zu vermindern, in dem die Zahl solcher männlichen Bürger zur Gesamtzahl der männlichen Bürger über einundzwanzig Jahre in diesem Staate steht.

Vorschlag und Ratifizierung

Der Kongress schlug den 14. Verfassungszusatz am 13. Juni 1866 zur Ratifizierung vor. Zu dieser Zeit gab es 37 Bundesstaaten in Amerika. Die Ratifizierung (gemäß Artikel 5 der amerikanischen Verfassung) durch 28 dieser Bundesstaaten hätte diesen Verfassungszusatz gültig gemacht. Bis zum 9. Juli 1868 hatten 28 Bundesstaaten den Verfassungszusatz ratifiziert:

Jedoch verabschiedete Ohio am 15. Januar 1868 eine Resolution, die eine Rücknahme der Ratifizierung enthielt. Das Parlament von New Jersey versuchte am 20. Februar 1868 ebenso ihre Ratifizierung aufzuheben. Der Gouverneur von New Jersey legte gegen diese Rücknahme am 5. März 1868 sein Veto ein. Am 24. März 1868 setzte sich das Parlament über dieses Veto hinweg. Dementsprechend bescheinigte der Außenminister der USA, William Seward, am 20. Juli 1868, dass der Verfassungszusatz Teil der amerikanischen Verfassung werde, wenn die geplanten Aufhebungen nicht rechtskräftig würden. Der Kongress antwortete am darauffolgenden Tag, dass der Verfassungszusatz Teil der Verfassung sei, und ordnete an, dass Seward den Verfassungszusatz verkünden solle.

Währenddessen ratifizierten zwei weitere Bundesstaaten den Verfassungszusatz:

Deshalb war Seward am 28. Juli 1868 in der Lage, bedingungslos zu bescheinigen, dass der Verfassungszusatz Teil der amerikanischen Verfassung war, ohne auf die Durchsetzung der Rücknahmen durch den Kongress Rücksicht nehmen zu müssen.

Es gab schließlich weitere, rein symbolische Ratifizierungen und Rücknahmen:

Relevante Gerichtsverfahren

Siehe auch

Quellen

 Wikisource: Englischer Text des vierzehnten Verfassungszusatzes – Quellentexte
 Wikisource: Deutscher Text des vierzehnten Verfassungszusatzes – Quellentexte