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AEG

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter AEG (Begriffsklärung) aufgeführt.

Die 1887 gegründete Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) war eines der bedeutendsten deutschen Elektrounternehmen.
Die Firma wurde 1996 aufgelöst; der Markenname AEG wird jedoch bei vielen Elektroprodukten weiter benutzt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Anfänge

Die Gesellschaft verdankt ihre Entstehung Emil Rathenau, der 1883 die Patente an den Erfindungen Thomas Alva Edisons zu Glühlampen für Deutschland erwarb und dazu in Berlin, Schlegelstraße 26 eine kleine Studiengesellschaft gründete. Diese Gesellschaft wurde im selben Jahr zur Deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität.

Die Edison-Gesellschaft gründete 1884 die Städtischen Elektricitätswerke (A.G.StEW) zu Berlin (ab 1887 Berliner Elektricitäts-Werke). Die technische Ausrüstung lieferte die AEG.

Von 1883 bis 1889 war Direktor der Edison-Gesellschaft der Münchener Ingenieur und Kraftwerkspionier Oskar von Miller, der spätere Gründer des Deutschen Museums. Emil Rathenau holte 1887 Michail von Dolivo-Dobrowolsky ins Unternehmen, der als Chefingenieur der Drehstromtechnik zur praktischen Anwendung verhalf, indem er den ersten funktionsfähigen Drehstrommotor erfand. 1891 gelang Miller und Dobrovolski anlässlich der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt am Main erstmals die Übertragung von Drehstrom über eine größere Strecke: Der in einem Kraftwerk in Lauffen am Neckar erzeugte Strom wurde über eine Strecke von 175 Kilometer nach Frankfurt transportiert, wo er auf dem Ausstellungsgelände 1000 Glühlampen speiste und einen künstlichen Wasserfall antrieb. Dieser Erfolg war der Beginn der allgemeinen Elektrifizierung mit Wechselstrom in Deutschland und verhalf der AEG zum wirtschaftlichen Erfolg.

1887 erwarb die Gesellschaft in Berlin-Wedding das Areal zwischen Ackerstraße, Feldstraße, Hermsdorfer Straße (der heutigen Max-Urich-Straße) und der Hussitenstraße, auf dem sich vorher die „Weddingsche Maschinenfabrik“ von Wilhelm Wedding befand. Im gleichen Jahr erfolgte neben einer Umstrukturierung und Erweiterung der Produktionspalette die Namensänderung in Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, abgekürzt AEG. Paul Tropp und Franz Schwechten entwarfen für das Gelände den von 1888 bis 1890 errichteten fünfstöckigen Backsteinbau, der das Areal noch heute umschließt. 1894 wurde das riesige Gelände des ehemaligen Berliner Viehmarktes zwischen Hussiten- und Brunnenstraße erworben. Damit war auch ein Gleisanschluss an das Berliner Schienennetz hergestellt, eine Schienenverbindung zwischen dem Apparatewerk und dem Gelände des ehemaligen Viehmarktes existierte jedoch noch nicht. Im Jahre 1895 wurde deshalb als Verbindung zwischen den beiden Grundstücken eine Untergrundbahn in einem eigens dafür angelegten Tunnel von 270 Metern Länge angelegt. Mit seinen beiden überirdisch angelegten Endstationen diente die Bahn nur dem innerbetrieblichen Personen- und Lastverkehr. Realisiert wurde der Tunnelbau von Siemens & Halske (S&H) unter der Leitung von C. Schwebel und Wilhelm Lauter, die ebenfalls den Spreetunnel Stralau, hier dann für den öffentlichen Personenverkehr, planten.

Für den Bereich der drahtlosen Nachrichtenübermittlung (Telegraphie) gründete die AEG zusammen mit Siemens & Halske im Jahre 1903 die gemeinsame Tochterfirma Telefunken.

1907 bestellte die AEG den Architekten Peter Behrens zum künstlerischen Berater. Zuständig für die Gestaltung sämtlicher Produkte, der Werbemittel und der Architektur gilt er als der weltweit erste Corporate Designer. Die Tätigkeit der Gesellschaft erstreckte sich bald auf alle Gebiete der Starkstromtechnik, insbesondere auf die elektrische Beleuchtung, die elektrische Kraftübertragung, elektrische Bahnen, elektrochemische Anlagen, außerdem auf den Bau von Dampfturbinen, Automobilen, Kabeln und Leitungsmaterialien. In den ersten Jahrzehnten besaß die Gesellschaft zahlreiche Fabriken in und um Berlin:

Turbinenfabrik (1909)
Berlin-Moabit
Huttenstraße 12–16



Tabellarische Chronik

Gründungsjahre bis 1945

Nachkriegsjahre

Untergang

(Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf den Anteil am Konzernumsatz im Jahre 1980)

Nachleben der Marke und der Unternehmensteile

Lokomotivbau

Die AEG war im 20. Jahrhundert an der Entwicklung und Fertigung des elektrischen Teils nahezu aller deutschen elektrischen Lokomotivbaureihen beteiligt. Bei der Entwicklung des Drehstromantriebs geriet die AEG gegenüber dem Mitbewerber BBC in den 70er Jahren jedoch ins Hintertreffen. Die durch den Drehstrom-Versuchsträger 182 001 ab 1981 gewonnenen Kenntnisse führten aber zu Aufträgen für die Serienfertigung der Drehstromtechnik in den Baureihen 120 und 401 (ICE1). Erst nach der deutschen Wiedervereinigung und der Übernahme des LEW-Werkes in Hennigsdorf kehrte der Name AEG für kurze Zeit in größerem Maße in die Lokomotivfertigung zurück, bevor die „AEG Schienenfahrzeuge GmbH Hennigsdorf“ 1995 in die ABB Daimler Benz Transportation (Adtranz, heute Bombardier Transportation) umgewandelt wurde.

Flugzeugbau

Im Jahre 1910 gründete die AEG die Abteilung Flugzeugbau. Als erstes Flugzeug wurde 1912 ein reiner Holzbau nach dem Vorbild des Doppeldeckers der Gebrüder Wright gebaut. Dieses besaß eine Spannweite von 17,5 m und einen Antrieb mit einem Achtzylinder-Motor mit einer Leistung von 75 PS. Das Leergewicht des Flugzeugs betrug 850 kg, die erreichte Geschwindigkeit 65 km/h.

Ab 1912 wurden die Flugzeuge in Gemischtbauweise aus Holz und Stahlrohr mit Stoffbespannung gebaut.

Im zweiten Weltkrieg ist bei AEG für Aufklärungszwecke eine Hubschrauberplattform mit Antrieb durch einen Drehstrommotor entwickelt worden; die Stromzuführung erfolgt dabei durch drei Kabel vom Boden aus, die Plattform ist also „gefesselt“, sie kann nicht frei fliegen. Erreicht wurde nur etwa 300 m Flughöhe.

Siehe auch: Liste von AEG-Flugzeugtypen

Automobile

Die NAG (Neue Automobil Gesellschaft) baute erste NAG-Wagen nach Entwürfen von Professor Klingenberg zunächst im Kabelwerk Oberspree. Spätere Konstruktionen stammten von Josef Vollmer. 1904 wurde der Bau von Lastwagen aufgenommen. 1912 erfolgte Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und Umbenennung in „Nationale Automobil-Gesellschaft“. Unter anderen wurden folgende PKW-Modelle gebaut:

NAG Typ C4 (1920–1924)
Motor: Vierzylinder-Reihenmotor Leistung: 33 PS bei 2400 U/min Höchstgeschwindigkeit: 75-80 km/h

NAG-Sportwagen Typ C4b (1922–1926), auch als Typ „Monza“ bekannt
Motor: Vierzylinder-Reihenmotor Leistung: 45 PS bei 2700 U/min Höchstgeschwindigkeit: Über 100 km/h

NAG Typ D4 (1923–1925)
Motor: Vierzylinder-Reihenmotor Leistung: 40 PS bei 2300 U/min Höchstgeschwindigkeit:90 km/h

NAG-Protos Typ 201 und 204 (1927–1930)
Motor: Sechszylinder-Reihenmotor Leistung: 60 PS bei 3200 U/min Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h

NAG-Protos Typ 207 (1930–1932)
Motor: Sechszylinder-Reihenmotor Leistung: 75 PS Höchstgeschwindigkeit: 110 km/h

NAG V8 Typ 218 und 219 (1931–1933), Konstruktion Paul Henze
Motor: Achtzylinder-V-Motor) Leistung: 100 PS bei 3100 U/min Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h

NAG-Vorderradantriebswagen Typ 212 (1932)
Motor: Achtzylinder-V-Motor Leistung: 100 PS bei 3100 U/min Höchstgeschwindigkeit 120 km/h

NAG-Voran Typ 220 (1933/1934)
Motor: Vierzylinder-Boxermotor Leistung: 32 PS bei 3500 U/min Höchstgeschwindigkeit 95 km/h

Projektoren

Die AEG produzierte über einen längeren Zeitraum auch Filmprojektoren[1].

Literatur

 Wiktionary: AEG – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Commons: AEG – Bilder, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Kurt Enz: 100 Jahre Deutsche Filmprojektoren. Manuskriptdruck, Berlin 1996, S. 14 ff.