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Macht

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen werden unter Macht (Begriffsklärung) aufgeführt.

Macht bezeichnet die Fähigkeit von Individuen und Gruppen, das Verhalten und Denken sozialer Gruppen oder Personen - in ihrem Sinn und Interesse - zu beeinflussen.[1] Es handelt sich um einen grundlegenden sozialen Aspekt, welcher in praktisch allen Formen des menschlichen Zusammenlebens eine Rolle spielt. So führt das Sozialverhalten von Individuen in Gruppen und von Gruppen untereinander zum Entstehen von Sozialstrukturen, deren Mitglieder über unterschiedliche Einflussmöglichkeiten verfügen.

Die Machtausübung kann, muss aber nicht über Zwang erfolgen. Gewaltexzesse sind im modernen Rechtsstaat verboten. Der Begriff wird häufig in Verbindung mit Machtmissbrauch verwandt und erhält dadurch auch eine negative Konnotation. Die Anwendung physischer Gewalt ist in der demokratischen Gesellschaft im Rahmen des Gewaltmonopols an den Staat delegiert, welcher die gesellschaftlich notwendigen Polizeifunktionen ausübt. Anarchisten beispielsweise lehnen jede Art von Machtausübung ab, während Machtlosigkeit andererseits zur Handlungsunfähigkeit führen kann (siehe auch Ohnmacht). In demokratischen Systemen wird die Macht per Verfassung und Gesetz eingeschränkt.

Begriffe wie Selbstbeherrschung oder Körperbeherrschung legen nahe, dass Macht über eigene Triebe und Bedürfnisse auch in innerpsychischen Prozessen eine Rolle spielt und Ausdruck einer kulturellen Anpassungsleistung sein kann.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Im Althochdeutschen, Altslawischen und Gotischen bedeutete das Wort Macht soviel wie Können, Fähigkeit, Vermögen. Vergleichbar stammt das lateinische Substantiv für „Macht“, potentia, von dem Verb possum, posse, potui ab, welches heute mit „können“ übersetzt wird.

Macht wird im allgemeinen Sprachgebrauch oftmals dem Wortfeld des Begriffs Herrschaft zugeordnet. Wörter wie Machtapparat, Machtergreifung, Machtwechsel, Machthaber legen dieses Verständnis nahe.

Machtbasen [nach French und Raven (1959)]

Die Sozialpsychologen French und Raven[2] haben in einer heute klassischen Studie[3][4] 1959 ein Schema von fünf Kategorien entworfen, welche die verschiedenen Machtbasen bzw. Ressourcen einordnen, auf die sich der oder die Machtinhaber abstützen:

Subjekte und Institutionen

Gemäß Definition ist Macht die Fähigkeit von Personen oder Gruppen zur Einflussnahme auf Denken und Handeln von anderen. Neben individuellen Subjekten können also auch Gruppen, insbesondere organisierte Gruppen machtvoll handeln.[5] Dies können staatliche Institutionen sein wie z. B. Regierung oder Militär, die als Ordnungs- oder Schutzmacht auftreten. Zum Anderen agieren auch privatrechtliche Institutionen mit unterschiedlichem Einfluss, wie z. B. Unternehmen, insbesondere Grossunternehmen die erhebliche Wirtschaftsmacht ausüben oder Medienkonzerne die je nach Reichweite, Reputation und Glaubwürdigkeit erhebliche Wirkung entfalten, indem sie gesellschaftsbezogenen Ereignissen und Situationen kommentieren und deuten oder auch im schlimmsten Fall nur behaupten (siehe auch Medienmanipulation).

Machtfunktionen

Macht kann auf verschiedenen Wegen ausgeübt werden:[6]

Spezifischere Formen der funktionalen Machtübung lassen sich in die obige Kategorisierung einordnen; Bsp.: Nachfragemacht kann auf die Verfügungsmacht über Kapital und entsprechende Entscheidungsmacht in der Willensbildung zurückgeführt werden.

Theorien der Macht

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Machtbezogene Studien in Einzelwissenschaften

Je nach Interesse werden verschiedene Aspekte oder Phänomene der Macht zum Gegenstand der jeweiligen Untersuchung gemacht:

Macht in der Organisationstheorie

Innerhalb der Organisationstheorie definiert Henry Mintzberg Macht in Organisationen wie folgt:

„Macht ist die Fähigkeit organisatorische Ergebnisse zu bewirken oder zu beeinflussen. – Power is the capacity to effect (or affect) organisational outcomes.

Henry Mintzberg[14]

Diese auf Organisationen eingeschränkte Begriffsbestimmung kann auch bei der Betrachtung anderer Bereiche hilfreich sein. Allgemeiner sehen daher Mallory, Segal-Horn und Lovitt Macht als

„...die Fähigkeit von A, B dazu zu bringen etwas zu tun, was er ansonsten nicht getan hätte. – ...the ability of A to get B to do something they would otherwise not have done.

Mallory, Segal-Horn & Lovitt[15]

Nach Morgan[16] gibt es die folgende Quellen von Macht in Organisationen:

Morgan beschreibt in seinem Modell Organisationen in demokratischen Umfeldern. Das wird beispielsweise aus der Abwesenheit von direkter Gewalt ersichtlich, die in Organisationen zumindest historische Bedeutung hat. Andererseits sind Erweiterungen im Vergleich zum Modell von French und Raven (s.o.) zu erkennen. Im Prinzip kann für jeden Stakeholder „A“ einer Organisation ein Machtprofil aufgestellt und gegen das Machtprofil eines anderen Stakeholders „B“ abgeglichen werden, mit dem „A“ einen Konflikt hat. Dieses Modell impliziert eine sehr direkte Machtposition. Das bedeutet aber nicht, dass eine Machtposition auch ausgenutzt werden muss.

Die Entscheidung darüber, ob Macht ausgeübt wird oder nicht, ist eine politische Entscheidung. Morgan beschreibt in seinem Modell ausdrücklich Organisationen, vermutlich, weil in anderen Kontexten (Staat-Staat, Person-Staat usw.) andere Faktoren (s.o. French & Raven) hinzukommen.

Im politischen Kontext unterscheidt MacMillan[17] die Konzepte Macht

„Macht ist das Vermögen, tatsächliche Situationen umzustrukturieren. – Power is the capacity to restructure actual situations.

I.C. Macmillan

und Einfluss.

„Einfluss ist das Vermögen, die Wahrnehmung anderer zu kontrollieren und zu verändern. – Influence is the capacity to control and modify the perceptions of others.

I.C. Macmillan

Die hier sichtbar werdende Distanz wird durch das zweidimensionale Modell von Winstanley et al.[18] aufgezeigt, wo Regelmacht – die Entscheidung darüber, nach welchen Spielregeln die Organisation handelt – und operative Macht – die Macht, Entscheidungen innerhalb der Organisation zu treffen – miteinander in Beziehung gesetzt werden.

Stakeholder-Macht-Matrix operative Macht
niedrig hoch
Regelmacht hoch
(A)
Arm’s-length power


(B)
Comprehensive power

niedrig
(D)
Entmachtet


(C)
Operative Macht

A – Arm’s-length power bezeichnet die relativ kleine Macht innerhalb, aber erhebliche Macht von außerhalb der Organisationen, durch die diese beeinflusst werden kann. Stakeholder dieser Art agieren nicht selbst in einer Organisation, aber sie können die Spielregeln festsetzen.

Stakeholder mit B – Comprehensive Power können sowohl selbst agieren als auch die Spielregeln festsetzen. Typischerweise sind es Besitzer-Manager oder Führungskräfte in Staatsunternehmen. Es gibt Organisationen, wo diese Position nicht oder nur sehr schwach ausgeprägt ist.

Stakeholder mit operativer Macht können die Entscheidungen vor Ort treffen, tun dies aber nach Regeln, die anderswo (A oder B) festgelegt wurden. Sie sind Abteilungsleiter in Unternehmen, Büro- oder Fachbereichsleiter in öffentlichen Verwaltungen und Gruppenführer in NGOs usw.

Der Quadrant D bezeichnet Stakeholder die weder über operative Macht noch Regelmacht verfügen. Sie sind buchstäblich entmachtet.

Diese Analyse dient dem Vergleich von Stakeholders inner- und außerhalb von Organisationen. Zieht man die Definition von MacMillan (s.o.) heran, so kann man mit Winstanleys Modell differenzierter analysieren. Es ein typisches Werkzeug zur Analyse von Machtverhältnissen bei Veränderungsprozessen in Organisationen.


Die Macht des Individuums innerhalb einer Organisation kann über die verschiedensten Wege erwachsen, die sich häufig der direkten empirischen Untersuchung entziehen. Macht wird in der Organisationstheorie als ein aktionsbasiertes Konzept verstanden, das in enger Beziehung zum Konzept der Führung steht. Es handelt sich hierbei um einen Prozess, der situations- und umweltabhängig ausgeübt wird. In der Praxis lassen sich sowohl die Auswirkungen der Ausübung von Macht als auch deren Träger identifizieren, während sich die Quellen und Ursachen für die individuelle Machtposition nicht direkt erschließen.

Als Basis für die Macht von Gruppen oder Individuen wird in der Literatur die Kombination der individuellen Charaktereigenschaften im Zusammenspiel mit den Zusammenhängen innerhalb komplexer Organisationen und Umwelten genannt. Die Analyse und Diskussion wird dementsprechend auf den gesamten Bereich der Unternehmensführung ausgeweitet, in der die Macht als intrinsischer Bestandteil von Netzwerken angesehen wird. Die Aufgabe des Managements besteht dann darin, die verschiedenen Beziehungen nicht nur innerhalb der Organisation, sondern auch außerhalb dieser zu beeinflussen.[19]

Zitate

 Wikiquote: Macht – Zitate

Siehe auch

Einzelnachweise und Quellen

  1. Eine etwas schärfere Definition von Christine Bauer-Jelinek (Homepage) lautet: „Macht ist das Vermögen, einen Willen gegen einen Widerstand durchzusetzen.“ Siehe den Artikel Macht-Definition
  2. siehe: Artikel in der englischsprachigen Wikipedia[1]
  3. French and Raven’s Bases of Social Power in a Not-for-Profit Health Care Facility: Perceptions and Satisfaction. Dissertation Abstracts. 59, no. 07A: 2605.
  4. French, J. P. R. Jr., and Raven, B. (1960). The bases of social power. In D. Cartwright and A. Zander (eds.), Group dynamics (pp. 607–623). New York: Harper and Row
  5. Dian-Marie Hosking, Ian E. Morley; A social psychology of organizing – people, processes and contexts; Harvester Wheatsheaf (1991); ISBN 0-7450-1054-7
  6. Jeffrey Pfeffer; Das Letzte Tabu: Macht; in: Harvardmanager 4/1992
  7. Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, 1. Halbband, Tübingen 1956/1980, S. 28
  8. Dahl, Robert: The Concept of Power In: Behavioral Science, Vol. 2, no. 3 (July 1957) S. 201–215.
  9. Hannah Arendt: On Violance New York und London 1970. Dt. Macht und Gewalt. Piper, München, 1970 (15.Aufl. 2003) ISBN 3-492-01852-1
  10. Joseph S. Nye: Soft power. The means to success in world politics and understand international conflict. New York 2004, ISBN 1-58648-306-4
  11. Heinrich Popitz: Phänomene der Macht. Mohr Siebeck, Tübingen 1992, ISBN 3-16-545081-1
  12. Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens. Junfermann, Paderborn 2001, ISBN 3-87387-454-7
  13. Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik, Gütersloh 1963, S. 50
  14. Henry Mintzberg (1983) Power In and Around Organisations Englewood Cliffs, NJ, Prentice-Hall; zitiert in Geoff: Mallory, Susan Segal-Horn and Michael Lovitt (2002) Organisational Capabilities: Culture and Power; The Open University, Milton Keynes, ISBN 0-7492-9273-3; Seite 8-44
  15. Geoff: Mallory, Susan Segal-Horn and Michael Lovitt (2002) Organisational Capabilities: Culture and Power; The Open University, Milton Keynes, ISBN 0-7492-9273-3; Seite 8-44
  16. Gareth Morgan (1986) Images of Organisation, Sage, Newbury Park, Ca, zitiert in Eric Cassells (2002) Organisational Purposes and Objectives, Open University, Milton Keynes, ISBN 0-7492-3902-6; Seite 2–39 – 40
  17. I.C. MacMillan (1978) Strategy Formulation: political concepts, St Paul, MN, West Publishing;
  18. D.D. Winstanley S. Sorabji and S. Dawson (1995) When the pieces don’t fit: a stakeholder power matrix to analyse public sector restructuring, Public Money and Management, April-June, pp. 19–26
  19. Rosenfeld, R & Wilson D.: Managing Organizations, McGraw-Hill, 1999, ISBN 0-07-707643-5, S. 213

Weiterführende Literatur

 Wikiquote: Macht – Zitate
 Wiktionary: Macht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik