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Rheinisches Schiefergebirge

Das Rheinische Schiefergebirge ist als geografische und geologische Einheit ein Mittelgebirge in Deutschland (Bundesländer: Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland), Luxemburg, Frankreich und Belgien und umfasst unter diesem Begriff auch die Ardennen[1].Seine höchste Erhebung befindet sich im Taunus auf dem Großen Feldberg mit 878,5 m über NN.

Inhaltsverzeichnis

Geografische Gliederung

Überblick

Das Rheinische Schiefergebirge als mitteleuropäische Naturlandschaft wird vom Rhein in zwei Teile getrennt. Das im schematischen Landkartenbild (siehe rechts) annähernd schmetterlingsförmige Gebirge ist stark ausdifferenziert und wird unterschieden in das linksrheinische und das rechtsrheinische Schiefergebirge. Seine mittlere Höhe beträgt etwa 500 m.

Begrenzt wird das Rheinische Schiefergebirge im Westen und Südwesten vom Pariser Becken, im Süden von der Saar-Nahe-Senke, dem Mainzer Becken und der Wetterau. Den Ostrand bildet die zum Hessischen Bergland gehörende Hessische Senke. Am Nordrand sind das Niederrheinische Tiefland, die Niederrheinische Bucht und die Westfälische Bucht Teile des Norddeutschen Tieflands. Nördlich vor den Ardennen liegt unter junger Überdeckung das nur in den Tälern des südlichen Brabant aufgeschlossene altpaläozoische Brabanter Massiv.

Der Ostflügel des Rheinischen Schiefergebirges wird von der Lahn durchschnitten. Südlich der Lahn liegen Hintertaunus und Taunus, nördlich davon das Lahn-Dill-Bergland sowie der Westerwald, an den sich das Siegerland nach Norden anschließt. Das Sauerland als Zentrum des nordöstlichen Schiefergebirges mit dem Rothaargebirge als Kern des Hochsauerlandes[2] geht nach Westen in das Bergische Land über. Der östlichste Zipfel wird vom Kellerwald gebildet.

Der Westflügel des Rheinischen Schiefergebirges wird von der Mosel durchschnitten, südlich von ihr liegt der Hunsrück, nördlich davon die Eifel und die Ardennen mit dem Hohen Venn.

Neben den drei Großtal-Furchen des Rheines, der Lahn und der Mosel prägen zwei größere intramontane Becken das Landschaftsbild, das Mittelrheinische Becken zwischen Koblenz und Andernach sowie das beiderseits der Lahn um Limburg gelegene Limburger Becken. Von Norden greift die Niederrheinische Bucht entlang des Rheins weit in das Schiefergebirge ein, von Südwesten die Trierer Bucht.

Teilgebirge

Teile des Rheinischen Schiefergebirges - mit jeweiliger Maximalhöhe (Meter über NN) und Naturraum-Haupteinheit (kursiv) - sind diese Mittelgebirge:
siehe hierzu auch: Liste der Berge des Rheinischen Schiefergebirges

Linksrheinisch von Nord(west) nach Süd(ost)

Rechtsrheinisch von Nord(west) nach Süd(ost)

Fließgewässer

Das Rheinische Schiefergebirge wird unter anderem von diesen Flüssen durchflossen:

Geologie

Das Rheinische Schiefergebirge ist als Teil der Variszischen Orogenese entstanden und liegt im so genannten Rhenoherzynikum (auch rhenoherzynische Zone genannt). Es weist in Struktur und geologischer Entwicklung enge Zusammenhänge mit dem Harz im Osten und den englischen Kohlebecken in Devon, Cornwall und Pembrokeshire im Westen auf. Seine Gesteine stammen bis auf eng begrenzte Gebiete mit älteren Schichten hauptsächlich aus der Zeit des Devons und des Karbons. Randlich greifen Gesteine aus der Zeit des Perms, der Trias, des Jura und der Kreide auf das Schiefergebirge über. In den Becken im Innern des Schiefergebirges und der Niederrheinischen Bucht finden sich in größerem Umfang Sedimente der jüngeren Erdgeschichte (Paläogen und Neogen).

Vor allem in der Eifel und im Westerwald sind vulkanische Gesteine aus dem Paläogen als auch aus dem Neogen verbreitet. In der Eifel dauerte der Vulkanismus sogar bis in geschichtliche Zeit an und kann bis heute nicht als gänzlich erloschen gelten.

Gesteine

Eifelschiefer

Die Bezeichnung Schiefergebirge verleitet zwar zur Annahme, dass im Rheinischen Schiefergebirge besonders viel und fast überall Schiefer vorkommt, dies trifft allerdings nur eingeschränkt zu. Reiner Schiefer, der als Baumaterial beliebte Dachschiefer, ist nur in begrenzten Bereichen aufgeschlossen, wie z. B. im Moselgebiet und am Unterlauf des Rheins, in Teilen des Bergischen Landes oder des Siegerlandes. Die Hauptmasse der Gesteine im Schiefergebirge sind geschieferte sandige Tonsteine, Sandsteine, Grauwacken und Quarzite.

Daneben kommen in den nördlichen Ardennen, in den Eifelkalkmulden und in der Nordeifel, am Nordrand des östlichen Schiefergebirges, im Bergischen Land und im Sauerland sowie im Lahn-Dill-Gebiet in größerem Umfang Massenkalke aus dem Devon mit entsprechenden Karsterscheinungen vor. Hier haben sich oft Höhlen gebildet, so die Atta-Höhle in Attendorn, die Balver Höhle und die Reckenhöhle bei Balve oder die Kubacher Kristallhöhle bei Weilburg. Der Kalkstein ist in diesen Gebieten immer noch ein wichtiger Rohstoff und wird in zum Teil sehr großen Steinbrüchen abgebaut. Dies betrifft vor allem den nördlichen Massenkalkzug von den Ardennen über die Eifel, Wülfrath, das Hönnetal und Warstein bis hin nach Brilon. Im Bereich der mittleren Lahn ist der so genannte Lahnmarmor, ein polierfähiger Massenkalk, von Bedeutung.

Vulkanische Gesteine wie Basalt, Tuffstein und Bims sind in der Vulkaneifel, im Siebengebirge und im Westerwald weiter verbreitet, sie wurden im Paläogen und Neogen auf dem alten Gebirgsrumpf des Schiefergebirges abgelagert. Auch im Lahngebiet werden vulkanische Gesteine abgebaut, diese stammen aus dem Devon und Karbon und sind allerdings wesentlich älter als die von Vulkaneifel, Westerwald und Siebengebirge. In der Umgebung des Westerwaldes befinden sich die großen Ton-Lagerstätten des Kannenbäckerlandes. Kiese und Sande spielen im Schiefergebirge eine nur untergeordnete Rolle, nur im Mittelrheintal sind nennenswerte Vorkommen erhalten.

Geologische Struktur

Das Rheinische Schiefergebirge umfasst von Norden nach Süden folgende Struktureinheiten:

Die Hunsrück-Taunus-Südrandstörung begrenzt das Rheinische Schiefergebirge beidseits des Rheins. Sie wird als Sutur interpretiert und stellt die Nahtstelle zum Saxothuringikum dar.

Geologische Entwicklung

Paläogeographische Rekonstruktion Mitteldevon. Die Bezeichnung Rhenohercynian zeigt den Ablagerungsort des späteren Schiefergebirges

Die Gesteine des Rheinischen Schiefergebirges wurden in einem sich ab dem Unterdevon sich entwickelnden Ozean abgelagert. Durch Dehnung des passiven Kontinentalrands von Laurussia (Old-Red-Kontinent) entstand ein nach Süden zunächst tiefer werdendes Ozeanbecken, dessen südlicher Rand von einem heute südlich der Mosel und und der Sieg liegenden und damals zumindest teilweise aus dem Ozean ragenden Hochgebiet gebildet wurde. Vom Devon bis zum Beginn des Oberkarbons wurden in diesem Ozean flach marine klastische und karbonatische Sedimente sowie nur regional bedeutsame vulkanische Gesteine mit einer Gesamtmächtigkeit zwischen 3 und 12 km ablagert. Im äußersten südlichen Schiefergebirge ist in Hunsrück und Taunus der abermalige Übergang in den tieferen Ozean erhalten. Am Ostrand des Schiefergebirges bei Gießen liegen in der Gießener Decke auf den Gesteinen des Rhenoherzynikums die Reste eines ehemals südlicher liegenden ozeanischen Beckens. Dessen Öffnung begann mit dem unteren Mitteldevon, seine komplette Schließung wird in das frühe Unterkarbon datiert.

Im Unterkarbon wurde das gesamte Gebiet von der variszischen Gebirgsbildung erfasst. Die abgelagerten Gesteine wurden verfaltet, verschuppt und zu einem großdimensionalen Deckenstapel zusammen geschoben. Teile des Schiefergebirges unterlagen einer von Norden nach Süden zunehmenden Metamorphose. Vor der Front der nach Norden wandernden Gebirgsbildung lagerten sich Flysch-Gesteine ab, die nach Norden ein immer jüngeres Alter aufweisen. Das durch radiometrische Alterbestimmungen an charakteristischen Mineralen bestimmbare Alter der Metamorphose nimmt ebenfalls von etwa 340 – 320 Mio. Jahren im Süden bis auf etwa 305 – 290  Mio. Jahren im Norden ab.[3]

Das Ende der Gebirgsbildung wurde begleitet von der Bildung einer im Norden des Gebirges gelegenen Saumsenke und der Sedimentation der oberkarbonischen Molasse mit einer klastischen Folge mit über 100 Kohlenflözen. Die Molassesedimentation setzte sich stellenweise bis in das Untere Perm fort, wie dies in kleineren Vorkommen im Graben von Malmédy, bei Menden sowie in der Wittlicher Senke dokumentiert ist. Das Gebirge wurde bis zum Ende des Perm weitgehend abgetragen und zu einem kaum über die Umgebung herausragenden Flachland eingeebnet. Neben den grabenbildenden Bruchstrukturen entstanden nach der variszischen Orogenese zahlreiche linienförmige und mit SE-NW-Richtung meist quer zu den Faltenstrukturen verlaufende Bruchstörungen, die das alte Gebirge zerblockten und an denen sich an zahlreichen Stellen gangförmige Mineralisationen bildeten.

Seit dem Perm blieben Ardennen und Schiefergebirge im Wesentlichen ein Landgebiet. Randliche Übergriffe verschiedener Meeresvorstöße lassen sich zumeist an den Rändern des Gebirges nachweisen. Folgende Gebiete weisen Reste jüngerer Ablagerungen auf:

Im Quartär stieg das Rheinische Schiefergebirge langsam auf. In die ursprüngliche flachwellige Ebene schnitten sich die Bäche und Flüsse allmählich ein, bildeten die heute noch sichtbaren verschiedenen Hangterrassen und erzeugten das heutige Bild des Schiefergebirges mit tiefen Tälern und plateauartigen Höhenzügen.[4] Vor etwa 500.000 Jahren[5] begann die heute noch andauernde letzte Phase des Vulkanismus der Ost- und Westeifel. Die letzten Vulkanausbrüche wurden von den Menschen der Steinzeit miterlebt, welche diese Gegend schon seit etwa 600.000 Jahren bewohnten.[6] Überreste steinzeitlicher Siedlungen und auch Teile eines menschlichen Skeletts wurden im Neuwieder Becken unmittelbar unter den mächtigen Bims-Decken gefunden, welche die katastrophalen Ausbrüche der Osteifel-Vulkane überliefern.[7] Noch heute zeugen zahlreiche Säuerlinge, heiße Quellen und Gasaustritte von den schlummernden vulkanischen Kräften.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Schmidt et al. 1975, S.75
  2. Schmidt et al. 1975, S.80
  3. Walter 1992, S. 168
  4. Landschaftsgeschichte im Ösling mit Trickfilm zur Talentstehung
  5. Walter 1992, S.185
  6. Meyer 1986, S.477
  7. Meyer 1986, S.481
 Wiktionary: Rheinisches Schiefergebirge – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik