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Christian Lehmann

Dieser Artikel behandelt den Erzgebirgschronisten Christian Lehmann. Für den Kirchenmusiker siehe Christian Lehmann (Komponist).

Christian Lehmann (* 11. November 1611 in Königswalde; † 11. Dezember 1688 in Scheibenberg) war Pfarrer und einer der bedeutendsten Chronisten des Erzgebirges.

Inhaltsverzeichnis

Eltern

Christian Lehmann wurde am 11. November 1611 in Königswalde bei Annaberg geboren. Drei Jahre vorher hatte sein Vater Theodosius Lehmann im Alter von 27 Jahren die dortige Stelle als Pfarrer angetreten. Im Mai 1612 zog die Familie nach Elterlein, wo Theodosius das Pfarramt übernahm und dessen Frau und Christians Mutter Susanna bereits 1615 starb.

Kindheit und Jugend

Die Kindheit Lehmanns war vom 30-jährigen Krieg geprägt. Ab 1621 besuchte er die Fürstenschule St. Afra in Meißen und ging 1625 (?) auf Wunsch seines Vaters auf das Gymnasium in Halle, wo er sich als Kurrendaner seinen Lebensunterhalt mitverdienen musste . Durch die Pest wurde er aus der Stadt vertrieben und kam über Guben nach Stettin, wo er seine Schulbildung fortsetzte.

Leben

Nachdem er zunächst als Hauslehrer beim Pfarrer von Löcknitz tätig gewesen war, wurde er kurz vor Ostern 1633 als Hilfsgeistlicher zu seinem Vater nach Elterlein berufen. Zwei Jahre darauf heiratete er die Tochter des Elterleiner Stadtrichters, Euphrosina Kreusel, die ihm zehn Kinder, darunter die Söhne Theodosius (1640), Christian (1642) und Immanuel (1645), gebar.

1638 trat Lehmann die Stelle als Pfarrer in Scheibenberg an, wo er die Auswirkungen des Krieges erlebte. Er floh mehrmals mit der gesamten Gemeinde vor kaiserlichen und schwedischen Soldaten in die umliegenden Wälder, wo er auch Gottesdienste abhielt, Kinder taufte und Ehen schloss. In den Pestjahren 1639 und 1680 musste er mehr als 100 Menschen seiner Gemeinde begraben, die der Seuche zum Opfer gefallen waren.

1668 verschlechterte sich der Gesundheitszustand Lehmanns so sehr, dass ihm sein Sohn Christian als Substitut zur Seite gestellt wurde. 1675 fühlte sich Christian Lehmann wieder kräftig genug, um die Stelle bis zu seinem Tode wieder komplett selbst ausfüllen zu können. Nachdem 1686 seine Frau Euphrosina das Zeitliche gesegnet hatte, starb Lehmann am 11. Dezember 1688 nach 51 Jahren Pastorentätigkeit in Scheibenberg im Alter von 77 Jahren und wurde auf dem Kirchhof bestattet. Heute befindet sich sein Grabstein im Inneren der Scheibenberger Kirche

Als Seelsorger erlebte und überlebte Christian Lehmann 32 Truppendurchzüge, 20 Einquartierungen und immerwiederkehrende Überfälle. Die Ereignisse des 30-jährigen Krieges, der aus den Nöten der Zeit wachsenden Aberglaube und seine zahllosen Naturbeobachtungen wurden Teil seiner detaillierten Aufzeichnungen.

Der Sammler, Zuhörer und Chronist Lehmann

In der Zeit der Spätrenaissance, als viele Fürsten und wohlhabende Bürger sich im aufkommenden Zeitalter der Aufklärung mit einem Kuriositätenkabinett schmücken, nutzte der Gelehrte Lehmann jede sich ergebende freie Zeit für seine Forschung nach "merkwürdigen" Ereignissen in seiner Heimat. Er durchsuchte Manuskripte, alte Bücher, durchwanderte das (damals unsichere) Erzgebirge, erforschte die Natur, unterhielt sich mit Pfarrern, Hammerherren, Amtsleuten sowie einfachen Köhlern, Klöpplerinnen, Kräuterweibern und Bergleuten. Die Ergebnisse zeichnete er in seinen Manuskripten auf, die er selbst nie veröffentlichte. Einige seiner Manuskripte wurden erst von seinen Erben in Druck gebracht.

Seine Aufzeichnungen spiegeln Heimatverbundenheit, die Lust am Sammeln, das Interesse an Merkwürdigkeiten und die genaue Beobachtungsgabe Lehmanns wider. Er erforschte sorgfältig und schrieb es so unverfälscht nieder, wie es ihm zugetragen wurde. Sie sind ein Spiegel der Lebensverhältnisse, des Kriegsleids, des Aberglaubens und der Sagenwelt des Erzgebirges. Lehmann gilt damit als wichtigster Chronist des Erzgebirges. Einige der mystischen (nach Carl Maria von Weber sehr deutschen) Sagenmotive der Zeit bilden z.B. auch die Inspiration der ersten deutschen Volksoper Der Freischütz.

Weiterbearbeitung seiner Werke

Am Buch Historischer Schauplatz haben alle seine Söhne bis zur Herausgabe durch Johann Christian mitgewirkt. Es muss als Familienwerk angesehen werden, da nicht nachvollziehbar ist, von welchem Lehmann die Textpassagen stammen. Es ist anzunehmen, dass auch seine anderen Werke von seinen Söhnen nachbearbeitet wurden.

Werke

Literatur und Quellen


Personendaten
Lehmann, Christian
Chronist Pfarrer
11. November 1611
Königswalde
11. Dezember 1688
Scheibenberg