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Werner Spies

Werner Spies (* 1. April 1937 in Tübingen) ist ein deutscher Kunsthistoriker, Romanist, Journalist, Kunstvermittler und Museumsdirektor. Er publizierte zahlreiche Monographien zur Kunst des 20. Jahrhunderts, betreute Ausstellungen zum Surrealismus und den Künstlern Max Ernst und Pablo Picasso und ist Kunstkritiker bei der FAZ. Der international renommierte Kunstwissenschaftler hat maßgeblich dazu beigetragen, daß sich die Klassische Moderne in Deutschland durchsetzen konnte. Als Kunstvermittler versteht er, das Werk bedeutender Künstler der Moderne in Monographien einem großen Publikum anschaulich nahezubringen, darunter das Werk von Max Ernst oder Pablo Picasso.


Inhaltsverzeichnis

Leben

Werner Spies besuchte als Sohn eines Rottenburger Volkschuldirektors die Volksschule in Rottenburg am Neckar; ab dem Jahr 1952 das Albertus-Magnus-Gymnasium in Rottweil. Als Abiturient gibt er als Berufswunsch Kulturschriftsteller an.

In den Jahren 1956-1958 war er Volontär bei der in Rottweil erscheinenden Zeitung „Schwarzwälder Volksfreund“. Im Jahr 1958 arbeitete er als Redakteur für das Feuilleton der Stuttgarter Zeitung.

Er studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Romanistik in Wien, Tübingen und Paris und promovierte bzw. habilitierte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn bei dem Kunsthistoriker und Rektor der Kunstakademie Düsseldorf Eduard Trier.

In Paris lernte er nach dem Zweiten Weltkrieg als Literaturagent und Lektor zahlreiche französische Autoren wie Samuel Beckett, Nathalie Sarraute, Michel Butor, Alain Robbe-Grillet, Claude Simon, Marguerite Duras, Francis Ponge, Robert Pinget und Monique Wittig kennen. In kürzester Zeit war er in der Pariser Literaturszene akzeptiert. Seit 1960 in Paris wohnhaft, ließ er sich dort im Jahr 1962 nieder und arbeitete als Kulturkorrespondent für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Er beeinflusste „… mit seinem prägnanten Argumentationsstil eine ganze Generation von Kunsthistorikern[1]“.

Für den Süddeutschen Rundfunk gab er bei ihm bekannten und befreundeten Schriftstellern eigens für den Hörfunk erstellte Prosatexte in Auftrag, denn die bisherigen Hörfunkbearbeitungen missfielen ihm. In dieser Zusammenarbeit entstand beispielsweise das erste Hörspiel Samuel Becketts für den deutschen Rundfunk.

Als Übersetzer übertrug Werner Spies Werke von Alain Robbe-Grillet, Marguerite Duras, Francis Ponge und Jean Tardieu. Die Begegnungen mit Daniel-Henry Kahnweiler und Pablo Picasso wirkten sich entscheidend auf sein weiteres Leben aus. Mit Max Ernst, den er im Jahr 1966 kennenlernte, verband ihn bis zu dessen Tod im Jahr 1976 eine tiefe Freundschaft. Werner Spies beschloss sein Studium mit einer Dissertation über die Collagen von Max Ernst.

Lehre, Kuratorenamt und Herausgeberschaft

In den Jahren 1975 bis 2002 hatte Werner Spies den Lehrstuhl für Kunst des 20. Jahrhunderts an der Kunstakademie Düsseldorf inne.

Von 1997 bis zum Jahr 2000 war er als erster Deutscher Direktor des Centre Beaubourg, dem heutigen Centre Georges Pompidou in Paris und war dort verantwortlich für die Neugestaltung des Musee National d`Art Moderne und für die Präsentation der Sammlungen. Seine Ernennung zum Museumsdirektor führte zu einem großen Medienecho, da eine solche Position im französischen Museumswesen eigentlich Karrierediplomaten vorbehalten ist.

Für das Centre Georges Pompidou organisierte er die Ausstellungen „Max Ernst, sculptures, maisons, paysages“ im Jahr 1998, „Picasso sculpteur“ im Jahr 2000 und „La Révolution surréaliste“ im Jahr 2002, die anschließend in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf gezeigt wurde. Werner Spies ist Vorsitzender des Stiftungsrates und des Kuratoriums der „Stiftung Max Ernst“ in Brühl und verantwortlich für das am 4. September 2005 in Brühl eröffnete Max-Ernst-Museum.

Im Auftrag von Max Ernst und der „Menil Foundation“ in Houston/Texas betreute er gemeinsam mit Sigrid und Günter Metken als Herausgeber den Oeuvrekatalog von Max Ernst. Die Künstler Pablo Picasso und der Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler beauftragten ihn den Oeuvrekatalog der Skulpturen Picassos zu erstellen. Im Jahr 1968 war Werner Spies Mitglied der Jury der 4. documenta. Als Kommissar der „Ausstellung Max Ernst“ im Grand Palais in Paris war er im Jahr 1975 tätig, im Jahr 1978 kuratierte er seine erste eigene Ausstellung „Paris-Berlin 1900-1933“ im Centre Beaubourg, dem heutigen Centre Georges Pompidou. Er organisierte zahlreiche Ausstellungen, so über den deutschen Künstler Josef Albers, über Max Ernst und zu den Skulpturen, Aquarellen, Pastellen und Zeichnungen von Picasso. Weitere Picasso-Ausstellungen fanden zu den Themen „Die Zeit nach Guernica“ oder ”Picasso – die Welt der Kinder“ statt. Die Retrospektive zu Max Ernst im Metropolitan Museum of Art in New York des Jahres 2005 betreute er ebenfalls. Im Jahr 2006 ist Werner Spies für die Ausstellung „Picasso- Malen gegen die Zeit- 200 Bilder, Skulpturen, Zeichnungen“ in der Albertina in Wien zuständig; diese Ausstellung wird anschließend in der „Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen“ in Düsseldorf gezeigt.

Werner Spies hat zahlreiche bedeutende Aufsätze in der FAZ publiziert, und dies seit über 40 Jahren. Einige davon erschienen zwischen September 1998 und Oktober 2004, leicht überarbeitet unter dem Titel "Duchamp starb in seinem Badezimmer an einem Lachanfall - Portraits (Edition Akzente), hrsg. von Michael Krüger), Carl Hanser Verlag, München/Wien 2005.

Werner Spies war mit Max Ernst eng befreundet und zählt zu den Wenigen, die Pablo Picasso persönlich kannten.

Werner Spies ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Ehrungen

Werner Spies bekam zahlreiche Preise verliehen; so den „Johann-Heinrich-Merck-Preis“ der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die „Wilhelm Hausenstein-Ehrung“ der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und den „Premio internazionale arte et letterature Sergio Polillo“, der in Bergamo verliehen wird. Im Jahr 2001 wurde ihm die Goethe-Medaille verliehen, im Jahr 2003 erhielt er den „Elsie-Kuhn-Leitz-Preis“ der deutsch-französischen Gesellschaften und den Preis der Art Cologne.

Die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin wurde Werner Spies im Mai des Jahres 2003 verliehen, im Februar 2005 folgte der Ehrendoktor der Universität Tübingen.

Zudem trägt Werner Spies noch die Titel eines „Commandeur des Arts et des Lettres“ und eines „Commandeur de l’Ordre national du Mérite“; er ist Offizier der französischen Ehrenlegion und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes sowie des Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Quellen

  1. Ehrendoktorwürde für Werner Spies

Werke (Auswahl)

Sekundärliteratur

http://www.swr.de/kulturcafe/archiv/2005/08/27/beitrag1.html?navigid=193

Personendaten
Spies, Werner
Kunsthistoriker, Journalist und Museumsdirektor
1. April 1937
Tübingen