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Pentarchie

Pentarchie (griechisch: Fünfherrschaft) bezeichnet im Allgemeinen eine Regierung, die aus fünf Machthabern besteht.

Im Besonderen aber ist die Pentarchie eine Form des Gleichgewichts der Kräfte bzw. die gemeinsame Herrschaft von fünf Mächten (Konzert der Großmächte), wie sie im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts vorkam.

Inhaltsverzeichnis

Pentarchie in Europa

Durch seinen Sieg im Siebenjährigen Krieg hatte sich Preußen neben Frankreich, England (Großbritannien), Russland und Österreich als fünfte Großmacht durchgesetzt. Vermeintlich endete damit die seit 1659 vorherrschende Position Frankreichs in Europa, obwohl es die stärkste Großmacht blieb, fortan schien keine der fünf Mächte allein stark genug, die anderen als Supermacht zu dominieren, was den Frieden in Europa zumindest bis zum Ausbruch der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege (Koalitionskriege) förderte. Allerdings ist die Entstehung einer echten Pentarchie bereits im späten 18. Jahrhundert sehr umstritten, da die Ebenbürtigkeit der fünf Großmächte so noch nicht gegeben war. Insbesondere Frankreich stellte weiterhin den mit Abstand stärksten militärischen Block dar, während Preußen deutlich die kleinste Großmacht war.

Nach Napoleons Niederlage 1815 stellte sich auf dem Wiener Kongress endgültig eine Pentarchie ein, da nun ein wirksamer Ausgleich der Kräfte möglich war. Den rivalisierenden vier anderen Mächten lag weniger an einem geschlagenen als einem geschwächten, in seiner Eigenschaft als Verbündeter aber für die anderen sehr unangenehmen Frankreich. Die Heilige Allianz aber sollte Frankreich kontrollieren und dieses Gleichgewicht somit garantieren. Mit dem Zusammenbruch der Heiligen Allianz in der Orientalischen Krise 1840 bzw. der Revolution 1848/49 sowie durch die Einigung bzw. den Aufstieg Italiens ab 1861 brach das Prinzip der europäischen Pentarchie zusammen.

Die fünf Männer der italienischen faschistischen Partei (Pnf), die die Aufgabe hatten, die Kandidaten des Listone Mussolini (Lista Nazionale) für die Parlamentswahlen im April 1924 zusammenzustellen, wurden auch die Pentarchia genannt. [1].

Pentarchie in der Welt

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Untergang Österreichs schien sich in Europa zwar erneut eine Pentarchie zwischen Frankreich, Deutschland (anstelle Preußens), der Sowjetunion (anstelle Russlands), Großbritannien und Italien herauszubilden, außerhalb Europas aber mischten noch zwei weitere Großmächte (USA und Japan) im "Konzert der Großmächte" mit. Europa hatte die Vorherrschaft über die Welt weitestgehend verloren.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges dominiert bzw. blockiert im UN-Sicherheitsrat eine "Pentarchie" der Siegermächte USA, Sowjetunion (heute: Russland), Großbritannien, Frankreich und China die Weltgemeinschaft. Diese fünf Mächte verfügen jeweils über ein Vetorecht und sind zudem Atommächte.

Pentarchie in einzelnen Ländern

Im nationalen Sinne wurden und werden auch Regierungskoalitionen bzw. Parteienverhältnisse als Pentarchie bezeichnet, so z.B. in Italien. In Deutschland herrscht seit der Einheit 1990 und dem Einzug der PDS bzw. der Linkspartei in den Bundestag eine Pentarchie "etablierter" Parteien, die eine absolute Mehrheit verhindert.

Pentarchie im frühen Christentum

In der Kirchengeschichte versteht man unter Pentarchie die vom byzantinischen Kaiser Justinian I. kodifizierten fünf Patriarchate des frühen Christentums:[2]

  1. Rom, gegründet durch die Apostel Petrus und Paulus, aus dem das römisch-katholische Papsttum hervorging,
  2. Konstantinopel, gegründet durch den Apostel Andreas, das führende Bistum der Orthodoxen Kirchen,
  3. Alexandria, gegründet durch den Evangelisten Markus, Ursprung der Koptischen und Äthiopisch-Orthodoxen Kirchen,
  4. Antiochia, gegründet durch die Apostel Petrus und Paulus, hieraus entwickelten sich die Syrische und die Armenische Kirche,
  5. Jerusalem, gegründet durch alle Apostel in der allen Christen gleichermaßen heiligen Stadt.

Siehe auch

Quellen

  1. LA CHIESA E LA DITTATURA Le prime elezioni fasciste dell’aprile 1924
  2. Rainer Hermann: "Petrus bei Andreas". In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2006, Seite 3. [1]