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Nero Wolfe

Nero Wolfe ist eine Romanfigur von Rex Stout. Er ist ein New Yorker Privatdetektiv. Geschrieben sind die Nero-Wolfe-Erzählungen immer aus der Sicht von Wolfes Assistenten Archie Goodwin als Ich-Erzähler.

Inhaltsverzeichnis

Nero Wolfes Detektei

Nero Wolfe ist mit 140 kg ein übergewichtiger Privatdetektiv montenegrinischer Herkunft, der in einem Backsteinhaus in der 35. Straße in New York residiert. Er ist auf Mordfälle spezialisiert, die er gegen gigantische Honorare vorwiegend vom Schreibtisch aus löst. Er verlässt fast nie sein Haus und pflegt seinen Kontakt mit der Außenwelt durch seinen Mitarbeiter Archie Goodwin. Dieser hat sich an die exzentrische Lebensführung (strikte Arbeitszeiten, keine geschäftlichen Gespräche während des Essens, Frauenhasser usw.) seines Chefs gewöhnt. Beruflich kommt Wolfe dem New Yorker Morddezernat, im besonderen Inspektor Cramer und Sergeant Purley Stebbins, in die Quere. Seine Leidenschaft ist seine Orchideenzucht, gutes Essen, Literatur und Biertrinken. Frauen kann Nero Wolfe nicht ausstehen, besonders wenn sie in seinem Büro in hysterische Anfälle ausbrechen. Trotzdem hat er laufend weibliche Klienten.

Compose yourself, Archie. Why taunt me? Why upbraid me? I am merely a genius, not a god.
(Nehmen Sie sich zusammen, Archie. Warum verspotten Sie mich? Warum machen Sie mir Vorwürfe? Ich bin bloß ein Genie, kein Gott!)
Nero Wolfe in Die Lanzenschlange (1934, der erste Wolfe-Roman).

Bei Wolfe wohnen Archie Goodwin, sein Sekretär, Buchhalter, Laufbursche und Hofnarr, ferner Fritz Brenner, ein Schweizer Koch, der für exquisite Mahlzeiten sorgt, sofern Wolfe nicht im Restaurant "Rusterman's" speist, und der alte Gärtner Theodore Horstman, der für das Wohl der Orchideen zuständig ist.

Zu Nero Wolfes freien Mitarbeitern zählen die Privatdetektive Saul Panzer, Fred Durkin, Orrie Cather und Johnny Keems. In mehreren Fällen beschäftigt er zusätzlich die Privatdetektivin Theodolinda (Dol) Bonner und deren Assistentin Sally Colt. Saul Panzer ist der beste von allen, und Archie Goodwin wird gelegentlich dadurch brüskiert, dass Nero Wolfe Saul Panzer einen interessanten Auftrag erteilt und ihn selbst mit Routineangelegenheiten abspeist.

In P.H. antwortet nicht wird der Mitarbeiter Johnny Keems bei seinen Recherchen umgebracht. Orrie Cather gerät in Leiche im besten Verhältnis in eine Bredouille und in Tödliche Zigarren wird er von Goodwin, Panzer und Durkin in den Selbstmord getrieben.


Weitere Figuren

Obwohl Nero Wolfe alle juristischen Spitzfindigkeiten kennt und ausnützt, greift er auf den Rechtsanwalt Nathaniel Parker zurück, wenn ein offizieller Rechtsvertreter tätig werden muss.

Wenn Nero Wolfe mit der New Yorker Mordkommission zu tun hat, sieht das in der Regel so aus, dass Inspektor Cramer sich bei Wolfe einfindet, und in dem roten Ledersessel seines Büros ein Streitgespräch führt. Dabei hat er dann regelmäßig eine Zigarre im Mund, die er aber nicht raucht, sondern auf der er nur herumkaut.

Archie Goodwin hingegen wird regelmäßig von der Polizei vorgeladen oder als wichtiger Zeuge oder Verdächtiger verhaftet. Archie Goodwins Gegenpart in der aktiven Ermittlung ist gewöhnlich Sergeant Purley Stebbins.

Zeitweise tritt bei der Mordkommission auch Lieutenant George Rowcliff auf. Im Gegensatz zur Cramer und Stebbins, die mit Wolfe zwar oft im Streit liegen, seine Fähigkeiten aber anerkennen, hasst Lt. Rowcliffe sowohl Wolfe als auch Archie Goodwin und bemüht sich in mehreren Fällen, beide ins Gefängnis zu bekommen. Rowcliff bedient in Stouts Romanen das Klischee des dummen, primitiven Polizisten.

Typisch für fast alle Fälle von Nero Wolfe ist die Auflösung der Fälle in Form einer inszenierten Zusammenkunft aller Verdächtigen und Kriminalbeamten in Wolfes Büro, bei der der Täter in Form eines langen Schlussplädoyers entlarvt wird. Eine einfache Anzeige bei der Polizei würde dem (honorarträchtigen) Nimbus des genialen Nero Wolfe zuwiderlaufen.

Archie Goodwins Dauerfreundin Lily Rowan, eine reiche Erbin, tritt erstmals in Der rote Bulle auf. In den meisten späteren Romanen kommt sie als Nebenfigur vor.

Das noble Restaurant "Rusterman's" wird von Wolfes Landsmann und Freund Marko Vukcic geführt. William S. Barring-Gould "behauptet", Marco in sei Wolfe's Bruder [1]. Dies ist aber unter Wolfe-Fans höchst umstritten. Nach Vukcics Ermordung in Nero Wolfe in Montenegro verwaltet es Wolfe Rustermans zunächst als Treuhänder.

Lon Cohen ist Redakteur (später Chefredakteur) bei der Tageszeitung Gazette. Er ist ein Freund Archie Goodwins, spielt mit ihm in unregelmäßigen Abständen Poker und tauscht mit ihm Informationen aus, die Wolfe bei seinen Nachforschungen weiterhelfen und Lon im Gegenzug zu Exklusivberichten verhelfen.

In drei Romanen bekommt es Nero Wolfe mit dem Verbrecherboss Arnold Zeck zu tun, der sich punktuell durch Nero Wolfes Nachforschungen gestört fühlt. In Das zweite Geständnis zerschießt er Wolfes Gewächshaus, nachdem sich dieser über seine Drohungen hinwegsetzte, ersetzt ihm aber später wieder den Schaden. In Sogar in den besten Familien wird Zeck durch Wolfe und Goodwin zur Strecke gebracht.

Und dann sind da noch...

Das Werk

In den Geschichten ist sehr oft vom Essen die Rede, denn Stout ist ebenfalls besessen vom Einkaufen und der Auswahl der Zutaten und vom Zubereiten der Mahlzeiten.

Stouts Stärke sind seine amüsanten und geistreichen Dialoge und die juristischen Winkelzüge von Wolfe. Die Verdächtigen bekommen immer ein wenig psychologisches Profil und wirken dadurch lebensecht. Als Schwäche gilt vielen die Entwicklung der Handlung, die sich gelegentlich in langatmige Details wie Routinebefragungen oder erfolglose Ermittlungen (z.B. in "Nero Wolfe in Montenegro") verliert, sowie die Mordmotive, die oft gar nicht erläutert werden (z.B. in der "Lanzenschlange") oder sehr unglaubwürdig sind.

In "Treffpunkt Sackgasse" wird z.B. ein ehrbarer Bürger bloß deswegen zum Mörder, weil jemand falsche Gerüchte in die Welt setzte, in "Gambit" tötet ein angesehener Bürger kaltblütig einen Fremden, um den Ehemann einer Frau hinter Gitter zu bringen, die er verehrt, die jedoch seine Gefühle gar nicht erwidert. Anschließend begeht er einen weiteren Mord, damit ihn das Opfer bei seiner Angebeteten nicht in Verdacht bringen kann!

Bibliographie

Nero-Wolfe-Romane (chronologisch)

Kurzgeschichten (Sammelbände)

Nicht alle englischen Sammelbände wurden übernommen, es existieren zahlreiche andere Zusammenstellungen und Einzelveröffentlichungen.

(Auf Rex Stout Kurzgeschichten US-Ausgaben befindet sich eine Übersicht der US-Sammelbände mit Einzeltiteln. Weblinks führen zu den Einzelgeschichten, in der sich auch Hinweise zu Deutschen Sammelbänden finden)

Filme mit Nero Wolfe

Weiterführende Literatur zu Nero Wolfe

  1. vgl. William S. Barring-Gould: Nero Wolfe of West Thirtyfifth Street, 1969, deutsch 1972, Seite. S 87 ff