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Biedenkopf

Dieser Artikel behandelt die hessische Stadt Biedenkopf. Für den deutschen Politiker siehe Kurt Biedenkopf.
Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 50° 55′ N, 8° 32′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Marburg-Biedenkopf
Höhe: 261-674 m ü. NN
Fläche: 90,33 km²
Einwohner: 13.562 (30. Juni 2007)
Bevölkerungsdichte: 150 Einwohner je km²
Postleitzahl: 35216
Vorwahl: 06461
Kfz-Kennzeichen: MR (bis 30. Juni 1974 BID)
Gemeindeschlüssel: 06 5 34 004
Stadtgliederung: 9 Ortsteile bzw. Stadtbezirke
Adresse der Stadtverwaltung: Hainstraße 63
35216 Biedenkopf
Webpräsenz:
www.biedenkopf.de
Bürgermeister: Karl-Hermann Bolldorf (CDU)
Lage der Stadt Biedenkopf im Landkreis Marburg-Biedenkopf

Der Luftkurort Biedenkopf ist eine Stadt im westlichen Hessen (Deutschland).

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage

Die Stadt Biedenkopf liegt im westlichsten Teil des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Umgeben von bis zu 674 m hohen Bergen (Sackpfeife) liegt sie am Oberlauf der Lahn. Zusammen mit 18 anderen Kommunen gehört sie zur Region Lahn-Dill-Bergland.

Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Biedenkopf. Sie werden nach dem Uhrzeigersinn im Norden beginnend genannt: Die Städte Hatzfeld und Battenberg im Kreis Waldeck-Frankenberg, im Landkreis Marburg-Biedenkopf die Städte Münchhausen und Wetter und die Gemeinden Dautphetal und Breidenbach sowie die Städte Bad Laasphe und Bad Berleburg im Kreis Siegen-Wittgenstein.

Stadtgliederung

Die Stadt gliedert sich in die Stadtteile Biedenkopf, Breidenstein, Dexbach, Eckelshausen, Engelbach, Katzenbach, Kombach, Wallau und Weifenbach.

Geschichte

Erstmals wurde Biedenkopf 1196 erwähnt, als ein Harmouthdus von Biedencaph als Ministeriale des Kölner Erzbischof auftrat. Die Familie von Biedencap(h) entstammt der von Hohenfels und erbaute einen Vorgängerbau des Schloss Biedenkopf.

Um 1231 gelangte diese Burg in den Besitz von Landgraf Konrad von Thüringen, der die Stadt Biedenkopf unterhalb der Burg anlegen ließ. 1302 wurde Biedenkopf Sitz eines eigenständigen Amtes der Landgrafen von Hessen, die die Stadt jedoch häufig verpfändeten.

In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde eine Eisenbahnstrecke geplant. Es kam jedoch nicht sofort zum Bau, weil unter anderem 1873 eine sehr schlechte Konjunktur herrschte. Der Bau begann erst 1880; die Streckeneröffnung fand am 19.März 1883 statt.

Nach dem Krieg 1868 bzw. 1870/71 gegen Frankreich wurde am Marktplatz ein Kriegerdenkmal errichtet. Es ist bis heute in einem sehr guten Zustand.

Um 1933 war Hessen eine Hochburg der NSDAP; deshalb bekam Adolf Hitler im Jahr 1933 die Ehrenbürgerschaft verliehen. Diese wurde ihm – kurioserweise zweimal – aberkannt: 1946 und 2007. Als die alliierten Truppen im Zweiten Weltkrieg Biedenkopf erreichten, gab man den Befehl, die Stadt zu verteidigen, was jedoch durch die Bevölkerung verhindert wurde. Biedenkopf ergab sich den amerikanischen Truppen.

Nach dem Krieg erweiterte sich das Stadtgebiet durch verschiedene Neubaugebiete, in welchen zumeist Heimatvertriebene ansiedeln konnte. Davon zeugen Straßennamen wie z.B. Donauschwabenstraße oder Sudentenstraße.

Religion

Als christliche Gemeinden sind in Biedenkopf die Pfarrgemeinde St. Josef (römisch-katholische), die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, die Freie evangelische Gemeinde, die Neuapostolische Gemeinde sowie die Biblische Gemeinde der Jesus-Christus-Oase vertreten.

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Kommunalwahl am 26. März 2006 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften  % 2006 Sitze 2006  % 2001 Sitze 2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 31,6 12 32,6 12
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 33,6 12 40,6 15
FDP Freie Demokratische Partei 4,4 2 2,3 1
BB Bürgerblock Biedenkopf 18,6 7
UBL Unabhängige Bürgerliche Liste 11,8 4
BB/UBL Bürgerblock Biedenkopf/Unabhängige Bürgerliche Liste 19,0 7
REP Die Republikaner 5,4 2
Gesamt 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 42,8 52,0

CDU und SPD bilden eine große Koalition.

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Neben dem Schloss Biedenkopf mit dem Hinterlandmuseum gehören der Schartenhof in Eckelshausen, das Dorfmuseum Wallau, die Dorfstube Engelbach sowie ein privates Holder (Traktor)-Museum in Engelbach zur Museumslandschaft Biedenkopfs.

Musik

Musikalisch erwähnenswert sind die Eckelshausener Musiktage, die in der 21. Kalenderwoche im Mai stattfinden. Seit 1970 existiert in der Kernstadt Biedenkopf ein Spielmannszug, zeitweise mit einer eigenen Jugendabteilung. 1989 wurde die Hessenmeisterschaft errungen. Biedenkopf verfügt zudem über ein Harmonika-Orchester und eine Mundharmonika-Gruppe. Das Kammerorchester Lahn wurde 1994 gegründet und ist ein Streichorchester, das unter der Leitung von Oberstudienrat Klaus-Jürgen Höfer in der Lahntalschule Biedenkopf probt und Kammerkonzerte in der Region gestaltet. Die Weifenbacher Musikanten repräsentieren die jahrzehntelange Tradition der dort ansässigen Musikkapellen.

Bauwerke

In der Altstadt von Biedenkopf haben sich zahlreiche Fachwerkhäuser erhalten.

Oberhalb der Stadt liegt die Burg Schloss Biedenkopf aus dem 14. Jahrhundert. Heute beherbergt sie das Hinterlandmuseum.

Parks

Sport

Biedenkopf verfügt über vier Sporthallen in der Kernstadt (Großsporthalle, Stadtschule, Lahntalschule, Jahn-Halle) sowie eine Großsporthalle in Wallau und eine Turnhalle in Weifenbach. Schwimmöglichkeiten ergeben sich im Hallenbad im Bürgerhaus, im Lahnauenbad (Freibad) sowie in einem Hallen- und Freibad im Ortsteil Wallau. Hinzu kommt der Perfstausee mit Badestrand. Weiterhin erwähnenswert sind das Aue-Tenniscenter und das Franz-Josef-Müller-Stadion. Reithalle, Schießplatz und Trimm-Dich-Pfad runden das sportliche Angebot ab.

Regelmäßige Veranstaltungen

Alle sieben Jahre findet jeweils von Donnerstag bis Samstag der dritten August-Woche der Grenzgang in Biedenkopf statt. Dieses Volksfest entstand aus der Grenzbegehung, bei der mit den Nachbargemeinden die Grenze der Gemarkung geklärt wurde. Der Grenzgang ist seit 1693 bezeugt. Seit 1839 wandelte er sich zum Volksfest. Der nächste Grenzgang findet im Jahr 2012 statt.

Kulinarische Spezialitäten

Das Kartoffelbraten - im Volksmund der „Brott“ - ist ein typischer Biedenkopfer Brauch, der sich aus der herbstlichen Kartoffelernte entwickelt hat. Auf zahlreichen Waldplätzen wird traditionell im frühen Herbst die schmackhafte Knolle in der Glut eines Haufens von zu Holzkohle verbranntem, zuvor frisch geschlagenem Buchenholz gegart. Die ungepellte Kartoffel schmeckt am Besten mit Butter, Salz, Leberwurst und Salaten. Zum Biedenkopfer Kartoffelbraten werden traditionell ausschließlich drei Salatsorten serviert: Rettichsalat, Zwiebelsalat und Heringssalat.

Wirtschaft und Infrastruktur

Raumplanerische Einordnung

Im Regionalplan Mittelhessen 2001 ist die frühere Kreisstadt Biedenkopf als Mittelzentrum im ländlichen Raum ausgewiesen. Die Stadt ist Teil der Regionalachse Marburg - Dautphetal - Biedenkopf - (Bad Laasphe). Diese Achse hat zur Aufgabe, die Region zu erschließen, einen Leistungsaustausch zwischen den Mittelzentren zu ermöglichen sowie die Region an das Oberzentrum Marburg und an das Fernverkehrsnetz anzubinden. Dabei soll dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs eine besondere Bedeutung zukommen. Zusätzlich besteht mit der Achse Dillenburg - Steffenberg - Breidenbach – Biedenkopf eine überörtliche Nahverkehrs- und Siedlungsachse mit regionaler Verbindungsfunktion. Gemeinsam mit Dautphetal und Breidenbach ist Biedenkopf auch als gewerblicher Schwerpunkt ausgewiesen.

Verkehr

Straßenverkehr

Neben den beiden regionalen Buslinien 481 und 491 kommen noch lokale Buslinien hinzu.

Schienenverkehr

Die Obere Lahntalbahn stellt die einzige Schienenverkehrsstrecke in der Stadt Biedenkopf dar. Im Mai 1987 wurde der Personenverkehr auf der Scheldetalbahn in Richtung Dillenburg eingestellt, Restgüterverkehr gab es noch einige Jahre, bis Dezember 2002 wurde die Firma Buderus in Breidenbach bedient. Mit der Oberen Lahntalbahn werden dabei Erndtebrück im Kreis Siegen-Wittgenstein und die Stadt Marburg über Bad Laasphe, Dautphetal und Lahntal verbunden. Dabei werden die zur Stadt Biedenkopf gehörenden Stationen Wallau, Biedenkopf- Schulzentrum und Biedenkopf bedient. Montags bis freitags umfasst das Bedienangebot 21 Fahrten zw. 5:30 Uhr und 21 Uhr, samstags 13 Fahrten von 6:45 Uhr bis 19 Uhr und sonntags 12 Fahrten zwischen 8:45 Uhr und 19 Uhr. Eine Fahrradmitnahme ist in allen Zügen möglich.

Ansässige Unternehmen

In Biedenkopf und seinen Ortsteilen ist traditionell der Maschinen-, Modell- und Formenbau stark vertreten. Dazu zählen unter anderem die Meissner AG (Modell- und Werkzeugbau), BANSS Schlacht- und Fördertechnik GmbH oder CFS (Verpackungssysteme, ehemals Krämer & Grebe Tiromat). Auch die kunststoffverarbeitende Industrie ist in der Stadt ansässig, unter anderem die Firma Elkamet.

Medien

Die Tageszeitung mit dem größten Marktanteil in Biedenkopf ist der Hinterländer Anzeiger der Zeitungsgruppe Lahn-Dill. Einen Lokalteil für den Altkreis Biedenkopf gibt auch die Oberhessische Presse aus Marburg heraus. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Anzeigenblättern, wie „Hinterland extra“ von der Oberhessischen Presse, die MAZ (Mittelhessische Anzeigen Zeitung) oder das „Sonntag Morgenmagazin“ aus Gießener Verlagshäusern.

Öffentliche Einrichtungen

Polizeistation

In Biedenkopf besteht eine Polizeistation des Polizeipräsidium Mittelhessen. Untergebracht ist die Station in der ehemaligen Landwirtschaftsschule in der Hospitalstraße mit fünf Dienstgruppen und einer dezentralen Ermittlungsgruppe.

Krankenhaus

Biedenkopf besitzt außerdem ein DRK Krankenhaus mit 110 Betten. Neben der Chirurgie sind die Fachbereiche Gynäkologie und Geburtshilfe, Innere Medizin sowie Urologie verfügbar. Eine Intensivstation mit 6 zusätzlichen Betten wurde am 11. Februar 2008 in Betrieb genommen. Das ärztliche Personal wird durch einen Kooperationsvertrag mit der Uniklinik Marburg von dort gestellt, die Intensiv-Pflege übernehmen eigene Kräfte.

Sendeanlage Sackpfeife

Biedenkopf ist seit 1953 Standort einer Sendeanlage für UKW und Fernsehen des Hessischen Rundfunks auf der Sackpfeife. Als Antennenträger kommt ein 210 Meter hoher abgespannter Stahlfachwerkmast bei 8° 32′ 1″ östlicher Länge und 50° 57′ 8″ nördlicher Breite mit einem Querschnitt von 1,8 Meter × 1,8 Meter zum Einsatz.[1]

Bildung

Persönlichkeiten


Söhne und Töchter der Stadt

Bilder aus dem Ort

Einzelnachweise

  1. Webseite über Biedenkopf bei Structurae
 Commons: Biedenkopf – Bilder, Videos und Audiodateien