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Bilbao

Dieser Artikel erläutert die baskische Stadt, der bolivianische Politiker wird unter Bernardino Bilbao Rioja erläutert.
Gemeinde Bilbao
Wappen Karte von Spanien
DEC
Basisdaten
Staat: Spanien
Region: Baskenland
Comarca: Gran Bilbao
Koordinaten 43° 15′ N, 2° 55′ WKoordinaten: 43° 15′ N, 2° 55′ W
Höhe: msnm
Fläche: 41,26 km²
Einwohner: 353.168
Bevölkerungsdichte: 8.559,57 Einwohner/km²
Postleitzahl: 48001 - 48015
Verwaltung
Bürgermeister/in: Iñaki Azkuna (PNV)
Webpräsenz der Gemeinde

Bilbao (bask. Bilbo) ist die größte Stadt des Baskenland und die Hauptstadt der Provinz Bizkaia (spanisch: Vizcaya).

Sie ist die wichtigste Industrie- und Hafenstadt des Baskenlands und hat (2004) 352.317 Einwohner (fast 900.000 im Umland).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Stadt liegt an der Ría de Bilbao, die bei Portugalete in den Golf von Biscaya (Kantabrisches Meer) mündet. In Basauri vereinigen sich die Flüsse Nervión und Ibaizabal (baskisch für Breiter Fluss) und fließen von dort gemeinsam in die Ría. Die Gezeitengrenze liegt in der Altstadt etwa an der San-Antón-Brücke.

Geschichte

Diego López V de Haro gründete die Stadt an der Mündung des Nervion auf dem Gebiet der Vorgängerkirche von Begoña am 15. Juni 1300. Rechtliche Grundlage war der am 15. Juni 1300 in Valladolid geschriebene und am 4. Januar 1301, durch Ferdinand IV von Kastillien in Burgos bestätigte Gründungsbrief (carta puebla). In der Einleitung dieses Gründungsbriefes heißt es:

En el nombre de Dios é de la vgen vienaventurada Sancta María. Sepan por esta carta quantos la vieren é oieren como yo Diego Lope de Haro, sennor de Vizcaia, en uno con mi fijo Don Lope Diaz é con placer de todos los vizcaynos, fago en Bilvao de parte de Vegonna nuevamente población é villa qual dizen el puerto de Bilvao...(dt.: Im Namen Gottes und der seligen heiligen Jungfrau Maria. Wisst, dass durch diesen Brief, wenn ihr ihn sehen oder davon hören mögt, wie ich, Diego Lope de Haro, Graf von Vizcaya, einig mit meinem Sohne Don Lope Diaz und zur Freude aller Vizcaynos, mache in Bilvao auf dem Teil der Vegonna (Begoña) von neuem Ortschaft und Gemeinde, die man nennen Hafen von Bilvao soll...)

Zuvor hatte hier u.a. schon eine römische Siedlung namens Bellum Vadum existiert. Daraus soll sich über die Zwischenstufe Bilbaum[1] der heutige Stadtname abgeschliffen haben, so dass man bei Bilbao auf deutsch von Schönfurt sprechen könnte.[2] [3]Weitere Theorien führen den Namen auf das baskische bi albo[4] (dt.: zwei Seiten, auf die zwei Ufer der Ría referierend) oder auf die Burg Biribilbao zurück, die sich nahe der Kirche San Anton befand.

Zum Zeitpunkt der Gründung befand sich dort, wo heute Bilbao la Vieja steht, ein kleines Dorf von Eisenschmieden, Seeleuten und Bauern. Die ersten Straßen Bilbaos waren Somera, Artekale sowie die Tenderia.

Die Landwirtschaft verschwand mit der Zeit, aber das Eisen und das Meer haben sich als bestimmende Elemente Bilbaos im Laufe der Geschichte erhalten. Das hochwertige Eisen der nahen Bergwerke wurde schon von den Römern geschätzt und ausgebeutet. Die Tatsache, dass die Ria ein großes Stück weit schiffbar ist, machte es möglich, im darin gelegenen Hafen, der sicherer war als jene an der Küste, die Waren Kastiliens zur Ausfuhr nach Europa zu verladen.

Ein Produkt der Eisenindustrie Bilbaos, auch wenn es sich dabei um kein sehr rühmliches handelt, hat sogar den Eintrag in die Weltliteratur gefunden. So heißt es doch in Shakespeares Hamlet: „Methought I lay worse than the mutinies in the bilboes.“ Mit Bilboes sind eiserne Stangen gemeint, an welche die Matrosen zur Strafe mit den Füssen gefesselt wurden.

Auch wenn schon Mitte des 19.Jahrhunderts mit dem Bau der ersten Hochöfen begonnen wurde, sollte die Entwicklung Bilbaos erst nach der letzten Belagerung im Karlistenkrieg in 1874 richtig anlaufen. Damals vereinigten sich die Gemeindebezirke von Abando und Begoña, es erfolgte die sich Barcelona zum Vorbild nehmende planmäßige Erweiterung (Ensanche) des Stadtkerns und so bedeutende Gebäude wie das Theater Arriaga, die Börse oder die Alhóndiga (ehem. Wein- und Spirituosenlager) wurden erstellt.

Die industrielle Entwicklung an der Ria, die Gründung von Eisenhütten und Schiffsbauunternehmen, trieben das Bankwesen und den Handel vorwärts und machte Bilbao zur Hauptstadt der baskischen Wirtschaft.

Der industrielle Niedergang ab den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich in der Region bemerkbar gemacht. Allerdings auch mit positiven Folgen, da Bilbao seine Aktivitäten zu diversifizieren gewusst hat und seit Anfang der 1990er Jahre von seinem Image einer hässlichen, grauen, schmutzigen Stadt abgekommen ist, das es jahrzehntelang geboten hatte.

Der inzwischen "Guggenheim-Effekt" genannte Boom versetzte die arbeits- und hoffnungslos rostende Industriedeponie Bilbao in prosperierenden Taumel, riß das ganze Land mit, reißt Riesenlöcher in die Erde. Voraussetzung war die Integration der sich über fünfzehn Kilometer entlang der Trichtermündung des Nervión hinziehenden heterogenen Stadtteile, die zusammenhanglos wie im Wuppertal vor der Schwebebahn, kaum urbane Identität stifteten. Sir Norman Foster hatte mit seiner verbindenden Metrostrecke den Boden dafür bereitet. Das puristische Design erhielt eine Liebeserklärung, die Bilbaínos tauften die Abgänge "Fosteritos".

Klima

Das Klima in Bilbao ist von der feuchten Meeresluft bestimmt, die von den Meeresströmungen beeinflusst wird, mit milden Temperaturen fast das ganze Jahr über. Die Windstärken sind im Frühling oder Herbst höher. Die mittlere Temperatur ist 20 ºC im Sommer und 8 ºC im Winter.

La Ribera

Bevölkerungsentwicklung

1970 war Bilbao die sechstgrößte Stadt Spaniens und hatte 410.490 Einwohner, bis 1981 stieg die Einwohnerzahl auf 433.115, aber danach ging sie bis 2003 wieder auf 353.567 Einwohner zurück und 2004 weiter auf 352.317 Einwohner.

Sehenswürdigkeiten

In den 1990er Jahren hat Bilbao, das zuvor abseits der touristischen Routen lag, eine weitreichende Neukonzeption seiner Innenstadt unternommen. So entstand bis 1995 eine 28 km lange Metrolinie, deren Bahnhöfe fast alle von Sir Norman Foster entworfen wurden.

Einen weiteren Neubau stellt die Brücke „Zubizuri“ des Architekten Santiago Calatrava dar, die einem aufgeblähten Segel nachempfunden ist.

Zentrum des touristischen Interesses ist neben dem Puente de Vizcaya, der ältesten Schwebefähre der Welt über den Nervión das bis 1997 von dem amerikanischen Architekten Frank O. Gehry errichtete Museo Guggenheim Bilbao. Der spektakuläre Museumsbau aus Titan, Glas und Kalkstein ist eines der wichtigsten Beispiele avantgardistischer Architektur des 20. Jahrhunderts weltweit. Dabei korrespondiert das Museum mit der sonst oft gesichtslos-industriellen Gestalt Bilbaos, indem es etwa die benachbarte Brücke La Salve mit seinen Wänden „umschließt“. Schwerpunkt der Sammlung ist die abstrakte Kunst, die in wechselnden Ausstellungen gezeigt wird. Vor dem Museum ist ein Kunstwerk von Jeff Koons ausgestellt, der Puppy, der mit Blumen bepflanzt wird und eigentlich nur im Eröffnungsjahr dort stehen sollte. Nach Protesten der Bevölkerung durfte der Puppy aber vor dem Guggenheim-Museum stehen bleiben und wird jedes Frühjahr neu mit Blumen bepflanzt, die fortlaufend ausgetauscht werden, wenn sie abgeblüht sind.

Touristisch im Schatten dieser Neubauten befindet sich die belebte, von engen Straßen geprägte Altstadt Bilbaos (Casco Viejo) mit der mittelalterlichen gotischen Catedral de Santiago aus dem 14. Jahrhundert. Die Innenstadt weist eine architektonisch interessante Mischung von Alt- und Neubauten verschiedenster Stilrichtungen auf.

Weitere Museen sind das Museum der schönen Künste (El Museo de Bellas Artes), eines der wichtigsten öffentlichen Kunstmuseen Spaniens, das erst kürzlich renoviert worden ist, und das in der Altstadt (Casco Viejo) gelegene Baskische Museum (El Museo Etnográfico Vasco), das Seefahrtsmuseum (El Museo Marítimo Ría de Bilbao) sowie das noch junge Industriemuseum in Portugalete (Museo de la Industria). Eine weitere wichtige Sehenswürdigkeit ist die Basilika Begoña (La Basílica de Ntra. Sra. de Begoña).

Das bunt gemischte Stadtbild kann sowohl als innovativ als auch als unreglementiert bezeichnet werden, in allen Fällen ist das Resultat eine sehenswerte und lebhafte Stadt. Dazu tragen vor allem die vielen Parks und Grünflächen auf den an das Stadtzentrum angrenzenden Hängen bei, die schnell zu Fuß vom Zentrum erreicht sind und einen einmaligen Ausblick auf die Stadt erlauben.

In Bilbao spielt der äußerst populäre Fußballverein Athletic Club, der traditionell nur mit baskischen Spielern besetzt ist, eine wichtige Rolle.

1917 wurde die Deutsche Schule Bilbao, das Colegio Alemán San Bonifacio, gegründet, eine bikulturelle Begegnungsschule.

Verkehr

Hauptträger des öffentlichen Personennahverkehrs sind die Metro Bilbao (U-Bahn) und die Straßenbahnlinie EuskoTran. Außerdem gibt es mehrere Buslinien, die von Bilbobus und Bizkaibus betrieben werden.

Der Flughafen Bilbao liegt nicht in der Stadt selbst, sondern 9 km entfernt beim Ort Loiu, und wird nach der Gemeinde, in der er liegt, Loiu genannt.

Söhne und Töchter der Stadt

Städtepartnerschaft

 Commons: Bilbao – Bilder, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.uni-mannheim.de/mateo/camenaref/hofmann/b/books/b_2084.html Johann Jacob Hofmann (1635-1706), Lexicon Universale
  2. Hugo Kastner, Von Aachen bis Zypern: Geographische Namen und ihre Herkunft, S. 57
  3. Friedrich Heinrich T. Bischoff, Johann Heinrich Möller, Vergleichendes Wörterbuch der alten, mittleren und neuen Geographie
  4. http://www.euskadi.net/contenidos/informacion/s11_folletos/de_s11/folletos/visitar_conocer/bizkaia/ale_GV_general_bilbo.pdf