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Flageolettton

Ein Flageolettton ist ein Ton eines Saiteninstruments, der einer höheren als der Grundfrequenz der Saite, also deren 2., 3., ... Teilton entspricht. Er entsteht durch künstliche Bildung von Schwingungsknoten, d.h. leichten Fingeraufsatz auf die Teilungspunkte 1:2, 1:3 usw. Die Bezeichnung stammt vom Flageolett-ähnlichen (flötenähnlichen) Klang dieser Töne auf der Violine.

Physikalisch entsprechen Flageoletttöne den Naturtönen bei Blasinstrumenten, bei denen durch entsprechende Techniken (Überblasen) zusätzliche Schwingungsknoten in der Luftsäule erzeugt werden.

Man unterscheidet:

  1. Natürliches Flageolett: Ausgangspunkt ist die leere Saite. Notiert wird hier am besten Klang, da es zumeist nur eine mögliche Ausführung gibt, bzw. bei mehreren möglichen Ausführungen dem Spieler die Auswahl überlassen werden kann. Notiert man den Klang, so setzt man über die Note einen kleinen Kreis. Dieser Kreis deutet an, dass der entsprechende Ton durch (natürliches) Flageolett hervorzubringen ist. Wenn man den Griff notieren möchte, so muss man ggf. die Saite, auf der das natürliche Flageolett auszuführen ist, mit angeben. Der Ton des leicht aufgesetzten Fingers wird als rautenförmiger Notenkopf notiert.
  2. Künstliches Flageolett: Ausgangspunkt ist die fest gegriffene Saite. Notiert werden der fest gegriffene Finger als normaler Notenkopf und der lose aufgesetzte Finger als rautenförmiger Notenkopf. Bei künstlichen Flageoletts ist es ratsam, sich auf Oktav-, Quint- und Quart-Flageoletts zu beschränken, da diese das beste Klangergebnis liefern. Häufig wird der tatsächliche Klang in Klammer hinzugefügt.
  3. Plektrum-Flageolett bei der Gitarre: Dieses Flageolett wird im Gegensatz zu dem natürlichen Flageolett hauptsächlich mit der Anschlagshand ausgeführt. Nachdem eine Saite mit einem Plektrum angespielt wird, dämpft man sie fast zeitgleich mit dem Daumenknöchel wieder ab. So wird ein sehr hoher Ton erzeugt. Mit der greifenden Hand wird in einem beliebigen Bund gegriffen.

Je nachdem, welches Intervall zwischen dem Ausgangston und dem Flegeolettton liegt, variiert die Höhe des tatsächlich klingenden Tones:

  1. Oktav-Flageolett: Das Flageolett in der Oktave erzeugt die gleiche Tonhöhe, als würde man den hohen Ton fest greifen.
  2. Quint-Flageolett: Wird das Flageolett eine Quinte über dem (leeren oder gegriffenen) Ausgangston ausgeführt, so klingt das Ergebnis eine Duodezime (=Oktave plus Quinte) über dem Ausgangston.
  3. Quart-Flageolett: Wird das Flageolett eine Quarte über dem (leeren oder gegriffenen) Ausgangston ausgeführt, so klingt das Ergebnis eine doppelte Oktave über dem Ausgangston.
  4. Terz- oder Sext-Flageolett (groß): Wird das Flageolett eine große Terz oder große Sexte über dem (leeren oder gegriffenen) Ausgangston ausgeführt, so klingt das Ergebnis eine doppelte Oktave plus eine große Terz über dem Ausgangston.
  5. Terz- oder Sext-Flageolett (klein): Wird das Flageolett eine kleine Terz oder kleine Sexte über dem (leeren oder gegriffenen) Ausgangston ausgeführt, so klingt das Ergebnis eine doppelte Oktave plus eine Quinte über dem Ausgangston.

Natürliche Flageoletts mit einem Abstand von mehr als einer Oktave zur leeren Saite klingen an den entsprechenden Stellen (Duodezime, Doppeloktave, Doppeloktave plus große Terz, Doppeloktave plus Quint etc.) gleich wie die fest gegriffenen Töne. Da die Flageolett-Töne jedoch besser "anspringen" und auch bei leicht ungenauem Greifen noch nicht falsch klingen, werden sie in schnellen Streicher-Passagen häufig eingesetzt.

Ein besonderer Effekt ist auch das Flageolett-Glissando, bei dem - anders als beim fest gegriffenen Glissando - nicht alle Töne, sondern nur die Obertöne der jeweiligen leeren Saite zum Klingen gebracht werden.

Flageoletttöne können gut zum Stimmen von (insbesondere tieferen) Saiteninstrumenten wie etwa Gitarre, Cello und Kontrabass genutzt werden. Dazu wird ein geeigneter natürlicher Flageolettton zugleich mit dem Grundton einer anderen, höheren leeren Saite gespielt und verglichen. Eine Abweichung zwischen den Tonhöhen ist dann durch Schwebungen klar hörbar.

Die folgende Zeichnung zeigt verschiedene natürliche Flageoletts auf der A-Saite der Gitarre im Vergleich zu einfach gegriffenen Saiten.

Die "Berechnungen" sind nicht formal richtig aufgeschrieben, sondern stellen lediglich eine vereinfachte Kurzschrift dar.
Additionen beziehen sich hier auf die Bünde und Divisionen auf das Teilungsverhältnis der Saite.
8 und 8 weisen auf Oktavsprünge hin.


Siehe Erklärung auf externer Seite: