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Postauto

Postauto (familiär auch Poschi oder Poschti) wird in der Schweiz generell als Begriff für die motorisierten Nachfolger der Postkutschen verwendet, in anderen Ländern ist dafür der Begriff Postbus gebräuchlich. Diese sprachliche Besonderheit gilt auch für die französischsprachige und die italienischsprachige Schweiz, wo die Begriffe Car postal (französisch) und Autopostale (italienisch) verwendet werden. Nicht gebräuchlich ist der Begriff Postauto für Fahrzeuge, die ausschliesslich dem Transport von Postsendungen dienen.

War früher die Kombination von Post- und Personentransport selbstverständlich, liessen sich diese Bedürfnisse gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts immer schlechter aufeinander abstimmen, so dass die Posttransporte mehr und mehr vom öffentlichen Verkehr getrennt wurden. Dies galt nicht nur für die Postautos sondern auch für andere konzessionierte Buslinien und ebenfalls für die Eisenbahn. Bereits etwas früher wurde auch der Expressgut- und Stückguttransport aus dem öffentlichen Verkehrssystem herausgelöst. Diese Trennung zeigte sich schliesslich auch in der rechtlichen Abtrennung der PostAuto Schweiz AG von der der Schweizer Post

Inhaltsverzeichnis

PostAuto Schweiz AG

Das Unternehmen

PostAuto Schweiz AG[1]
Unternehmensform Aktiengesellschaft
Gründung 1906 / 2005 (AG)
Unternehmenssitz Bern, Schweiz
Unternehmensleitung

Daniel Landolf

Branche Transportunternehmen
Website www.postauto.ch

Die Postautolinien werden von «PostAuto», einem Konzernbereich der Schweizerischen Post betrieben. Der Konzernbereich besitzt seit Februar 2005 eine eigene Rechtspersönlichkeit als PostAuto Schweiz AG mit Sitz in Bern.

PostAuto betreibt in der Schweiz aktuell 798 Postautolinien mit 1995 Postautos. Auf dem Liniennetz von 10'363 km werden jährlich über 100 Millionen Passagiere befördert. Die Linien werden von der Schweizerischen Post selbst oder im Auftrag durch lokale Busunternehmer (früher so genannte Postautohalter, heute Postautounternehmer) betrieben.

PostAuto bietet umfassende Dienstleistungen im öffentlichen, halböffentlichen und privaten Personenverkehr mit Bussen an:

Transportrechte, Abgeltung

Ursprünglich umfasste das Postregal auch die regelmässige und gewerbsmässige Personenbeförderung auf der Strasse. Die Post konnte mittels Konzessionen auch anderen Unternehmen erlauben, auf eigene Rechnung Buslinien einzurichten. Dieses Recht nahm der Bund später an sich und 1999 wurde das Personenbeförderungsregal generell auf den Bund übertragen. Seither benötigt die Post bzw. Postauto selbst eine Personenbeförderungskonzession. Ausserdem ist es möglich, Linien des öffentlichen Verkehrs auszuschreiben und die Konzession auf ein anderes Unternehmen zu übertragen. Auf diesem Weg hat Postauto schon Linien verloren (z.B. in der Region Sargans), aber auch neue gewonnen (z.B. in der Region Interlaken).

Bis 1995 wurden Defizite des Postautodienstes mit Gewinnen aus dem Telecom-Bereich querfinanziert. Als 1996 die öV-Finanzierung verkehrsträgerübergreifend auf eine neue Basis gestellt wurde, wurden auch die Postautolinien einbezogen. Seither werden die Linien des Regionalverkehrs und Fernverkehrs durch den Bund und die Kantone gemeinsam bestellt und die geplanten ungedeckten Kosten abgegolten. Die Beteiligung des Kantons ist nicht mehr davon abhängig, wer Betreiber einer Linie ist und welches Verkehrsmittel eingesetzt wird. Am Ortsverkehr (Feinerschliessung) beteiligt sich der Bund nicht.

Kooperation im öffentlichen Verkehr

Postautolinien sind Teil des öffentlichen Personenverkehrs der Schweiz. Sie versorgen alpine Seitentäler, Gebiete ohne Bahnanschluss und touristische Ziele, fahren aber auch im Agglomerationsverkehr. Postautolinien bedienen meistens einen Bahnhof um den Anschluss an das übergeordnete Netz des öffentlichen Verkehrs sicherzustellen oder aber sie sind mit anderen Buslinien verknüpft. Die Fahrpläne von Buslinien werden in der Schweiz generell im Bestell- und Fahrplanverfahren auf die Fahrpläne der Züge abgestimmt. So weit möglich wird im Taktfahrplan gefahren. Die Anzahl der Fahrten pro Linie richtet sich nach der Nachfrage, in der Regel verkehren mindestens vier Kurspaare pro Tag, in den Agglomerationen gilt der Halbstunden- oder Viertelstundentakt.

Postauto ist in den so genannten Direkten Verkehr, das ist der nationale Tarifverbund, eingebunden. Es können durchgehende Fahrausweise über Linien verschiedener Unternehmen und auch verschiedener Verkehrsmittel gekauft werden. Zudem gelten das Halbtaxabonnement und das Generalabonnement und vergleichbare Fahrauweise. Auf Linien des Ausflugsverkehrs (touristischer Verkehr), das sind Linien, die nicht ganzjährig verkehren oder keine Erschliessungsfunktion für ganzjährig bewohnte Ortschaften haben, werden seit einigen Jahren Zuschläge erhoben (so genanntes Alpine Ticket), da die öffentliche Hand für diese Angebote keine Abgeltung bezahlt. Die entsprechenden Linienabschnitte sind in den Fahrplänen besonders gekennzeichnet. Dort wo regionale Tarifverbünde bestehen gelten die entsprechenden Tarife auch auf den Postautolinien.

Geschichte

Das erste Postauto verkehrte am 1. Juni 1906 von Bern nach Detligen. 1919 folgten am Simplon die Fahrten über die Alpenpässe. Die Schweizerische Reisepost, wie der Postautodienst bis in die 90-er Jahre hiess, ersetzte nach und nach die Pferdeposen durch Postautos, erschloss aber dank des Monopols (Postregal, siehe oben) auch zahlreiche neue Gebiete.


Merkmale

Ein Postauto ist charakterisiert durch seine gelbe Farbe. Die Detailgestaltung des Anstrichs und der Aufschriften variierte über die Jahrzehnte. Derzeit besteht sie aus:

Stark mit dem Postauto in Verbindung gebracht wird auch das charakteristische Dreiklanghorn, dessen Tonfolge aus dem Andante der Ouverture zu Rossinis Wilhelm Tell stammt und die Töne cis-e-a in A-Dur umfasst. Das Dreiklanghorn wird im Linienverkehr auf Bergpoststrassen zur Signalgebung oder Warnung, z. B. vor unübersichtlichen Kurven, benutzt; auch Busse anderer konzessionierter Unternehmen dürfen es für diesen Zweck verwenden. Im Dreiklanghorn lebt die Tradition des Posthorns weiter. Die Postautos und anderen Busse auf Bergpoststrassen sind neben Polizei- und Rettungsfahrzeugen die einzigen Motorfahrzeuge in der Schweiz, für die Mehrklanghörner zugelassen sind.

Mit dem Einbruch in neue Märkte, z.B. den Betrieb von Ortsbussen, gab es auch Postauotos in anderen Farben als gelb. Eine neue Entwicklung setzte ein, als der Kanton Aargau von allen Bus- und Schmalspurbahnunternehmen verlangte, ihren Fahrzeugen ein einheitliches weisses Erscheinungsbild mit schwarz-rot-blauen Streifen zu verpassen, um die Zugehörigkeit zum Tarifverbund A-Welle zu dokumentieren. Dieses neue Farbkonzept hat allerdings bei vielen Aargauern Empörung ausgelöst und zahlreiche Leute haben ihrem Ärger darüber mit Leserbriefen und Beschwerden Luft gemacht.

Flotte

Für neue Busse gelten Klimaanlage sowie optische und akustische Fahrgastinformation als Standard. Der Fahrzeugpark wurde und wird kontinuierlich erneuert. Die Spanne der Fahrzeuge reicht von Kleinbussen (z. B. Fiat Ducato, Mercedes Sprinter) über Niederflurbusse (z. B. Mercedes Citaro, Setra 315NF), Überlandbusse (z. B. Volvo 8700, Setra 313UL) bis hin zu zweistöckigen Linienbussen (Neoplan N 4026/3, N 4426/3).

Diese kamen von FBW und Saurer, nach dem Zusammenschluss von FBW und Saurer 1982 von der Nutzfahrzeuggesellschaft Arbon & Wetzikon (NAW), später NAW Nutzfahrzeuge AG, und sind vereinzelt immer noch im Einsatz. Die Bus-Aufbauten stammten oft von KArosseriefirmen, z.B. Carrosserie Hess.

Im Charterverkehr kommen auch Reisecars (Reisebusse) zum Einsatz; diese verkehren teils unter der Bezeichnung PostCar und unterscheiden sich optisch von den Linienfahrzeugen durch ein Bild einer Gotthardpostkutsche auf den Seitenwänden, die mit einem Posthorn geschmückt sind.

Aktivitäten im Ausland

Liechtenstein

Durch den Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Liechtenstein war unter anderem auch das Postwesen auf die Schweiz übertragen worden. Dadurch war die damalige PTT bis zum Auslaufen der Verträge im 2001 auch im Fürstentum tätig. Das operative Geschäft betrieb ein Postautohalter.

Seit dem 1. Juni 2001 betreibt die «PostAuto Schweiz AG Region Liechtenstein» den öffentlichen Verkehr in Liechtenstein als Transportbeauftragte der Liechtenstein Bus Anstalt (LBA). Hier fahren die Busse in einer grün-gelben Lackierung mit dem Logo des Liechtenstein Bus. Einige ältere Fahrzeuge verkehren jedoch weiterhin noch in den alten Postautofarben. Das Schweizerische Generalabonnement wird ebenso wie Fahrscheine des Verkehrsverbunds Vorarlberg auf allen LBA-Linien anerkannt.

Frankreich

In Frankreich betreibt die Tochtergesellschaft von Postauto, CarPostal France, in den Städten Dole, Obernai, Bourg-en-Bresse und Haguenau ein Busnetz. In Dole sind die CarPostal France seit dem 1. Januar 2004 vertreten, die anderen Städte folgten 2005 und 2006. In Lons-le-Saunier leistet CarPostal France seit 2006 technische Assistenz, betreibt aber kein Busnetz.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. PostAuto Schweiz AG, Eintrag im Handelsregister des Kantons Bern