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William Howard Taft

William Howard Taft (* 15. September 1857 in Cincinnati, Ohio; † 8. März 1930 in Washington D.C.) war 27. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vom 4. März 1909 bis 3. März 1913 und gehörte der Republikanischen Partei an.

Inhaltsverzeichnis

Leben

William Howard Taft wurde am 15. September 1857 in Cincinnati, Ohio, in einer angesehenen republikanischen Familie geboren. Sein Vater Alphonso Taft gehörte zeitweilig dem Kabinett Grant an und war dann unter Präsident Chester Arthur Gesandter in Österreich-Ungarn und Russland. Die Mutter, eine Kaufmannstochter aus Boston, riet später ihrem Sohn davon ab, sich um das Präsidentenamt zu bemühen.

Er studierte an der Yale-Universität und an der Cincinnati Law School. Während seiner Zeit an Yale ist er in die dortige Studentenverbindung Skull & Bones aufgenommen worden. Kurze Zeit war er als Anwalt und als Gerichtsreporter tätig, bevor er eine längere Karriere in verschiedenen gehobenen juristischen Stellen machte.

1886 heiratete er die Musiklehrerin Helen Herron. Das Paar hatte 3 Kinder. Die Tochter studierte Geschichte, und die beiden Söhne wurden ebenfalls Politiker. Sein ältester Sohn Robert A. Taft war ein einflussreicher Senator und ein innerparteilicher Gegner des späteren Präsidenten Dwight D. Eisenhower im Kampf um die Präsidentschaft 1953.

Tafts Frau war bereits als Siebzehnjährige zum ersten Mal im Weißen Haus zu Gast gewesen, als mit Rutherford Hayes ein Freund und Sozietätspartner ihres Vaters das Amt innehatte. Sie war so beeindruckt von der Grandeur des Hauses und der Aura der Macht, dass sie umgehend nach ihrer Rückkehr ins heimische Cincinnati verkündete, sie werde einen künftigen Präsidenten heiraten und damit selbst ins Weiße Haus einziehen.

1901 wurde er der erste Zivilgouverneur der Philippinen. In dieser Eigenschaft bemühte er sich mit moderaten Mitteln um die weitere Pazifierung der noch immer unruhigen Inselkolonie, förderte das Schulwesen und erreichte beim Vatikan den Verkauf der wertvollen dortigen Klosterländereien an die USA für die Summe von 7,2 Millionen Dollar.

1904 berief ihn Theodore Roosevelt zum Kriegsminister, dieses Amt hatte bereits sein Vater unter Präsident Ulysses S. Grant inne. Bald wurde er zum engen Berater und Freund dieses Präsidenten, wobei er sich gegenüber Kuba und Japan auch in komplizierten Situationen als Politiker und Diplomat bewährte. Er inspizierte 1904 den Baubeginn des Panamakanals, war an den Verhandlungen beteiligt, die 1905 zum Frieden von Portsmouth zwischen Russland und Japan führten, er handelte im gleichen Jahr einen Modus vivendi mit der japanischen Regierung aus und vermochte 1906 im Auftrag des Präsidenten eine drohende Revolution auf Kuba abzuwenden.

Nach seiner unbedachten Bemerkung, 1908 nicht noch einmal kandidieren zu wollen, begann Theodore Roosevelt zunehmend, in Taft einen idealen Nachfolger zu sehen und ihn aufzubauen. Anlässlich eines Dinners, zu dem die Tafts eingeladen waren, scherzte der Präsident, er könne in die Zukunft sehen und er erblicke irgendetwas, das über Tafts kräftigem Haupt baumle. Er sei sich allerdings nicht sicher, ob es ein Sitz im Obersten Bundesgericht oder gar die Präsidentschaft sei. „Lassen Sie es den Supreme Court sein!“ warf Taft ein, um sofort von seiner Frau Helen überstimmt zu werden: „Es soll die Präsidentschaft sein!“

Als ihn die Republikaner 1908 zum Präsidentschaftskandidaten nominierten, hatte er bislang noch kein Wahlamt bekleidet. Er, der als Verwaltungsspezialist nicht zum engeren Kreis der republikanischen Führung zählte, verdankte seine Aufstellung hauptsächlich dem damaligen Präsidenten Roosevelt, welcher nicht mehr kandidieren wollte.

Taft gewann die Wahl gegen den Demokraten William Jennings Bryan mit einem Vorsprung von mehr als 1,2 Millionen Stimmen.

Portrait des Präsidenten Taft (Gemälde von Joaquín Sorolla, 1909)

Das große Ziel wurde erreicht, doch bei Helen war der Stolz darüber viel offensichtlicher als bei ihrem Mann. Taft ließ sich nach der gemeinsamen Fahrt zum Weißen Haus in einen Sessel fallen und, so beschreiben es zwei Bedienstete, stöhnte nur: „Ich bin jetzt Präsident und habe es satt, herumgestoßen zu werden.“ Wer die treibende Kraft hinter dem Präsidenten war, blieb der Öffentlichkeit nicht verborgen. „Ohne seine Frau“, so verkündete eine auflagenstarke Zeitung, „hätte Mr. Taft nie für das Präsidentenamt kandidiert“.

Während seiner Amtszeit gelang es Taft nicht, aus dem Schatten seines Vorgängers Roosevelt heraus zu treten, mit welchem er zudem eng befreundet war. Tafts Ziel war es, die von Roosevelt eingeleiteten Reformen zu konsolidieren. Dabei geriet er mehr und mehr in den Konflikt mit den Flügeln und Interessensgemeinschaften innerhalb seiner Partei, den Republikanern. Taft trat zur Wiederwahl an, errang aber jedoch hinter Woodrow Wilson und dem als Unabhängigem kandidierenden Roosevelt nur die drittmeisten Stimmen.

Nach seiner Präsidentschaft zog er sich ins Privatleben zurück. Zwischen 1913 und 1921 war er vor allem als Professor für Verwaltungsrecht an der Yale-Universität tätig. Ferner schrieb er mehrere Bücher zu Fragen von Staat und Politik in den USA, wovon das 1916 erschienene Buch über die Machtbefugnisse des Präsidenten besonders beachtet wurde.

In den Weltkriegsjahren stand er als Präsident der 1915 gegründeten „League to Enforce Peace“ vor, die – konservativ ausgerichtet – für die Neugestaltung der internationalen Beziehungen nach Kriegsende (Internationaler Gerichtshof, Sanktionen, Konferenzen) eintrat. Präsident Woodrow Wilson berief ihn 1918 zum Co-Vorsitzenden des „National War Labor Board“, einer im Krieg geschaffenen Schlichtungsstelle für Arbeitskämpfe.

1921 wurde er von Präsident Warren G. Harding für den Posten des Chief Justice, dem Vorsitzenden des Supreme Court der Vereinigten Staaten, nominiert. Hierin erfüllte sich ein langer Traum Tafts. Dieses Amt bekleidete er bis zum 3. Februar 1930.

Somit ist er der erste – und bis heute einzige – Amerikaner, welcher Präsident und Oberster Richter der USA gewesen war. Ferner durfte er Kraft seines Amtes als Chief Justice zwei spätere Präsidenten (Calvin Coolidge (1925) und Herbert C. Hoover (1929)) vereidigen.

Als er über seine Zeit als Präsident und am Obersten Gericht gefragt wurde, antwortete er: „Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals Präsident gewesen zu sein“.

Aufgrund einer Krankheit (wahrscheinlich Herzleiden) trat er von diesem Amt am 3. Februar 1930 zurück. 33 Tage später verstarb er schließlich am 8. März in seinem Haus in Washington D. C.

Drei Tage später wurde er als erster amerikanische Präsident und Chief Justice auf dem Nationalfriedhof Arlington beigesetzt (der andere Präsident war John F. Kennedy und die anderen obersten Richter waren Earl Warren, Warren Burger und William Rehnquist). Seine Frau soll folgendes gesagt haben: „Er diente als Kriegsminister [unter Theodore Roosevelt] und ferner als Oberkommandant der Streitkräfte [als Präsident], dies qualifiziere ihn, dass er hier begraben wird“.

Freimaurerei

Taft wurde am 18. Februar 1909 in der Kilwinning Lodge No. 356 in Cincinnati (Ohio) zum Freimaurer gemacht. Auch sein Vater und seine beiden Brüder waren Freimaurer dieser Loge.

Literatur

 Commons: William Howard Taft – Bilder, Videos und Audiodateien
Personendaten
Taft, William Howard
William H. Taft
US-amerikanischer Politiker, 27. Präsident der USA (1909-1913)
15. September 1857
Cincinnati, Ohio
8. März 1930
Washington D. C.