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Volk

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Dieser Artikel befasst sich mit Volk im Sinne einer Personengruppe; für andere Bedeutungen siehe Volk (Begriffsklärung).

Der Ausdruck Volk (über mittelhochdeutsch volc aus althochdeutsch folc, dies aus allgemein-germanisch fulka, „das [Kriegs-]Volk“), erstmals belegt im 8. Jahrhundert, bedeutet „viele“.[1]
Volk bezeichnet im weitesten Sinne eine Gruppe von Menschen, die sich als ideelle Einheit begreift und durch eine gemeinsame Geschichte oder verschiedene gemeinsame Eigenschaften (Sprache, Kultur, Tradition, Religion, Gebräuche etc.) verbunden ist beziehungsweise sich verbunden fühlt und die ein bestimmtes Gemeinschaftsbewußtsein besitzt und die sowohl in ihrer Selbst- als auch in der Fremdwahrnehmung durch andere als kulturell unterscheidbar gilt.[2]
Obwohl nicht identisch, ist dieses Verständnis von „Volk“ im allgemeinen Sprachgebrauch nicht klar von dem der Nation abgrenzbar. Beide Begriffe können insofern voneinander abgehoben werden, als „Nation“ mehr Elemente der politischen Willensbildung enthält und „Volk“ stärker emotionale Erfahrungen anspricht. Die Unbestimmtheit beider Begriffe fördert ihren demagogischen Gebrauch.

Die älteste Bedeutung „viele gleichartige Leute“ ist noch in Worten wie „Fußvolk“ oder „Fahrendes Volk“ präsent. Ohne weitere Bestimmung stand „Volk“ sodann für ein Siedlungsvolk und wird in neuerer Zeit eher für Kulturvolk, Stammesvolk oder Staatsvolk verwendet. In der Zeit des Ancien régime bezeichnete der Begriff Volk alle Einwohner, die nicht zum Adel oder zum Klerus gehörten (Dritter Stand, siehe auch Standesgrenzen), was heute noch in ursprünglich nicht-höfischen Einrichtungen und Beschäftigungen wie Volkstanz, Volkslied oder Volkstheater zum Ausdruck kommt.

Inhaltsverzeichnis

Siedlungs-, National- und Kulturvolk

Ein Siedlungsvolk ist eine in einem Gebiet zusammenlebende große Gruppe von Menschen, dort oft in echter lokaler Gemeinschaft bzw. Verwandtschaft in Stämme bzw. Sippen gegliedert, die durch das Zusammenleben gemeinsame kulturelle Weisen und verwandtschaftliche Netzwerke ausgebildet haben, sich auch von gemeinsamen Ahnen herleiten. Diese Gemeinsamkeiten werden auf ein konstruiertes Kulturvolk oder Nationalvolk übertragen. Diese Bezeichnung und Kategorisierung einer Gruppenidentität wird von den Sozialwissenschaften gelegentlich als Konstruktion bezeichnet, weil sie beispielsweise auf einen Begriffswandel zurückgeht. Das römische Volk hat so ursprünglich die in Rom lebenden Menschen bezeichnet, zunehmend abstrahierend aber die römischen Staatsbürger und ausgewanderte Sippen mit Traditionen der römischen Kultur. Der Begriff des Nationalvolks wurde Ende des 19. und Anfang 20. Jahrhundert stark überhöht gebraucht. Er fasste gleichzeitig staatliche, kulturelle und gemeinschaftliche (besonders verwandtschaftliche) Eigenabgrenzung nach außen zusammen. „Postmoderne“ Denkrichtungen verweisen bei einer solchen Begriffsbildung auf die ihrer Ansicht nach problematischen Folgewirkungen in der Gesellschaft.

Nach aktuellen Studien existieren heute etwa 5200 verschiedene Völker auf der Erde. Laut dem Selbstbestimmungsrecht der Völker darf jede Volksgruppe, die sich durch eigene Sprache, Kultur oder Traditionen von anderen Volksgruppen unterscheiden (z. B. die Basken), einen eigenen Staat gründen. Dies würde jedoch einer Organisation wie den Vereinten Nationen selbst große Probleme bereiten.

Im Übrigen kommt der Begriff „Volk“ in Wortzusammensetzungen vor, etwa Bienenvolk, Gottesvolk oder Straßenvolk, wo er die Bedeutung einer unbestimmt hohen Anzahl Individuen ausdrückt, die miteinander in Beziehung stehen.

Zum Begriffswandel

Die eigentlich zuschreibende Verwendung ging zunehmend in selbstzuschreibende Bezeichnung über. Hier drückt man die eigene Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen aufgrund einer (oft nur angenommen) gemeinsamen Herkunft und Geschichte (Mythos) aus und verweist auf gemeinsame Traditionen und Bräuche. Häufig verbunden ist dies mit geregelter Heirat untereinander (Endogamie), die eine echte verwandtschaftliche Bedeutung ergibt, bis hin zu einem gemeinsamen Urahnen (Hellen, Abraham).

Eine besondere Form der Zuschreibung und Selbstzuschreibung ergibt sich bei nomadischen („schweifenden“) Völkern, deren Mitglieder sich mit sesshaften Völkern nicht mischen, jedoch untereinander in verwandtschaftlichem und kulturellen Kontakt bleiben (vgl. dazu den Mythos von Kain und Abel).

In Europa sind die Volksgruppen der Zigeuner lange von der Sesshaftigkeit abgehalten worden, sie haben dann ein Muster für das sog. „Fahrende Volk“ überhaupt abgegeben. Auch wo sie zwangsweise (Wohnwagenlager) oder freiwillig (oft in Schlichtbausiedlungen) sesshaft gemacht wurden, halten sie bis heute noch merkliche Distanz zu anderen.

Durch die Verschiedenheit von gemeinsamer Sesshaftigkeit und kultureller Identität entstehen Vielvölkerstaaten bzw. multikulturelle Gesellschaften. Wo die kulturellen und verwandtschaftlichen Grenzen nicht zu scharf sind, entstehen auch in der Zuweisung zu Volksgruppen fließende Abgrenzungen der Zusammenfügung als Volksstamm. Durch die kontinuierlichen Austauschprozesse genetischer, sprachlicher, religiöser und kultureller Art entwickelt und verändert sich jedes Volk im Laufe der Zeit mitunter stark.

Bedeutungen und Verwendungskontexte

Das Wort Volk bezeichnete Menschen, die durch ein Merkmal verbunden sind (z. B. „Fußvolk“, „fahrendes Volk“), früh aber auch (11. Jahrhundert) eine durch gemeinsame Herrschaftsform, Sprache, Kultur und Geschichte verbundene große Gruppierung von Menschen.

Quellen

  1. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage
  2. Dieter Nohlen, Rainer-Olaf Schultze, Suzanne S. Schüttemeyer: Lexikon der Politik, Band 7, Verlag C.H. Beck, Dezember 1998, ISBN 3-406-36911-1, S. 155
  3. Noch 1935 in Geist der Neuzeit. Zuletzt in: Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe, Bd. 22, de Gruyter, Berlin/New York 1998

Siehe auch

 Wikiquote: Volk – Zitate
 Wiktionary: Volk – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Literatur