Heim

Bolschewismus

Bolschewismus ist ein politischer Begriff, der zumeist in einem abwertenden Sinne für die Kommunistischen Parteien Europas verwendet wurde. Er leitet sich von der Eigenbezeichnung der radikalen Fraktion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), den Bolschewiki, ab.

Die Anhänger Lenins, die einen baldigen Umsturz in Russland forderten, stellten auf dem zweiten Parteitag der SDAPR in London, der 1903 stattfand, die Mehrheit (russisch Большинство; bolschinstwo), weswegen sie Bolschewiki genannt wurden. Die Minderheit (russisch меньщинство; menschinstwo), die auf Reformen setzten, nannte man „Menschewiki“ (siehe auch Russische Revolution).

Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Fraktionsname zu einem politischen Kampfbegriff. Mit Startfinanzierung der Deutschen Bank und Friedrich Naumann hat der frühe Nationalsozialist Eduard Stadtler die Antibolschewistische Liga 1918/1919 gegründet.[1] Mit der Gründung des 500 Millionen Reichsmark schweren Antibolschewismusfonds der deutschen Unternehmerschaft nach Stadtlers Vortrag Bolschewismus als Weltgefahr am 10.Januar 1919 vor den Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft flossen reichlich Gelder für die „Freikorps“ genannten Privatarmeen, die die Rätebewegung in ganz Deutschland mit Gewalt bekämpfte und auslöschte. Durch diesen Fonds wurden jegliche antisozialistische Gruppierungen finanziert und auch die frühen nationalsozialistischen Bewegungen und Parteien. Letztlich sollte auch die Zerschlagung der UdSSR die große antibolschewistische Tat sein. Stadtler und die Kapitalvertreter befürchteten der Sozialismus könnte sich ohne diese Gewalt und ohne nationalssozialistische Gegenpropaganda in ganz Westeuropa und der Welt ausbreiten.

Zunächst benutzten den Begriff „Bolschewismus“ westeuropäische Sozialdemokraten, dann vor allem die Nationalsozialisten und seit den späten 1940er Jahren anglo-amerikanische Politiker als Sammelbegiff für die Ideologie des Leninismus bzw. Marxismus-Leninismus, oder allgemeiner Kommunismus.

Einzelnachweise

  1. Eduard Stadtler: Als Antibolschewist 1918/19. Düsseldorf 1935, S. 12–13, 47

Literatur