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Holzappel

Dieser Artikel befasst sich mit der Ortsgemeinde im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz . Zu weiteren Bedeutungen siehe Holzappel (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 50° 21′ N, 7° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Rhein-Lahn-Kreis
Verbandsgemeinde: Diez
Höhe: 297 m ü. NN
Fläche: 2,73 km²
Einwohner: 1110 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 407 Einwohner je km²
Postleitzahl: 56379
Vorwahl: 06439
Kfz-Kennzeichen: EMS
Gemeindeschlüssel: 07 1 41 059
Adresse der Verbandsverwaltung: Louise-Seher-Straße 1
65582 Diez
Webpräsenz:
www.holzappel-herthasee.de
Ortsbürgermeister: Manfred Noll

Holzappel ist eine Ortsgemeinde westlich von Limburg an der Lahn im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz. Holzappel (bis 1688 Esten) war einst Herrschaftssitz der Grafschaft Holzappel. Heute ist Holzappel ein Unterzentrum für die umliegenden Ortsgemeinden.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Holzappel liegt im Westerwald in der Esterau 8 km westlich von Diez, 10 km südöstlich von Montabaur und 11 km westlich von Limburg an der Lahn. Das Gebiet der Ortsgemeinde Holzappel liegt im Naturpark Nassau.

Geschichte

Holzappel geht auf die Grafschaft Holzappel zurück, die sich mit dem Erzbergbau in der Esterau („Grube Holzappel“) stark entwickelte.

Erstmals wurde der Ort im Jahre 959 als Astine urkundlich erwähnt. Eine größere Bedeutung bekam er als Esten/Astine im Mittelalter, als er zum Verwaltungs- und Gerichtssitz für die umliegenden Orte wurde. Die Esterau (Praedia Astine) war dann eine kleine Grundherrschaft mit 12 Dörfern rund um das heutige Holzappel.

Graf Peter Melander von Holzappel, der während des Dreißigjährigen Krieges zum Feldmarschall des kaiserlichen Heeres in Deutschland aufgestiegen war, erwarb 1643 die Esterau, und Kaiser Ferdinand III. erhob die kleine Herrschaft bald darauf zur „Freien Reichsunmittelbaren Grafschaft Holzappel“.

Nach seinem Tod in der Schlacht bei Zusmarshausen bei Augsburg (Mai 1648) wurde Graf Holzappel in der Fürstengruft („Melandergruft“) der evangelischen Johanneskirche des damaligen Dorfes Esten (des heutigen Holzappel) beigesetzt. Seine Witwe, Gräfin Agnes, erweiterte das Gebiet der Grafschaft 1656 durch den Erwerb von Schloss und Herrschaft Schaumburg bei Balduinstein. Ihre Tochter, Elisabeth Charlotte, erhob das Dorf Esten anno 1688 zur Stadt Holzappel und erlaubte Flüchtlingen aus Frankreich (Hugenotten und Waldensern), sich anzusiedeln. 1699 gegründete sie unweit von Holzappel das nach ihr benannte Waldenser-Dorf Charlottenberg.

Nach der Stadterhebung erlebte Holzappel, vor allem im 18. und 19. Jahrhundert, einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung durch Handel, Handwerk und den Bergbau). Dazu trug das ertragreiche Blei-, Silber- und Zink-Bergwerk („Grube Holzappel“) bei, das 1815 auch Johann Wolfgang von Goethe (in diplomatischer Mission?) in die Mauern des Städtchens führte. Nach ihm ist das „Goethehaus“ am unterem Marktplatz benannt.

1795 vorübergehend französisch besetzt, war der Ort ab 1806 Teil des Herzogtums Nassau, das 1866 von Preußen annektiert wurde. Im Zuge der „Preußischen Kreisreform“ im Herzogtum Nassau verlor Holzappel 1885 seine Stadtrechte. Seit 1947 ist der Ort Teil des Bundeslandes Rheinland-Pfalz.

Religionen

Holzappel ist der römisch-katholischen Gemeinde St. Bonifatius in Holzappel zugeordnet und gehört mit ihr zum Pastoralen Raum Diez, welcher selbst wiederum dem Bezirk Limburg im Bistum Limburg eingegliedert ist.

Auf evangelischer Seite ist der Ort der Kirchengemeinde Holzappel im Dekanat Diez der Propstei Süd-Nassau in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zugehörig.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat von Holzappel setzt sich aus 16 Ratsmitgliedern sowie dem ehrenamtlichen und vorsitzenden Ortsbürgermeister zusammen.

CDU SPD Gesamt
20041 9 7 16 Sitze

1 Ergebnis der Gemeinderatswahlen vom 13. Juni 2004. Die Wahlbeteiligung lag bei 50,2%.

Wappen

Das heutige Wappen wurde 1950 amtlich genehmigt, wird in dieser Form von der Gemeinde jedoch bereits seit der Stadterhebung im Jahre 1688 geführt. Das älteste Siegel der Ortschaft Esten datiert auf das Jahr 1533 und zeigt Johannes den Täufer mit einem Buch. Das heutige Wappen zeigt einen blau-bewehrten, roten Greif mit grün-gestieltem und gold-gekröntem Apfel in der rechten Kralle. Der Greif stammt aus dem Wappen der Adelsfamilie Melander, der gekrönte Apfel symbolisiert das Reich.


Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Bauwerke

Das Goethehaus erinnert an den Besuch von Johann Wolfgang von Goethe am 23. Juli 1815 in Holzappel.

Der Bärenbrunnen wurde 1913 errichtet, nachdem der ursprüngliche Holzappeler Bärenbrunnen aus dem Jahre 1734 baufällig geworden war. Dieser stand am oberen Marktplatz, die Rekonstruktion aus dem Jahre 1913 befindet sich am unteren Marktplatz. Der Bär steht für das Wappentier des Hauses Anhalt zu dessen Herrschaft die Grafschaft Holzappel durch die Hochzeit einer Enkelin des Grafen Peter Melander mit dem Fürsten Lebrecht von Anhalt gekommen war.

Die evangelische Johanneskirche wurde 1824 bis 1826 an Stelle eines Vorgängerbaus errichtet, von dem die Fürstengruft erhalten blieb. Die heutige Kirche ist vom Klassizismus geprägt. Der Vorraum wurde im Jahr 2000 vom Wiesbadener Bidlhauer Wolf Spemann neu gestaltet.

Herthasee

Etwa 1 km nördlich der Ortschaft Holzappel Richtung Horhausen unmittelbar an der B 417 liegt der Herthasee.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Holzappel liegt an der B 417, die hier mit der Lahn-Ferien-Straße identisch ist, und nach Nassau im Südwesten und nach Diez und Limburg an der Lahn im Westen führt. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle ist Diez an der A 3. Die nächstgelegenen ICE-Fernbahnhöfe sind die Bahnhöfe Montabaur und Limburg Süd.

Holzappel ist mit den Buslinien 458, 540 und 579 des Verkehrsverbund Rhein-Mosel an den ÖPNV angeschlossen.

Schulen

Grund- und Hauptschule, Esterauschule


Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben