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Flughafen Frankfurt-Hahn

Flughafen Frankfurt-Hahn
Kenndaten
IATA-Code HHN
ICAO-Code EDFH
Flugplatztyp Verkehrsflughafen
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 120 km westlich von Frankfurt am Main
Straße B 50, B 327 (Hunsrückhöhenstraße)
Nahverkehr zehn Fernbuslinien
Basisdaten
Eröffnung 1993
Betreiber Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH
Fläche 560 ha
Terminals 1
Passagiere 4.015.155 (2007) [1]
Luftfracht 289.404 t (2007) [2]
Flug-
bewegungen
40.980 (2007) [3]
Beschäftigte 359 (2007) [4]
Start- und Landebahn
03/21 3.800 m × 45 m Asphalt

Der Flughafen Frankfurt-Hahn (engl.: Frankfurt Hahn Airport) ist ein seit 1993 aus US-Militärverwendung konvertierter ziviler Flughafen in Rheinland-Pfalz. Es handelt sich dabei um den viertgrößten Frachtflughafen Deutschlands. Frankfurt-Hahn gilt außerdem als der am schnellsten wachsende Flughafen Deutschlands. Im Passagierverkehr wird er vor allem von Billigfluggesellschaften bedient. Für die irische Ryanair bildet er nach London-Stansted das wichtigste europäische Luftfahrt-Drehkreuz. Betreibergesellschaft ist die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Der Flughafen Frankfurt-Hahn befindet sich auf 503 m Höhe auf einer Hochfläche des Hunsrück-Hauptkamms im Dreiländereck der Landkreise Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell und Rhein-Hunsrück zwischen Hahn, Bärenbach, Lautzenhausen, Sohren und Büchenbeuren, überwiegend in der Gemarkung Lautzenhausen. Die nächstgelegenen Oberzentren sind Trier, Koblenz oder Mainz. Der Flughafen liegt etwa 120 km westlich von Frankfurt am Main zwischen den Bundesstraßen 50, 327 und 421. Auf allen Straßenschildern und Wegweisern ist allerdings nur ein Flugzeugsymbol und der Name "Hahn" angegeben, wohl damit ortsunkundige Autofahrer mit der nicht zielführenden Bezeichnung Frankfurt nicht in die Irre geführt werden.

Geschichte

Fragmente früherer militärischer Nutzung des Flughafens.
Eingang zur Hahn Air Base 1986

Entstehung

Die französische Besatzungsmacht begann 1951 mit dem Bau eines Militärflughafens im Hunsrück, der 1952 von der US-amerikanischen Luftwaffe übernommen wurde. Hahn Air Base war die siebtgrößte US-Luftwaffenbasis in Europa und die zweitgrößte in Deutschland. Zum Ende des kalten Krieges umfasste Hahn drei Fliegende Staffeln F-16 mit einem Personalumfang von insgesamt 13.000 Personen. Nachdem diese Staffeln 1991 während der Operation Desert Storm im Irak eingesetzt wurden, kehrten die Flugzeuge von dort direkt in die USA zurück. Die Aufgabe des Standortes durch die US Air Force wurde eingeleitet und das verbleibende Personal und Gerät bis 1993 abgezogen.[1]

Nach dem Ende der militärischen Nutzung übergaben die US-Streitkräfte die Airbase Hahn zum 30. September 1993 der zivilen Verwaltung. Die Landesregierung Rheinland-Pfalz identifizierte den aufgelassenen Flugplatz als denjenigen, der am leichtesten zu einer zivilen Verwendung zu konvertiern ist.[1] Es wurde dann im Rahmen der Konversion ein internationaler Flughafen geplant, der den Flughafen Frankfurt am Main entlasten soll. Gegenüber anderen Flughäfen, etwa dem in Frankfurt am Main, besitzt der Flughafen Frankfurt-Hahn eine Nachtfluggenehmigung und ist relativ erweiterbar. Der erste zivile Flug vom Flughafen Frankfurt-Hahn, ein Charterflug nach Mallorca, fand am 22. Mai 1993 statt.

Namensgeschichte des Flughafens

Die Bezeichnung „Hahn“ stammt aus US-amerikanischer Zeit. Üblicherweise tragen Flughäfen den Namen des Ortes, auf dessen Fläche sie gebaut sind. Im Fall des Flughafens Frankfurt-Hahn wäre dies die Ortsgemeinde Lautzenhausen. Nach ersten Planungen sollte der Militärflughafen ursprünglich leicht versetzt des späteren Standorts bei Hahn und nicht bei Lautzenhausen gebaut werden. Obwohl die Planungen geändert wurden blieb man bei der ersten Bezeichnung „Hahn“. Nach gerichtlichen Entscheidungen, vor allem zwischen der Lufthansa und Ryanair, darf der Flughafen offiziell auch werbewirksam „Frankfurt-Hahn“ genannt werden. Auch wenn die Metropole Frankfurt am Main, auf welche sich der große Name bezieht, über 100 km weit entfernt liegt.

Zwischenfälle

Eine „schwere Störung“ ereignete sich am 16. Oktober 2006: Ein Tornado der Luftwaffe kam einer Ryanair-Passagiermaschine im Kurven-Steigflug hinter der Maschine so nahe, dass das Kollisionswarngerät der Boeing auslöste. Durch die Anweisung des Geräts wurde der Anflug abgebrochen und neu angeflogen. Beide Flugzeuge landeten sicher; die Passagiermaschine auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn, der Tornado im nordrhein-westfälischen Nörvenich im Kreis Düren.[2] Das Ereignis löste eine Diskussion über die Sicherheit im Luftraum aus. [3] Die Ermittlungen wurden aber mittlerweile eingestellt, da der nach militärischen und zivilen Vorschriften vorgegebene Mindestabstand nicht unterschritten wurde. Der Militärpilot gab an, er habe Auffälligkeiten beim Landeanflug bemerkt und daher die Passagiermaschine wie in solchen Fällen üblich in Augenschein genommen. [4]

Ausbaupläne

Eine Verlängerung der Start- und Landebahn von 3.040 m auf 3.800 m nach Westen ist bereits fertiggestellt, um für Langstrecken-Frachtflugzeuge geeignet zu sein. Deshalb sollte auch die Hunsrückhöhenstraße nochmals verlegt werden. Bereits beim ersten Bau wurde sie verlegt. Gegen den Ausbau wurde von Naturschutzbund und BUND geklagt, da die geschützte Mopsfledermaus im Rodungsgebiet gefunden wurde. Die Klage des Naturschutzbundes wurde mittlerweile zurückgezogen, nachdem sich die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH bereit erklärte, zusätzliche Naturschutzmaßnahmen im Rahmen des Ausbaus vorzunehmen. Diesen Naturschutzmaßnahmen fiel der ursprünglich geplante Lückenschluss der B 327 zum Opfer, so dass nunmehr eine Streckenführung über eine noch zu erstellende Umgehung von Bärenbach angedacht ist.

Am 26. Januar 2006 entschied das Oberlandesgericht Koblenz in einem Eilantrag, dass die bisher verlängerte Landebahn Richtung Nordosten auf einer Länge von 3.500 m benutzt werden darf, unter der Voraussetzung, dass keine weiteren Rodungen notwendig sind. Inzwischen wurde der Streit zwischen Flughafen und BUND außergerichtlich beigelegt. Die Betreibergesellschaft verzichtet auf einige Rodungen, die Start- und Landebahn kann aber dennoch voraussichtlich noch 2006 (nach Abschluss der restlichen Rodungen sowie Überprüfung durch die Flugsicherung) genutzt werden.

Ende 2005 kündigte die Betreibergesellschaft an, in den nächsten Jahren weiter in den Flughafenausbau investieren zu wollen. Es soll unter anderem ein neues Abfertigungsgebäude errichtet werden, was jedoch hinsichtlich der finanziellen Situation des Flughafens sehr fraglich ist. Ryanair möchte sich mit der Hälfte an den Baukosten beteiligen.

Verkehrsanbindung

Die stillgelegte Hunsrückquerbahn soll mittelfristig von Bingen bis Morbach reaktiviert werden. Damit würde insbesondere die Anbindung an das Rhein-Main-Gebiet verbessert. Der Flughafen ist bisher nicht per Bahn zu erreichen. Bis dahin ist die Anbindung an den öffentlichen Verkehr nur über Fernlinienbusse gewährleistet. Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering veröffentlichte Ende November 2006 außerdem Überlegungen, die Flughäfen Frankfurt-Hahn, Saarbrücken und Zweibrücken in ein gemeinsames System einzubinden.

Eine neue 440 Meter lange Cargo-Zufahrtsstraße wurde am 15. Januar 2007 eröffnet; von ihr aus gehen insgesamt drei Stichstraßen mit einer Länge von 265 Metern aus, die die Frachthallen mit dem Vorfeld verbinden.

Beschäftigungsentwicklung

Die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH und die umliegenden Unternehmen zählen zu den bedeutendsten Arbeitgebern der strukturschwachen Hunsrückregion. Im Umfeld des Flughafens konnten bis heute mehr als 3225 Arbeitsplätze eingerichtet werden, neu geschaffen aufgrund des wachsenden Bedarfs oder dort hin verlagert von anderen Standorten. 13% der Anstellungen sind geringfügig Beschäftigte (400-Euro-Job). Die Flughafenbetreibergesellschaft geht (in einer Selbsteinschätzung) bis 2012 von insgesamt 10.000 neuen Arbeitsplätzen aus. Dies sei laut eigenem Bekunden besonders auf den Ausbau zum großen Ryanair-Standort und die wachsende Präsenz neuer Dienstleistungsunternehmen im Flughafengewerbe zurückzuführen. [5] Ein Teil der Beschäftigten arbeitet in den Büros der Betreibergesellschaft selbst und bei den direkt zuarbeitenden Unternehmen (443). Darüber hinaus umfasst die Palette der sonst vor Ort vorhandenen Arbeitsplätze Flugzeugabfertiger (190) und Lkw-/Taxifahrer (115) über Beamte bei Zoll und Bundespolizei (244) bis zu Lagerarbeitern (123) und Piloten (87). Etwa 60 Prozent der Beschäftigten kommen aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis, 13 Prozent aus dem Landkreis Birkenfeld, zehn Prozent aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich und zwei Prozent aus den übrigen Landkreisen der Region Trier.[6]

Basisdaten

Passagierverkehr

Der Flughafen Frankfurt-Hahn ist der elftgrößte Passagierflughafen Deutschlands. Ryanair ist die größte Passagierfluglinie auf dem Flughafen Hahn. Das irische Unternehmen kündigte im November 2005 an, die Zahl der auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn stationierten Flugzeuge bis 2012 auf 18 aufzustocken und ihn damit zum zweitgrößten Drehkreuz ihrer Fluggesellschaft nach London-Stansted zu machen. Bisher sind 11 (Stand Mai 2008) Ryanair-Boeing 737-800 in Frankfurt-Hahn stationiert. Das soll eine deutliche Steigerung der Passagierzahlen bis auf 8 Millionen bringen. Bereits im Jahr 2008 wird eine Steigerung auf deutlich über 4 Millionen Passagiere angestrebt (3,8 Millionen Passagiere 2007). Das größte Problem des Flughafens ist die extreme Abhängigkeit vorn Ryanair, wodurch dem Flughafenbeteiber in vielen Bereichen die Hände gebunden sind.

Weiter Fluggesellschaft die in Hahn landen sind, Wizz Air und Iceland Express (nur im Sommerflugplan). Seit April 2008 verbindet die russische Fluggesellschaft Vladivostok Avia Hahn mit Russland.

Luftfracht

Hahn ist der viertgrößte Frachtflughafen Deutschlands (hinter Frankfurt am Main, Köln/Bonn und München). Insbesondere Aeroflot bedient den Flughafen mehrmals täglich. Das russische Unternehmen hat vier Frachtmaschinen vom Typ DC-10F fest am Flughafen stationiert. Im Juni 2008 sollen zusätzlich noch 2-3 Maschinen des Typs MD-11 stationiert werden. Ende 2008 werden außerdem noch 2 IL-96 stationiert die die DC-10 ersetzen sollen. Außer Aeroflot fliegt die arabische Fluggesellschaft Etihad (mit MD-11) 4mal wöchentlich von Abu Dhabi den Hahn an.). Die ägyptische Fluggesellschaft Egypt Air fliegt täglich den Hahn von Kairo aus an. Sonstige Frachtflüge starten aus Armenien, Russland, Asien, Afrika und Europa. Frachtflüge in die Vereinigten Staaten wurden bereits aufgenommen, befinden sich aber zu großen Teilen noch in Konzeption.

Obwohl Air France hier eine Niederlassung unterhält wird der Hahn jedoch von AF nicht angeflogen. Die Niederlassung verteilt die Import-Sendungen aus Paris (CDG) kommend auf die übrigen Niederlassungen in Deutschland und bereitet die Exportsendungen für die Flüge vor, die wiederum per LKW nach Paris getruckt und von dort ausgeflogen werden.

Im März des Jahres 2006 konnte der Bereich Fracht am Flughafen Frankfurt-Hahn im Vergleich zum Vorjahr um 62 Prozent zulegen. Der Ausbau dieses Segmentes wird weiter vorangetrieben. 2006 wurden 2 neue Frachthallen fertigstellt.

Militär

Personen- und Frachttransporte für das US-amerikanische Militär werden von Delta Airlines, Polet Flight, FedEX, Polar Air Cargo, Evergreen International Airlines, Atlas Air, Ryan International Airlines, Continental Airlines und Gemini Air Cargo durchgeführt. Der Flughafen-Betreibergesellschaft wird vorgeworfen, mit Hilfe dieser Militärtransporte ihre Passagierbilanz aufzubessern. Für den Januar bis April 2008 alleine registrierte eine Bürgerinitiative pro Monat mindestens zwischen 60 und 79 zivile Militärflüge vom und in den Nahen Osten. Durchschnittlich 13.100 Soldaten waren in den Monaten Mai und Juni 2006 offiziell auf dem Flughafen gelandet, um nach kurzem Tankstopp weiterzufliegen. Diese Zahl hat 2008 deutlich abgenommen.[7] Die Bundeswehr versandte bis 2006 mehrmals wöchentlich Fracht aus dem Materialdepot Mechernich nach Afghanistan. Hierzu wurden Iljuschin Il-76 verschiedener Gesellschaften gechartert. Seit 2007 finden diese Flüge vom Flughafen Neubrandenburg aus statt.

Polizei

Durch Übernahme von Gebäuden und Gelände der früheren Flughafen Family Housing der United States Air Force, ist seit 1996 die Landespolizeischule Rheinland-Pfalz hier beheimatet.

Literatur

Fußnoten

  1. a b BICC report 4: Restructuring the US Military Bases in Germany: Scope, Impacts, and Opportunities. Keith B. Cunningham and Andreas Klemmer, 1995, Seite 66
  2. Bericht der BFU vom Januar 2007
  3. Flugplatz Hahn: Wie sicher ist der Luftraum? in: Trierischer Volksfreund, 28. Oktober 2006
  4. airliners.de - Safety & Security - Nachrichten - Tornado - Ryanair: Ermittlungen zu angeblicher Beinahe-Kollision eingestellt
  5. Arbeitsplätze: Tendenz steigend
  6. Flughafen Hahn als Job-Motor in: Trierischer Volksfreund, 1. Dezember 2006
  7. Soldaten als Passagiere in: Trierischer Volksfreund, 24. August 2006

Siehe auch

 Commons: Bilder vom Flughafen Hahn-Hunsrück – Bilder, Videos und Audiodateien